Kevin Kühnert (Bundesvorsitzender der Jusos, SPD) in der ARD-Talkshow maischberger am 29.05.2019 in Berlin (Quelle: Imago/ Stauffenberg)
Audio: Radioeins | 04.06.2019 | Kevin Kühnert im Interview | Bild: Imago/ Stauffenberg

Juso-Chef aus Berlin - Kühnert lässt Kandidatur für SPD-Vorsitz offen

Wie geht es weiter mit der SPD? Juso-Chef Kevin Kühnert lässt offen, ob er selbst Vorsitzender werden will - solche Personaldebatten seien in der Vergangenheit "super ruinös" für die Partei gewesen. Auch der Berliner Bürgermeister Michael Müller hält sich bedeckt.

Juso-Chef Kevin Kühnert lässt bislang offen, ob er für den SPD-Vorsitz kandidieren wird. Diese Frage sei derzeit nicht wesentlich und stelle sich ihm auch nicht, sagte Kühnert am Dienstag im rbb.

Zugleich warnte er seine Partei vor solchen Personaldebatten, die schon in der Vergangenheit "super ruinös" gewesen seien. Die Zukunftsthemen der SPD wie Rente, Steuern und Umwelt beschäftigten ihn derzeit ausfüllend, da bleibe keine Zeit, sich über persönliche Ambitionen Gedanken zu machen, so Kühnert auf Radioeins.

Dass die stellvertretenden Parteivorsitzenden Manuela Schwesig, Malu Dreyer und Thorsten Schäfer-Gümbel vorerst als Trio die Parteispitze übernähmen, sei folgerichtig, so Kühnert weiter. In diese Entscheidung dürfe aber niemand Griffe nach Macht hineininterpretieren, betonte der Berliner. Der Ball sei an die Parteibasis zurückgespielt worden, die nun ihre Ideen zur Zukunft der SPD beitragen solle.

Die Parteispitze dürfe jetzt nicht gleich den nächsten Schlachtplan ausrufen. Jetzt sei Kreativität ohne Denkverbote gefragt, so Kühnert. Eine Doppelspitze als Lösung wolle er ausdrücklich nicht ausschließen. 

"Ich messe die Große Koalition an dem, was sie sich vorgenommen hat"

Zu einem Verbleib der SPD in der Großen Koalition bemerkte der Juso-Chef, in der zweiten Jahreshälfte müsse Halbzeitbilanz gezogen werden, über die letztlich ein Parteitag entscheiden könnte. "Ich baue keine neuen Hürden für die Große Koalition auf, sondern messe sie an dem, was sie sich vorgenommen hat."

Über die SPD-Forderung nach einer Grundrente werde gestritten, auch beim Thema Klimaschutzgesetz bocke die Union an allen Stellen. "Für die meisten SPD-Mitglieder und auch für den Vorstand sind das die entscheidenden Punkte bei der Frage nach der Zukunft der Großen Koalition", so Kühnert. 

Müller fordert Erneuerung der SPD

Zuvor hatte sich der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), für eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Großen Koalition ausgesprochen. Müller unterstrich im rbb, sowohl die SPD als auch CDU und CSU müssten ihr Profil stärken. Die Wähler müssten wieder deutlicher erkennen, wofür die einzelnen Parteien stünden, sagte er der rbb-Abendschau. 

Zum Zustand der Partei sagte Müller, es sei ein langer Weg, bis sich die SPD wieder erholt habe. Müller forderte eine personelle und inhaltliche Erneuerung der SPD. 

In einem Grundsatzprogramm sollten unter anderem Fragen zum Klimaschutz, der Sicherung der Daseins-Vorsorge und zur Demokratie beantwortet werden. Es bedürfe einer Führungsfigur, die die SPD-Politik gut vermitteln könne. Auch eine Doppelspitze sei möglich. Ob er selbst Nachfolger von Nahles werden wolle, ließ Müller offen.

