Claus Schenk Graf von Stauffenberg (l.) mit Adolf Hitler (M.) am 15. Juli 1944 im Führerhauptquartier Wolfsschanze (Quelle: AKG Images)
Video: Abendschau | 19.07.2019 | Arndt Breitfeld | Bild: AKG Images

Attentat auf Hitler vor 75 Jahren - Das geschah am 20. Juli 1944

Penibel war der Putsch geplant. Doch eine Reihe unglücklicher Ereignisse vereitelte erst das Attentat auf Adolf Hitler und schließlich die Machtübernahme. Am 20. Juli 1944 wankte das NS-Regime. Eine Chronik der Ereignisse.

7 Uhr, Flugplatz Berlin-Rangsdorf

Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg und sein Adjutant Werner von Haeften treffen am Flugplatz Rangsdorf südlich von Berlin ein. Ihr Ziel ist das Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreußen. Im Gepäck haben sie zwei identische Aktentaschen. Eine enthält Unterlagen. Die andere ist eine Bombe. Sie enthält zwei Päckchen britischen Plastiksprengstoff, je ein Kilogramm schwer, die Oberst Wessel Freytag von Loringhoven besorgt hat. Die Päckchen sind mit sogenannten Bleistiftzündern versehen. Werden sie ausgelöst, beginnt eine chemische Substanz einen Draht zu zersetzen. Nach einigen Minuten reißt der Draht und ein Schlagbolzen wird gelöst. Die Bombe geht hoch. Stauffenberg und von Haeften wollen an diesem Tag Adolf Hitler töten.

Kurz nach 10 Uhr, Rastenburg

Nach der Ankunft werden Stauffenberg und von Haeften vom Flugplatz in das etwa sechs Kilometer entfernte Führerhauptquartier gefahren.

11:30 Uhr, Wolfsschanze

Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht und treuer Untergebener Hitlers teilt Stauffenberg mit, dass der geplante Tagesablauf geändert wird, weil sich Benito Mussolini für den Nachmittag angekündigt hat. "Il Duce" ist mittlerweile Kopf einer italienischen Marionettenregierung von Hitlers Gnaden. Die Lagebesprechung zwischen Stauffenberg und dem Führer - der geplante Zeitpunkt für das Attentat - wird nicht um 13 Uhr stattfinden, sondern schon eine halbe Stunde früher.

12:15 Uhr

Stauffenberg bittet, sich für das Treffen frisch machen zu können. Da er nur noch drei Finger besitzt, müsse sein Adjutant ihm helfen das Hemd zu wechseln, sagt er. In einem Nebenzimmer versuchen die beiden, die Zünder scharf zu stellen. Sie haben den Vorgang vorher geprobt, doch ihre Nerven liegen blank. Als ein Oberfeldwebel die Tür öffnet und Stauffenberg mitteilt, die Besprechung fange an, ist nur ein Sprengsatz scharf. Der zweite bleibt mit von Haeften zurück.

12:30 Uhr, Bendlerblock in Berlin

Die Köpfe der Verschwörung sind zusammengekommen: der Theologe Eugen Gerstenmaier, Generaloberst Erich Hoepner, Polizeivizepräsident Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Hauptmann Ulrich-Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, Oberregierungsrat Peter Graf Yorck von Wartenburg sowie Marineoberstabsrichter Berthold Schenk Graf von Stauffenberg, der Bruder des Attentäters. Sie warten auf die Nachricht von Hitlers Tod, um den Umsturz einzuleiten. Das vereinbarte Stichwort heißt "Walküre".

Dahinter steckte ursprünglich ein Notfallplan aus dem Jahr 1941. Falls es zu Aufständen unter der Zivilbevölkerung gekommen wäre, hätte das Ersatzheer aktiviert und die Kontrolle in wichtigen Städten übernehmen sollen. Stauffenberg hatte ab 1943 gemeinsam mit Generalmajor Henning von Tresckow den Plan manipuliert, so dass unter anderem zentrale Personen von SS, NSDAP und Gestapo verhaftet werden würden. Auslösen muss den Plan der General der Infanterie, Friedrich Olbricht.

