Protestransparante hängen an den Wohnhäusern in der Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain. (Quelle: imago/M.Czapski)
Video: Abendschau | 15.07.2019 | Dorit Knieling / Florian Eckardt | Bild: imago/M.Czapski

Kaufvertrag beurkundet - Berlin kauft 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee

Monatelang hat der Senat darüber verhandelt, Mieter hatten protestiert - nun hat das Land Berlin die 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee von einem privaten Eigentümer angekauft. Der Preis ist noch unbekannt - die CDU geht von mehr als 4.000 Euro pro Quadratmeter aus.

Das Land Berlin kauft rund 670 Wohnungen in der Karl-Marx-Allee von einem privaten Eigentümer. Sie werden von der kommunalen Gesellschaft Gewobag übernommen, wie die Senatskanzlei am Montag mitteilte. Demnach ist ein entsprechender Kaufvertrag am Freitag beurkundet worden.

Ursprünglich wollte die Firma Predac als bisheriger Eigentümer die Wohnungen an den Konzern Deutsche Wohnen veräußern, der in Berlin bereits 112.000 Einheiten besitzt. Dies hatte Ende vergangenen Jahres heftige Proteste bei den Mietern ausgelöst, weil sie starke Mieterhöhungen fürchteten.

In einer spektakulären Aktion versuchte das Land daraufhin, der Deutsche Wohnen die in den 90er Jahren privatisierten Wohnungen in der einstigen DDR-Prachtmeile wegzuschnappen. Der Senat entwickelte dazu zunächst ein kompliziertes Modell, um die Mieter bei der Ausübung eines Rückkaufrechtes zu unterstützen. Die Idee: Die Mieter kaufen ihre Wohnungen und reichen sie direkt an die Gewobag weiter. In den drei Gebäuden zogen bis zu 46 Prozent der Haushalte dabei mit.

Gespräche mit Predac führten zum Ziel

Parallel dazu versuchte das Land weiterhin, alle Wohnungen und Gewerbeeinheiten möglichst komplett in kommunalen Besitz zurückzuführen. Dazu gab es zum einen juristische Auseinandersetzungen vor Gericht, zum anderen auch hinter den Kulissen Gespräche mit Predac und Deutscher Wohnen. Dies führte nun zum Erfolg.

"Ich möchte, dass die Berlinerinnen und Berliner sich das Wohnen in der Stadt auch weiterhin leisten können. Wohnen ist eine zentrale soziale Frage in fast allen Großstädten", erklärte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu dem Deal. "Deshalb war und ist es meine feste Absicht, dort wo es geht, Wohnungen zu kaufen, damit Berlin wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt erlangt. Diese 670 Wohnungen sind ein erster guter Schritt in diese Richtung."

Lompscher spricht von "großartigem Erfolg"

Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) erklärte: "Das ist ein großartiger Erfolg von Senat, Bezirk und Mieterbeirat und eine gute Nachricht für alle Mieterinnen und Mieter, die mit ihrem engagierten Kampf gegen eine Übernahme der Bestände durch die Deutsche Wohnen und ihre Bereitschaft für unkonventionelle Wege zur Rekommunalisierung maßgeblich zum Gelingen beigetragen haben."

Auch der Vorsitzende des Mieterbeirats der betroffenen Wohnblöcke, Norbert Bogedein, zeigte sich im rbb erfreut über die Entwicklung. Dass es so kommen würde, habe sich allerdings schon im Laufe der zurückliegenden Gerichtsverhandlungen gezeigt. Dort habe die Deutsche Wohnen zu erkennen gegeben, dass sie kein Interesse mehr an dem Geschäft habe, so Bogedein.

Spekulationen um den Kaufpreis

Zum Kaufpreis schweigt sich die Pressemitteilung des Landes Berlin aus. Der "Tagesspiegel" hatte im November 2018 gemeldet, der Kaufpreis, den die Deutsche Wohnen für einen Block mit 82 Wohnungen und Ladengeschäften bezahlt hätte, habe bei 28 Millionen Euro gelegen. Das entspreche ungefähr einem Quadratmeterpreis von 3.500 Euro.

