Archivbild: Ein Cannabis-Patient raucht am Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park medizinisches Cannabis. Die Berliner Ortsgruppe des Deutschen Hanfverbandes veranstaltet die Kundgebung "420 Smoke-In" zur Legalisierung von Cannabis. (Quelle: dpa/Arne Bänsch)
Video: Abendschau | 26.07.2019 | Laurence Thio | Bild: dpa/Arne Bänsch

Kommentar | Cannabis-Modellprojekt in Berlin - Kontrollieren ist effektiver als bombardieren

Der Berliner Senat plant ein Projekt zur kontrollierten Cannabis-Abgabe. Die Opposition schäumt und spricht von "Koalition der Kiffer". Doch das Projekt ist gut, man habe auch von den Amerikanern gelernt, findet Sebastian Schöbel

Unsere Drogenpolitik funktioniert nicht. Das sieht man unter anderem daran, dass weiche Drogen wie Cannabisprodukte verboten sind und sie trotzdem jeder kriegen kann. Unabhängig vom Alter, wie die Fachstelle für Suchtprävention ja gerade erst wieder bestätigt hat: Ein Drittel der 12-18 Jährigen in Berlin hat schon mal Cannabis probiert. 

Der Schwarzmarkt blüht offensichtlich genauso schnell wie das Gras auf den illegalen Plantagen. Dass der Senat jetzt die kontrollierte Abgabe wissenschaftlich untersucht, ist völlig richtig: Es ist ein neuer Weg, den man zumindest einmal ausprobieren sollte.

Denn restriktive Maßnahmen greifen offenbar nicht. Nicht einmal die extremsten.

"Portionierter Suizid"

Die USA haben gegen illegale Drogen vor allem aus Lateinamerika regelrecht Krieg geführt. Inzwischen wurde Cannabis unter Auflagen in mehreren Bundesstaaten legalisiert. Kontrollieren ist effektiver als bombardieren.

In Berlin könnte die kontrollierte Abgabe kleiner Mengen für den Privatgebrauch den Schwarzmarkt mit z.T. verunreinigten, von kriminellen Banden verkauften Cannabisprodukten zum Erliegen bringen. Der Staat könnte damit Steuern einnehmen und das Geld für die Präventions- und Aufklärungsarbeit nutzen - übrigens auch zu Deutschlands Drogen Nummer 1, Alkohol und Tabak. 

Den Cannabis-Anbau wiederum könnte man sogar lokal organisieren: Statt geschmuggeltem Wüsten-Haschisch aus Marokko lieber legales Bio-Kush aus dem Havelland! Da hätten wir sogar den Niederländern etwas voraus.

Und die Polizei könnte sich endlich auf die Drogen konzentrieren, die wirklich niemand, egal wie alt, in die Finger bekommen sollte: MDMA, Heroin, Crystal Meth oder Fentanyl. Denn die sind kein gemütliches High, sondern portionierter Suizid.

Sendung: Inforadio, 26.07.2019, 16:40 Uhr

Beitrag von Sebastian Schöbel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

119 Kommentare

  1. 119.

    Gut kommentiert. Besonders was die unterschiedlichen Pflanzensorten anbelangt, ließe sich unter kontrollierten Anbau und Abgabe einiges verbessern. Ich Pflanze auf meinem Balkon zwei Sorten an und beide haben nur einen niedrigen Anteil an THC Gehalt. Dafür aber mehr CBD zum Inhalt. Und darum geht es mir. Ruderalis Indica und Northern Light.

  2. 117.

    Da sieht man mal wieder wie desinformiert, leider,immer noch viel sind....
    Was sie sagen ist nämlich "Bullshit" ...
    Ich kenne zu genüge Menschen, vom normalen Arbeiter bis zu führenden Personen in Großunternehmen, die durchaus nur gelegentlich und bewusst konsumieren.
    Im Gegenteil,der Anteil der Menschen die sich diesbezüglich nicht in dem Griff haben ist der geringste Teil,zumindest was die angeht, die schon eine gewisse geistige Reife und alter haben.
    Das ,egal welche Substanz, es gilt, die Jugendlichen und Heranwachsenden zu schützen, steht außer Frage, doch ohne einen regulierten Markt ,lässt sich diesbezüglich überhaupt nicht kontrollieren....
    Abgabe von Cannabis ab 21 un eventuell eine Art Cannabis light ab 16 mit sehr niedrigem Thc Gehalt ,halte ich für durchaus denkbar....Bier darf sich jeder teene ab 16 kaufen Schnaps ab 18....was Alkohol mit Menschen anrichten kann sollte jedem bekannt sein....
    Gebt das Hanf frei,kontrolliert !

