Jens Spahn, CDU, Bundesgesundheitsminister, bei der Pressekonferenz zum Stand der Beratungen über das geplante Verbot von Therapien gegen Homosexualität (Quelle: Imago)
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Homosexualität - Spahn will Verbot sogenannter Konversionstherapien

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will noch in diesem Jahr die Weichen für ein Verbot der sogenannten Konversionstherapien gegen Homosexualität stellen. Er wolle noch vor der Sommerpause dazu das Gespräch mit dem SPD-geführten Bundesjustizministerium suchen, sagte Spahn am Dienstag in Berlin - dem 25. Jahrestag der Abschaffung des Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe gestellt hatte.

In der DDR wurde der Pararaf bereits 1968 abgeschafft, nachdem ein neues Gesetzbuch eingeführt worden war.

Spahn sagte, ihm sei daran gelegen, noch 2019 zu einem Gesetzentwurf zu kommen, der dann in die parlamentarischen Beratungen geht. Die eingesetzte Kommission habe gute Lösungsansätze aufgezeigt, wie ein Verbot dieser Therapien geregelt werden könne, sagte Spahn weiter. Er sei klar dafür. "Denn Homosexualität ist keine Krankheit und daher auch nicht therapiebedürftig." Infrage komme eine Ahndung als Ordungswidrigkeit, unter Umständen auch eine strafrechtliche Verfolgung.

Abschlussbericht für August angekündigt

Die sogenannten Konversionstherapien zielen darauf ab, Schwule und Lesben heterosexuell zu machen. Die Magnus-Hirschefeld-Stiftung geht von rund 1.000 Fällen jährlich in Deutschland aus. In den USA liegen die Zahlen deutlich höher. Unter den Experten herrscht aber einhellig die Meinung, dass eine "Umpolung" nicht möglich ist. Der Münchner Jurist Martin Burgi vertrat die Auffassung, dass Verbotsregelungen verfassungsrechtlich durchaus möglich seien. Für ein strafrechtliches Verbot bestünden aber größere Hürden als für die Einstufung als Ordnungswidrigkeit.

Der Fachkommission gehören unter anderem Experten für Recht, Gesundheit und Sexualforschung an. Ende August wollen das Gesundheitsministerium und die Magnus-Hirschfeld-Stiftung einen Abschlussbericht vorlegen.

Beck mahnt Homophobie am Rande der Gesellschaft an

Der Berliner Grünen-Politiker Volker Beck sagte dem rbb am Dienstag, dass am Rande der Gesellschaft nach wie vor Vorurteile gegenüber Homosexuellen herrschten. "Auf dem Schulhof ist 'schwule Sau' immer noch eines der häufigsten Schimpfwörter", sagte er dem rbb-Inforadio. "Und es gibt eben auch Gewalt. Ob von Migranten, von jungen Männern oder Männern, die nicht so ganz klar kommen mit ihrer eigenen geschlechtlichen Identität und die das dann ausagieren, indem sie Homosexuelle verkloppen."

Sendung: Inforadio, 11.06.2019, 10.20 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Nur mal zum nachdenken: Termin für Urologen 7 Wochen, dann Termin für Krankenhaus zum MRT 8 Wochen, dann Termin zur OP 6 Wochen, Herr Spahn darum sollten Sie sich kümmern, das ist Deutschland im Jahr 2019, schämen Sie sich !!!

  2. 2.

    Ich denke, die so bez. Konversionstherapien entstammen einem fundamentalistisch-christlichen Umfeld. Nicht zu verwechseln mit der evangelischen Kirche, die die Vielfalt sexueller Veranlagungen aus innerer Überzeugung anerkennt. Die katholische Kirche hängt m. E. noch etwas dazwischen: In Bayern und im benachbarten Polen so, in anderen Gebieten offener.

    Hinter dem Gedanken, dass Homosexualität eine Krankheit wäre, steckt schlichtweg die "Wucht der Mehreren": Dasjenige, was häufig vorkommt, habe als NORMal zu gelten, alles andere, was zahlenmäßig geringer in Erscheinung tritt, ist die Abweichung, die es gefälligst zu beseitigen gelte. In ruhigen Zeiten bedeutet das Totschweigen, in aufgewühlteren Zeiten geht das bis hin zur Verfolgung. Ausgrenzungen finden immer noch statt, die letztlich die Basis solcher Umerziehungstherapien bilden. In Bauarbeiterbuden und dem Profi-Fußballermilieu gleichermaßen.

    Dies schreibe ich als Hetero.

  3. 1.

    Hey Spahni,
    sorry für den lockeren "Ansprech". Aber mal so, von Hetero zu CDU Politiker.
    Ich bin der Meinung, das sie das erste Sinnvolle in Ihrer Partei, seit langer Zeit, "rausgehauen" haben.
    "Konversion" kommt wohl von "Konvertieren".
    Könnten sie Ihre Partei, auch nur Teile davon, überzeugen zum Menschenverstand zu konvertieren?
    Diesbezüglich wünsche ich Ihnen Glück.

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