Die Anwälte Tarig Elobied und Türker Kerem (li) stehen in einem Gerichtssaal und warten auf ihren Mandanten Magomed-Ali C. (Bild: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 16.05.2019 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Paul Zinken

Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt - 31-jähriger Islamist wegen geplantem Attentat angeklagt

Wegen der Vorbereitung eines Terroranschlags in Deutschland muss sich seit heute ein 31-jähriger mutmaßlicher Islamist vor dem Berliner Kammergericht verantworten. Er soll Teil eines radikalen Dschihadisten-Netzwerks – und Amri-Komplize gewesen sein. Von Ulf Morling

Einen Terroranschlag in Deutschland mit möglichst vielen Toten soll der angeklagte Magomed-Ali  C. geplant haben. Möglicherweise hätte das Gesundbrunnen-Center in Wedding mit über 30.000 Besuchern täglich das Ziel sein können, davon geht die Bundesanwaltschaft aus. Gemeinsam mit dem inzwischen in Frankreich inhaftierten Clement B. soll der 31-jährige Angeklagte in seiner Wohnung in Pankow "eine nicht unerhebliche Menge" des hoch brisanten Sprengstoffs TATP (Triacetontriperoxid) aufbewahrt haben. Auch Weihnachtsmarktattentäter Anis Amri soll zeitweise an den Vorbereitungen des Terroranschlags beteiligt gewesen sein.

Ein persönliche Ansprache des als Gefährder eingestuften Angeklagten im Oktober 2016 durch Einsatzkräfte misslang. Danach sei der Sprengstoff aus der Wohnung geschafft worden und der mutmaßliche Komplice Clement B. sei nach Frankreich geflüchtet, um dort Anschläge zu begehen, so die Bundesanwaltschaft. Die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und die Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens werden dem Angeklagten, der aus der Russischen Föderation stammt, jetzt vorgeworfen.

Angeklagter will sich durch Schweigen verteidigen

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Islamisten um eine halbe Stunde verspätet. Magomed-Ali C. lässt sich von den zahlreichen Fotografen und Kamerateams nicht ablichten. Er wird sich im Prozess durch Schweigen verteidigen, sagen seine beiden Verteidiger zu Beginn des Prozesses.

Allerdings äußert Verteidiger Tarig Elobied zudem Unverständnis darüber, dass der Prozess überhaupt stattfindet: "Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen des Zeugen Clement B. in Frankreich. Der entlastet doch den Angeklagten viel eher!" In im Gefängnis abgehörten Gesprächen B.s mit dessen Vater habe B. "ganz klar gesagt", dass C. nie vorgehabt habe, einen Anschlag zu begehen.

Bundesanwaltschaft: Angeklagter ist Teil eines islamistischen Netzwerks

2011 war Magomed-Ali C. über Dagestan nach Deutschland gekommen. Schon damals soll er, so die Bundesanwaltschaft, Islamist gewesen sein. Im inzwischen verbotenen Berliner Fussilet33-Moschee-Verein habe sich seine Gesinnung gefestigt und er habe zum inneren Kreis der drei Anführer dort gehört. Zwei Jahre später soll er dann im belgischen Verviers seinen mutmaßlichen Komplicen Clement B. kennengelernt haben.

Als die Berliner Ausländerbehörde ihm schließlich im Juni 2015 die Ausreise nach Syrien verwehrte, soll er kurze Zeit später Clement B. nach Berlin geholt haben, um gemeinsam einen Sprengstoffanschlag zu planen. Ende Oktober desselben Jahres soll B. in Belgien dann den Sprengstoffexperten des IS getroffen haben, der auch die Anschläge in Paris am 13. November vorbereitete. Die belgische Terrorzelle soll außerdem für weitere Anschläge in den Jahren 2015 und 2016 verantwortlich sein: der von zwei US-Soldaten verhinderte Anschlag auf den Thalys-Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris, in dem ein schwer bewaffneter Islamist im August mindestens einen Schuss abgab und die Anschläge auf dem Brüsseler Flughafen und in der Innenstadt, bei der im März 2016 35 Menschen durch die Selbstmordattentate ums Leben kamen.

Polizisten bringen den Terrorverdächtigen Magomed-Ali C. (unter der Decke), der am 22.08.2018 in Berlin verhaftet wurde, im Bundesgerichtshof (BGH) zum Haftrichter (Bild: dpa/Sebastian Gollnow)

Magomed-Ali C. erst spät verhaftet

Während Clement B. im April 2017 im französischen Marseille verhaftet wird und unter anderem drei Kilogramm TATP bei ihm gefunden werden, bleibt C. noch lange in Freiheit. Selbst als im Dezember 2017 sein Asylantrag abgelehnt wurde, passiert nichts, denn: nach Informationen des rbb erhielt er aus "gesundheitlichen Gründen" eine Duldung in Deutschland bis zum Dezember 2019. Nach dem Hinweis der französischen Ermittler aus dem Verfahren gegen Clement B. wird auch in Deutschland weiter gegen C. in Berlin ermittelt. Am 22. August 2018 wird er von der GSG 9, von Beamten des Bundeskriminalamts und des Berliner Landeskriminalamts festgenommen. Sprengstoff findet man – auch in winzigsten Spuren-  nicht  in seiner Wohnung in Pankow.     

40 Verhandlungstage sind derzeit für den Prozess gegen Magomed-Ali C. terminiert. Viele inzwischen rechtskräftig Verurteilte, auch aus der islamistischen Szene Berlins, werden gehört. Kurz vor Weihnachten ist das Urteil geplant.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Warum dürfen als Gefährder eingestufte Personen sich in der EU frei aufhalten, während man gut integrierten Eltern und Kindern den Auffenthaltsstatus verweigert und sie abschiebt? Die Logik dahinter ist mir unverständlich.

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