  3. 115.

    Mit Möter habe ich auch abgeschlossen,er liefert keine fundierten Argumente und erkennt nicht,dass seine Theorie die Jugend nicht schützt...

  4. 114.

    Unsinn. Papier ist geduldig. Sie theoretisieren völlig an der Realität vorbei. Dann ist auch jeder, der gerne 1-2x wöchentlich einen Wein trinkt, ein Alkoholiker? Die Prohibition hat nur Unglück gebracht. Wieso Alkohol verbieten??? Ich gebe es auf. Ist zwar nicht korrekt was Sie da äußern, aber ich bin weg.

  5. 113.

    Nein. Will ich nicht, nicht im Entferntesten. Meine und die von vielen anderen Usern kommen ganz offensichtlich nur nicht bei Ihnen durch. Aber ist jetzt auch gut. Guten Abend.

  6. 112.

    Jeder,der gegen eine kontrollierte abgabe ist,sollte mal die Homepage des schildower kreises aufsuchen und deren manifest lesen...

  7. 111.

    Ja und nu? Welches Problem haben Sie damit? Auch ich fahre des öfteren mit Freunden mal rüber nach Holland, um entspannt eine oder mehrere Pfeifchen( pur) zu genießen. Ganz legal. Dabei noch einen Abstecher ins Kultur Museum oder ein gepflegter Stadtspaziergang und dann geht’s wieder heim nach Berlin.

  8. 110.

    Die Gesetzgebung hat genügend Spezialisten und Mediziner das zu bewerten, und im Moment ist Kiffen strafrechtlich bei Arbeits- und Kfz-Unfällen relevant. Mehr interessiert mich nicht.
    Und die Story von "Gelegenheitskiffern" mal so alle 10 Tage einen Joint, nehme ich keinem ab. Wer einmal kifft, kifft täglich ("um runter zu kommen" LOL) und hat somit mehr als 75 ng/ml Wirkstoff mehrere Tage intus. Das ist für Geschädigte im Falle eines Falles fatal. Eine Legalisierung wäre Bullshit. Von mir aus können sie auch Alkohol verbieten falls es Sie beruhigt. Wenn nicht viele Spaß beim "runter kommen".

  9. 109.

    Wir reden hier an einander vorbei.
    Sie wollen auf Basis von anderen Krankheiten (Alkoholsucht)eine Legalisierung von Cannabis rechtfertigen...
    MfG

  10. 107.

    Bezeichnen Sie doch bitte Kommentare nicht als „wirr“, nur weil sie nicht Ihrem Gusto entsprechen. Wo bleibt Ihre Entrüstung über die Falschaussagen bezüglich der Droge Alkohol und der Ignoranz der Gefahr gegenüber, die davon ausgeht, für den Konsumenten und die Gesellschaft? Sachlich geht anders.

  11. 106.

    Liebe Heike,der Zusammenhang zwischen Alkohol und Aggressionen ist problemlos zu recherchieren.Und unterwegs eine Pilsette in der Hand ist immer noch ein Statement,das befremdet.Das hat nichts mit dem gepflegten Trinken eines Gläschens in netter Runde zu tun.Sondern mit einem falschen Verständnis und Wahrnehmung der gefährlichen Droge Alkohol.Kommt natürlich auf die Kreise an,in den man sich bewegt^^Unsere Gesellschaft ist nunmal eine trinkende.Und häufig auch saufende.Und immer häufiger eine dadurch süchtige und kranke.Es leben die Steine,unter denen diejenigen sitzen,die das ausblenden und schönreden wollen.Zum Thema:Cannabis wird seit Jahrzehnten konsumiert.Nur dass jetzt endlich darüber gesprochen wird.Ihr verzweifelter Kampf Cannabis zur Teufelsdroge stilisieren zu wollen und Alkohol zu verharmlosen,wird nichts daran ändern,dass die Thematik endlich aus der Tabuzone geholt wird.Mindestens zum Schutz der Jugend.P.S.:Alle Drogen sind scheiße.Sie werden aber konsumiert.Egal wie Hinz und Kunz das finden.Cannabis weiter zu verbieten und verfluchen hält keinen einzigen Kiffer davon ab.

  12. 105.

