Berlin Charlottenburg Westend, Haus des Deutschen Rundfunks
dpa/arkivi
Audio: Inforadio | 20.07.2019 | Interview mit Wolfgang Bauernfeind | Bild: dpa/arkivi

Interview | Widerstand gegen das NS-Regime - "Die Meldung über Hitlers Tod war schon aufgesetzt"

"Adolf Hitler ist tot." Diese Meldung wollten die Widerständler rund um Stauffenberg am 20. Juli 1944 verkünden. Der Plan, Hitler umzubringen, missglückte. Und auch die Übernahme der Zentrale des "Großdeutschen Rundfunks" sollte sang- und klanglos scheitern.

rbb: Welche Rolle spielte das Haus des Rundfunks in der Planung Stauffenbergs und seiner Anhänger?

Wolfgang Bauernfeind: Eine ganz zentrale. Es war ja die Zentrale des "Großdeutschen Rundfunks" und es ging darum, diese Zentrale still zu legen und in Besitz zu nehmen. Als man in Berlin war, hat man einem Major, dem Major Jakobs gesagt, die SS plane einen Putsch gegen Hitler - das war natürlich ein Fake. Damit hat man ihn und sein Bataillon in Marsch gesetzt.

Der Major hat sich auf den Weg begeben mit seinem Bataillon. Sie rückten von Spandau an, kamen zum Haus des Rundfunks. Der Tross blieb draußen und eine kleine Gruppe ging hinein. Die SS, also die beiden Wachen vor dem Haus des Rundfunks, wurden entwaffnet. Man ging hinein in den Lichthof, man besetzte die Büros. Und der Major hatte nun den Auftrag, den Sendebetrieb stillzulegen. Und nun gibt es verschiedene Versionen.

Die eine: Intendant Glasmeier kam und sagte dem Major Jakobs, der keine Ahnung von Technik hatte: "Ich drücke mal auf ein paar Knöpfe und dann ist das OK", aber es war natürlich nicht OK, weil die Sendeleitung in einem Bunker war, die es heute nicht mehr gibt. Man hat ja versucht, die Sendeleitung sehr zu schützen.

Die andere Version ist - und die finde ich fast noch spannender - dass der Bruder von Himmler, Ernst Himmler, der technische Direktor von damals war, kam und sagte: "Das machen wir natürlich." Dann hat er die interne Hausanlage stillgelegt, statt der Sendeanlage. Damit war der Major Jakobs gefoppt. Man hat ihn dann überredet, er solle Kontakt zu Goebbels aufnehmen, was er auch tat. Und dann geschah eine sonderbare Verwandlung bei Major Jakobs: Er hat den Fake durchschaut. Ihm wurde gesagt, Hitler lebt und damit war die Sache zu Ende. Damit war die Besetzung des Haus des Rundfunks auch zu Ende.

Warum war es der Gruppe der Attentäter so wichtig, das Haus des Rundfunks zu besetzen?

Es war die Zentrale des Großdeutschen Reichs. Es ist ja bei jedem Putsch oder Aufstand so. Wenn man eine Rundfunkanstalt in seine Hände bekommt, hat man die Kommunikationshoheit. Und es war auch schon eine Meldung aufgesetzt. Der Major hatte eine Telefonnummer mitbekommen und als er die anwählte, kam kein Kontakt zu Stande.

Hat man vom Haus des Rundfunks aus die Stimmung im Land gesteuert?

Absolut. Das war ja eine zentralistische Entwicklung in der Nazizeit und hier war wirklich das Hauptquartier. Goebbels hatte hier übrigens auch ein Büro, im Haus des Rundfunks; also er kontrollierte auch in Persona im Haus des Rundfunks, was passiert. Und das war zentral gesteuerte Propaganda

Das Interview mit Wolfgang Bauernfeind führte Klemens Schulze für Inforadio.

Bei dem Text handelt es sich um eine redigierte und gekürzte Fassung. Das vollständige Interview können Sie hören, wenn Sie auf das Abspielsymbol im oberen Bild klicken.

Sendung: Inforadio, 20.07.2019, 08:20 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    also bei mir läuft die audio datei nicht. läd und läd - aber nix passiert. schade

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