In den vergangenen Wochen war dann über einen Quadratmeterpreis von 4.500 Euro spekuliert worden. Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) sagte dem rbb, das Land Berlin habe jetzt weniger bezahlt, es habe einen Rabatt gegeben wegen des großen öffentlichen Drucks. Mehr zum Kaufpreis wolle er erst sagen, wenn der Verkauf komplett unter Dach und Fach sei.

Der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff, geht davon aus, dass Berlin über 4.000 Euro bezahlt habe. Das sei zu viel für unsanierten Altbau, twitterte er. Dem rbb sagte Gräff, der Senat beteilige sich damit daran, die Preise für Immobilien in Berlin weiter nach oben zu treiben.   

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, der Kaufpreis für die rund 670 Wohnungen habe bei 28 Millionen Euro gelegen. Das ist nicht korrekt: Die 28 Millionen beziehen sich nur auf einen Block des ganzen Pakets. Wir haben die Textpassage entsprechend korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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61 Kommentare

  1. 60.

    Nur kurz, da ich diese neoliberalen Märchen schon etliche Male widerlegt habe und ich keine Lust habe die links erneut herauszusuchen.

    Selbst Unternehmen und Publikationen, die der Wohnungswirtschaft nahe stehen weisen darauf hin dass Neubau die Wohngegend aufwertet und was passiert dann unweigerlich? E-ben.

  2. 59.

    Wenn ich die Karl Marx Bauten so sehe, wird einem doch nach dem ersten Anschein schon klar, dass diese Wohnungen nicht für "3,50" pro qm zu unterhalten sind. Deswegen sind diese Wohnungen ja seiner Zeit auch abgestoßen worden. Zu wenig Einnahmen für die Ausgaben.
    Das beginnt schon mit der alle 30 Jahre fällig werdenden Fassade.. alles Sonderanfertigungen, Denkmalschutz...
    Strangsanierung, Dach, Fenster, Fahrstuhl... alle paar Jahre kommt da der Kostenhammer.
    In welchem Traumland leben einige nur.

  3. 58.

    Was redet ihr alle von Mieterschutz? Deutsche Mieter sind mehr geschützt als sonst wo anders auf der Welt. Auf legalem Weg kriegt man ja heute kaum jemand aus seiner Wohnung, selbst wenn er sich daneben benimmt oder das Haus terrorisiert.
    Euch geht es einfach zu gut und die Politik kraucht euch aus Angst vor Wahlverlusten in den Allerwertesten.

  4. 57.

    Berlin hätte sehr viele Grundstücke, die kurzfristig bebaut werden könnte. Über 100.000 Wohnungen wären auf einem Bruchteil der Kleingartenflächen möglich. 3.000 Wohnungen wollten die Berliner nicht auf dem THF, in Charlottenburg darf ebenfalls nichts grünes einem Wohnhaus weichen. Überall, Wo jetzt schon der städtische Grundstein gelegt wurde, hat die alte Regierung den Bau angestoßen. Der Fünf-Jahres-Plan von Frau Lompscher ist schon lange das Papier nicht mehr wert, auf dem er gedruckt wurde. Es fehlen Grundstücke, weil Partikulärinteressen mit dem Segen von RRG über das Gemeinwohl gestellt werden.

    Man kann nicht gleichzeitig gegen steigende Mieten UND gegen Neubau sein ohne sich unglaubwürdig zu machen. Wenn der befristete Mietdeckel etwas bringen soll, müssen jetzt sofort unverzüglich die Weichen für einen Neubau en mas gestellt werden. Das passiert aber nicht. Also kann man sich das ganze Gewese wie schenken.

  5. 56.

    Im Mietspiegel sind die Wohnungen nach Baujahr gestaffelt. Eine Wohnung von 1965 wird in einer anderen Liste geführt als eine von 2010 und eine von 2019 taucht erst in ein paar Jahren auf.

