Polizisten sind während der «Revolutionären 1. Mai-Demonstration» am 01.05.2019 im Einsatz. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Gewalt gegen Polizisten - Berliner Polizei richtet Hilfestelle für Beamte ein

Pöbeleien und Beschimpfungen sind mancherorts in Berlin Alltag für Polizisten. Manchmal kommt es noch heftiger und bei Kontrollen schlagen Betrunkene um sich oder Verdächtige ziehen eine Waffe. Jetzt sollen die Beamten besser psychologisch betreut werden.

Angesichts der vermehrten Angriffe auf Polizisten will die Berliner Polizei intern eine bessere psychologische Betreuung und Beratung der Opfer ermöglichen. Dazu soll demnächst eine interne "Ansprechstelle Gewalt gegen Polizisten" eingerichtet werden. Das kündigte Polizeipräsidentin Barbara Slowik an, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag berichtete. "Dort können sich unsere Kollegen hinwenden, wenn sie Gewalt erfahren." Slowik betonte: "Ich halte das für sehr wichtig, weil die Zahlen steigen. Es gibt einen dringenden Bedarf, das brauchen wir für unsere Leute, davon bin ich überzeugt." 

Im Jahr 2018 wurden in Berlin 6.959 Polizisten im Dienst angegriffen oder, wie es offiziell hieß, "Opfer einer Straftat gegen die Freiheit und körperliche Unversehrtheit". Ein Jahr zuvor waren es 6.811. Von den Polizisten aus dem Jahr 2018 wurden 1.608 leicht und elf schwer verletzt.

Häufige Angriffe auf Polizisten in Streifenwagen

Slowik sagte, die Ansprechstelle mit zunächst zwei oder drei Leuten solle ganz konkret Hilfe leisten. Dazu gehöre psychologische Unterstützung und in schweren Fällen auch Hinweise zu einer tiefergehenden Beratung. Ebenso sollen Fragen zur Unfallversicherung und Beihilfe für Beamte geklärt werden. Auch der Wunsch, eine Dienststelle oder einen Einsatzbereich zu wechseln, könne eine Rolle spielen, ohne dass direkt der Vorgesetzte eingeschaltet werde. Die Ansprechstelle solle direkt per Telefon und Mail erreichbar sein.

Am meisten seien die Besatzungen der Streifenwagen der Gewalt von aggressiven Angreifern auf der Straße und in Wohnungen ausgesetzt, sagte Slowik. "Die Kollegen wissen bei einem Alarm vorher nie, in welche Situation sie da reingeraten: eine Schlägerei oder Gewalt in einer Familie und plötzlich zieht einer ein Messer." Schon bei routinemäßigen Fahrzeugkontrollen müssten die Polizisten inzwischen höchst achtsam sein, weil der Respekt vor der Polizei in Teilen der Bevölkerung geschwunden sei. Das gelte besonders auch für jüngere Menschen, sogar Jugendliche.

"Beleidigt, bespuckt und getreten"

Tatsächlich kommen die Berichte wöchentlich und manchmal fast täglich: "Polizeistreife in Nikolassee von zwei jungen betrunkenen Männern beleidigt, bespuckt und getreten; zwei Polizisten leicht verletzt". Oder: "Wegen Lärmbelästigung herbeigerufene Polizisten in Neukölln in einem Hausflur unversehens angegriffen." Oder: "Vermummte werfen in Friedrichshain mit Farbe gefüllte Gegenstände und Flaschen von Hausdach auf Polizisten."

Eine solche Attacke gab es zuletzt am Pfingswochenende, als Polizisten in Friedrichshain mehrfach mit Steinen, Flaschen und Farbe attackiert wurden. Ein Beamter wurde verletzt. In der Rigaer Straße wurden im Mai Polizisten nach eigenen Angaben mit Steinen, Farbbeuteln und Flaschen attackiert.

Aber auch die Bereitschaftspolizisten von den Einsatzhundertschaften, die Gewaltausbrüche bei Demonstrationen erlebten, könnten sich bei der Ansprechstelle melden, sagte Slowik. Auch Mitgliedern der Spezialeinsatzkommandos (SEK), die zur Festnahme von Gewalttätern gerufen würden, stehe die Beratung offen.