12:35 Uhr, Wolfsschanze

Das Treffen hat bereits begonnen. Die Verschwörer waren davon ausgegangen, dass es in einem Bunkerraum stattfindet. Aufgrund der Betonwände wäre die Wucht der Explosion gewaltig gewesen. Doch die Besprechung wurde in eine Holzbaracke verlegt. Es ist ein heißer Sommertag, alle Fenster sind geöffnet.

23 Offiziere stehen mit Hitler an einem schweren Eichentisch. Es geht um die Lage an der Ostfront. Ein Offizier steht zwischen dem Führer und Stauffenberg. Er stellt die Tasche ab und schiebt sie an den Tischsockel. Augenblicke danach entschuldigt er sich und verlässt den Raum.

12:42 Uhr

Als die Bombe explodiert, ist Stauffenberg wenige Hundert Meter von der Baracke entfernt. Von Haeften steht bei ihm. Die Explosion ist enorm, Verletzte stolpern ins Freie, verkohltes Papier segelt durch die Luft. Beide gehen offenbar davon aus, dass Hitler nicht überlebt haben kann. Ein Wagen steht bereit, sie steigen ein und fordern den Fahrer auf, aufs Gas zu drücken.

Alarm wird ausgelöst. An einem Wachposten putzt Stauffenberg erfolglos die Soldaten runter. Unbeeindruckt rufen die Soldaten ihren Kommandanten an, der noch nicht weiß, was passiert ist. Die Wachen heben den Schlagbaum. Während der Fahrt zum Flugfeld schmeißt von Haeften das zweite Sprengstoffpaket aus dem Wagen. Der Fahrer sieht das.

13:05 Uhr, Berlin, Wolfschanze

Generalleutnant Fritz Thiele, Chef über die Nachrichtenverbindungen der Wehrmacht und Teil der Verschwörung, erhält im Bendlerblock einen Anruf von General Erich Fellgiebel aus Ostpreußen: "Es ist etwas Furchtbares passiert, der Führer lebt." Vier Männer sind bei der Explosion gestorben. Wie alle anderen in der Baracke zerreißt es Hitler das Trommelfell. Ansonsten ist er aber nahezu unverletzt. Darauf ist niemand vorbereitet. Thiele und Olbricht gehen Mittagessen. "Walküre" wird vorerst nicht ausgerufen.

Wie abgesprochen, verhängt Fellgiebel allerdings eine Sperre für Nachrichten aus der Wolfsschanze. Sie hält aber nur wenige Minuten, da die SS nicht an seinen Befehl gebunden ist. NS-Propagandaminister Joseph Goebbels erreicht aber die Nachricht von dem Anschlag. Einzelheiten erfährt er nicht.

13:15 Uhr, Rastenburg

Stauffenberg und von Haeften steigen in das Flugzeug zurück nach Berlin. Für zwei Stunden sind sie nun nicht erreichbar. Die Verschwörung läuft ins Leere.

Etwa 14 Uhr, Berlin

Das Haus des Rundfunks, von Goebbels als Propaganda-Zentrale missbraucht, spielt eine wesentliche Rolle bei "Walküre". Das Heer soll es gemeinsam mit dem Sender Tegel und dem Funkturm besetzen. Deshalb alarmiert Oberst Albrecht Mertz von Quirnheim gegen 14 Uhr, zwei Stunden bevor "Walküre" offiziell ausgelöst wird, telefonisch die Infanterie-Schule Döberitz westlich von Spandau.

Heinrich Himmler, der zwar in der Wolfsschanze war, aber nicht an der Besprechung teilnahm, infomiert die Gestapo in Berlin, dass Stauffenberg festgenommen werden soll.

15:15 Uhr

Thiele telefoniert noch einmal mit der Wolfsschanze, erfährt die Zahl der Verletzten und Toten. Olbricht und Thiele zögern, wollen keinen Fehlalarm auslösen.

15:30 Uhr

Olbricht lässt Fernschreiben an die Wehrkreiskommandos vorbereiten. "Der Führer Adolf Hitler ist tot", heißt es. "Eine Clique frontfremder Parteiführer" wolle die Situation nutzen, "um der schwerringenden Front in den Rücken zu fallen".

15:45 Uhr, Rangsdorf

Wieder gelandet, ruft von Haeften sofort Thiele im Bendlerblock an und versichert, dass Hitler tot ist.

