Migranten auf einem Rettungsschiff im Mittelmeer. (Quelle: dpa/Laurin Schmid)
Audio: Inforadio | 27.06.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Laurin Schmid

Seenotrettung im Mittelmeer - Berlin will acht gerettete Flüchtlinge aufnehmen

Der Berliner Innensenat will mit der Aufnahme von acht geretteten Flüchtlingen ein "deutliches Signal für Menschlichkeit" senden. Derweil versucht die "Sea Watch 3" seit zwei Wochen vergeblich 42 Menschen in Italien an Land zu bringen.

Der Berliner Senat wird acht Geflüchtete aus Nigeria und Ghana aufnehmen, die im April von dem deutschen Schiff "Alan Kurdi" aus Seenot gerettet wurden. Das teilte Innenstaatssekretär Torsten Akmann am Donnerstag mit. "Das Land Berlin zeigt seine Hilfsbereitschaft und sendet ein deutliches Signal für Mitmenschlichkeit", erklärte Akmann dazu.

Die vier Frauen und vier Männer, die in Berlin nun regulär ihre Asylverfahren durchlaufen können, sind 18 bis 34 Jahre alt. Sie gehören zu einer Gruppe von 64 Geflüchteten, die Anfang April auf ihrer Flucht in Seenot geraten waren. Vor der libyschen Küste wurden sie von dem deutschen Schiff gerettet. Nachdem Deutschland, Frankreich, Portugal und Luxemburg erklärt hatten, sie aufzunehmen, durften sie und andere Gerettete in Malta an Land gehen. Insgesamt werden von Deutschland 25 der Geflüchteten aufgenommen.

Weitere Flüchtlinge warten auf der "Sea Watch 3"

Unklar hingegen, was aus den Geflüchteten an Bord der "Sea Watch 3" geschieht, die sich drei Kilometer vor der italienischen Küstenstadt Lampedusa auf dem Mittelmeer befindet. Die "Sea Watch" hatte am 12. Juni 52 Menschen aus Seenot gerettet, zehn von ihnen wurden von italienischen behörden aus medizinischen Gründen evakuiert.

Am Dienstag hatte die deutsche Flüchtlingsorganisation "Sea Watch" einen Eilantrag beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gestellt, um die 42 übrigen Menschen an Land bringen zu dürfen. Die Crew wollte dafür den Hafen der italienischen Küstenstadt Lampedusa ansteuern. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Die Kapitänin der "Sea Watch 3", Carola Rackete, hat darauf entschieden, trotzdem in italienische Hoheitsgewässer einzufahren - obwohl der Organisation dafür in Italien Strafen von bis zu 50.000 Euro drohen. Das Schiff wurde jetzt von der Küstenwache gestoppt.

Drei unbegleitete Minderjährige an Bord

Das Schiff liege jetzt drei Meilen vor dem Hafen und die Besatzung warte darauf, einlaufen zu können, sagte "Sea-Watch"-Pressesprecher Ruben Neugebauer am Donnerstag dem rbb. Die Situation an Bord habe sich nach zwei Wochen auf hoher See derart zugespitzt, dass der Kapitänin keine andere Möglichkeit geblieben sei, als den nächsten sicheren Hafen anzusteuern. Nach Auffassung der italienischen Regierung sollen die Geflüchteten nach Libyen gebracht werden.

Neugebauer sagt, dass viele der Überlebenden in Libyen schwer gefoltert worden seien. "Diese Menschen werden als politische Geiseln genommen für dieses Gefeilsche in der europäischen Flüchtlingspolitik", so Neugebauer. Unter den 42 Geflüchteten an Bord der "Sea Watch 3" befänden sich drei unbegleitete Minderjährige, der jüngste zwölf Jahre alt.

Sendung: Inforadio, 27.06.2019, 14 Uhr

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30 Kommentare

  1. 30.

    Wenn ich in der deutschen Ostsee schiffbrüchig werde....komme ich dann erst nach italien????

  2. 29.

