Das Tempelhofer Feld in Berlin (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
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Audio: Inforadio | 11.05.2019 | Statement von Antje Kapek (Grüne) | Bild: imago stock&people

Neue Diskussion um Bebauung - Berliner Koalition streitet um das Tempelhofer Feld

Das Tempelhofer Feld ist seit dem Volksentscheid im Jahr 2014 als große Grünfläche mitten in der Stadt beschlossene Sache - ein Gesetz verbietet jegliche Bebauung. Die SPD will die Berliner nun erneut befragen, um doch noch Wohnungen bauen zu lassen.

Die Berliner Sozialdemokraten denken nach den Ergebnissen des aktuellen BerlinTrends über die Bebauung von Teilen des Tempelhofer Feldes mit Sozialwohnungen nach. In der Umfrage hatten sich 59 Prozent der befragten Berlinerinnen und Berliner für Wohnungsbauten am Rand der Grünfläche ausgesprochen. "Es geht um eine behutsame Randbebauung", betonte der SPD-Fraktionvorsitzende Raed Saleh am Samstag auf einem Parteitag der Linken in Berlin. Private Eigentumswohnungen könne sich seine Partei dort nicht vorstellen.

Mit diesem Vorstoß verursacht die SPD Kontroversen in der rot-rot-grünen Koalition. Denn das Tempelhofgesetz, das 2014 nach einem Volksentscheid beschlossen wurde, schließt eine Bebauung aus. Daran wollen Grüne und Linke festhalten. Nur durch eine neue Volksbefragung mit anderem Ergebnis könnte das Gesetz geändert werden. "Eine zweite Frage neu zu stellen, ist legitim", sagte Saleh. Dafür werde sich die SPD in der nächsten Legislaturperiode einsetzen.

Der ehemalige Randbebauungsplan des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld vom 23.08.2012 (Bild: Berlin Tempelhof Projekt)
So sah der Bebauungsplan des Berliner Senats 2012 vor dem Volksentscheid aus. | Bild: Berlin Tempelhof Projekt

"Man kann die Stadt nicht völlig zubetonieren"

Die Berliner Linke dagegen spricht sich dafür aus, das Tempelhofer Feld als große Freifläche zu erhalten. Die Landesvorsitzende der Partei, Katina Schubert, sagte am Samstag im rbb, das Feld sei eine wichtige Kaltluftschneise. Man könne die Stadt nicht völlig zubetonieren und dadurch bestehende Ökosysteme gefährden. Es müsse "Raum sein für Grünanlagen und Freizeiteinrichtungen".

Schubert fügte hinzu, wer das Ergebnis des Volksentscheids von 2014 aufheben wolle, müsse einen neuen Volksentscheid abhalten. Sollte es dazu kommen, werde die Linke dafür werben, die Freifläche zu erhalten. Damals hatten zwei Drittel der Bürger gegen eine Randbebauung votiert.

Größte Zustimmung zur Bebauung bei CDU-Wählern

Auch die Grünen sprechen sich gegen eine Randbebauung aus. Der Vorstoß der SPD sei "Umfrage-getrieben", sagte die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek am Samstag ebenfalls auf dem Linke-Parteitag. Das sei kein nachhaltiger Weg. Laut dem aktuellen Berlin-Trend lehnen nur noch 38 Prozent der Berlinerinnen und Berliner jegliche Bebauung des Tempelhofer Feldes ab.

Unter den CDU-Wählern wurde in der Umfrage mit 76 Prozent die größte Zustimmung festgestellt. "Wir sind grundsätzlich dafür, das Tempelhofer Feld zu bebauen. Aber aus Respekt vor dem Volksentscheid muss eine neue Volksbefragung stattfinden", sagte CDU-Sprecher Olaf Wedekind am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Eine Art Beverly Hills könnte man hier errichten, das würde Berlin echtes Prestige bringen, Stars auf der Welt würden hier Grundstücke kaufen und könnten sich hier abschotten.

  2. 36.