16:00 Uhr, Bendlerblock, Wolfschanze

Olbricht fordert Generaloberst Friedrich Fromm, den Befehlshaber des Ersatzheeres, in dessen Büro auf, den "Walküre"-Befehl zu unterschreiben. Fromm lässt sich allerdings mit Keitel in der Wolfsschanze verbinden und erfährt so, dass Hitler lebt. Daraufhin weigert sich Fromm zu unterschreiben.  

Himmler hebt die Fernmeldesperre auf. Keitel lässt alle Wehrkreiskommandos über das Scheitern des Attentats informieren. Hitler führt Mussolini unterdessen durch die zerstörte Baracke.

16:15 Uhr, Berlin

Oberstleutnant Albrecht Mertz von Quirnheim, Olbrichts Stabschef, informiert eigenmächtig die Wehrkreiskommandos darüber, dass die Reichsregierung den militärischen Ausnahmezustand verhängt habe. Das Ersatzheer soll Reichsminister, NSDAP-Gauleiter und KZ-Wachmannschaften festnehmen. Über den Militärticker laufen nun parallel völlig gegensätzliche Informationen: alles ist in Ordnung, aber "Walküre" ist ausgelöst.

Als Fromm davon erfährt, wird ihm klar, dass er wie der Drahtzieher des Attentats aussehen muss. Er erklärt Mertz von Quirnheim wegen Kompetenzüberschreitungen für festgenommen und befiehlt Olbricht, den "Walküre"-Befehl zurückzunehmen.

Dass sich kurz darauf eine drei Kilometer lange Kolonne Richtung Haus des Rundfunks in Bewegung setzt, wird nicht mehr verhindert.

16:30 Uhr, Bendlerblock

In der Nachrichtenzentrale fordert ein weiterer Assistent Stauffenbergs den leitenden Offizier dazu auf, die Nachricht abzusetzen: "Der Führer Adolf Hitler ist tot". Versehentlich befiehlt er, dass dies höchste Dringlichkeit und Geheimhaltungsstufe habe. Das nächste Verhängnis: Da dies nach besonders strengen Vorschriften verlangt, wird es mehrere Stunden dauern, bis alle Empfänger informiert sind.

16:45 Uhr

Als Stauffenberg im Allgemeinen Heeresamt eintrifft, erfährt er, dass "Walküre" gerade erst angelaufen ist. Sofort versucht er zu retten, was längst verloren ist. Er versichert Fromm, dass Hitler tot sei.

"Das ist doch unmöglich, Keitel hat mir das Gegenteil versichert."

"Der Feldmarschall Keitel lügt wie immer. Ich habe selbst gesehen, wie man Hitler tot hinausgetragen hat", sagt Stauffenberg. "Ich habe die Bombe selbst während der Besprechung bei Hitler gezündet."

Darauf sagt Fromm: "Graf Stauffenberg, das Attentat ist missglückt. Sie müssen sich sofort erschießen." Stauffenberg lehnt das vehement ab. "Dann erkläre ich Sie hiermit für verhaftet", sagt Fromm. Olbricht und Stauffenberg versuchen Fromm, von der Verschwörung zu überzeugen. Doch die Diskussion eskaliert völlig. Schließlich setzt von Haeften ihn fest.

17:00 Uhr, Ostpreußen, Haus des Rundfunks

Der nächste unglückliche Zufall: Wegen eines Schaltfehlers laufen die Fernschreiben der Verschwörer auch in der Wolfsschanze ein. Der Putsch wird offensichtlich.

Unterdessen ist das Haus des Rundfunks umstellt. Die SS-Wacheinheit wird ohne Zwischenfall abgelöst. Die Sicherung des Gebäudes nach außen beginnt. Maschinengewehre und andere Infanteriewaffen werden an den Fenstern der Erdgeschossbüros an der Masurenallee in Stellung gebracht. In der folgenden Stunde besetzt das Militär Stockwerk für Stockwerk das ganze Haus des Rundfunks. In den Innenhöfen stehen jetzt Granatwerfer, auf dem Dach ist eine Beobachtungs- und Feuerleitstelle eingerichtet. Allerdings sendet das Nazi-Reich weiter - aus einem Bunker nebenan.

17:15 Uhr, Paris, Wien

In Paris und Wien wird damit begonnen, den Notfallplan umzusetzen und Mitglieder der SS zu verhaften.

