Archiv - Ein Mitarbeiter des Spargelhofs Klaistow prüft ein Spargelfeld (Bild: dpa/Ralf Hirschberger)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.05.2019 | Christina Torge | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Gemüseanbau unter Plastik - Brandenburg hat keinen Überblick über Foliennutzung

Auf Tausenden Hektar wird in Brandenburg Gemüse oder Obst unter Folien angebaut. Genaue Angaben zu den Orten, zur Art der Folien - und vor allem, was mit dem Plastik nach der Nutzung passiert, hat die Regierung nicht. Die Grünen kritisieren das scharf.

Auf mehr als 3.000 Hektar ist im vergangenen Jahr in Brandenburg Spargel unter Plastikfolie angebaut worden - ob die Kunststoffe die Umwelt belasten, hat die Landesregierung allerdings nicht so recht im Blick. Das zumindest geht aus einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Benjamin Raschke hervor [Dokument im PDF].

Demnach wurden im Jahr 2018 in Agrar-Förderanträgen 3.130 Hektar Spargelanbau unter Folie ausgewiesen. Besondere Auflagen zur Beschaffenheit der Folien, dass sie umweltfreundlich zu sein haben, gibt es aber nicht: "Die Landesregierung bewertet keine Einzelmaterialien, die rechtlich zulässig eingesetzt werden können", heißt es in der Antwort. Statistische Erhebungen zu den Folien gebe es nicht.

"Keine Informationen", "keine Regelungen"

Unklar ist auch, wieviel Folien genau in Brandenburg beim Acker- und Gemüseanbau eingesetzt werden - oder in den letzten Jahren eingesetzt wurden. "Hierzu liegen der Landesregierung keine Informationen vor", so die Antwort.

Auch wie es um die Entsorgung bestellt ist und ob Folienreste in die Umwelt gelangen, wurde bislang nicht untersucht. Gesetze gegen den Eintrag von Plastikpartikeln in die Umwelt gebe es nicht: "Derzeit existieren keine rechtlichen Regelungen zur Bewertung der Belastung der Umwelt durch Kunststoffe." Bestimmte Folien, die als biologisch abbaubar zertifiziert seien, dürften bisher untergepflügt werden. Auch bei Foliennutzung in Naturschutzgebieten und Biosphärenreservaten setzt die Landesregierung lediglich auf geltendes Recht und die "gute fachliche Praxis", spezielle Regelungen bei Verstößen gibt es nicht.

Handlungsbedarf sieht die Regierung dennoch  nicht: "Es ist die Entscheidung der Unternehmen, wie viel Kunststoff in den Produktionsabläufen verwendet wird. Die Handlungsoptionen müssen daher von den Unternehmen selbst entwickelt werden."

Grüne: Regierung lässt Unternehmen freie Hand

Der Grünen-Politiker Raschke kritisierte, die Landesregierung vernachlässige das Problem Plastik im märkischen Acker- und Gemüseanbau. "Damit landen auch immer mehr Kunststofffolien und -reste in der Landschaft, im Boden, in Vorgärten und Vogelnestern", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Landesregierung verfüge jedoch über keinerlei Zahlen und Erkenntnisse darüber, kritisierte Raschke. "Ich kann nicht erkennen, dass Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) überhaupt Interesse an diesem Thema hat."

Die Regierung lasse den Unternehmen freie Hand - das diene weder dem Umweltschutz noch der Planungssicherheit der Unternehmen. "Der Minister muss sich daher nachsagen lassen, dass sich Plastik in seiner Amtszeit ungehemmt ausbreiten konnte."

Raschke warf Vogelsänger zudem vor, beim Spargelanbau unter Folien bremse er seit Jahren "die Durchsetzung des EU-Rechts zum Vogelschutz" aus. Dabei seien die negativen Folgen eines großflächigen Folieneinsatzes für Vögel bekannt. Der Minister lasse jedoch noch nicht einmal die Auswirkungen der Folienreste in der Umwelt untersuchen, monierte der Umweltpolitiker. "Vor dem Hintergrund des soeben erschienenen UN-Berichts über das globale Artensterben ist dies geradezu fahrlässig", so Raschke.

Kürzlich war im Landkreis Oberspreewald-Lausitz gegen einen Landwirt ein Ordnungsverfahren wegen der Ablagerung großer Mengen an Plastikresten in den Gemeinden Vetschau und Reuden eingeleitet worden.

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ich esse gerne Spargel und kaufe ihn nur, wenn ich es mir leisten kann, also nicht so oft - aber dann genieße ich ihn auch. Dennoch bin ich für ein Verbot der Folienverwendung.

  2. 12.

    Na und? Spargel ist längst zum Luxusgemüse geworden und somit kann von mir aus der Preis ruhig steigen. Ich persönlich mag den gar nicht. Die Folien braucht’s echt nicht,Punkt.

  3. 11.

