Teilnehmer einer "Fridays for Future"-Kundgebung in Berlin (Quelle: imago/
Audio: Inforadio | 20.06.2019 | Sylvia Tiegs | Bild: imago/Müller-Stauffenberg

Klimabewegung in Berlin - "Fridays for Future" demonstriert auch in den Schulferien

Auch in den Ferien will "Fridays for Future" weitermachen. Am Freitag fiel die Demo in Berlin aber kleiner aus. Viele Schüler aus Berlin hatten angekündigt, auf die internationale "Fridays"-Demo nach Aachen zu fahren, wo heute Zehntausende demonstrierten. 

Die Umweltbewegung "Fridays for Future" will auch in den Sommerferien demonstrieren. Auch der Potsdamer Ableger von "Fridays for Future" plane "in unregelmäßigen Abständen" Aktionen in den Sommerferien, sagte eine Sprecherin der Potsdamer Klimabewegung. Am Freitag kamen nach rbb-Informationen rund 150 Schülerinnen und Schüler zu einer Kundgebung im Invalidenpark in Berlin-Mitte.

Zahlreiche Berliner Schüler sind am Freitag in Aachen

An diesem Freitag fiel die Aktion kleiner aus als sonst. Laut Tom Patzelt, einem der Organisatoren der Berliner "Fridays"-Demos, seien allein aus Berlin an diesem Freitag rund 200 Schüler nach Aachen gereist, um dort an der großen internationalen "Fridays"-Demo teilzunehmen.

Bis zum Sonntag wollen in Aachen verschiedene Klimabewegungen Druck für einen schnelleren Kohleausstieg machen. Bereits am Freitagmorgen trafen mehrere hundert Schülerinnen und Schüler in Aachen ein. Sie präsentierten Transparente mit Aufschriften wie "Warum lernen, wenn wir keine Zukunft haben" und "Wenn die Erde eine Bank wäre, hättet ihr sie schon lange gerettet".

Zehntausende demonstrieren in "Rezo-City"

Nach Schätzungen der Polizei lag die Teilnehmerzahl im angemeldeten Rahmen von 10.000 bis 20.000, die Organisatoren sprachen von rund 40.000 Menschen und der bisher größten Demonstration in Deutschland. Auf Transparenten, in Sprechchören und Reden forderten die Demonstranten ein schnelles Abschalten der Kohlekraftwerke und andere einschneidende Schritte zur Begrenzung des Klimawandels.

Mehrere Schilder bezogen sich auch auf das Rezo-Video "Die Zerstörung der CDU", das vor der Europawahl eine neue Klimaschutz-Debatte entfacht hatte. Man war hier schließlich in "Rezo City" - Aachen ist der Wohnort des Youtubers. Nach eigenen Angaben war Rezo auch selbst mit dabei. Der junge Mann mit dem blauen Haarkamm verbreitete bei Instagram mehrere Videosequenzen von der Großdemo. In einer Szene filmte er einen Demonstranten mit einem Plakat, das einen gemalten Rezo zeigte. Kommentar des Youtubers: "Alter, wie cool - ich bin sogar auf Plakaten drauf."

Protestforscher hat "Fridays"-Bewegung näher untersucht

Dass sich die "Fridays for Future"-Bewegung über so einen langen Zeitraum halte, sei erstaunlich, sagte der Protestforscher Simon Teune am Freitag dem rbb. "Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass sie immer wieder so viele Leute auf die Straße bringt, zu den einzelnen Großereignissen - auch international", so Teune im rbb-Inforadio. Auch dass der Protest vor allem von Kindern und Jugendlichen organisiert und getragen werde, sei ungewöhnlich. Natürlich habe es auch schon früher solche Kundgebungen gegeben, "aber dass die sich tatsächlich weltweit organisieren, dass sie es über einen so langen Zeitraum hinweg schaffen - das ist was Neues".

Teune hat sich die Bewegung genauer angeschaut und dabei drei bemerkenswerte Aspekte festgestellt. "Es sind vor allen Dingen weibliche Teilnehmerinnen - das ist anders als bei anderen Protesten", so der Forscher. Außerdem konnte Teune feststellen, dass die Demonstranten "aus besser gebildeten Familien" kommen. "Die Hälfte hat Eltern, die einen Universitätsabschluss haben. Die ordnen sich auch selbst eher in der oberen Mittelschicht ein." Das sei allerdings auch bei anderen Protesten so zu beobachten, so Teune.

Sendung: Inforadio, 21.06.2019, 10 Uhr  

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63 Kommentare

  1. 63.

    Extreme Ansichten? Welche? Jede Veränderung, die an die Komfortzone des Menschen geht, ist unangenehm. Aber daran kommen wir nicht mehr vorbei. Extrem würde das werden, was unseren Kindern und Enkeln blüht, wenn das Ruder nicht herumgerissen werden würde. Was das soziale Klima angeht, bin ich voll bei Ihnen. Trotz verschiedener Ansichten sollte man höflich und sachlich bleiben. Und auch Ironie und Zynismus sind nicht immer witzig und angemessen. Sehe ich genauso.