18:00 Uhr, Bendlerblock

Ohne Unterlass gehen Anrufe aus dem ganzen Reich ein. Stauffenberg versucht immer wieder zu erklären, dass die "Walküre"-Protokolle ausgeführt werden müssen und die Wolfsschanze abgemeldet sei. Fromms fehlende Unterschrift auf dem Befehl macht dies wenig glaubwürdig. Außerdem wird seit 20 Minuten im Radio verkündet "der Führer lebt".

19:00 Uhr, Villa des Propagandaministers, Berlin

Major Otto Ernst Remer, Kommandeur des Wachbataillons, hat das Regierungsviertel abriegeln lassen und steht nun mit entsicherter Pistole Goebbels gegenüber. Unsicher, ob er ihm trauen kann. Goebbels, dem mittlerweile das Ausmaß des Attentats bewusst geworden ist fragt, was Remer nun vor habe. Er fühle sich an seinen Eid gebunden, auch wenn Hitler nicht mehr lebe, sagt Remer. "Wieso? Der Führer lebt doch. Ich habe gerade mit ihm gesprochen", sagt Goebbels fassungslos und lässt zur Wolfsschanze verbinden.

Ab nun beginnt der Gegenschlag.

22:00 Uhr, Bendlerblock

Eine Gruppe nicht eingeweihter Offiziere dringt in Olbrichts Büro und verlangt Aufklärung. Als Stauffenberg hinzukommt, wollen sie ihn festhalten. Als dieser sich losreißt und auf den Flur rennt, wird auf ihn geschossen. Eine Kugel trifft ihn in den Oberarm.

Unterdessen hat Remers Wachbatallion den Bendlerblock umstellt. Fromm kann sich befreien und wieder die Kontrolle zu übernehmen. Die Verschwörer werden festgenommen.

22:50 Uhr

Die Verschwörer seien von einem Standgericht im Namen Hitlers zum Tode verurteilt worden, behauptet Fromm. In Wahrheit ist es sein Befehl. Stauffenberg versucht noch, sich als Einzeltäter darzustellen.

Mitternacht, Bendlerblock

Im Hof wird aus zehn Unteroffizieren des Wachbatallions ein Exekutionskommando zusammengestellt. General Olbricht, Oberst Mertz von Quirnheim, Oberleutnant Werner von Haeften und Claus Schenk Graf von Stauffenberg werden vor einem Sandhaufen postiert. Sie werden von Scheinwerfern geblendet. Ihrem Dienstgrad entsprechend, werden sie der Reihe nach erschossen. Olbricht zuerst, dann Stauffenberg, von Haeften und schließlich Mertz von Quirnheim.

Sendung: Abendschau, 20.07.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 6.

    17:00 Uhr, Ostpreußen, Haus des Rundfunks
    ist auch nicht gerade eine passende Absatzüberschrift...

  2. 5.

    Die Widerständler gegen das Naziregime als „echt nazi“ zu beschreiben, finde ich ziemlich skurril und einfach abwegig.

  3. 4.

    Und obwohl wir angeblich in einer Merkel und Meinungsdiktatur leben, dürfen Sie und andere "Verfolgte" solchen Unsinn von sich geben, ohne das sie verhaftet werden und spurlos verschwinden.

  4. 3.

    Keiner der jetzigen Merkel Anhänger und Linksgrünen kann die national-patriotische und konservative Widerstandsbewegung gegen Hitler in irgend einer Weise für "sich" in Anspruch nehmen. Die Widerstandsbewegung Weiße Rose beruht auf christlichen Werten und ist in der Tradition der bündischen Jugend entstanden, einer Bewegung mit national-völkischen Ausrichtung.
    Um es mit dem limitierten Vokabular aktueller linksgrüner Kreise auszudrücken, heute wäre diese bündische Jugend "echt nazi".

  5. 1.

    Inhaltlich sehr informativ, aber BITTE BITTE nochmal korrekturlesen... "Wallküre" hat nichts mit einem Wall zu tun. Mit den Fällen hat es der Verfasser offenbar auch nicht so: "Ihren Dienstgrad entsprechend, werden sie der Reihe nach erschossen." <- WEM entsprechend?

    Und es sind noch weitere sprachliche Fehler vorhanden. Wer von Zwangsgebühren finanziert wird, sollte schon einigermaßen Deutsche können (und vielleicht diesen kritischen Beitrag nicht blockieren)!

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