Die neue Beratungsstelle solle an die schon vorhandene Sozialbetreuung angegliedert werden. Man werde klein anfangen und dann beobachten, wie groß der Bedarf und die Nachfrage seien.

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Wo wollen sie hier "Polizeibashing" entdecken können? Kritik ist nicht mehr erlaubt?

    Die Übergriffe und Verdrehen von Tatsachen (angeblicher Mordanschlag durch Türknauf)von Polizisten sind Tatsachen. Die Opfer von Polizeigewalt haben keine Anlaufstelle.

  2. 36.

    Seit wann werden Polizisten verurteilt? Das ist doch wohl eher die Ausnahme. Da sie meist Rückendeckung seitens der Kollegen bekommen, ist es sehr selten, dass Fehlverhalten ernsthafte Konsequenzen für Polizisten haben. Ich bin absolut für Hilfe und Unterstützung aller Uniformierten, die Opfer von Übergriffen werden. Aber es gibt eine Kehrseite der Medaille, die oft naiv ignoriert wird.

  3. 35.

    Sie vergessen die Rückendeckung der verantwortlichen Politiker. Die verurteilen auch mal schnell Polizisten ohne den eigentlichen Sachverhalt zu hinterfragen.

  4. 34.

    Echt jetzt? Unglaublich was hier so wieder an Polizeibashing rausgeholt wird.... Immer dran denken, die Polizei geht in die Einsätze weil es ihre Aufgabe ist. Macht sonst nämlich keiner. Und sie werden oftmals Ur angegriffen, weil sie eben Polizisten sind. Auf den Mensch in der Uniform schaut keiner.

  5. 32.

    Und wo bleibt die von der Koalition versprochene Unabhängige Anlaufstelle für Opfer von Polizeigewalt? Da haben die Lobbyvereine sich wieder durchgesetzt. Polizeigewalt wird weiter verharmlost, Straftäter werden weiter geschützt. Danke r2g.

  6. 31.

    "... weil der Respekt vor der Polizei in Teilen der Bevölkerung geschwunden sei" - Was für eine oberflächliche Pseudobegründung! Meiner Meinung nach, werden Polizist*innen als Ventile von aggressiven, frustrierten und gelangweilten Menschen betrachtet, denen ohne Konsequenzen mit Gewalt begegnet werden kann. Zu dieser Entwicklung konnte es aber nur kommen, weil eine schlampige Staatsführung förmlich dazu einladet. Wäre gewissenhafte Dienstaufsicht und verantwortungsvolle Personalführung in der gesamten Berliner Justiz betrieben worden, bestände Achtung vor den Beamt*innen in Uniform.

  7. 27.

    Ich wollt' nur mal drauf hinweisen, dass der Spruch in dem Zusammenhang meines Erachtens unpassend war. Für die Nazizeit ist der Begriff Polizeistaat meines Erachtens verharmlosend (die allerersten vier, fünf Jahre nach Machtergreifung vielleicht mal ausgenommen) und der nächste folgende Polizeistaat namens DDR ist mit mit dem Spruch nicht hausieren gegangen.

  8. 26.

    Der größte Teil der Morde an Polizisten geht auf das Konto gewöhnlicher Straftäter, die sich der Festnahme entziehen wollen. Politische oder religiöse Motive sind seltener. Trotzdem sind diese Extremtaten zum Glück die Ausnahme.
    Gewalt gegen Polizisten äußert sich aber meist in Form von körperlicher Gewalt, Angriffen auf die Fahrzeuge oder Dienststellen, Bedrohung und schwere Beleidigungen. Da ist die Zivilgesellschaft vor allem unter Alkoholeinfluss genau so vertreten wie die üblichen Verdächtigen. Angriffe aus der rechten Ecke gehen fast komplett auf das Konto von sogenannten Reichsbürgern. Regelmäßige Angriffe durch Linksextreme/Autonome, vornehmlich in der Rigaer sind kein Geheimnis. Und die Clans sind Polizisten auch nicht gerade wohlgesonnen, um es mal milde auszudrücken. Gruppen junger Männer meinen sich auch gern mal beweisen zu müssen. Alle (!) diese Formen von -wie auch immer gearteter- Gewalt sind konsequent abzulehnen!

  9. 25.

    Als Uniformträger bekommt man von der Berliner Politik keine Rückendeckung und wenn ich teile der Kommentare lese bekommt man Angst.
    Berlin hat ein echtes Problem, Gewalt wird toleriert und wenn Uniformträger aufmerksam machen ist es kurz medienwirksam

  10. 24.