Nahles-Nachfolge soll im September bestimmt werden

DIe bisherige SPD-Chefin Andrea Nahles hatte am Sonntag ihren Rücktritt angekündigt - als Partei- und Bundestagsfraktionschefin. Am Montag entschied der SPD-Vorstand, dass die drei Vize-Vorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel die Partei kommissarisch führen. Wie schon Finanzminister Olaf Scholz erklärten die drei aber, nicht für den Vorsitz zur Verfügung zu stehen. Die SPD-Bundestagsfraktion leitet kommissarisch der dienstälteste Abgeordnete, Rolf Mützenich.

Laut dem Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs soll über die Nachfolge von Nahles im September abgestimmt werden. Die Wahl finde dann wie geplant regulär statt, sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises am Dienstag am Rand einer Fraktionssitzung in Berlin.

Sendung: Radioeins, 04.06.2019, 07:30 Uhr

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29 Kommentare

  1. 28.

    Wenn die SPD ernsthaft diskutieren würde, so eine Figur zum Parteichef zu machen, der bräuchte sie keinen politischen Gegner mehr.

  2. 27.

    "Der Kevin ist Bolschewist..."

    Aha, und derjenige der so etwas schreibt hat entweder nicht die geringste Ahnung was ein "Bolschewik" ist oder bedient sich bewußt der Sprache von Rechtsextremisten und Nationalsozialisten.

    "In Deutschland hefteten insbesondere die Nationalsozialisten dem Begriff ein antisemitisches Vorzeichen an, so dass in der Folge die Begriffe „Bolschewist“ und „Jude“ propagandistisch nahezu synonym verwendet wurden. Zur Etablierung dieser Gesinnung hatte vor allem der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg beigetragen, der die Revolution von 1917 in Moskau als Student miterlebte und 1922 seine antisemitische Kampfschrift Pest in Russland veröffentlichte."

  3. 26.

    Kühnert ist für persönlich nicht wählbar. Und ich meine, die meisten Genossen würden nicht hinter ihm stehen. Ich kenne nur Linke, die ihm zustimmen. Arbeitnehmerorientierte Genossen hat er mit seinen Aussagen zu BMW und Co. enttäuscht.

  4. 25.

    Der Kevin ist Bolschewist, weil ihm einfach etwas Bildung und Lebenserfahrung fehlt. Deswegen passt er so gut zu den Linken. Linke Heilsbringer hat es in der Politik nie gegeben, wäre der Todesstoß für die SPD. (Die den oben auch keinesfalls will, das möchten nur die direkt auf den "Sozial"ismus orientierten Jusos.) Kevin oben wäre wie Boris oben bei den Grünen oder Sarah bei den Linken, niemals.
    Die Frage ist außerdem, ob so ein Bolschewist als Sozialistenführer hier eine Art Bürgerrevolte provozieren würde. Würde die SPD nie riskieren.

  5. 24.

    Beamtensöhnchen möchte ohne Berufserfahrung Vorsitzender einer Arbeiterpartei werden. LOL!
    Ich hätte da einen Job: Vorsitzender der LInken.

  6. 23.

    Ich denke nicht, dass Kühnert der große Retter der SPD werden kann, er hat sich in den letzten Monaten selbst "verbrannt". Bei seinen Ein- und Vorstellungen kann man lieber gleich das Original in Form der Linken wählen. Die mussten aber auch Federn lassen. Sprich, genau diese Politik ist eben nicht das, was die überwiegende Mehrheit will. Es braucht wieder eine ARBEITER-Partei, keine neuen Kommunisten. Das war die SPD nie, das ist nicht ihre Seele. Weil sie die verloren hat, stirbt sie gerade einen kaum noch aufhaltbaren Tod. Es bringt nichts, mit den Grünen konkurrieren zu wollen. Den Kampf gewinnt keine Partei. Ein eigenständiges Profil fehlt.

  7. 22.

    Wahre Worte.Danke. Ein deutlicher Generationenwechsel ist bei der SPD angesagt. Wieso eigentlich nicht? Das ewige Festhalten an alten Zöpfen hat mich zum ersten Mal dazu veranlasst bei der Europawahl nicht die SPD zu wählen.