  2. 62.

    Gut gebrüllt Löwe, äh Urmel aus dem Eis. Was wäre ihr Vorschlag? Weiter machen wie bisher?

    Hört sich so an wenn ich "die extremen Ansichten und Forderungen mancher Menschen" lese. Und dann? Diese Forderungen sind nicht extrem, sondern völlig berechtigt.

  3. 61.

    Langsam müssen wir uns mal um das geistige und soziale Klima in unserem Land kümmern. Die Verrohung der Sprache, die extremen Ansichten und Forderungen mancher Menschen schaden dem Zusammenleben mehr als der Klimawandel. Was nützt es, wenn wir das Klima schützen, aber die Menschen sich gegenseitig zerstören?

  4. 60.

    Sie vermischen zwei Kommentare zu einem Brei. Nochmal lesen und verstehen. Listen and repeat...^^ Macht aber nichts, kann passieren. Alles gut!

  5. 59.

    Es geht nicht um irgendetwas, sondern um die Zukunft unserer Natur. Nee, es geht nicht mehr. Deswegen muss gehandelt werden. Wer das als diktatorisch empfindet, ist schief gewickelt.

  6. 58.

    Unsinn! Als die Gurtpflicht eingeführt wurde, wurde auch mit Zwang gearbeitet und wir sind weiterhin keine Diktatur.

    Man kann das auf ein einfache Formel bringen: Die Vernünftigen machen das freiwillig, die Unvernünftigen muß man mit Maßnahmen zwingen, die nichts mit einer Diktatur gemeinsam haben.

  7. 57.

    Alles anderer, als auch in den Ferien weiter zu machen, wäre auch charakterlos. Also keine Überraschung. Die Schlagzeile ist keine :-D

  8. 56.

    Sie widersprechen sich selbst. Erst wollen Sie niemanden zwingen, dann aber muss man jemanden zwingen, wenn er nicht überzeugt werden kann? Damit bin ich raus aus dem Gespräch....

  9. 55.

    „Wer nicht überzeugt werden kann, muss zugunsten der Natur gezwungen werden“. Alles klar.... Gehts noch? Wir leben nicht in einer Diktatur. Auch wenn manche das wohl gerne hätten.

  10. 54.

    Ich wüsste nicht, was an @Friedrichs Kommentar arrogant sein sollte! Genausowenig möchte er/sie irgendjemanden zu etwas zwingen. Die Fakten hat er/sie auf den Tisch gepackt, ich erlebe das genauso. Dicke SUV‘s, 2-3x/Jahr mit‘m Flieger in den Urlaub, für jeden kurzen Weg ins Auto und bloß nicht irgendetwas im Garten wachsen lassen, was Insekten oder Vögeln Lebensraum bieten würde. So erlebe auch ich viele Nachbarn, Kollegen und sogar Familienmitglieder. Da wird nicht über Klimawandel oder regionales-saisonales Einkaufen nachgedacht, Hauptsache der Preis stimmt. Und dann muss der Gesetzgeber ran. Zwang ist doof und macht sauer? Ignoranz und Egoismus ist noch viel doofer und eine kaputte Umwelt macht krank. Wer nicht überzeugt werden kann, muss zugunsten der Natur gezwungen werden. Klare Sache! Wenn wir auf eine freiwillige Einsicht bei allen warten würden, könnte man das alles gleich bleiben lassen. Und das ist ja wohl keine Option mehr.

  11. 53.

    Was Sie Arroganz nennen, ist für mich Realismus und Lebenserfahrung. Kann ich nicht nachvollziehen, dass man darauf aggressiv reagieren kann. Nun kommt aber auch nicht jeder mit einer klaren, unumwundenen Ansage klar, jeder ist da anders. Das mag sein. Meine Positionierung halte ich aber für angemessen und korrekt.

  12. 52.

    Ihr Kommentar strotzt leider vor moralischer Arroganz. Lesen Sie ihn sich in Ruhe durch und versuchen Sie bitte mal, es ohne Zwang und Radikalität zu formulieren. Denn genau das ist das Problem. Mit Gewalt kann man niemanden überzeugen mitzumachen. Und die moralische Keule ist kein geeignetes Werkzeug, sondern fördert nur Trotz und Gegenwehr

  13. 51.

