18.06.2019, Berlin: Mitarbeiter beim E-Tretroller-Anbieter fährt bei einem Fototermin vor dem Brandenburger Tor mit einem E-Tretroller (Quelle: dpa/ Soeder
Video: rbb24 | 21.06.2019 | Franziska Kracht | Bild: dpa/ Soeder

Grünes Licht vom Kraftfahrtbundesamt - Der Berliner Roller-Koller beginnt

Nun können sie losfahren: Mehrere E-Scooter-Anbieter haben eine allgemeine Betriebserlaubnis vom Kraftfahrtbundesamt bekommen. Schon ab Samstag werden sie mehrere tausend Roller in Berlin aufstellen - vor allem in Berlin-Mitte. Von Robin Avram

Bislang sind es nur ein paar hundert E-Scooter, die Anfang der Woche per Sonderzulassung Berlins Straßen eroberten. Doch schon in wenigen Tagen dürften nach rbb-Recherchen mehrere tausend Leih-Tretroller in Berlin unterwegs sein.

Das Kraftfahrtbundesamt hat den Scooter-Verleihern Tier, Voi und Circ am Freitag eine allgemeine Betriebserlaubnis erteilt. Das teilten die Anbieter rbb|24 übereinstimmend mit. Anfragen an die US-Giganten Lime und Bird, ob diese auch eine Betriebserlaubnis bekommen haben, blieben zunächst unbeantwortet.

Skandinavischer Anbieter startet mit kleiner Flotte

Der skandinavische Anbieter Voi hat bereits die ersten Flotten in Berlin und Potsdam aufgestellt. In der Voi-App waren am Freitagnachmittag rund 100 E-Scooter verfügbar, viele davon in Berlin-Mitte. "Wir verfolgen den skandinavischen Ansatz mit einer kleineren Flotte zu starten und bei Bedarf zu erhöhen, um nachhaltig zu wachsen", teilte Deutschland-Chef Claus Unterkirchner mit. Wie viele Scooter es werden sollen, will Voi nicht verraten.

Circ hat nach eigenen Angaben am Freitag ebenfalls 100 elektrische Tretroller auf die Berliner Straßen gebracht - und will die Zahl in nächster Zeit "vorsichtig und veranwortungsvoll weiter erhöhen, angepasst an die Nachfrage der Stadt". Doch wenn es stimmt, was Mitbewerber Tier berichtet, planen sowohl Circ und Voi als auch Lime mittelfristig in Berlin mehrere tausend Scooter aufzustellen - pro Anbieter, wohlgemerkt.

Diese Anbieter wollen mit ihren Scootern Berlin erobern

"Wir werden vorsichtiger sein und weniger Scooter auf die Straße stellen als unsere Mitbewerber", sagt Tier-Pressesprecher Bodo von Braunmühl rbb|24 auf Anfrage. Tier plant, in Berlin 1.000 E-Scooter Samstag aufzustellen, die ersten davon in der Nacht zu Samstag - und zwar "an zentralen Knotenpunkten wie etwa S- und U-Bahnhöfen und anderen belebten Bereichen der Stadt". Tier ist der Berliner Lokalmatador, buchen kann man die Scooter daher auch über die neue Jelbi-App der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).  

Mittelfristig will auch Tier seine Flotte "in enger Abstimmung mit der Stadt Berlin bedarfsgerecht ausbauen". Dass die Konkurrenten Lime, Voi und Circ größer planen - also mit mehreren tausend Scootern - wisse man aus Monitoring-Instrumenten, sagt Braunmühl: "Wir Verleiher wissen untereinander ziemlich gut Bescheid über die Pläne der anderen."

Nur der US-Anbieter Bird ist bislang auch für Tier eine "Black Box". In der Bird-App wurden am Freitag bislang noch keine E-Scooter in Berlin angezeigt. Auf Twitter freut sich das Unternehmen dagegen schon auf Deutschland.

Überfüllung droht an Touri-Hotspots und in Szene-Kiezen

Mit Blick auf die Apps von Circ, Lime und Voi zeigt sich: Die Anbieter stellen ihre Scooter vor allem an Standorten auf, die bei Touristen (Brandenburger Tor, Alexanderplatz) und Hipstern (East Side Gallery, Mauerpark) beliebt sind. Vor allem dort und in den Szene-Kiezen droht ein Verdrängungswettbewerb - und damit Überfüllung. "Klar gibt es attraktive Plätze, aber wir als Branche wollen vermeiden, dass es zu voll und zu viel wird," sagt Tier-Pressesprecher Braunmühl dazu. Doch das scheint unrealistisch.

Denn eine Studie über die Pariser E-Scooter-Nutzer hatte gezeigt, dass die Tretroller vor allem bei jungen Menschen und bei Touristen beliebt sind. Also ist es nur logisch, wenn alle Verleiher dahin gehen, wo sich ihre potentielle Kundschaft gern aufhält.

