Zwei Grundschüler während des Unterrichts (Quelle: imago/photothek)
Audio: Inforadio | 20.07.2019 | Thorsten Gabriel | Bild: imago/photothek

Ergebnisse von "Vera3" - Berliner Schüler bleiben bei Vergleichstests unterdurchschnittlich

Bei den diesjährigen Vergleichsarbeiten der dritten Klassen haben die Berliner Schülerinnen und Schüler erneut nur unterdurchschnittlich abgeschnitten. Bildungssenatorin Scheeres gelobt Besserung - unumstritten sind die Tests aber auch nicht. Von Thorsten Gabriel

Im Mai mussten die Berliner Drittklässlerinnen und Drittklässler wieder ran zu Vergleichsarbeiten. In Deutsch ging es diesmal ums Lesen und Zuhören, in Mathematik unter anderem um "Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit". Ergebnis: Bei 52 Prozent der rund 25.000 Schüler war die Leseleistung unterdurchschnittlich. Auch in Mathematik blieb die Mehrheit unter dem Niveau, das die Kultusministerkonferenz als Durchschnitt definiert. Wieder einmal: kein ruhmreiches Ergebnis, wenngleich in Teilen etwas besser als noch in den vergangenen Jahren.

Aufgaben zum Teil für Viertklässler

Wobei der Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, Martin Klesmann, zu bedenken gibt, dass bei Vera3 bewusst auch sehr viel schwierigere Aufgaben abgefragt wurden - oft auch Aufgaben, die erst am Ende der vierten Klasse gelöst werden können, so der Sprecher. Damit wolle man ein breites Leistungsspektrum aufzeigen. "Also, dass eben die vorhandenen Kompetenzen der Lernenden möglichst differenziert auch im unteren und oberen Ende des Leistungsspektrums erfasst."

Die Vergleichsarbeiten seien eben keine Rankingstudie, sondern dienten vor allem den konkreten Klassen als Hilfestellung. Stoff für Diskussionen über den bildungspolitischen Kurs sind sie aber auch. Die Testergebnisse seien "ein bildungspolitischer Offenbarungseid der Sozialdemokratie", kommentiert etwa der Schulexperte der FDP-Fraktion, Paul Fresdorf. Bildungssenatorin Sandra Scheeres müsse ihre "groß angekündigte Qualitätsoffensive" endlich umsetzen.

Scheeres plant Qualitätsoffensive

In der Tat verweist der Sprecher der Bildungsverwaltung auf genau diese Offensive. Sie zielt unter anderem darauf ab, dass die Tests an den Schulen ernster genommen werden. Bei Schülern und Lehrern sind die Vera-Arbeiten nämlich nur mittelmäßig beliebt, weil sie ein Zusatztest abseits des normalen Unterrichts sind. Entsprechend motiviert gehen viele Schülerinnen und Schüler dann auch ans Werk. Verwaltungssprecher Klesmann sagt zur "Qualitätsoffensive": "Es soll da auch Schulverträge geben, also Zielvorgaben, was erreicht werden soll, damit wirklich auch Lerngruppen, wo es eben nicht so gut läuft, hinterfragt werden, und es da zu besseren Ergebnissen kommt."

Außerdem sollen die Vergleichstests in Zukunft auf nahezu alle Jahrgangsstufen ausgedehnt werden. Bislang gibt es die Vera-Tests nur in der dritten und achten Klasse.

Sendung:  Inforadio, 20.07.2019, 14.50 Uhr

Beitrag von Thorsten Gabriel

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43 Kommentare

  1. 43.

    Für einen Pressesprecher der rechtsextremen AfD im Berliner Abgeordnetenhaus ist also die legitime Frage "Welches Programm für die Förderung von Grundschülern stellt denn ihre rechtsextreme "Partei" zur Verfügung/in Planung/in Aussicht? " also pöbeln?

    Hier können sie sehen was pöbeln und hetzen ist: https://www.merkur.de/politik/nach-afd-kritik-morddrohung-gegen-georg-restle-joerg-meuthen-heizte-in-rede-an-zr-12840220.html

  2. 42.