    Da Italien souverän ist und nun den Weg Ungarns gehen will, muss die EU eben ein anderes Land mit der Erstaufnahme beglücken. Leider ist die Türkei zu weit weg, sonst könnte man da ja wieder Geld zahlen. Griechenland wurde seinerzeit auch allein gelassen. Nun hängt Italien ohne Unterstützung da.

  3. 28.

    Und nun? Ihr Vorschlag? Sollen wir Krieg gegen Italien führen? Was soll denn passieren? Außer meckern fällt Ihnen wohl nix ein oder? Motzen und Kotzen, soso. Italien hat klar gesagt, dass es eine Anlandung nicht will. Und nun? Mit Gewalt ?

  4. 27.

    Aus Seenot gerettete Menschen für zwei Wochen nicht an Land gehen zu lassen ist das eigentliche Verbrechen und zwar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Hieran kann man sehen, wie wenig menschliches Leben wert ist, wenn man nicht den "richtigen" Pass hat. Glücklicherweise gibt es noch Menschen, die für ein humanes Miteinander eintreten!

  5. 26.

    Für mich stehen elementare Menschenrechte über nationalesn Gesetzen, zumal sich damit ein rechtspopulistischer Innenminister profilieren will.

    Ihre Doppelmoral ist zum k*tzen! Wenn Menschenrechtsaktivisten z.B. aus Venezuela, Nordkorea oder China berichten ist denen ihr Appplaus sicher. Menschenrechtsaktivisten oder Reporter, die von Menschrechtsverletzungen in diesen Ländern berichten handeln gegen dortiges nationales Recht und Gesetz.

    Die hatten auch keine Erlaubnis darüber zu berichten.

  6. 25.

    Typisch Deutschland. Sich ständig in fremde Angelegenheiten anderer Länder einmischen, aber selbst nix in die Reihe kriegen, ausser nur Unfug und Misswirtschaft. Italien bleibt Italien mit seiner Rechtssprechung und gut ist. Das menschliche Deutschland.

  7. 24.

    Es ist kein mit unseren Zollbooten vergleichbares Boot. Es ist ein Militärschiff. Die Kapitänin hat sich inzwischen dafür entschuldigt, es gerammt zu haben. Was die Sache nicht besser macht, denn offiziell ist das widerstand gegen ein Kriegsschiff. Daher droht eine hohe Haftstrafe.

  8. 23.

    Sie hatte keine Erlaubnis in den Hafen einzulaufen. Das Zollboot ist ein offizielles Schiff der italienischen Regierung. Aber da Recht und Gesetz für sie anscheinend keine Rolle spielen hat eine weitere Diskussion mit ihnen keinen Sinn. Ende!

  9. 22.

    "Aber ich bleibe dabei:..."

    Unlogik wird durch Wiederholungen nicht logischer. Und für wen es Konsequenzen hat wenn sich ein Zollboot dem anlandenden Schiff nach Ankündigung in den Weg stellt, bleibt noch offen. Noch gibt es mutige Richter in Italien, die sich rechtspopulistischen Politikern, die Recht nach ihrem Gusto auslegen, entgegenstellen.

  10. 21.

    Korrekrur:

    Ich meine nat. um die iberische Halbinsel und DURCH die Biskaya*. Bevor es ein Neunmalkluger macht korrigiere ich mich lieber selbst, danke. ;-)

    *"Dieses Seegebiet ist für schlechtes Wetter, starke Stürme und extremen Seegang bekannt."

  11. 20.

    Na gut, warten wir mal ab wie die italienische Justiz entscheidet. Solte es allerdings zutreffen das ein Zollboot ausweichen musste um eine Kollision zu vermeiden dann könnte dies erhebliche Konsequenzen haben. Aber ich bleibe dabei: wäre sie vor 2 Wochen gleich Richtung NL gestartet gäbe es heute keine Probleme.

  12. 19.

    Muß ich ihnen wirklich den Unterschied erklären wieviele Seemeilen NL vom Lampedusa entfernt ist?