Eine Obergrenze gibt es nicht - bislang

Theoretisch können die Anbieter unbegrenzt viele Elektro-Tretroller in der Berliner City verteilen -  genehmigen lassen müssen sie sich ihre Stückzahlen von der Stadt nicht. Der Senat schreibt bislang nur vor, dass die Scooter nicht auf dem Gehweg gefahren und nicht dort abgestellt werden dürfen, wo sie im Weg sind. Zudem dürfen die Anbieter nicht mehr als vier Scooter an einem Ort abstellen - theoretisch.

Doch wie die Ordnungsämter das effektiv kontrollieren sollen, ist unklar. "Die Regelungen sind ein zahnloser Tiger, es gibt noch nicht einmal einen Gebührentatbestand", hatte der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) am Dienstag im rbb kritisiert - und ein geregeltes Zulassungsverfahren sowie feste Abstellplätze für Leih-Scooter und Leih-Räder vom Senat gefordert. Doch die Verkehrsverwaltung will erst einmal abwarten, wie sich die Situation entwickelt - und dann gegebenfalls die Vorschriften nachschärfen.

In Paris lässt kaum ein Scooter-Nutzer sein Auto stehen

Die zuständige Senatorin Regine Günther (Grüne) sieht die E-Scooter als spannende Alternative zum Auto. So positionieren sich auch die Verleihfirmen.

"Wir sind sehr glücklich, dass wir die Verkehrswende mitgestalten", teilte Tier mit.

"Wir wollen es den Menschen noch einfacher machen, auf das Auto zu verzichten", heißt es bei Voi.

Doch die Studie aus Paris zeigte: Nur die wenigsten Scooter-Nutzer lassen das Auto stehen. Die Nutzer wurden gefragt: Welches Verkehrsmittel hätten Sie genutzt, wenn Sie nicht den Scooter genommen hätten? Rund die Hälfte wäre sonst zu Fuß gegangen. Ein Drittel hätte Bus oder Metro genommen. Zehn Prozent wären mit dem Fahrrad gefahren.

Und nur acht Prozent antworteten, dass sie sonst Auto oder Taxi gefahren wären.

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42 Kommentare

  1. 40.

    Die Radfahrer, die ungebremst haarscharf an mir oder Kindern vorbeifegen lösen langsam Gewaltphantasien bei mir aus. Wie ignorant und egoistisch muss man sein, um sich so zu verhalten?? Passiert aber immer öfter. Wenn man dann erschrocken „hey“ oder ähnliches ruft, werden die Meisten noch richtig pampig und beleidigend. Und das sind nicht nur junge Leutchen, sondern nach meinen Erfahrungen oft auch Herren im besten Alter. Die haben bestimmt im Auto auch die Vorfahrt gepachtet...

  2. 39.

    Nun ja, von der Breite her ist ein Radler genauso wie ein Fußgänger. Meist haben Fußgänger ja eine Tasche. Nur die Geschwindigkeit macht den Unterschied. Also Radler, wenn Ihr schon auf dem Gehweg fahrt, dann bitte nur Schnittgeschwindigkeit. Und nehmt uns nicht als Slalomstangen. Das hasse ich besonders. Wenn sich von hinten ein Radler durch die Menge tankt. Da mach ich mich dann auch breit und es kann mal zu einem Sturz vom Rad kommen.... Sorry, aber eine Abwehrreaktion ist für mich normal, wenn jemand dicht an mir vorbei radeln will. Ich mag es nicht so dicht.

  3. 38.

    Ja, ich kenne das auch, aber zumeist klappt es mit lächeln und nicht aus dem Wege gehen bis das radelnde Mensch es begreift. Aber keine Sorge, ich wurde auch gestriffen, ein gellender Schrei (hihi) und derjenige hält an. Nur ist das die letzte Option.
    Bereits alles erlebt und gemacht. Macht mitunter, nicht immer, echt Spaß.

  4. 37.

    Lächeln ist immer ein guter Weg! Aber ist dem so, dass bei Ihnen die Radler dann anhalten? Vorgestern am Insulaner fuhr eine junge Frau penetrant weiter (obwohl dort Rad fahren komplett verboten ist) und streifte meinen Sohn am Arm. Auf sein: "Hey, geht's noch?" zeigte sie ihm den Mittelfinger. Sie wähnte sich im Recht. Ich bin da auch eher defensiv, hab Angst vor Kollision und Schmerz...

  5. 36.

    Na dann bin ich beruhigt, das las sich schon etwas anders.
    Ja, Radler sind da auch mitunter recht rüpelhaft. Wenn mir jemand auf dem Gehweg entgegen kommt, ich mit oder ohne Hund unterwegs bin, weiche ich nicht aus und oftmals müssen diese Deppen anhalten und absteigend. Ich lächle dann und generieren Hinweis auf die vorhandene Straße nebenan. So mache ich dass dann sicher auch mit den Scooterfreaks.
    Und immer lächeln, dass entwaffnet nämlich.
    P. S. : ich bin auch Stadtradler...der sich zu benehmen weiß

  6. 35.

