27.08.2018: Löschfahrzeuge der Feuerwehr stehen in einem Waldstück bei Treuenbrietzen (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Personal, Brunnen, Panzer - Wie Brandenburg den Waldbrand-Sommer überstehen will

Wie kaum ein anderes Bundesland kämpft Brandenburg jedes Jahr mit schweren Waldbränden. Die Landesregierung sieht sich zu teuren Investitionen gezwungen - auch weil die Einsatzkräfte immer wieder über Mängel bei der Ausstattung klagen.

Nach den verheerenden Waldbränden im vergangenen Jahr ist Brandenburg nun erneut Deutschlands Waldbrandhochburg. Das Land arbeitet an Verbesserungen bei der Vorbeugung und Bekämpfung der Feuer - auch nachdem es immer wieder Kritik an der Ausstattung der Brandenburger Einsatzkräfte gab, nicht zuletzt von Seiten der Feuerwehren selbst.

Neue Konzepte und neues Equipment kommen schon jetzt bei der Brandbekämpfung zum Einsatz: Wie das Innenministerium in Potsdam rbb|24 mitteilte, habe es für die aktuellen Einsätze in der Lieberoser Heide und zuletzt in Jüterbog eine gemeinsame Planung der Feuerwehrleute und Helfer gegeben. Ein Novum, nachdem die Landesregierung die Koordination bei Großeinsätzen verbessern wollte. Einsatzbereitschaften seien verlängert worden, "damit wurde unmittelbar aus den Erfahrungen der vergangenen Waldbrandsaison Konsequenzen gezogen", erklärte Ministeriumspressesprecher Andreas Carl.

Deutschlandweit die meisten Waldbrände 2018

Neue Gerätewagen, mit denen die Einsatzkräfte noch besser versorgt werden können, sollen bereits in den nächsten Tagen ausgeliefert werden. Das Ministerium prüfe zudem den Einsatz von Löschpanzern. Weil viele Waldgebiete in der Mark mit Munition belastet sind, stehen Feuerwehrleute immer wieder vor dem Problem, brennende Waldabschnitte nicht betreten zu können. Im Innenministerium denke man darüber nach, den Einsatz solcher Löschpanzer gemeinsam mit Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zu regeln und sich die Kosten aufzuteilen.  

Im vergangenen Jahr hatte es in der Mark 512 Waldbrände gegeben, deutlich mehr als in jedem anderen Bundesland. In Sachsen brannte es im vergangenen Dürresommer 201 mal, in den Wäldern Sachsen-Anhalts 182 mal. Insgesamt hatten die Feuer in Brandenburg 1.674 Hektar Wald zerstört oder beschädigt.

Auch in diesem Jahr kam es schon zu schweren Schäden. Erst Anfang Juni hatte es auf dem ehemaligen Militärübungsgelände bei Jüterbog den größten Flächenbrand seit Jahrzehnten gegeben - mit mehr als 800 Hektar in Flammen.

Anträge für neue Löschwasserstellen in Prüfung

Die Erfahrungen des vorigen Sommers haben auch vor Augen geführt, wie schwer es in manchen Gebieten sein kann, an ausreichend Löschwasser zu kommen. Um den Großbrand in Treuenbrietzen zu löschen, mussten Feuerwehrleute erst eine kilometerlange Leitung zu einem See legen. Deshalb will das Land nun den Bau neuer Löschwasserbrunnen fördern.

19 entsprechende Förderanträge von Waldbesitzern habe das Landwirtschaftsministerium kürzlich bewilligt. Ob und inwieweit die Brunnen tatsächlich schon hergestellt wurden und betriebsbereit sind, liege in der Verantwortung der jeweiligen Waldeigentümer, wie ein Sprecher des Ministeriums erklärte. Die Löschwasserstellen sind eine der zentralen Maßnahmen eines Zehn-Punkte-Plans, zu dem sich die rot-rote Landesregierung im Herbst 2018 zur Verbesserung des Brandschutzes bekannt hat.

Waldbrandzentrale in Wünschdorf soll dieses Jahr in Betrieb gehen

Das Landwirtschaftsministerium kündigte außerdem an, weiteres Personal einzustellen, um die Brandprävention zu verbessern. Neue Mitarbeiter sollen die Waldbesitzer beraten und die Waldbrandüberwachung von den geplanten Waldbrandzentralen in Wünsdorf und Eberswalde aus koordinieren - auch zur Unterstützung des Waldbrandschutzbeauftragten des Landes Brandenburg. Ende April teilte Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde mit, Wünsdorf sei in schon Betrieb, Eberswalde folge 2020.

Das Kabinett hatte im Herbst 2018 beschlossen, die Waldbrandzentralen effektiver zu machen von derzeit sechs auf zwei Standorte zu konzentrieren. Darüber hinaus werden derzeit Kamerastandorte mit neuer Software versehen.

Mehrere Facharbeitsgruppen beschäftigen sich dem Innenministerium zufolge zudem mit der Frage, wie die Feuerwehr bei Großbränden künftig noch schneller vor Ort sein kann. Hier sei eine "modulare Einsatzeinheit" geplant, die unabhängig von anderen Einheiten für etwa 24 Stunden die Gefahrenbekämpfung erfüllen könne und so die örtlichen Feuerwehren unterstütze und entlaste.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Das ist kein Wunder, in einem Bundesland in dem noch Flächendeckend mit DDR Technik ausgerückt wird. Und wo es Wehren gibt die z.b. zwar 18 Mitglieder Haben aber ein Fahrzeug Baujahr 1956.

  2. 3.

    Das ist interessant, das Ministerium weis nicht ob zu 100 %geförderte Brunnen einsatzbereit sind?
    Es stellt sich auch die Frage ob die vorhandenen Brunnen auch gewartet werden, sprich jährlich angepummt werden um die funktionstüchtigkeit zu prüfen?

  3. 2.

    Abgesehen davon, dass Wünschdorf ein Wunschdorf ist :-) wundere ich mich schon, dass diese Selbstverständlichkeiten jetzt erst angegangen werden. Als wäre der Wald erst dieses Frühjahr unvermittelt aus dem Boden gesprossen. Überraschung, in Brandenburg gibt es ungesunden Monokultur-Trockenwald - lassen wir ihn kontrolliert abbrennen?

  4. 1.

    Anpassungen veränderte Bedingungen muss eben sein und manchmal rächt sich ehemaliger Sparzwang an der falschen Stelle.
    Wenn Entwicklungen im wahrsten Wortsinn verpennt werden (vorausschauend wird nie gearbeitet, weil der Deutsche Michel immer so schön starrsinnig ist), ist Handeln - und zwar zügig - gefragt, ohne große Planungen, Arbeitskreise und Diskussionsforen usw..
    Gerade die Feuerwehren wurden vernachlässigt, wenn die Regierung nicht schnellsten nachsteuert, geht noch mehr den Bach herunter.
    Vielen Dank an alle Wehren, den Frauen und Männern, die für Bürgers Sicherheit und Schutz alles geben meinen größten Respekt.

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