Archivbild: Die Friedrichstrasse wurde zwischen Kronenstrasse und Taubenstrasse fuer den Autoverkehr gesperrt. (Quelle: imago/Friedel)
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Berliner Friedrichstraße - Mittes Bürgermeister will Pflanzenkübel statt Parkplätze

Parkplätze an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte sollen zugunsten von kreativen Nutzungskonzepten aufgegeben werden. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) kündigte am Freitag an, dass beispielsweise Kübel für Grünpflanzen, Parkletts oder Holzpodeste für Straßencafés künftig an Stellen entstehen könnten, an denen derzeit noch Fahrzeuge abgestellt werden dürfen.

Dassel ermutigte Anwohner und Geschäfte, Ideen für alternative Verwendungszwecke beim Bezirk einzureichen. "Wir legen den Ball auf den Elfmeterpunkt. Schießen und verwandeln müssen andere", sagte von Dassel. Bisher habe sich noch nicht viel gerührt.

Archivbild: Stephan von Dassel (Bündnis90/Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, im Rahmen einer Pressekonferenz. (Quelle: dpa/Carstensen)
Bezirksbürgermeister von Mitte: Stephan von Dassel (Grüne)Bild: dpa/Carstensen

Autofreie Wochenenden im Oktober und in der Adventszeit

Für die Friedrichstraße zwischen dem Boulevard Unter den Linden und der Leipziger Straße gibt es schon länger die Idee einer autofreien Zone. Einen ersten Test will der Bezirk vom 4. bis 6. Oktober wagen. Für diese Zeit ist nun ein Straßenfest geplant. Ursprünglich hatte das Straßenfest Anfang September stattfinden sollen.

Der Bezirk finanziere das Fest mit Rest-Geldern aus der City Tax, sagte von Dassel. Bisher seien rund 30.000 Euro für eine zentrale Modenschau kleiner Labels vorhanden. Manche drohten ihre Berliner Läden wegen steigender Gewerbemieten zu verlieren. Ferner würden große Kübelpflanzen als Hingucker aufgestellt. Denn in der eher engen und geraden Straße können wegen der U-Bahnröhre und unterirdischer Leitungen keine Bäume wachsen. Die Straße habe ein bunteres Image dringend nötig, sagte von Dassel. Für den Rest des Programms seien die Anrainer eingeladen.

In der zweiten Adventswoche soll es eine zweite Sperrung für Autos als weiteres Appetithäppchen geben. Von Dassel könnte sich eine Nutzung leerstehender Ladenlokale in der Friedrichstraße durch kleine Modefirmen vorstellen - mit reduzierter Miete für eine begrenze Zeit. Aber auch das müsse von Eigentümern oder Pächtern gewollt werden. Anders als am Kurfürstendamm gebe es hier aber keinen schlagkräftigen lokalen Zusammenschluss. Die Straße sei geprägt von Baufonds, die zum Teil in Insolvenz seien.

Handelsverband sieht autofreies Konzept kritisch

Der Handelsverband sah das Konzept zu einer autofreien Friedrichstraße zuletzt kritisch und sprach sich auch gegen sich auch gegen ein autofreies Wochenende aus. Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, sagte dem rbb Anfang Juli: "Gute Einkaufsstraßen müssen keine Flaniermeilen sein".

Die Friedrichstraße, nach der Wende als neue Shopping-Edelmeile beworben, leidet schon lange unter Laden-Leerstand und der Verkehrssituation. Die Bürgersteige sind schmal, ein Flaneur-Gefühl kommt schwer auf - mit toten Läden und halbleeren Einkaufsquartieren schon gar nicht. Einziges Flaggschiff sind die Galeries Lafayette. Doch ob das französische Kaufhaus der Friedrichstraße auch langfristig treu bleibt, ist nicht sicher.

Im kommenden Jahr will der Senat eine mehrwöchige Sperrung dieses Teils der Friedrichstraße als Verkehrsversuch starten und auswerten. Ursprünglich war allerdings einmal angedacht, den Boulevard Unter den Linden für Autos zu sperren. Ein reine Fußgängerzone würde die Friedrichstraße wahrscheinlich auch nicht werden können - Fahrradfahrer und neuerdings auch E-Scooter brauchen mehr Platz und sichere Wege.

Sendung: Abendschau, 19.07.2019, 19.30 Uhr

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17 Kommentare

  1. 17.

    Selbst wenn die Friedrichstraße autofreie Zone wird, alles ein bisschen bunter gestaltet wird, werden die Luxuslabels verschwinden. ich würde wohl kaum mit meinen Luxuseinkäufen zum S- Bahnhof laufen und mich dort oder in der Bahn doof anquatschen lassen. Da es aber dort in der Umgebung kaum Parkplätze gibt wird die zahlungskräftige Kundschaft es doch vorziehen im KADEWE oder am Kurfürstendamm zu shoppen. Die preiswerteren Unternehmen können sich die hohen Mieten nicht leisten. Also kann die Friedrichstraße doch eigentlich für den Individualverkehr frei bleiben.

  2. 16.

    Zitat "Wären Sie zum Verzicht bereit, weil wir nur eine Welt haben?"

    Der Welt interessiert das relativ wenig, die hat schon ganz andere Zeiten durchlebt.
    Nur dir egoistischen Menschen gehts an den Kragen !! sags doch einfach, das es um den Menschen geht und nicht die Welt, die Erde mimimi.

  3. 15.

