Tempelhofer Feld im Sonnenuntergang, aufgenommen am 07.04.2018 (Quelle: dpa/Robert Guenther)
Audio: Inforadio | 12.05.2019 | Statement von Katrin Lompscher (Linke) | Bild: dpa/Robert Guenther

Debatte um Randbebauung - Lompscher kategorisch gegen Bebauung des Tempelhofer Feldes

Eine große, freie Fläche, mitten in Berlin: Selbst wenn ein Gesetz die Bebauung des Tempelhofer Feldes verbietet - die Debatte darüber kocht gerade wieder mächtig hoch. Bausenatorin Lompscher hat sich jetzt positioniert, und zwar deutlich.

Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) sieht trotz großen Drucks auf dem Wohnungsmarkt keinen Anlass, das Tempelhofer Feld zu bebauen. "Da bin ich ganz klar", sagte die Linken-Politikerin. "Erstens gilt das Tempelhof-Gesetz, was eine Bebauung ausschließt", sagte sie am Sonntag auf dem Parteitag der Linken. Zweitens gelte es das Ensemble aus Flughafengebäude und Feld zu erhalten.

Das Flughafengebäude sei "mehr als ein Haus", sagte Lompscher. Der "Zusammenhang zwischen Flughafengebäude und Feld - der ist auch städtebaulich prägend für diese Stadt, der hat auch eine identitätsprägende Wirkung. Und das sollte man nicht verspielen."

Lompscher sprach sich kategorisch gegen jede Form der Randbebauung aus.

Seit einem Volksentscheid 2014 ist gesetzlich festgelegt, dass das Tempelhofer Feld nicht bebaut werden darf. In einer Umfrage von rbb-Abendschau und "Berliner Morgenpost" hatten sich allerdings kürzlich 59 Prozent der befragten Berlinerinnen und Berliner für Wohnungsbauten am Rand der Grünfläche ausgesprochen.

Vonseiten der SPD kamen bereits in den vergangenen Monaten Vorstöße, eine Bebauung neu anzugehen. Im März schlug Iris Spranger, Sprecherin für Bauen, Wohnen, Mieten der Sozialdemokkraten im Berliner Abgeordnetenhaus im Gespräch mit rbb|24 vor, die Südseite nahe der Autobahn zu bebauen. "Da kann man überlegen, ob man so einen Riegel macht, mit Gewerbe davor und dahinter dann Wohnungen setzt", sagte sie.

In Reaktion auf das neue Umfrage-Ergebnis brachte am Wochenende SPD-Fraktionvorsitzende Raed Saleh erneut eine "behutsame Randbebauung" ins Gespräch - und eine zweite Volksbefragung. "Eine zweite Frage neu zu stellen, ist legitim", sagte Saleh. Dafür werde sich die SPD in der nächsten Legislaturperiode einsetzen. Grüne und Linke lehnen dagegen eine Bebauung, auch in Teilen, ab.

Der ehemalige Randbebauungsplan des Berliner Senats für das Tempelhofer Feld vom 23.08.2012 (Bild: Berlin Tempelhof Projekt)So sah der Bebauungsplan des Berliner Senats 2012 vor dem Volksentscheid aus.

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 13.

    Und das ist gut so.

  2. 12.

    Solange es in der Stadt noch Supermärkte in Flachbauweise mit riesigen Parkplätzen davor gibt, so lange braucht man auch nicht die Grüflächen zuzupflastern um Wohnungen zu schaffen.

  3. 11.

    Dafür sollen doch in Blankenburg etliche Haus/Grundstücksbesitzer enteignet und mehrere landwirtschaftliche Flächen (Kaltluftschneisen) versiegelt werden, damit dort zigtausend Wohnungen gebaut werden können. Und die jetzt dort lebenden Menschen werden ja mittlerweile als egoistisch denunziert, weil sie sich verständlicherweise gegen Vertreibung und Enteignung wehren!
    Also so ganz harmlos ist Frau Lompscher nun auch wieder nicht.

  4. 10.