    Es ändert viel. Dass sich z.b. immer mehr Menschen für eine sinnvolle Sache zusammentun. Dass die Politik gefordert ist, wie wir ja schon mehrfach erleben dürften, können die sich nicht einfach mehr wegducken, oder versuchen mit schmackigen Sprüchen das alles kleinzureden. Am Anfang hat bei den Protesten in der DDR auch niemand an Erfolg geglaubt. Zum Glück gab es optimistische und beharrliche Leute, die trotzdem aktiv blieben. Was schlagen Sie vor? Einfach weitermachen und sich einzureden, dass das "schon wieder wird"? Lieber versuche ich es, anstatt meinen Kindern und Enkeln nicht ins Gesicht schauen zu können, weil ich mich wegduckte. Wir fahren übrigens mit der S-Bahn hin ;-)

  14. 50.

    Und was wird es ändern ?? gar nichts, außer das viele mit dem Auto oder Bus zur Demo fahren und damit auch noch die Luft verpesten, tolle Aktion ???

  15. 49.

    fff-die Hunderttausendste. Soll das jetzt jedes Wochenende so weitergehen? Dass man sich in den Kommentarfunktionen an die Gurgel geht? Eines steht fest: egal wie giftig viele gegen die Schüler (inzwischen auch immer mehr Eltern und Lehrer die mitlaufen und Wissenschaftler, die das unterstützen) schießen, diese Form des Aufbegehrens gegen misslungene Politik, fehlgeleiteten Lobbyismus und „Profis“, die sich zu ihren Gunsten wegduckten, wird nicht mehr zu stoppen sein. Jeder darf und soll seine Meinung haben, aber durch junge Leute wie Greta und Rezo ist eine neue Form der Teilhabe von jungen Menschen in unserer Gesellschaft an Politik und gesellschaftlichem Geschehen entstanden. Selbst wenn man das Fehlen in der Schule kritisiert (ich habe da auch meine Bedenken, wenn es zu oft wäre), oder jetzt kindisch erwartet, dass die demonstrierenden Schüler wie Jesus über‘s Wasser laufen und auf alles verzichten sollen-es wird in den Ferien weitergehen und im Herbst, da bin ich sicher, erst richtig losgehen. Ich bin froh, dass sich etwas regt, etwas bewegt und unsere selbstherrlichen Herren und Damen Politiker gezwungen werden, diejenigen wahrzunehmen, die in dieser zerstörten Umwelt noch lange werden leben müssen. Nichts tun und einfach weitermachen ist keine Option mehr. Und wenn es nur zu Hause im Kleinen ist.

  16. 48.

    Viele tun gar nichts. Bestreiten die Umweltprobleme, oder machen einfach weiter, als wenn's kein Morgen gäbe. Die müssen gezwungen werden, egal wie Sie das finden. Auch wenn erstmal "der Rest der Welt" weitermacht. Einer muss anfangen. Europa halt. Das ist doch wunderbar. Es geht nicht um Pillepalle, sondern um unseren Planeten. Und keiner hat mehr das Recht einfach so weiterzumachen. Dieser gehört nämlich nicht nur uns, sondern auch den folgenden Generationen. Worauf soll denn bitte gewartet werden? Auf ein Wunder? Doch. Es muss. Jetzt. Weil unsere Kinder jetzt Angst haben. Ich glaube nämlich auch, dass die Wenigsten hier, die sich negativ äußern, Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben. Geschweige denn, dass sie deren Sorgen, Ängste und Gedanken kennen. Menschen, die sich sorgen und Ängste haben mit Ablehnung und Häme entgegenzutreten ist abscheulich.

  17. 47.

    Die Leute vom IPCC erzählen das der Welt (das I steht für International). Mindestens seit der Konferenz von Rio, 1992. Die Politiker tun halt nur nichts. Immer nur leere Versprechungen. Jetzt läuft uns halt langsam die Zeit weg. Die Maßnahmen müssen Jahr für Jahr drastischer ausfallen, weil wir so lange nichts getan haben.

  18. 46.

    Tja, dann machen wir wohl lieber nichts. Jeder einzelne Mensch trägt ja im Mittel nur ein Neunmilliardstel Schuld am CO2-Austoß, das ist so wenig, da braucht man nichts zu ändern. Problem gelöst. Die Ökosysteme werden sich in ein paar hundertausend Jahren sicher auch wieder an die Heißzeit gewöhnt haben und wie es den Menschen in fünfzig Jahren geht ist ja egal.

  19. 45.

    Ich finde es reizend, wie autoritär Sie mir die Welt erklären wollen. Danke hierfür^^ Doch, ich bin schon in der Lage zu verstehen. Die Veränderungen und Einschränkungen, die kommen müssen, die müssen sein und machen mir keine Angst ;-) Scheinbar im Gegensatz zu Ihnen. Sie wirken fast panisch. Sorgen Sie sich nicht, der Mensch braucht viel weniger, als Sie denken!

  20. 44.

    Es ist kein Klimaphänomen. Es ist ein Klimawandel, den die Menschheit mit verursacht. Allerdings ist es keine Klimakatastrophe. Ein Leugnen des Wandels, ein Verdrängen unseres Anteils daran ist genauso wenig hilfreich wie ein radikales unüberlegtes Reagieren.

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