Audio: Inforadio | 05.06.2019 | Ute Schuhmacher
Bild: imago/Christian Ditsch

Wohnblöcke aus den 1970er Jahren - Berliner Gewobag kauft Sozialwohnungen in der Friedrichstraße

Die Mieter der Sozialwohnungen in der südlichen Friedrichstraße hatten noch in der vergangenen Woche befürchtet, ihre Wohnblöcke gingen an einen privaten Investor. Jetzt verkündete die landeseigene Gewobag, dass sie den Zuschlag erhalten hat.

Die 517 Sozialwohnungen in der südlichen Berliner Friedrichstraße gehen an die landeseigene Wohnungsgesellschaft Gewobag. Den Vertrag hat die Gewobag am Mittwoch unterschrieben, wie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) im Abgeordnetenhaus sagte. Nach Angaben der Gewobag sind zwei Kölner Fondsgesellschaften die bisherigen Eigentümer.

Wegen des Verkaufs hatten Mieter in der vergangenen Woche protestiert. Sie fürchteten, die beiden Kreuzberger Wohnblöcke würden an einen privaten Investor veräußert. So hatte die Zeitung "taz" berichtet, die Deutsche Wohnen hätte Interesse an den Sozialwohnungen - eine Kaufabsicht dementierte Deutsche Wohnen allerdings.

Vorkaufsrecht wäre Alternative gewesen

Die Gewobag hat sich eigenen Angaben zufolge bereits am Montag in dem Bieterverfahren durchgesetzt. "So sichern wir weiteren bezahlbaren Wohnraum in zentraler Lage", sagte Gewobag-Vorstandsmitglied Markus Terboven. 

Auch Finanzsentor Matthias Kollatz (SPD) begrüßte laut Gewobag den Kauf der Wohnungen. "Das Land Berlin hatte als mögliche Alternative die Ausübung eines vertraglichen Vorkaufsrechts. Der Vertragsabschluss der Gewobag sichert einen schnellen und wirtschaftlichen Übergang", wird der Senator zitiert. Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte vergangene Woche angekündigt, das Vorkaufsrecht des Bezirks prüfen zu wollen.

Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. Nach Informationen des "Tagesspiegel" wird die Gewobag den Kauf aus eigenen Mitteln finanzieren, also keinen Zuschuss vom Senat erhalten.

Wohnblöcke stehen unter Denkmalschutz

Der Mietshauskomplex steht zwischen Friedrich und Wilhelmstraße, südlich des Checkpoints Charlie. Gebaut wurden die Sieben- bis Achtgeschosser in den 1970er Jahren - nach Angaben von Baustadtrat Schmidt mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung. Die beiden Wohnblöcke stehen unter Denkmalschutz. Nach Angaben des Landesdenkmalamts gibt es in dem Block ganz unterschiedliche Wohnungstypen: Familienwohnungen, Atelier-, Maisonette- und Dachwohnungen mit großen Terrassen.

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23 Kommentare

  1. 23.

    Sie fordern also von einer Politikerin Rechtsverstösse passt es Ihnen in die politische Agenda.
    Daweiss ich wie man in einer Ferienwohnung auf Ibiza landet. Und fliegt das ganze auf zeigt man die Entdecker und Dokumentierer des Verbrechens an und kann sich sogar drauf verlassen dabei Unterstützung zu bekommen.
    Ich fände gut der Kaufpreis wäre öffentlich.
    Danach könnte die Senatorin als aufsichtsführende politische Instanz über kommunale Wohnungsunternehmen die Ankündigung machen: Für alle die zu spät kommen, wird der Kaufpreis ab nun jedes Mal niedriger. Schluss mit lustig.
    Das ist aber eine politische Ankündigung, wie es eine politischer Verdienst dieses Senats ist, das kommunales Eigentum und damit die demokratische Kontrolle spürbar zurückgewonnen wird.
    Offenbar überlassen sie das Lebensmittel Wohnung lieber den informellen Gesetzen des Marktes. Statt der demokratischen Kontrolle von Einrichtungen die sich nicht an informelle, sondern unsere tatsächlichen Gesetze halten müssen.

  2. 22.

    aktuell ist eine Wohnung mit WBS und ein Haus im Angebot bei der Gewobag....... Ist also nichts frei. Das Angebot ist zu wenig.

  3. 21.

    Ich möchte mal für alle folgendes feststellen:
    1. Die Gewobag baut momentan sehr viele Wohnungen in Berlin
    2. weitere sind in Planung, teilweise auch schon die Grundstücke vorhanden
    3. Die Mieten bei der Gewobag sind moderat und für normale Arbeitnehmer erschwinglich
    (mit WBS max. € 6,50 ohne WBS unter €12,50 und das in zentraler Lage)
    -NUR MAL SO ZUM NACHDENKEN-

  4. 20.

    Erfreuliche Meldung. Mit RRG gibt es endlich ein Senat, der sich für die Mieter einsetzt. Er kann zwar das Problem mit seinen vielfältigen Maßnahmen - Bauen, Aufkaufen, Millieuschutz, Mitpreibremse / Deckelung usw. - nur mindern, aber er ist aktiv.