    Der Ursprung dieses Zitats ist mir bekannt und wurde bewußt von mir eingesetzt. Danke, dass Sie immer so genau aufpassen, was andere schreiben^^

  11. 23.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich weiß, das klingt jetzt etwas neben der Spur, doch selbst die Serie Lindenstraße hat aktuell genau dies gerade zum wichtigen Thema gemacht.

  12. 22.

    All jene die gleich Migranten und Linksradikale für die Gewalt gegen Polizisten verantwortlich machen möchte ich bitten sich Mal kurz über im Dienst getötete Polizisten zu informieren. Dann stellt man ziemlich schnell fest daß ein großer Teil der Raten von Rechten begangen wird. Die Bedrohung auch mit Sprüchen "wir wissen wo du wohnst" kommt auch aus der rechten Ecke# nicht nur aus der linken.

  13. 21.

    Zucht mag in Nordkorea durchaus herrschen, Ordnung herrscht dort eben gerade nicht, da die rechtliche Ordnung dort durch die Machthaber nach Belieben angewandt oder eben ignoriert wird. Ihre Reiseempfehlung ist daher leider unbrauchbar.
    P.S.: Sprüche wie "Jedem das Seine" sind heutzutage gaaaanz schlecht angesehen. Hat historische Gründe, wo die Ordnung auch nicht so genau genommen wurde.

  14. 20.

    Jedem das Seine. Ist Ihr Recht das zu bevorzugen. In Nordkorea? In der Türkei? Steht jedem frei, wo er wie leben möchte. Zucht und Ordnung...na denn, gute Reise^^

  15. 19.

    Tiefenentspannt? Nicht Ihr Ernst. Da höre ich von Freunden bei der Polizei aber ganz andere Dinge. Primär finde ich es natürlich richtig, Opfer von Gewalt jeglicher Art sollten Unterstützung erfahren. Gleichzeitig müssten aber viele Polizeibeamte immer wieder nachgeschult werden und psychologisch gecheckt. Der Dienst scheint nicht allen gut zu bekommen. Aber was ist mit Leuten, die schlechte Erfahrungen mit der Polizei machten? Die finden nirgends Gehör. Und was ist mit Feuerwehrleuten? Ein Freund von uns war knapp 30 Jahre dabei. Und es gab nie richtige Supervision, Beratung oder Unterstützung. Die Dinge, die er sah und erlebte sind z.t. so gravierend gewesen, hätte er keine ihn psychisch und moralisch unterstützende Familie gehabt, hätte das schlimme Traumata zur Folge haben können. Und so eine private, liebevolle Unterstützung hat nicht jeder.

  16. 18.

    Dem ist nicht so. Ich bin definitiv nicht links und hatte früher keinem Berufsstand gegenüber Vorurteile. Habe aber seit Jahrzehnten im Familien- und Bekanntenkreis regelmäßigen Kontakt zu Polizeibeamten. Bis auf wenige, sind die Meisten resigniert, ausgebrannt und fast alle latent ausländerfeindlich. Einige sind zudem derart oft wegen Lappalien lange krank geschrieben, dass jeder in der freien Wirtschaft schon gekündigt worden wäre. Wenn das Thema auf diese Dinge kommt, fällt es nicht nur mir schwer, den Mund zu halten. Polizisten sind nämlich meist auch sehr von sich eingenommen und lassen Widerspruch nicht gerne zu. Inzwischen bedauere ich, dass ich diese Erfahrungen machen musste, da ich dem Berufsstand gegenüber insgesamt nicht mehr unvoreingenommen gegenüber treten kann. Und bevor ich jetzt geteert und gefedert werde: das sind meine Erfahrungen. Natürlich sind nicht alle so. Aber ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es viel mehr psychologische Einstellungskriterien geben muss, viele scheinen für diesen Beruf nicht geeignet zu sein. Ihnen fehlt es an Fairness, Toleranz und Charakterstärke. Verheerend für einen Polizisten in Berlin. Kein Wunder, dass viele mit Mitte 40 auf ein Burnout zusteuern. Trotzdem darf es keine Gewalt Einsatzkräften gegenüber geben. Aber die Medaille hat oft zwei Seiten...

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