Zugang zu einer Schule (Quelle: Imago / anemel)
Audio: rbb | 22.05.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: Imago

Zusätzliche Klassen in Treptow-Köpenick - Bezirke zanken sich um Plätze an weiterführenden Schulen

Künftige Berliner Oberschüler, die an allen drei Wunschschulen abgewiesen wurden, bekommen einen Schulplatz im Stadtgebiet zugewiesen. Wo, sollen die Bezirke regeln. Doch der härter werdende Kampf um die Plätze bringt das bisherige Verteilsystem an seine Grenzen.

Zwischen den Berliner Bezirken ist ein Streit darüber entbrannt, wie die Plätze an weiterführenden Schulen an Kinder verteilt werden. Wie Treptow-Köpenick am Mittwoch rbb|24 mitteilte, wurden im Bezirk zusätzliche Klassen eingerichtet, um aus diesem Bereich alle Schüler zu versorgen.

"Der Mangel an Oberschulplätzen darf nicht auf dem Rücken der 75 Schülerinnen und Schüler Treptow-Köpenicks ausgetragen werden, denen mein Schulamt bisher keinen Platz für die siebente Klasse anbieten konnte", schrieb Bezirksstadträtin Cornelia Flader (CDU) am Mittwoch. Darum habe man an drei Schulen zusätzliche Klassen eingerichtet. Damit wolle man den Eltern und Kindern des Bezirks "Sicherheit und eine Perspektive" geben - Flader betonte aber: "Die Entscheidung ist aber alles andere als gut."

Kein Ausgleich über Ausgleichskonferenz

Hintergrund des Streits ist das Berliner Verteilungsprinzip für Schulplätze. Die Bezirke sind verpflichtet, auch Plätze an Schüler aus anderen Bezirken zu vergeben. Für die Abstimmung zwischen Bezirken über diese Schüler aus anderen Bereichen der Stadt wurde die sogenannte "Ausgleichskonferenz" geschaffen. Treptow-Köpenick allerdings hatte vergangene Woche beklagt, 75 Schülerinnen und Schüler aus dem Bezirk nicht versorgen zu können, weil sich andere Bezirke der Schüler nicht angenommen hätten. Diese Weigerung hatte Flader als "Bankrotterklärung" von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bezeichnet.

Die Lösung in Treptow-Köpenick sieht nun vor, die Willkommensklasse an der Bölsche-Schule aufzulösen und dafür eine weitere Regelklasse einzurichten, sowie an der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule und an der Fritz-Kühn-Schule je eine weitere Regelklasse zu eröffnen. Diese Lösung allerdings stelle für die betroffenen Schulen eine erhebliche Zusatzbelastung dar und mindere deren pädagogische Angebote, hieß es. "Außerdem verschiebt sie die Probleme damit teilweise auf das Folgejahr, statt sie zu lösen", heißt es in der Mitteilung von Cornelia Flader. "Es ist bereits heute abzusehen, dass im Schuljahr 2020/ 21 eine noch schärfere prekäre Situation eintritt."

Kritik an schleppendem Schulneubau

Der Landeselternausschuss kritisierte einen zu schleppenden Ausbau neuer Schulplätze. Die Diskussion um die Schulplatzsuche im Bezirk Treptow-Köpenick sei nur die Spitze des Eisbergs, hieß es am Mittwoch. Im März habe die Bildungsverwaltung nur noch rund 170 freie Schulplätze vermeldet. Im vergangenen Jahr seien es dagegen noch knapp 800 gewesen, im Jahr davor mehr als 1.000.

Die Elternvertreter kritisieren insbesondere das unterschiedliche Tempo der Bezirke, Schulcontainer aufzustellen. Einige rechneten dafür mit vier, andere mit mindestens 15 Monaten. Der Landeselternausschuss ist in Sorge, dass Berlin bald händeringend nach Schulplätzen sucht - denn aus den überbelegten Grundschulen steuerten nun die ersten Schüler auf die Oberschulen zu.

Mangel an Schulplätzen

Tausende Sechstklässler in Berlin werden in diesen Tagen per Post informiert, welche weiterführende Schule sie nach den Sommerferien besuchen können. Im Februar hatten sie sich an ihrer Erstwunsch-Schule anmelden - und auch einen Zweit- und Drittwunsch äußern können.