    Die Dauer verlängert das Leiden der Menschen an Bord, noch gibt es ja z.B. Richter in Italien für die Rechtsstaatlichkeit kein Fremdwort ist. Haben sie auch schon mal daran gedacht was es mit Menschen macht, die vor der (vermeintlich) sicheren Küste liegen, wenn sie wieder in See stechen? Sie können es nicht, ich möchte es mir nicht vorstellen welche Tragödien sich dann an Bord abspielen.

    Äh, ja. Ein Schiff auf Reede verbraucht weniger Treibstoff als auf etlichen Seemeilen um die Biskaya.

  13. 18.

    Wenn sie in der Schule aufgepasst haben dann wissen sie auch das es die Str. von Gibraltar gibt. Da kann man mit einem Schiff hindurchfahren. Die Menschen wären in den NL längst von Bord, das Schiff nicht beschlagnahmt und die Kapitänin nicht in Haft. Was wäre daran schlecht? Und zum Thema Treibstoffverbrauch: verbraucht das Schiff keinen Treibstoff wenn es im Mittelmeer herumfährt oder schwimmt es bei ihnen mitten im Meer ohne Antrieb?

  14. 17.

    Ich habe tiefen Respekt für die Kapitänin, welche der Unmenschlichkeit der Europäischen Staaten und dem italienischen Innenminister die Stirn bietet.
    Sie ist ein Beispiel gerechten Widerstandes und verdient Unterstützung!

  15. 16.

    Respekt vor den Berliner*innen und Berlinern an Bord, die dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen, sondern das einzig vernünftige tun - Menschen vor dem Ertrinken retten! Jetzt gilt es den Druck auf die deutsche Bundesregierung zu erhöhen, die Menschenwürde ernst zu nehmen und die 40 Menschen (teilweise Kinder!!) in Deutschland aufzunehmen.

    Die Zahl ist lächerlich gering, der zivilisatorische Schaden jedoch Immens, zeigt die ganze Veranstaltung doch, dass nur Menschen mit der "richtigen" Hautfarbe und dem richtigen Pass vor dem Ertrinken gerettet werden sollen. Was für eine unmenschliche Welt!

  16. 15.

    Geografie, vierte Klasse. Sie wissen schon wo das Mittelmeer ist und wo die Niederlande sind?

    Ich rede nicht einmal von dem Treibstoffverbrauch, in der Zeit wo das Schiff unterwegs ist kann es keine Schiffbrüchigen aufnehmen. Ihre Forderung ist durchschaubar...

  17. 14.

    Eigentlich ist es doch einfach. Die Länder, die die Leute aufnehmen wollen sagen konkret wann und wie viel. Italien muss die Leute nicht registrieren sondern gibt sie gleich weiter. Die Kapitänen trägt die Konsequenzen und stellt sich der italienischen Gerichtsbarkeit, die NGO trägt die Kosten für eine Strafe. Das Schiff wird und bleibt beschlagnahmt bis das Gerichtsverfahren abgeschlossen ist.

  18. 13.

    Ja eben. Diese Sturheit, unbedingt in Italien anlanden zu wollen versteh ich nicht. Im Sinne der Geretteten ist das nicht. Der persönliche Aufstand gegen Italien ist aus meiner Sicht sinnlos. 2 Wochen vertrödelt, weil man unbedingt nach Italien will? Unverantwortlich.

  19. 12.

    Und auch Herr Carlos hat nix kapiert, aber macht stattdessen Vorwürfe.
    Da jene am Thema vorbei sind, belasse ich es dabei.
    Anstatt immer nur gut sein zu wollen, sollte man auch mal über den Tellerrand der "ständigen Hilfsbereitschaft ohne wenn und aber" hinausschauen, falls man dazu in der Lage ist.
    Ich helfe und bin weitsichtig genug um mir meine Meinung leisten zu können.
    Aber rettet mal immer fein nur Ihr die ganze Welt, es wird Euer Untergang (zuviel Baustellen).
    Helfen muss sein, jedoch die Ursachen bekämpfen ebenso - verstanden soweit?

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