    Was wäre, wenn die Sueben hier nicht ausgewandert wären (wegen HochdeutschDefiziten?) -
    oder die Staufer sich langfristig durchgesetzt hätten : Schwäbisch als AmtsSprache !
    Die Vorstellung, in Berlin dann dem "Lesen und Zuhören" beiwohnen zu dürfen ...

  3. 41.

    Oh man, im Kern bin ich ja bei Ihnen, aber die Klischees, die sie da bedienen, sind schon recht heftig^^ Ich würde noch früher ansetzen und wieder nur Schüler an Gymnasien zulassen, die die nötige seelische und geistige Reife plus die nötigen Zensuren dafür erbringen. Denn es gibt heutzutage so viel Schularten, es ist kaum einem Schüler ohne gymn. Empfehlung damit gedient, ihn dort dem permanenten Druck auszusetzen. Und die anderen Schüler könnten orientierter lernen. Die derzeitige Situation in vielen Gymnasien ist sehr schwierig, wie Vorredner schon äußerten. Unser jüngstes Kind macht bald Abitur und wahrsch. sogar ein sehr gutes. Es erwägt trotzdem erst eine Berufsausbildung zu machen und dann, berufsbezogen, zu studieren. So weiß es mit 20 schon was es heißt arbeiten zu gehen und hat einen gelernten Beruf vorzuweisen. Nicht jedes abgeschlossenes Studium bedeutet nämlich automatisch, dass man einen gut bezahlten Arbeitsplatz findet.

  4. 40.

    Ich würde NC des Abitur auf 2.2 setzen, somit studieren nur die Fleiß- und Pflichtbewussten.
    Der Rest müsste gleich einen Beruf erlernen um Nachschub für Fachkräfte zu gewährleisten. Diese Lücke ist zur Zeit fast nicht mehr korrigierbar. Weiterqualifizierung wäre danach wünschenswert.
    Mancher Abiturient ist mit schlechtem Abitur durch, hängt vor Studienbeginn zur Selbstfindung herum und studiert das was er zur Abiturzeit schon nicht konnte und bricht ab.
    Dabei verschenkt m/w/d wichtige sozialversicherungspflichtige Rentenbeitragsjahre und wird später stöhnen das er keine Rente bekommt, und redet dann von "den Reichen" und wird Hobby-Revoluzer.
    Hier würde ich komplett neuordnen.

  5. 39.

    Da muss ich jetzt einmal eine Lanze für viele Schüler brechen. Auch in anderen Bundesländern fragt man sich manchmal verstört, wie manche ein Abitur schaffen.konnten. In Bremen und NRW z.b. Sie haben sicherlich recht, das Berliner Abitur ist kein besonderes Qualitätsmerkmal mehr. Bildung sollte man aber auch nicht nur am Schulabschluß festmachen. Allgemeinbildung, Sozialkompetenz und kontinuierliche Weiterbildung sind auch wichtige Faktoren. Das wird weitgehend privat errungen. Deswegen spreche ich hier für die Schüler, die lernwillig, fleißig und verantwortungsbewußt sind. Die sich in der Situation nicht unterkriegen lassen und sich auch privat bilden, wie z.b. durch das Lesen und Interesse an Kunst und Kultur. Diese jungen Menschen gibt es auch. Die ein Abitur verdient haben und denen nie gedankt wird, dass sie sich z.t. mühselig durch jahrelange, schwierige Klassensituationen, Unterrichtsausfall und resignierte Lehrer durchgeboxt haben, für die sie nichts können. Auch Berlin hat blitzgescheiten und klugen Nachwuchs. Aber der wird nie erwähnt und geht immer unter. Es wird immer nur über Problemfälle, Inklusionsschüler und Schulversager gesprochen. Das ist nicht richtig und extrem unfair.

  6. 38.