    Wie wäre es, mal den Zuzug ein wenig zu begrenzen? Es kann kein Wachstum geben, bis alles aus den Nähten platzt - dieser Zustand ist bereits längst überschritten.
    Dann alles, was nur ansatzweise grünes Leben zeigt (nicht politisch sondern biologisch gemeint!!) zu versiegeln, zubetonieren und plattmachen meinen zu müssen ist ein fataler Irrtum.
    Und jeder, der sich aufmacht, woanders hinziehen zu wollen, sollte zuvor den Wohnraum und die Möglichkeiten dort an seinem (Traum)ziel erkunden und nicht erst dann, wenn man angekommen ist versuchen was zu finden und darauf hoffen, dass schon irgend etwas passieren wird.
    Aber scheinbar können ja die meisten ihr beschissenes Geld fressen, dass sie hierhertragen und alles teurer machen.
    Tempelhof darf nicht bebaut werden - dann sollte vor allem wenigstens eine der Landebahnen entfernt, und dort Baumbestand aufgeforstet werden, damit aus dieser Riesenwiese auch mal etwas Parkähnliches entstehen kann.
    Es gibt keine "behutsame" Bebauung .

  5. 9.

    Während die SPD wohl so lange neue Umfragen starten möchte, bis endlich das gewünschte Ergebnis : "Behutsame Randbebauung", will heißen : Jede Menge teure Luxuswohnungen bei unter 5 % sozialem Wohnungsbau ; endlich stimmt,
    tut ein deutliches Wort von der Senatorin Lompscher doch so richtig gut, weil es deutlich sich an dem Willen der Bevölkerung orientiert, die nun mal eindeutig ausfiel.
    Der Wille der Bevölkerung scheint nur für die Linke und die Grünen interessant zu sein.

  6. 8.

    Besser mit der Realität zurande kommen als sich an ihr aufzureiben, weil man das nicht schafft.
    Die Linken haben spätestens seit 1989 keine Existenzberechtigung mehr.
    Und eine von Poltik, die erst fordert und wenn überhaupt DANACH fragt, ob das Geforderte überhaupt realisierbar ist, betrachte ich als töricht.

  7. 7.

    Besser such an der Realität aufreiben, weil man sich mit ihr beschäftig als sich dieser zu verweigern.

    Die Kader der Linken veranstalten ein konzeptloses Buzz-Word-Bingo, bei konkreten Vorhaben verweigern die sich jedoch immer wieder, egal ob die Randbabauung hier, bei einer Teilnutzung von Kleingärten wie urspünglich vorgesehen, der Nachverdichtung etc.

    Und wehe, ein privater Bauherr erdreistet sich, ein Konzept zu erstellen, wie er mit 30% Sozialwohnungen denoch Geld verdienen könnte.

  8. 6.

    Das "Behutsame" daran ist die Salamitaktik, mit der solche Beschlüsse aufeinander erfolgen. Richtig erkannt, würde ich sagen. Als Trumpf zieht sicher bald jemand das Argument der Alternativlosigkeit aus dem Zauberhut.

  9. 5.

    Die Innenstadt ist voll. Man sollte sich langsam daran machen, den ÖPNV auf den Speckgürtel auszuweiten. Außenbahnring für die S-Bahn endlich aktivieren.

  10. 4.

    Würde ich ein entsprechend großes Haus bewohnen, würde ich darin auch manches Zimmer und manche Fläche freilassen, da mich übertriebene Funktionalität möglicherweise klaustrophobisch machen würde.
    Luft lockert den Teig auf.
    Ich kann aber nicht verhehlen, dass die Situation bei mir zu einer gewissen Schadenfreude führt:
    Was die GroKo verursacht hat führt zu einer unbequemen Situation und die SPD reibt sich an der Realität auf.

  11. 3.

    Wahrscheinlich meint er sowas, wie das Tempodrom (Strieder Skandal) auf dem Anhalter Bahnhof oder das jetzt geplante Museum direkt am Portal des Anhalter Bahnhofs, wo noch ein kleiner Streifen "Grünanlage" übrig ist. Oder sowas, wie die geplante "Randbebauung" auf der Grünanlage neben der Amerikagedenkbibliothek. Ich glaube, der SPD sind Grünanlage in der Innenstadt einfach total egal.

  12. 2.

    Von Frau Lompscher hört man immer nur was sie nicht will, nur leider keine konstruktive Vorschläge wie die Wohnungsnot schnell bekämpft werden kann

  13. 1.

    Ich frage mich immer was Saleh mit "behutsamer" Randbebauung meint. Wenn sich die
    Wohnungssituation nicht schlagartig ändert, kommt dann die "behutsame" Vollbebauung?

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