28.06.2019, Berlin: Verlassen sind die Schienentrassen zum stillgelegten Bahnhof Wernerwerk. (Quelle: dpa / Paul Zinken)
Audio: Inforadio | 28.06.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa / Paul Zinken

Berliner Bahnstrecke - Pläne für Erneuerung der Siemensbahn werden konkreter

Der Berliner Senat und die Deutsche Bahn haben den Startschuss für die Reaktivierung der Siemensbahn gegeben. Bahnvorstand Ronald Pofalla und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), unterzeichneten am Freitag eine erste Finanzierungsvereinbarung für vorgezogene Planungsleistungen, wie beide Seiten mitteilten.

Berlin gibt demnach 2,3 Millionen Euro, damit die ersten Planungsleistungen an Unternehmen vergeben werden könne. Darunter fallen Umweltstudien, Schallgutachten und Vermessungsarbeiten. "Hier verbindet sich Berlins Industrialisierungsgeschichte mit der Zukunft der Industrialisierung im 21. Jahrhundert", sagte Müller der Mitteilung zufolge.

Strecke seit 1980 stillgelegt

Die Siemensbahn von Jungfernheide bis Gartenfeld wurde 1929 in Betrieb genommen, um Arbeiter aus der Innenstadt zu den Siemens-Werken zu bringen. 1980 legte die auch in West-Berlin für die S-Bahn zuständige DDR-Reichsbahn den Abschnitt nach einem Streik still. Die Arbeiter fuhren auf der neuen U-Bahnlinie 7.

Geplanter Campus belebt Siemensbahn-Planung

Im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte verfielen die Bahnanlagen, darunter auch die Stationsgebäude Wernerwerk, Siemensstadt und Gartenfeld. Die Gleise sind überwuchert. Brücken, Schiene und die gesamte Technik müssen instand gesetzt oder neu aufgebaut werden. Der Senat hatte schon seit Jahren überlegt, die S-Bahnstrecke wieder zu eröffnen. Anträge der Bahn, die Trasse aufzugeben, wies das Land wiederholt zurück.

Neuen Schwung in die Debatte brachte die Ankündigung von Siemens, bis 2030 bis zu 600 Millionen Euro in seinen Standort zu investieren. Geplant ist ein Campus für Forschen, Produzieren und Wohnen. Senat und Bahn versprechen nun, dass die 4,5 Kilometer lange Bahnstrecke von Jungfernheide bis Gartenfeld in Betrieb gehen soll, bevor der Siemens-Campus fertig ist. Dessen Eröffnung ist für das Jahr 2030 geplant.

Sendung: Inforadio, 28.06.2019, 15.40 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Mit dem damaligen S-Bahn Boykott hat sich Berlin damals ein echtes Eigentor geschossen. Anstatt die Gelder in die Entwicklung der Wirtschaft zu stecken wurde das Intrigenspiel der Gewerkschaft und der Springer-Presse bedient. Es gab da auch Gewinner. Brandt konnte den großer Politiker spielen. Die Baubonzen konnte fette Gewinne mit dem U-Bahn-Bau einstreichen. Das Berlin heute keine 100.000 in der Industrie heute hat, ist diesem politischen und wirtschaftlichen Dilettantismus geschuldet.

  2. 5.

    Umweltstudien und Schallgutachten sind ganz normale Produkte eines geordneten Bauprozesses. Kein Grund zur Dramatisierung. Siemens wird das Ding schon durchboxen. Da bin ich ziemlich zuversichtlich

  3. 4.

    Umweltstudien, Schallgutachten... Klingt nach planmäßiger Verhinderung. Dabei ist die Strecke doch gar nicht entwidmet. Die dringend notwendige Verlängerung in den Spandauer Norden wird ebenfalls auf den St. Nimmerleinstag geschoben, obwohl dort durch die vielen Neubaugebiete dringend eine Bahn benötigt wird. Und zwar keine Straßenbahn, die der Senat ja gerne als Verkehrshindernis baut, sondern eine leistungsfähige und schnelle Anbindung an die Innenstadt.

  4. 3.

    Berlin will bauen?
    Mal ehrlich, werden wir die Fertigstellung je erleben?
    Leider wurde in diesem wohlfeinen Jubelartikel die Summe unterschlagen, die Berlin bereitstellen muss, damit überhaupt SIEMENS sich ansiedelt. Geschätzte 1,4 MILLIARDEN ! Da nehmen sich die versprochenen 600 Millionen von SIEMENS wie ein Tropfen auf den heißen Stein aus.
    Nach "Kanzlerbahn", BER, Kulturforum, Wohnungsbau u.s.w. eine neue Dauerbaustelle, die Steuergelder verbrennt.

  5. 2.

    Hallo Redaktion,

    Vor 1929 Jahren??? Da war wohl dort noch nicht so viel los... geschweige denn eine S-Bahn; bitte korrigieren!

    Danke!

  6. 1.

    Ohne Druck von Siemens wäre aus der Siemensbahn bestenfalls ein Güntherscher Radweg geworden. Jetzt fehlt nur noch die frühzeitige Untersuchung der angeblich angedachten Verlängerung bis auf die andere Seite der Havel. Das wäre dann aber wohl schon zu weit weg vom S-Bahn-Ring.

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