    Berliner Abitur ist sowieso eines der Wertlosesten. Jeder Klopper wird da durchgeschleift und jeder Hirni geht dann studieren statt zu arbeiten. Selbst mit 'nem NC von minus 100. Und diese Leute ziehen dann die Leistung aller anderen in den Dreck. Klingt vielleicht gemein aber so ist es.
    Rund 40% aller Studienanfänger sollen abbrechen liest man.
    Ich habe kein Mathe studieret aber das sind fast die Hälfte ;-)
    Hier werden auf Teufel komm raus ungeeignete Lernende durchs System gepeitscht. Wahrscheinlich für die Statistik.
    Geht einfach arbeiten ! Krankenpfleger ? Ärzte auf dem Land ? Busfahrer ? Triebfahrzeugführer ? Handwerker ? Paketboten ? (mein Paket ist nämlich am WE irgendwo versumpft)

  7. 36.

    Qualitätsoffensive?
    Auf wessen Rücken denn mal wieder?

    Vielleicht sollten Frau Scheres und Co. zunächst ausreichend Gelder, Personal und RÄUME an und in Schulen zur Verfügung stellen. Dann wäre es zum Beispiel auch möglich Förderkurse für schwächere Schüler anzubieten.
    Viele Schulen platzen ja schon aus allen Nähten.
    Inklusion auf Teufel komm raus und Differenzierung - schöne Idee aber völlig realitätsfern!
    Bei den 'anspruchsvollen' und heterogenen Klassen heutzutage muss man außer Lehrkraft auch noch Sozialarbeiter, Amtshelfer, Lerntherapeut, Sonderpädagoge, Kinder- und Jugendpsychiater, Eheberater und Elternersatz sein.
    Kein Wunder, dass keiner mehr Lehrer werden möchte!

  8. 35.

    Wie schön, dass Sie meinen Beitrag bemerkt haben. Leider scheinen Sie ihn inhaltlich nicht erfassen zu können, sonst hätten Sie doch ganz sicher auf meine Frage geantwortet, anstatt mich in gleich zwei Postings nacheinander zu bepöbeln. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben, und deshalb versuche ich es einfach noch mal:

    Dass Defizite der Drittklässler sich in die folgenden Klassen fortsetzen und daher auch in diesen Defizite zu erwarten sind - können Sie das nicht sehen oder wollen Sie es nicht? Oder sind Sie derart vernarrt in die zwar gleichmacherische, aber chronisch erfolglose SPD-Bildungspolitik (zur Erinnerung: Diese Partei stellt seit 23 Jahren die Schulsenatoren in Berlin), dass Sie diese auch gegen jede Evidenz zu verteidigen bereit sind?

  9. 33.

    wie meine Mutter schon sagte: "Nur ein dummes Volk lässt sich gut beeinflussen" Hier werden die Grundlagen gelegt, damit zukünftige Wähler ohne nachzufragen ihr Kreutz an der richtigen Stelle machen werden. Noch fragen?

  10. 32.

    Diese Erkenntnis ist leider wahr, hilft der Situation aber nicht. Denn es wird sich in Schulen immer an den leistungsschwachen Schülern orientiert. Diese bremsen, natürlich ungewollt, den Unterricht aus. Die Schüler, die gerne Leistung erbringen möchten, bleiben stetig auf der Strecke. Und verlieren Stück für Stück die Freude an der Schule. Das wird bewußt hingenommen, das interessiert kaum jemanden. Es wird dann durchgeschliffen bis zu dem MSA, danach ist die Schulpflucht abgehakt, der Gesetzgeber aus dem Schneider. So erlebten wir das bei unserem Kind, auf einem übrigens eigentlich hoch angesehenen Gymnasium am Stadtrand. Und so schildern uns das auch Freunde und Familie, deren Kinder auf andere Schulen gehen. Vera ist m. E. "eigentlich" sinnvoll, da aber zunächst ein völlig neues Bildungskonzept her müsste, wird Vera nur Statistiken ergänzen, aber nichts zum Positiven verändern.

  11. 31.