    Die Wohnung von 1965 wird im Mietspiegel teurer, weil bei Neuvermietungen die Preise steigen und sich damit auf den Mietspiegel auswirken. Mangels Alternativen sind viele Wohnungssuchende bereit, höhere Mieten zu zahlen.

    Warum waren in Kreuzberg lange Zeit die Mieten so billig? Weil kaum ein besser verdienende an der Mauer wohnen wollte! Auch heute noch gibt es in Berlin Schulen, bei denen man so gut wie keine Deutsch-Muttersprachler findet. Der RBB hat dazu heute einen Artikel veröffentlicht.

    Ein Neubau hat deshalb höchstens indirekt Einfluss auf den Mietspiegel, weil sich solche Effekte ändern. Diejenige, die als Student nach Kreuzberg gezogen sind und heute als Akademiker dort noch wohnen, haben das Umfeld verbessert und damit indirekt zu höheren Mieten beigetragen.

  6. 55.

    Martina, leben wir in der selben Stadt ? Kann ich mir kaum vorstellen sonst kann man solchen Unsinn kaum schreiben. Allerdings wenn man Klientelpolitik unterstützt schon.

  7. 54.

    Herr Neumann. Berlin baut auch. Bezahlbare, durch kommunale Bauunternehmen so viel wie in den Jahren zuvor nicht.
    Vergäbe auch ohne Ende Grund und Boden nach Erbbaurecht - Grundstück bleibt also in öffentlicher Hand - für Genossenschaften, Syndikate, Baugruppen die sich bezahlbarer Wohnraumerstellung und-betrieb verpflichten und so dem Spekulationsmarkt entziehen. Bloss...Berlin verfügt über diese Grundstücke nicht. Sie sind weder herbeizauberbar, noch ist Grund und Boden beliebig vermehrbar - wie es die Gläubigen und die Priester der sogenannten "Marktwirtschaft" gerne absichtsvoll irreführend propagieren. Es gibt diese wundersame Vervielfachung von Grund und Boden nicht, die dem gleichsam religiösen Glauben an ständiges Wachstum und Vermehrung durch Kapitalismus entspringt.
    Also unterhalten wir uns selbstverständlich und wie immer schon in der Menschheitsgeschichte AUCH darüber wer, was, wofür sein Eigentum nennt. Normalität in Demokratien.

  8. 53.

    Unsinn, ich habe aber keine Lust mehr den ständig wiedergekäuten und mehrmals widerlegten Unsinn zu kommentieren.

    Neubau erhöht den Mietspiegel, Rekommunalisierung bremst den Mietspiegel PUNKT

  9. 52.

    Sie haben den entscheidenden Unterschied erkannt: Wien baut, und das nicht nur Wohnungen! Hier wird vor allem Rücksicht auf die NYMBYs genommen, die ihr privates Wohlergehen über das Gemeinwohl stellen.

  10. 51.

    Auch in Wien hilft das vor allem ebenso den eingeborenen Wohnungsbesitzenden und ihren Erben. Wer neu eine Wohnung sucht, guckt dort ähnlich dumm aus der Wäsche, wenn nicht sogar noch dümmer als hier. Die Warteliste für eine kommunale Wohnung ist sehr lang. Die Mieten für private Altbauten sind theoretisch gedeckelt. Da aber Zeitmietverträge weit verbreitet sind, klagen nur wenige dieses Recht ein. Das Genossenschaftsmodell führt zu Zuzahlungen oft deutlich im fünf-, wenn nicht sogar sechsstelligen Bereich.

    Gegen diese Form der auch vom Rest der Alpenrepublik finanzierten kommunalen Besitzstandswahrung regt sich immer mal wieder mehr oder weniger Widerstand.

