Das Dragonerareal (Quelle: imago/Schöning)
Audio: Inforadio, 14.06.2019, Thorsten Gabriel | Bild: imago/Schöning

Grundstück gehört jetzt Berlin - Aufbruchstimmung am Dragonerareal

Lange hatten Bund und Berlin um das Dragonerareal - ein Filetgrundstück in Kreuzberg - gerungen. Schlussendlich steht ein Deal und die Entwicklung des Grundstücks kann beginnen. Wie fair ist der Deal rückblickend, und wie geht es weiter? Von Thorsten Gabriel

Das heiß begehrte Grundstück auf dem Dragonerareal in Kreuzberg gehört jetzt dem Land Berlin. Der Finanzausschuss des Bundesrates hat am Freitag einstimmig dem Grundstücksverkauf zugestimmt. Am Ende kommt dieser Deal heraus: Der Bund erhält sieben Kulturgrundstücke von Berlin im Wert von 180 Millionen Euro und Berlin dafür das Dragonerareal am Mehringdamm im Wert von rund 37 Millionen Euro.

Für Lederer geht die Rechnung auf

Das klingt nach einem ungerechten Deal zu Lasten Berlins. Doch der Kultursenator Klaus Lederer sieht das so: "Es befinden sich Einrichtungen darauf: Die Akademie der Künste, das Jüdische Museum - die längst Bundeseinrichtungen sind oder vom Bund finanziert werden." Das bedeutet, dass der Bund die Unterhaltungskosten für diese Einrichtungen übernehmen soll.

Die Rechnung funktioniere also, wenn man sich für Berlin bewusst mache: "Die Grundstücke haben einen nominellen Wert, aber eigentlich kann man mit denen ja nichts anderes anfangen als das, was drauf passiert, nämlich Kunst und Kultur. Und die finanziert der Bund", so Lederer.

500 Wohnungen könnten entstehen

14 Gewerbetreibende sind derzeit auf dem Dragonerareal ansässig, die hören die Botschaft gern. Enrico Schönberg, der seit Jahren für das Dragonerareal kämpft, zählt auf: "Wir haben Autoschrauber, wir haben eine Möbelpolsterei, wir haben ein Marmorwerk, also, wo Marmor zugeschnitten wird, wir haben die LPG mit ihrem Biomarkt, wir haben einen Club, wir haben kleinteilige Nutzung in den Garagen."

Jörn Herzog vom Marmorwerk, das seit vier Jahrzehnten auf dem Gelände Zuhause ist, beschrieb kürzlich, was die Hängepartie für sein Gewerbe bedeutete: "Wir haben nicht investiert, wir haben keine neuen Maschinen gekauft. Wir stellen niemanden ein, weil man nicht weiß, ob und wie lange man noch existiert."

Denn zwischenzeitlich stand die Frage im Raum, ob denn das alte, laute Gewerbe überhaupt mit dem vereinbar ist, was in Zukunft auch hier geplant ist - nämlich Wohnen. Von mehr als 500 Wohnungen ist die Rede, die entstehen sollen.

Werkstattverfahren startet im Juli

Enrico Schönberg ist zuversichtlich, dass das laute Marmorwerk mit dem Wohnungsbau, der entstehen soll, zusammenpasst. Wie genau das gehen soll, darüber werden sich nun alle Akteure in den nächsten Wochen und Monaten verständigen.

Die weiteren Arbeiten für einen Bebauungsplan fangen aber nicht bei null an, wie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher betont – man werde ab Juli mit dem städtebaulichen Werkstattverfahren starten, "da ja schon diverse Gutachten zu allen möglichen Sachthemen erstellt wurden – die Geschichte des Ortes, das baukulturelles Erbe, die Gewerbekultur, alles Mögliche." Es gebe also schon sehr viel Grundlagenarbeit.

Am Montag werden Land, Bezirk und die Akteure vor Ort eine Kooperationserklärung unterzeichnen. Miteinander soll das Areal entwickelt werden.
 

Senatorin ist auf handfeste Debatten vorbereitet

Enrico Schönberg zeigt sich zufrieden: "Die Kooperationsvereinbarung, die ist, glaube ich, ein ganz gutes Signal, da finden wir als Initiativen uns auch in verschiedenen Themen wieder."

Die Senatorin ist aber auch künftig auf handfeste Debatten vorbereitet. "Diskussionen in Kreuzberg sind langwierig, vielfältig, bunt - aber sie führen auch zu gutem Abschluss“ so Lompscher. Mit einem ersten Spatenstich rechnet niemand vor dem Jahr 2021.

Sendung: Inforadio, 14.06.2019. 09:00 Uhr

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3 Kommentare

  1. 2.

    Liebe RBB-Redaktion, ihr habt einmal nur Enrico Schöberg anstelle von schönberg geschrieben! :)
    Ansonsten super informativ und toll geschrieben!

  2. 1.

    Warum einfach---wenn es auch umständlich geht-----

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