    Die Politiker im Berliner Abgeordnetenhaus sind gewählt.
    Wenn eine Anfrage eines Politikers egal welcher Partei getätigt wird, ist es im Sinne der jeweiligen Wähler, legitim.
    Und wenn die Schulen den Bach runter gehen, sollte es umso mehr im Interesse aller sein und nicht verheimlicht werden.

  12. 30.

    Frau Scheeres versucht dies und jenes. In der Presse bekannt geworden ist Scheeres durch ihre Maulkorberlasse, womit sie vorwiegend den desaströsen Bildungsstand der Abkömmlinge der Zugewanderten zu verschleiern sucht, da dieser Anteil inzwischen an vielen Schulen 90 % der Schülerschaft ausmacht, was ebenfalls nicht veröffentlicht wird. (z.B. Hausotter-Grundschule mit dem Mobbing(?)-Tod einer Schülerin).

    Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten (Vera 3), welche die Berliner Bildungsverwaltung auf Anfrage des AfD-Abgeordneten Tommy Tabor veröffentlicht hat, sind m.E. nur die Spitze des Eisberges. Scheeres versucht weiter, kunstvoll die wesentlichen Sachverhalte der Öffentlichkeit vorzuenthalten; die migrantischen Erhebungen und bezirksbezogenen Ergebnisse von Vera 3 sind vorhanden, werden aber nicht veröffentlicht. Vera 3 wird von vornherein eingeengt, wegen höchst problematischer Ergebnisse bei der Rechtschreibung bei der vergangenen Erhebung, wird diese jetzt einfach ausgelassen.

  13. 29.

    Solange die Kinder social-medial immer mehr abgelenkt werden und sich nicht auf das einfache Buch mit dem Lernstoff konzentrieren, die Kinder nicht gefordert sondern mit "das wird schon" verhätschelt werden, und man ihnen nicht klar macht, dass wenn sie nichts lernen, eine Nullnummer mit Sozialhilfe werden, wird das nichts.
    Da in Berlin viele solche Menschen leben, fällt der Apfel nicht weit vom Stamm.

  14. 28.

    Und weil sie hier gerade von Kausalität sprechen. Welches Programm für die Förderung von Grundschülern stellt denn ihre rechtsextreme "Partei" zur Verfügung/in Planung/in Aussicht?

    Ich meine eine echte Förderung und keine Selektion, wie auch immer sie geartet ist.

  15. 27.

    For the record! Wir reden hier über Drittklässler! Ich weiß ja nicht welchen Bildungs- und Wissenstand man als Pressesprecher der rechtsextremen AfD im Berliner Abgeordentenhaus braucht aber man kann ja von Glück reden dass sie nicht bildungspolitischer Sprecher der rechtsextremen AfD sind!

  16. 26.

    Nichts ist schlimmer für eine Regierung als ein Volk, das denken kann.

  17. 25.

    Seinem Kind Bildung zukommen zu lassen und es privat zu fördern, wo die Schulen aus den bekannten Gründen teilweise versagen, ist heutzutage unabdingbar. Wenn Schüler in der Mittelstufe knapp zwei Jahre kaum Geographie haben, wie die Klasse meines jüngsten Kindes, dann sehe ich als Mutter zu, mein Kind zu motivieren, diese Defizite zu Hause auszugleichen. Das ist mein Erziehungsauftrag, denn in den Berufen, die später dem Kind die Miete zahlen und den Kühlschrank füllen, ohne jeden Euro zweimal umdrehen zu müssen, gehört eine gute Allgemeinbildung dazu. Zumal, um die Einstellungstests bestehen zu können. Meine Kinder hatten Spaß an den Veras und haben zu keiner Zeit unter Leistungsdruck gestanden. Eine spielerische Übung, um sich auf echte Prüfungssituationen vorbereiten zu können. Die Defizite bei vielen Schülern sind da. Ohne und mit Vera. Ich finde das gut.

  18. 24.

    Ich denke schon, daß dies auch mit einem hohen Migrantenanteil in Berlin zusammenhängt. Es wäre deshalb auch interessant, wenn man die Ergebnisse der einzelnen Stadtbezirke miteinander vergleichen könnte.

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