Eine Baustelle am Alexanderplatz. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Video: Abendschau | 04.07.2019 | Dorit Knieling | Bild: dpa/Christoph Soeder

Hochhaus-Leitbild - Berlin soll geregelt in die Höhe wachsen

Am Alexanderplatz gibt es Pläne für vier Hochhäuser, auch in Kreuzberg soll eins entstehen. Mit einem Hochhausleitbild bekennt sich die Senatsbaudirektorin nun zum "Wachstum nach oben". Sie setzt Regeln fest - darunter eine Sozialwohnungsquote in Luxus-Wohntürmen.

Berlin soll - mit Regeln - weiter in die Höhe wachsen. Das sieht das Leitbild für den Hochhausbau vor, das Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Donnerstag vorgestellt hat. Der Plan sei ein "Bekenntnis Berlins zum Wachstum nach oben", sagte Lüscher dem rbb.

Doch das Bekenntnis ist an Auflagen geknüpft, die künftig für alle Entwickler gelten sollen. Berliner Hochhäuser sollen demnach sowohl im Erdgeschoss als auch im Dachgeschoss öffentlich zugänglich sein. Hier sollen zum Beispiel Restaurants, Cafes oder Räumlichkeiten für kulturelle Nutzungen entstehen. Die Erdgeschossräume sollen dabei mindestens zehn Meter hoch und repräsentativ sein. Hochhäuser mit mehr als 60 Metern Höhe dürfen nicht mehr nur reine Wohn- oder Geschäftsgebäude sein; hier ist eine Mischnutzung von mindestens 70 (Geschäft) zu 30 Prozent (Wohnen) vorgesehen.

Lompscher verhandelte schonmal über Sozialwohnungsquote

Investoren, die reine Bürotürme realisieren wollen, müssen nicht nur einen festen Anteil Wohnungen einplanen. 30 Prozent der vorgegebenen Wohnungen müssen zudem künftig Sozialwohnungen sein.

Über eine solche Sozialwohnungsquote verhandelte die Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) nach rbb-Recherchen auch mit den russischen Investoren, die am Alexanderplatz den 150 Meter hohen "Capital-Tower" bauen wollen. Projektentwickler Monarch wollte im Gegenzug 100 Wohnungen mehr bauen als laut Bebauungsplan zulässig ist. Der Deal platzte allerdings, weil das laut Lompschers Fachabteilung ein "unzulässiges Kopplungsgeschäft" gewesen wäre.

Nun soll derlei Geschacher der Vergangenheit angehören, die Sozialwohnungsquote Gesetzeskraft erhalten. Zuvor muss allerdings noch das Abgeordnetenhaus über das Leitbild abstimmen.

In den oberen Etagen meist Luxuswohnungen

Die geplante Sozialwohnungsquote dürfte ein gewaltiges Einkommensgefälle innerhalb der Hochhaus-Türme erzeugen. Denn da Bauen in luftiger Höhe teuer ist, entstehen in den oberen Etagen meist hochpreisige Luxus-Wohnungen. Der 120 Meter hohe Steglitzer Kreisel wird derzeit zum Ü-Berlin-Tower umgebaut. Eine 147 Quadratmeter-Wohnung im 26. Stock wird beim Portal Immobilienscout für rund 1,8 Millionen Euro angeboten - mehr als 12.200 Euro pro Quadratmeter.

Auch am Alexanderplatz planen Investoren vier Hochhäuser, die zwischen 130 und 150 Meter hoch sein sollen - und sich an zahlungskräftige Kundschaft richten. Das 65 Meter hohe Wohnhaus "Grandaire" am Alex hatte in der vorigen Woche Richtfest gefeiert. Es ist nach dreißig Jahren der erste Wohnturm, der am Alex neu entstanden ist.

Senat will Bodenspekulation entgegen wirken

Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher geht davon aus, dass mit den rasant gestiegenen Immobilienpreisen auch das Investoren-Interesse gestiegen ist, in Berlin Hochhäuser zu bauen. Ganz bewusst enthält das Hochhaus-Leitbild deshalb keine Vorgaben dafür, wo überall in der Stadt neue Hochhäuser entstehen dürfen.

"Wir wollten der Bodenspekulation entgegen wirken. Wenn wir einzelne Gebiete ausweisen als Hochhausgebiete, dann werden dort automatisch die Grundstückspreise in die Höhe schnellen, und nicht nur dort, sondern auch im ganzen Umfeld", sagte Lüscher dem rbb.