Weil aber an den Berliner Schulen sehr hoher Andrang herrscht und weil nicht jedes Kind auch einen Platz an einer seiner drei Wunschschulen bekommt, bekommen Kinder notfalls auch Schulen in anderen Bezirken zugewiesen.

Wechsel auf die weiterführende Schule in Berlin

In Berlin besuchen Kinder die Grundschule in der Regel sechs Jahre lang. Manche Kinder wechseln schon nach der Jahrgangsstufe 4 an eine weiterführende Schule, hier gelten aber spezielle Regeln. Für alle anderen startet kurz vor Abschluss des sechsten Schuljahres ein jedes Jahr ähnlich ablaufender Prozess zum Schulwechsel.

So werden bei der Wahl der weiterführenden Schule Eltern und Kinder zunächst von den Grundschulen beraten. Die weiterführenden Schulen bieten zudem Tage der offenen Tür, wo sie beispielsweise auch besondere Fächer, Sprachangebote oder AGs vorstellen, aber auch bestimmte Auswahlkriterien.

In einem festen Anmeldezeitraum, meist im Februar, können Eltern dann ihr Kind in einer Erstwunschschule anmelden. Sie können auch einen Zweit- und Drittwunsch angeben. Bei der Anmeldung müssen sie einen Anmeldebogen und die Förderprognose vorgelegen.

Die Förderprognose wird von der Grundschule ausgestellt. Sie beinhaltet eine Durchschnittsnote, die aus den Zeugnisnoten des 2. Halbjahres der 5. Klasse und des 1. Halbjahres der 6. Klasse gebildet wird. Bei Noten über 2,2 wird ein Gymnasium oder eine Integrierte Sekundarschule (ISS) empfohlen, unter 2,8 eine ISS. Dazwischen wird je nach Situation entschieden. Die Schulwahl ist dennoch frei von der Empfehlung.

Die Schulen entscheiden dann nach einem festgelegten Schema, welche Kinder aufgenommen werden: 10 Prozent der Plätze ist für Härtefälle und Geschwisterkinder reserviert, 60 Prozent nach Note oder bestimmten Anforderungen im Schulprofil (z.B. Musik-Test an einer Schule mit Musik-Profil) - und 30 Prozent im Losverfahren.

An einem bestimmten Tag meist im Mai gehen Informationsbriefe an die Kinder raus, in denen sie über ihren neuen Schulplatz informiert werden. Hat ein Kind weder an der Erst-, zweit- oder Drittwunschschule einen Platz bekommen, wird ihm ein Platz zugewiesen - irgendwo im Berliner Stadtgebiet.

Quelle: Senatverwaltung für Bildung

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3 Kommentare

  1. 3.

    Es gibt eine Petition gegen den Bildungsnotstand in Berlin:
    openpetition.de/!cfbfc
    Bitte unterstützen, damit Kinder und Eltern das in Zukunft nicht mehr durchmachen müssen!

  2. 2.

    Das wird alles nicht besser. Eine vollkommen unfähige Verwaltung wird tatsächlich damit konfrontiert, dass es Kinder mit Schulpflicht gibt. In Cottbus fängts auch langsam an, eng zu werden - in der Schulklasse meiner Tochter haben nur drei Viertel der Kinder einen Hortplatz. Kommentar der Hortleitung: Da habe ich das Jugendamt eben verrechnet. ...

  3. 1.

    Einerseits sagt das Schulgesetz, dass Schulen Schüler beim Wechsel in die Oberstufe nur bis zur Aufnahmekapazität aufnehmen (§ 56 Abs. 5 SchulG)
    Anderseits sagt der Stadtrat: dann schaffe ich eben Aufnahmekapazitäten (§ 54 Abs. 2)

    Ich glaube, dass die Schulen noch genug Reserven haben, um Aufnahmekapazitäten schaffen. Ansonsten würden die Bezirke der Senatsverwaltung sagen, dass sie keine Kapazitäten mehr haben. Das müssten die Bezirke aber nachweisen und nicht nur behaupten. Jedenfalls müssen Bezirke keine Aufnahmekapazitäten schaffen, wenn sie keine haben.
    Den Beweis müsste die Schulbehörde auch bei einer Klage der Eltern antreten.

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