    Die gängelnden Weltverbesserer wollen doch nicht ernsthaft dem Spargelbauern auszufüllende Excel Tabellen "überhelfen", damit die Verwaltung auf Knopfdruck die Anfragen der Grünen beantworten kann? Und wenn die Daten aus den Sekretariaten der Bauernhöfe schon einmal vorliegen, kann man sie gleich für eine Foliensteuer verwenden. Diese schlägt das Bauernsekretariat dann im Zeichen von Digitalisierung gleich auf den Preis automatisch auf. Dann fordern die Grünen und Linken: Spargel muss für Alle erschwinglich sein - deshalb Spargelpreisbremse!

  4. 10.

    Schön das auch Sie nun Stofftaschen mit sich führen. Ich mache dies als Mann schon seit über zwanzig Jahren. Denn das Dilemma Plastiktüten beim Einkauf gibt es bereits schon sehr lange. Nein, die Plastikindustrie muß gefordert werden ihre Produktionsweisen neu zu überdenken. Alternativen gibt es mittlerweile zuhauf. Solange dieser Wirtschaftszweig fröhlich so weitermachen darf wie bisher, wird es auch weiterhin Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren und anderes Obst hübsch verpackt in Plastik geben. Ist ja auch sowas von bequem. Und das nun wiedereinmal mehrheitlich unsere Bauern mit solch ein Schwachsinn aufwarten, wundert mich gar nicht. Die Folienrollen wurden denen sicherlich sogar zum Fabrikabnahmepreis angeboten. Aber unsere Bauer sind ja soooooo schlau. Die setzen sogar noch die Folie von der Steuer ab.

  5. 9.

    "Gesetze gegen den Eintrag von Plastikpartikeln in die Umwelt gebe es nicht" - Ist doch Unsinn. Folien sind Abfälle. Für deren Entsorgung gibt es sehr wohl Gesetze. Es ist eindeutig illegal, kaputte und/oder nicht mehr gebrauchte Folien einfach so liegenzulassen. Und weil das illegal ist, müssen Verstöße auch ensprechend mit harten Strafen geahndet werden!

  6. 8.

    Ich kann dieses ideologische Gelaber von verboten und Umerziehung nicht mehr hören von denen, die nur Angst haben ihre komfortzone mal verlassen zu müssen.
    Wenn die Gesellschaft darauf warten muss, bis auch der letzte mitmacht, hat die Welt verloren. Es funktioniert nicht auf freiwilliger Basis. Dafür ist der Mensch zu bequem und zu faul (hier nehme ich mich selbst nicht aus!). Es wird nur mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen funktionieren, weil ansonsten jeder wartet, bis die anderen beginnen.
    Unsere Freiheit wird nicht durch Verbote beschnitten sondern durch die Folgen, wenn wir bestimmte Sachen nicht gesellschaftlich erzwingen.
    Keine Plastiktüten mehr bei Edeka? Gut so. Aber erst seitdem trage ich immer eine Stofftasche bei mir. So ein Beispiel kann sicher fast jeder bei sich finden. Ich fühle mich dadurch auch nicht in meiner Freiheit beschnitten ich musste mich nur etwas umgewöhnen. War gar nicht so schwer: probiert er mal aus!

  7. 7.

    Wollen wir wetten, dass auchvHerr Kretschmnn in Stuttgart ähnlich ahnungslos ist? Der SWR hatte jedenfalls neulich keine belastbare Angabe in Erfahrung können.

  8. 5.

    Dafür muss es doch eine andere Lösung geben,Früher hat es auch Spargel gegeben ohne Plastikhauben dann essen wir den erst später im Jahr .

  9. 4.

    Naja, die Grünen müssen sich ja nur noch ein paar Monate gedulden: In der kommenden Landesregierung aus SPD, Linken und Grünen oder SPD, CDU und Grünen können sie ja dann so richtig loslegen mit den von ihnen so heiß geliebten Verboten und anderen Umerziehungsmaßnahmen.

  10. 3.

    Herr Vogelsänger ist wieder mal ahnungslos und handlungsunfähig.
    Im Zuge der Waldbrandüberwachung oder ähnlicher Flugeinsätze ließe sich sehr schnell die Verbreitung des Plastiks auf Felder feststellen. Verbraucher müssen informiert werden und dann den Erwerb solch künstlich erzeugter Ware verweigern.

  11. 2.

    Brandenburg und speziell Woidke und seiner SPD fehlt noch in viel mehr Bereichen der Überblick.
    Ob Spargel nun 14 Tage eher geerntet wird oder nicht ist in Anbetracht der Vermüllung unseres Planeten vollkommen egal.
    Das Zeug gehört verboten, genauso wie Einwegverpackungen, freiwillig löst sich das Problem nicht.
    Früher war der Fisch in der Verpackung, heute ist die Verpackung im Fisch, darüber sollten alle nachdenken die Verbote ablehnen.

  12. 1.

    Wie sind die Regeln für den Einsatz von Folien in der Gemüsezucht in Baden-Württemberg?

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