Dass Investoren auch abseits des Alex in Berlin Hochhäuser planen, zeigte sich im März auf der weltgrößten Immobilienmesse MIPIM in Cannes. Gleich drei Berliner Hochhauspläne stellten Entwickler dort vor. So warb etwa der Berliner Projektentwickler UTB für einen 30-Geschosser in Kreuzberg. In der Immobilienzeitung erläutert der UTB-Chef Thomas Bestgen, sein Hochhaus solle "den durchmischten Kreuzberger Kiez in der Vertikalen" abbilden. Genossenschaften, Baugruppen, aber auch große Kitas und Co-Working-Spaces sollen darin Platz haben. Eine Unterstützerin hat Bestgen für sein Projekt schon mal: Die Senatsbaudirektorin stellte das Projekt auf der MIPIM mit vor.

Sendung: Abendschau, 04.07.2019, 19.30 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Welche Parkplätze? Der Innenring wird Autofrei. Lieferverkehr, ÖPNV und Politikerlimousinen dürfen dann nur noch dort fahren.

  2. 12.

    Wohnsilos Marzahn 2.0, Märkisches Viertel und wie sie alle heißen. Anonym, Steril. Viel Spaß da.

  3. 11.

    Ich erwarte doch, dass die Parkplätze mitgebaut werden (unter der Erde ist doch Platz). Egal, ob ÖPNV oder nicht - hier kommt Geld in die Kasse.

  4. 10.

    Die neue klare Bebauungsregelung ist sehr vorteilhaft für weitere Investoren, vor allem für den Bau von fehlenden Wohnungen. Bleibt zu hoffen, dass die unsinnigen Deckelungen von Mieten und die Enteignungsdebatten bald gerichtlich entschieden werden, um die größten Hemmnisse zu beseitigen.

  5. 9.

    ... etwas spät aber immerhin. Allerdings muss jetzt die Frage gestellt werden: wie viele Wohnungen wurden bisher nicht gebaut, weil Provinzler an der Berliner Traufhöhe festgehalten haben und wie viele Schicksale von Menschen wurden somit vom Senat bewusst zerstört.

  6. 8.

    Das fällt euch jetzt ein? Warum wurde in der Heidestr. nicht in die Höhe gebaut?
    Es waren auch keine Gebäude in der Umgebung, an deren Höhe sich man orientieren müsste.

  7. 7.

    Das wichtigste ist ein guter Ausbau des öffentlichen Verkehrs um die neuen Hochhäuser. Wir können uns keine Hundert Autos rund um so ein Hochhaus leisten in der Stadt. Wo bleiben denn die neuen Straßen- und U-Bahnen, die uns seit Jahren versprochen werden? Wo die Radwege?

  8. 6.

    Gerne mehr Hochhäuser. Aber bisher sehe ich nicht ein hohes Bauwerk, was ein echter Hingucker ist.So wie in anderen Großstädten. Blamabel für unsere Hauptstadt. Gerade am Alex würde ich mir mehr Künstlerische Hochhaus Architektur wünschen.

  9. 5.

    Wie kommt man auf eine Geschosshöhe von 10 Metern? Weiß der RBB was es damit auf sich hat?

  10. 4.

    Wenn es mit den Häusern nach oben geht, geht es mit Berlin bergab.

  11. 3.

    Endlich! Wirklich dringend notwendig.
    Zumal finde ich gut, dass auch Wohnungen drin sein müssen und davon 30% günstige.

    Die oberste Etage ein Restaurant oder Bar finde ich toll. Da haben die echt mal was gutes beschlossen.

  12. 2.

    Na endlich wurde mal nach oben statt auf den Boden geschaut. Nur in der Höhe hat Berlin genug Platz für Wohnungen, nicht nur in Hochhäusern. Aber auch diese können und werden dem Stadtbild gut tun.

  13. 1.

    Geht doch! Endlich mal ein sinnvolles Konzept! Statt immer nur "Bauen" und "in die Fläche" zu rufen, steht hier das im Mittelpunkt, was wirklich gebraucht wird: a) sozialer Wohnungsbau und zwar b) ohne extreme Flächenverschwendung und Versiegelung neuer Flächen. Weiter so!

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