  5. 18.

    Es wird auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften massiv politischer Druck ausgeübt. Hier ging er von Herrn Schmidt aus. Die Deutsche Wohnen erwies sich als qualitativ ähnliche Aussage wie die eines Herrn Trump. Dabei haben die Städtischen in der Vergangenheit bei den Träumen des Herrn Schmidt abgewunken, weil zu teuer. Deshalb sind hier mehrere Angaben zur Bewertung eigentlich zwingend erforderlich: Wie hoch sind die Einnahmen, wie hoch ist der Kaufpreis und gibt es wie so oft in der Vergangenheit einen Sanierungsrückstand? Gerade weil die städtischen Wohnungsbaugesellschaften dem Land und damit indirekt den Bürgern gehören, könnte Frau Lompscher hier mit mehr Transparenz glänzen.

    Die von den Grünen propagierte energetische Sanierung bei der denen hoffentlich bekannter Rechtslage darf man auch nicht außer Acht lassen. Aber hey, wer nach Grönland fliegt, um den Gletschern bei Schmelzen zuzuschauen, kann leichter über Wasser predigen.

  6. 17.

    9,50-6,50=3,00
    300 / 3,00 = 100
    Wer will schon eine so grosse Zwei-Zimmer-Wohnung haben, vor allem, wenn die vielleicht sogar eher am Stadtrand liegt und schlecht an den ÖPNV angebunden ist?

  7. 16.

    Wir leben in der Gegenwart und jetzt ist es so, dass hohe Mieten auf dem privaten Markt zu finden sind. Genossenschafts- und landeseigene Wohnungen sind sehr begehrt.

  8. 15.

    Schade! Jetzt kann ich ja gar nicht über Heuschrecken lästern!

  9. 14.

    Ich verstehe gar nicht warum die User/innen unbedingt den Kaufpreis wissen wollen. Wie es Frau Lompscher aucht macht für viele gibt es immer was zu meckern.
    Ich kann hier nur @Martina zustimmen. Selbst wenn man den Kaufpreis wüsste- ja und dann?
    Die Gewobag hatt schon die Mittel um das alleine zu stemmen genau wie Genossenschafften.
    Da wird schon noch wirtschaftlich gearbeitet.

  10. 13.

    Was zeichnet diese hässlichen Klötze aus, dass sie unter Denkmalschutz gestellt wurden?

  11. 12.

    Weshalb hat die Gewobag gästewohnungen im Angebot?

    https://www.gewobag.de/fuer-mieter-und-mietinteressenten/gaestewohnungen/

  12. 11.

    Landeseigene Gesellschaften sind doch nicht besser als private Eigentümer. Haben wir doch in der Vergangenheit öfters erlebt.

  13. 10.

    Sie haben damit sicher recht. Es gibt da nur ein entscheidendes Problem. Nicht einmal mehr das können sich die Leute leisten. Eine Wohnungsbaugesellschaft mit blauer Farbe im Logo lamentierte vor kurzem im Tagesspiegel, dass noch eine Masse an Wohnungen aus dem kürzlich fertiggestelltem Neubau zu haben seien, es jedoch kein Interesse daran gäbe. Ein kurzer Blick in das Vermietungsportal offenbarte das Dilemma. Alle geförderten Wohnungen waren restlos weg. Frei waren nur die nicht geförderten Mieteinheiten. Hier musste der interessierte Mieter bei einer Zweiraumwohnung gleichen Typs einen Aufschlag von knappen 300 EUR zahlen. Eine Menge Netto das man erst einmal verdienen muss.

  14. 9.

    Und hier noch die Beteiligung Berlin, S. 141

    https://www.berlin.de/sen/finanzen/vermoegen/downloads/beteiligungsbericht-2018_stand-19-10-2018.pdf

  15. 8.

    Da Frau Lompscher sich laut diesem Artikel mit dem Kauf gebrüstet hat, wäre es an der Dame, die Steuerzahler zu informieren.

  16. 7.

    Link

    https://www.gewobag.de/wp-content/uploads/content/unternehmen/unternehmen_publikationen_bericht_2017_finanzteil.pdf

  17. 5.

    Muss man sich mal ganz langsam reinziehen. Der Staat förderte damals den Bau solcher Wohnungen und nun gibt er Geld aus, um sie zu kaufen. Das ist mal eine Unternehmerische Glanzleistung... Baut lieber mit dem Geld Wohnungen lieber Senat.

  18. 4.

    Herr Neumann. Es steht Ihnen frei bei der Gewobag den Kaufpreis zu erfragen.
    Wieso sollte Ihnen Frau Lompscher - als Senatorin - einen Kaufpreis nennen, den die Gewobag ohne Senatszuschüsse stemmt?
    Vielleicht mal über die eigenen Reflexe nachdenken....Hauptsache irgendwie der Lompscher ans Bein pinkeln und immer dabei den Eindruck erwecken irgendwas sei dabei nicht ganz sauber.
    Ihre Nachbarn, Ihr Umfeld tut mir wirklich leid. So etwas ist ja eine Charaktereigenschaft

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