    So wird es ohnehin irgendwann kommen, die "Randbebauung" ist Quatsch und soll nur als Beruhigungspille für die Bebauungsgegner dienen. Keiner im Senat hat die Eier, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen und ein ordentliches und geschichtswahrendes Bebauungskonzept für diese Brache aufzustellen.
    Bebaut das ganze Tempelhofer Feld endlich, macht einen neuen, grünen und autofreien Stadtteil daraus! Pflanzt Bäume entlang der Startbahnen, dahinter dann nicht zu hohe Wohnhäuser im kommunalen Wohnungsbau. Das ganze noch mit Teichen, Grasflächen und Baumgruppen angereichert, wäre eine wirkliche Bereicherung für Berlin. Es entstünde endlich eine Parklandschaft, die sich klimatisch günstig auswirkt und den Berlinern Raum für Erholung gibt und es würden dringend nötige Mietwohnungen entstehen. Verkehrstechnisch angebunden ist das Feld schon, nur genutzt wird es bislang kaum, flache Felder gibt's hinter der Stadtgrenze in Brandenburg genug.

  3. 35.

    Zitat:""Es geht um eine behutsame Randbebauung", betonte der SPD-Fraktionvorsitzende Raed Saleh am Samstag auf einem Parteitag der Linken in Berlin. Private Eigentumswohnungen könne sich seine Partei dort nicht vorstellen."

    Alle, die eine Randbebauung befürworten, sollten sich darüber im Klaren sein, dass es dabei nicht bleiben wird. Sobald erneut Wohnraum benötigt wird, wird der nächste Ring gebaut.
    Und sobald die Stadtkasse leer ist und man sich diese Filet-Wohnungen nicht mehr leisten kann, werden sie selbstverständlich in privates Wohneigentum verwandelt.

    Wer etwas anderes glaubt, der glaubt auch noch an Osterhase und Weihnachtsmann.

  4. 34.

    Ja richtig, siehe den anschließenden Poste von mir von:

    BerndBerlinSamstag, 11.05.2019 | 15:03 Uhr
    Antwort auf [Karl A.H.] vom 11.05.2019 um 12:13

  5. 33.

    Kaum zu glauben. Da warnen Klimaexperten in dieser Woche vor der nächsten Klima-Katastrophe (Sand) und die SPD will noch bauen. Kaum zu glauben.

  6. 32.

    VOn was für einer Grünfläche reden Sie? Von der teilbetonierten Wiese „Tempelhofer Feld“? De facto ist das sowas wie eine Industriebrache, die von einigen als sowas wie ein riesiger Erwachsenenspielplatz angesehen und partiell genutzt wird.
    Das ist völlig konzeptlos. Wenn man keine Bebauung will, soltte man wenigstens für eine Umwandlung in einen richtigen Park sein.

  7. 31.

    Wo würden Sie gerne Wohnungen bauen lassen? Sie erinnern mich an die Linke, die zwar auch über den Bau neuer Wohnungen fabuliert, dann aber, wenn es konkreter werden soll, mit einer Verweigerungshaltung glänzt.

  8. 30.

    Wie heißt es doch an anderer Stelle auf RBB24: "SPD in Berlin bei 13 Prozent."

    Weshalb wohl?

  9. 28.

    Ich spreche mir für eine dichte Bebauung des Tempelhofer Felds aus.
    Meine Vorschläge:
    - dauerhafte Mietpreisgrenze: 35% zu 5,5€, 20% zu 7€, 10% zu 10€ und weitere 5% ohne Deckelung
    - 30% Infrastruktur mit Gewerbemietpreisgrenzen zwischen 5€ und 12€
    - genügend Auslaufmöglichkeiten für Bewohner*innen und Menschen aus angrenzenden Kiezen
    - architektonisch Ansprechend

    Desweiteren halte ich eine Meinung welche sich gegen eine Bebauung stellt für ignorant und provinziell.

    Cheers

  10. 27.

    Ursprünglich sollten doch kommunale und genossenschaftliche Gesellschaften tätig werden. Die ETW-Behauptung dürfte deshalb eher auf ihrer Phantasie beruhen.