    Zum Artikel-Thema: "E-Scooter bereiten Medizinern Sorgen" - https://www.n-tv.de/panorama/E-Scooter-bereiten-Medizinern-Sorgen-article21103077.html

  7. 34.

    niemals würde ich den Wuffi vorschieben! Ich befürchte nur, die Rollerfahrer sehen den gar nicht (Blick nach unten?) - ist ja bei den Kampf-Radlern schon so. Alles unter einsfuffzig wird übergesemmelt. Kinderwagen, Kleinkind, Hund? Weia...

  8. 33.

    Nix Koller - sondern HORROR in der Hauptstadt der Sucht und Unordnung! Siehe z. B. https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/06/radfahrer-kind-unfall-prenzlau.html

  9. 32.

    Bin ich ein Weichei? Ich trau mich das nicht, Radlern nicht auszuweichen. Hier draußen ist nicht so viel los auf den meisten Bürgersteigen, aber sehr viele fahren auf dem Fußweg. Wegen enger Straßen, zu dicht auffahrenden Autos und z.t. Kopfsteinpflaster. Ich hab ja oft auch Verständnis. Wenn denn defensiv und langsam gefahren wird. Ich hätte Angst mir weh zu tun, wenn ich nicht ausweichen würde. Und wenn Rad und Roller von hinten kommen, kann man ja eh nichts tun...

  10. 31.

    Uii, dünnes Eis, den Hund vorzuschieben und mit ner Beißattacke zu schwadronieren.
    Da tut mir dann doch der Hund leid; was kann der Hund für die Dummheit anderer Menschen?
    Aus seiner Sicht haben die Menschen den Hundeverstand eh längst verloren.
    Ich habe auch eine Fellnase, aber die schütze ich immer, so wie mich.
    Aber einem Radler oder Scooterfreak gehe ich auch nicht aus dem Weg.

  11. 30.

    hier am Stadtrand geht man ja auch mit Hund auf dem Gehweg... ich fürchte, der Hund wird der Sieger bleiben.... schwer, massiv wie eine Wand :-) und wenn man den Fuß/Schwanz erwischt, kläfft und beißt sie :o
    Nur zu, Scooterlenker, tragt Schutzkleidung, nicht nur am Kopp ;-)

  12. 29.

    Aber gerne doch. :-)

    So handhabe ich das schon lange. Das ist MEIN Bürgersteig. Für Fußgänger. Ich springe nicht weg, sondern bin oft ganz in Gedanken versunken und schon vor so manchen asozialen Radler auf dem Fußweg gelaufen. Sicher wird mir das auch bei illegalen E-Roller-Fahrern so gehen.

  13. 27.

    Was tragen diese neuen Gefährte spürbar dazu bei um den motorisierten Individualverkehr zu minimieren?

    Was unternimmt der Senat um die Gehwege und Plätze von immer mehr störenden Leihrollern und Leihfahrrädern frei zu halten?

  14. 26.

    AUFRUF: Fußgänger aller Länder vereinigt euch! Seid stark! Springt nicht zur Seite, wenn ein Bike oder Roller euch vom Gehweg verdrängen will! Macht eure Schultern breit und steht wie eine deutsche Eiche euren Platz, dass diese Zweiräder ins Gebüsch oder zwischen die parkenden Autos schlittern müssen! Wenn viele von denen dann in die Gastrotische, gegen die Straßenbäume oder an Autos karren und Schäden anrichten, ist das Geheule groß und laut! Und dann ist Schluss mit Hipster-Lustig und Ich-muss-alles-haben-Lebensstil! Das wird ein Spaß!!! Für uns Fußgänger... ;-))

  15. 25.

    Die Leute sind dann halt deutlich schneller unterwegs als vorher. Zu Fuß schaffe ich zumindest keine 20km/h. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn die 8%, die eine Autofahrt einsparen den Mehrverbrauch an Strom auch schon wieder wett machen. 1l Diesel verbrennen setzt rund 2.7kg CO2 frei. Davon kann man im Deutschen Strommix mit 0.47kg CO2/kWh also 2.7/0.47 etwa 5.7kWh tanken. Damit kommen diese Roller schon ganz schön weit.

  16. 23.

    Das "normale Bewegungsmuster"...^^ Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Auf schmaleren, hoch frequentierten Gehwegen heißt es dann wohl Rückspiegel am Rucksack, damit man nicht kollidiert ;-) Und die Kinder bei Fuß, rumgesprungen wird nicht mehr, zackig geradeaus und keine Spirenzchen! Bei uns draußen am Stadtrand war es mit den Mieträdern am Anfang auch beschaulich. Letzten Sommer lagen sie dann überall rum. An der Bushalte, auf den Mittelstreifen und in den Büschen. Bin gespannt, ob das mit den Scootern relevant wird. @Neo, @bea @Tanja @Rollert mal weiter @Frank Hohlläufer: sehe ich genauso.

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