  11. 50.

    berlin hat noch viel aufzuholen und wiedergutzumachen.
    wien hat 1920 mit seinem staedtischen bauprogramm fuer wohnungen begonnen.
    die fruechte dieser beharrlichkeit und disziplin kann man naechstes jahr zum 100. mal bestaunen, waehrend berlin ehemals oeffentlichen besitz teuer zurueckkaufen muss, weil man sich seinerzeit von neoliberalen einfluesteren besoffen quatschen liess, dass der staat auf gar keinen fall unternehmer spielen darf, sondern der markt alles regelt.
    tja, in wien hat man schon vor 100 jahren begriffen, dass es eben dinge des alltags gibt, die der markt zwar regelt, aber eben nicht menschlich.
    gut so.

  12. 49.

    ich frage mich immer, wie lange es dauert, bis solche raeuberpistolen unerkannt und unwidersprochen durch das netz geistern koennen.
    sozialwohnungen in wien werden nicht vererbt, eben weil sie der stadt wien gehoeren. maximal wird das wohnrecht weitergegeben, so wie es in deutschen genossenschaften auch geht, selbts bei kommunalen wohnungsgesellschaften kann man das durchaus. sie meinen wahrscheinlich die unbefristeten mietvertraege, in die familienmitglieder "einsteigen" koennen. habe ich hier in berlin mit einer genossenschaft auch so gemacht, ist kein rotes zauberkunststueck.
    wien hat andere "magische tricks", die die betongoldmafia auf den tod hasst.
    erstens bis fuenfzigstens: wien baut immer noch selbst und nun auch fuer privat finanzierte projekte eine mindestquote an bezahlbarem wohnraum durchgesetzt. die betongoldmafia sprang zwar im kreis so wie hier und malte den untergang des abendlandes an die virtuellen waende, aber letztlich regelte das die marktmacht. gut so.

  13. 48.

    Och, die CDU twittert ... die sollten nicht länger wirksamen Mieterschutz verhindern und endlich mit ihrer Lobbypolitik für Black Rock und Deutsche Wohnen Schluss machen.

  14. 47.

    Die Wende wurde schon dank sprudelnde Einnahmen von der Vorgängerregierung eingeleitet.

    Aktuell wird eher gebremst und mit teuren Symbolen Politik für einzelne betrieben anstelle langfristig dafür zu sorgen, dass Vermietern wie der DE der Wind auf der Angebotsseite aus den Segeln genommen wird.

    Hier entsteht für 3.500€/qm keine einzige neue Wohnung. Wer eine andere sucht, weil er z.B. eine Famillie gründen möchte, guckt weiterhin in die Röhre. Der Wert des "Betongoldes" steigt rasant weiter, weil es zu wenig davon gibt.

  15. 46.

    So wie in der DDR wa! Da hatte jeder ne Wohnung. Jaja, den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Habt ihr alles vergessen wie die Häuser im Osten waren. Da war Platte toll, da gabs wenigstens kein Loch im Dach. Halt blöd wenn es einen Kaufmann braucht der das wieder bewohnbar macht. Schon schwer zu verstehen das so Hütten laufende Kosten haben (was auch im übrigen verdienst von Menschen zB Handwerkern ist.) Pleite Unternehmen wie die Stadt Berlin wird dann an den Hütten sparen und in 10 Jahren die Dinger wieder für Schrottwerte verscherbeln. Läuft bei euch Genossen.

  16. 45.

    Genau das ist es kein Berliner aber mitreden über Sachen wovon man keine Ahnung hat. Hier werden schon genug Steuergelder verschwendet für ideologischer Unsinn

  17. 44.

    Wer bezahlt das.Wie immer Bayern und Badeb-Wü. Berlin bezieht über 4.5 MRD €

  18. 42.

    Also da hat der Staat das dem Kapital aber mal RICHTIG gezeigt, indem er ihm noch mehr Geld an den Kopf geworfen hat. Wahnsinn!

    Schlaue Leute kaufen billig und verkaufen teuer. Der Staat machts andersrum. Schade nur, dass Steuern nicht freiwillig sind.

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