    Auch für Ihre Behauptung, dass Volksentscheide bindend sind - und zwar hier ohne zeitliche Bwgrenzung - bitte ich um eine Quelleangabe. Das Abgeordnetenhaus könne das THF-Gesetz ändern und müsste nichtmals das Volk befragen. Dazu wäre es durch die Berliner Verfassung befugt. Einen neuen Volksentscheid hat die SPD aber wiederholt dazu ins Spiel gebracht

  11. 26.

    Drei Fragen vier Antworten.
    Wenn den Senatsmitgliedern gar nichts mehr einfällt, macht man eben eine neue Volksbefragung zu einem schon entschiedenen Thema.
    Was weiß, dass Volk schon was es will!
    Wenn Sie drei Volksbefragungen über ein Thema abhalten, werden drei unterschiedliche Ergebnisse zustande kommen.
    Laut dem aktuellen Berlin-Trend lehnen nur noch 38 Prozent der Berlinerinnen und Berliner jegliche Bebauung des Tempelhofer Feldes ab.
    Dieses Ergebnis wurde erzielt mit 1.200 Anfragen bei wahlberechtigten Bürgern.
    Sehr repräsentativ!
    Mal sehen, was bei den anderen herauskommt.

  12. 24.

    Ja immer weiter so alles zubetonieren und keinen Platz für Bewegung der Menschen.
    Da würden ja nur wieder Eigentums Wohnungen entstehen.
    Ansonsten Volksentscheide sind bindend.

  13. 23.

    Lieber Herr Müller,
    viele Abstimmungen brauchts denn, damit's für Sie entlich passt?
    Es gab einen Volksentscheid, den die SPD von Anfang an in Frage stellte und in regelmäßigen Abständen kommt dieses Thema wieder auf den Tisch.
    So erfolgreich wie Berlin Wohnungen baut, auch schon in der Verantwortung von Herrn Müller als Vorgänger von Frau Lompscher, hilft das Tempelhofer Feld auch nicht mehr. Und außerdem ist diese Fteifläche extrem wichtig für das Klima in dieser Stadt. Und ich meine nicht das politische Klima sondern den Klimawandel, wegen sich die Städte ja auch zusätzlich aufheizen. Ich erinnere an den letzten Sommer. Statt solche Freiflächen zu bebauen , soll der Senat mal endlich Bäume nachpflanzen, die durch Bebauung und Sturmschäden verloen gegangen sind. Nämlich fürs Stadtklima.

  14. 22.

    Es ist ja schön, wenn große Freiflächen mal ohne Auto etc. vorhanden sind, aber schön ist das Tempelhofer Feld wahrlich nicht. Dann sollte man viel mehr daraus machen z.B. eine schöne Streuobstwiese.

  15. 21.

    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Endlich mal jemand der den Tatsachen ins Auge sieht.Das Feld ist riesen Groß. Man könnte es zum Teil bebauen und für sämtliche Großveranstaltungen, die die Stadt zum erliegen bringen, und an die ja nicht jeder Interesse hat, nutzen.

  16. 20.

    Randbebauung und ein schöner Park. Das ist doch um Längen besser als eine verlotterte Brache.

  17. 19.

    Wie kann man sich so ein großes Immobilien-Feld durch die Lappen gehen lassen, die jetzigen "Nutzer" haben noch jede Menge weitere Parks und Grünflächen zum Verschmerzen, zumal das alles sehr sehr trostlos aussieht!
    Man könnte hier z.B. eine komplette Kleinstadt reinbauen, mit Familienhäusern und Läden...
    Falls ein neuer Volksentscheid in Frage kommen würde, stimme ich natürlich für eine Bebauung, ganz klar.

  18. 18.

    Nicht ein einziger Mensch, nicht eine einzige Familie, die von Wohnungsnot betroffen ist oder sein wird, wird hier eine Wohnung zu angemessenen Bedingungen finden.

    Der längst überfällige Bau von Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnungen ist nicht im geringsten von einer Bebauung des Tempelhofer Feldes abhängig. Hier würden hunderttausende um Freizeitvergnügen und Entspannung beraubt für den Vorteil von wenigen. Lasst das Feld so woe es ist!

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