    Ist das Foto echt oder Photoshop?
    Da ist ja gaaaaanix los?!

  4. 14.

    Wenn ihr wirklich was für die Umwelt tuen wollt, dann pflanzt Bäume!!!

    Schaut euch mal das Foto zu diesem Beitrag an, nur Beton und Asphalt.
    Jedoch ist dort weder ein Baum noch ein Strauch zu sehen...

    Autos zu verteufeln hilft da nicht wirklich!!!

  5. 13.

    Bevor die verboten werden, muß man aber erst Alternativen schaffen. Street Art mit Partybänken und grünen Punkten sowie ein paar Felsbrocken kaufen bei einem guten Bekannten reichen dafür nicht aus. Genau diese Alternernativen sind aber vielen Grpnen ein Dorn im Auge, weil dafür Mittel im Haushalt umgeschichtet werden müssten. Mehr Geld für die langfristige Pflicht bedeutet eben auch weniger Geld für die kurzfristige Kür.

    Übrigens wird bei anhaltendem Trend in Bälde der CO2-Fußabdruck für die Nutzung von Internetdiensten größer sein als der des privaten Kraftverkehrs. Wären Sie zum Verzicht bereit, weil wir nur eine Welt haben?

  6. 12.

    Ich habe gar keine Abgasschleuder sondern einen hochmodernen Euro 6 SUV. Dank Google sitze ich schön im Garten und lasse mir alles gut verpackt nach Hause schicken. Also ran, hier ein paar Findlinge, da ein paar grüne Punkte und Kübel für den privaten Anbau stören mich in dieser Stadt nicht mehr.

  7. 11.

    Wenn ich ein Geschäft eröffne muß ich eine bestimmte Menge Parkplätze ausweisen, eventuell Ablöse zahlen (was ein Ablasshandel ist)
    Jetzt werden die von mir ausgewiesenen , bezahlten Parkplätze zweckentfremdet ?
    Ist das so richtig?

  8. 10.

    Die privaten Abgasschleudern müssen endlich komplett verboten werden. Wir haben nur eine Welt.

  9. 9.

    Wer sind die Anrainer?
    Seelenlose Konstrukte! Investoren &Co. die wenn es nicht funktioniert den Steuerzahler(die sind es jedenfalls nicht) den Dreck den sie dahingestellt haben über Jahrzehnte belasten.

  10. 8.

    Nur umsetzbar, wenn fussläufig erreichbare Parkmöglichkeiten entstehen. Straßencafes sollten ein buntes Bild ergeben und das Drumherum mehr wie eine Fußgängerzone gestaltet werden. Die Geschäfte müssten ihre Angebote prüfen und vielleicht ändern, um den Einkauf für jeden attraktiv zu gestalten. Es funktioniert. Siehe Wien.

  11. 7.

    Nur umsetzbar, wenn fussläufig erreichbare Parkmöglichkeiten entstehen. Straßencafes sollten ein buntes Bild ergeben und das Drumherum mehr wie eine Fußgängerzone gestaltet werden. Die Geschäfte müssten ihre Angebote prüfen und vielleicht ändern, um den Einkauf für jeden attraktiv zu gestalten. Es funktioniert. Siehe Wien.

  12. 6.

    Ich würde es schon begrüßen wenn nicht so viel Schrott am Straßenrand steht und dafür mehr Pflanzen.

  13. 5.

    Radfahrer und E-Scooter haben in Flaniermeilen, die zum Einkaufen einladen sollen, nichts zu suchen. Für die müssen andere Wege gefunden werden.

  14. 4.

    Dort sollte erstmal das absolute Halteverbot kontrlliert werden als jetzt schon wieder Ankündigungspolitik...

  15. 3.

    Als leidenschaftlicher Berliner weiß ich um die Eigenschaft der Stadtbewohner, grundsätzlich jeden Veränderungswunsch erstmals mit Meckereien zu versehen, später war es dann eigentlich ihre Idee gewesen. Der Kurfürstendamm mit seinen diversen Umgestaltungen und der Breitscheidtplatz bietet hier schöne Beispiele. Fakt aber ist, daß die südliche Friedrichstraße derzeit keine Straße ist, die zum Verweilen oder zum entspannten Shoppen einlädt, weil die Bürgersteige einfach zu schmal sind und der Straßenverkehr nervt.
    Das was z.B. in der Wilmersdorfer nach wütenden Protesten gut funktioniert, in Städten wie Heidelberg, Mannheim oder Frankfurt am Main längst selbstverständlich und insbesondere zur Freude des Einzelhandels bewährt hat, ruft hier jetzt wieder die Meckerer auf den Plan:
    Erst kieken, dann Schnauze aufreißen!

  16. 2.

    Da kann er sich gleich noch ein paar Tipps von Herrn Schmidt holen. Die Ideen in der Bergmannstr. sind auch sehr durchdacht. Ein paar Pflanzen noch und grüne Punkte, wird bestimmt ein tolles Boulevard. In Sachen Überheblichkeit und Arroganz passen Beide auch gut zusammen. Und wer darf diese Ideen bezahlen?

  17. 1.

    Der Schiedrichter von Dassel würde allerdings das Tor nicht geben, wenn die falsche Mannschaft den Treffer landet. Die Anrainer haben sich positioniert. Jetzt muss er zeigen, ob er an der Meinung der Betroffenen interessiert ist oder wie im Afrikanischen Viertel trotzdem sein Ding machen will, weil die nicht seiner Doktrin folgen.

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