  8. 21.

    Der Mann wäre ein Segen für die SPD. Die einzige Alternative zum "Weiter so". Die einzige Alternative zu alten Gesichtern. Die Chance zur Erneuerung und gleichzeitig zur Wiederauferstehung sozialdemokratischer Werte. Und aus meiner Sicht die allerletzte Hoffnung für die SPD. Wenn der es nicht macht, wird die SPD bedeutungslos und überflüssig werden.

  9. 20.

    "Keine Zeit für persönliche Ambitionen" - das ist schon wieder die nächste Lüge eines SPD-Politikers oder zumindest Scheinheiligkeit. Aber er wäre von allen wahrscheinlich noch die beste Wahl.

  10. 19.

    Mit Kühnert hätte die SPD Chancen wieder mehr Stimmen zu bekommen. Überspitzt gesagt wählen viele Menschen sowieso keine Parteien. Sie wählen Personen. Damals wählten die Menschen Schröder und nicht SPD. Sie wählten Merkel und nicht CDU. Und ich denke mit dem Kühnert wäre da besonders bei jungen Wählern mehr möglich. jede Partei braucht Führungs- und Indentifikationsfiguren. Mit Nahles oder Schulz konnte das ja nichts werden. Da war klar das es Verluste geben würde. Dem Kühnert traue ich mehr zu. Mit Steinmeyer hätte man seinerzeit auch mehr erreichen können wenn man sich früher dazu entschieden hätte Ihn aufzustellen. Politiker sind heutzutage mehr denn je "Popstars" .. Das wird beim aufstellen der Kandidaten zu wenig in Erwägung gezogen.. SPD bietet da zu wenig an.. Habeck von den Grünen hat z.B. bessere Karten.

  11. 18.

    Kühnert lässt Kandidatur für SPD-Vorsitz offen - made my day

  12. 17.

    Was hilft ein Studium wenn sogar ein Professor dummes Zeug und Lügen verbreitet wie der von Ihnen geschätzte Professor Meuthen?
    Schon Goethe wußte " nun hab ich durchaus mit heißer Begehr......"

  13. 16.

    Auch dieser Mensch kann die untergehende SPD NICHT MEHR RETTEN.

  14. 14.

    Hallo hallo,
    die Nachricht ist ungefähr eine Zusammenfassung des Interviews mit KK am heutigen Morgen auf Radio eins. Es ist eigentlich eine Nicht-Nachricht, weil Kühnert ja klar sagt, das daß keine Frage für ihn sei. Im Radio wurde er noch etwas deutlicher: er arbeite an Themen wie Lohn und Klima, da sei für diese Persofragen schlicht keine Zeit.
    Bißchen komisch, diese Nachricht und absolut verständlich Deine Nachfrage.
    Besten Gruß!

  15. 13.

    Lieber rbb, habt Ihr den Kevin gefragt? Oder wem antwortet er? Bislang hat ihn seitens der SPD keiner vorgeschlagen, oder?

  16. 12.

    Der SPD täte es am besten, wenn sie sich auflösen würde. Alles andere ist doch nur noch Flickschusterei! Nichts ist für die Ewigkeit! Frau Nahles sei höchster Respekt gezollt, an ihrer Stelle wäre ich ausgetreten. Michael Müller und Kevin Kühnert sind zwar massiv "machtanstrebend", aber bestimmt nicht die richtigen Personalien.

  17. 11.

    Mit Kollektivierungskevin würde die SPD konsequent immer weiter nach unten segeln, mit einem gescheiterten M. Schulz genauso. Die Berliner Juso-Chefin äußert gerade öffentlich Altersdiskriminierung, sollte daher in die gleiche Richtung gehen. Haben die denn gar kein eloquentes Personal mehr? Wenn das so ist, soll es haargenau so passieren, wie es läuft. Der Rest tritt bei den Linken ein.

  18. 10.

    Kommen Sie Herr Kühnert, die Frau Chebli hilft sicher mit in der gemeinsamen Führungsspitze. Und Herr Stegner kann dazu den Pressesprecher machen...

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