    Bzgl. wirrer Kommentare der Cannabis-Befürworter folgende Tatsachen:

    Zigaretten legal
    Alkohol legal
    Cannabis legal (verschreibungspflichtig)
    Cannabis für den Freizeitgebrauch NICHT legal

    Zitat:
    „Durch ein gerichtsfestes Screening bis acht Tage nach dem Konsum gemessen im Serum:
    weniger als 5 ng/ml einmaliger Konsum möglich, Verdacht auf gelegentlichen Konsum
    5 bis 75 ng/ml gelegentlicher Konsum
    mehr als 75 ng/ml regelmäßiger Konsum“
    Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Rechtslage_von_Cannabis

    Ich ziehe folgendes Fazit:
    Somit sind Arbeitnehmer und Führer eines Kfz die „vor ein paar Tagen“ Cannabis konsumiert haben, gesetzlich gesehen UNTAUGLICH.

  13. 104.

    Diese Studie ist lustig...jeden Tag ein Joint...jemand, der jeden Tag sein Schnaps trinkt, dessen Leber will ich nicht sehen...jemand, der von ungesunden Stoffen zuviel konsumiert, der schädigt sich zwangsläufig. jemand, der am Wochenende sein Glas Wein konsumiert oder einen Joint raucht, schädigt sich mitnichten so sehr, wie jemand, der die Stoffe exzessiv konsumiert.

  14. 103.

    Wenn jemand pur raucht, ist das mitnichten so...und wenn jemand vaporisiert, dann schädigt er sich fast nicht...und wenn jemand nicht raucht und nur am WE einen Joint raucht, dann schädigt er sich lediglich minimal.

  15. 102.

    Lieber Igor, diese Annahme, das gekifft wird bis der Arzt kommt, ist schlichtweg falsch. Wieso sind die Niederlande so eine starke Wirtschaftsnation mit einem großen BIP? Wieso sagen die Statistiken, dass es nicht mehr Kiffer gibt? Wo bleiben da ihre Argumente? Jemand, der einmal gekifft hat, kann spätestens nach 6-8 Stunden wunderbar auf dem Bau arbeiten, ohne dass er Begleiterscheinungen hat.

  16. 101.

    Es mag sein, das Sie meine Kommentare als unsinnig bezeichnen. Ihre Argumente stützen sich jedoch nur auf das was bereits geschrieben worden ist. Was stört Sie daran, wenn junge Leute mit der Bierflasche in der Hand durch die Straßen laufen. Ich glaube kaum, das Sie sofort aggressiv angepöbelt werden. Das kann auch bei Junkies vorkommen. Ich vermute, das Sie in der Vergangenheit ein traumatisches Erlebnis mit dem Alkohol hatten.
    Sie sollten hier nicht Äpfel* mit Birnen** vergleichen. Wenn Muslime das schon immer gemacht haben, dann soll es so sein, aber ein Verstoß gegen das Gesetz ist nun mal ein Verstoß. Bei jedem. Genauso wie Sie das tun...
    Im Moment geht es um Legalisierung. Und so lange es ein Verbot gibt, haben Sie unrecht. Und da wir unterschiedlicher Auffassung sind, könnten wir hier 1.000 Kommentare schreiben, habe dazu aber kein Lust mehr. MfG

    *Alkohol
    **Drogen

  17. 100.

    Es ist wieder mal bezeichnend für Sie, welch unsinniger Kommentar von Ihnen hier ausgeht. Der User @Jochen beschreibt es schon sehr richtig. „Alkohol“ ist ein immer mehr zunehmendes Problem. Schauen Sie sich mal nur um in der Stadt, wieviele vor allem jüngere Leute, heutzutage ganz ungezwungen mit einer Bierpulle in der Hand durch die Straßen ziehen. Da wird nicht so genau hingeschaut. Ganz selten erlebe ich Leute auf den Straßen, die sich zusammen in aller Öffentlichkeit einen kleinen Joint teilen. Obendrein ist es besonders unter Muslime einfach möglich innerhalb ihres Familienverbandes zuhause Cannabis zu rauchen, also treffen die sich in Parks oder sitzend im Auto um sich dem hinzugeben. Stören dabei niemanden.

Das könnte Sie auch interessieren

Duroc-Schweine (Quelle: rbb|24/Bernadette Huber)
rbb|24/Bernadette Huber

Stichprobe Brandenburg | Pirow - Kita, Schweine und Währungskurse

Landwirtschaft und Natur? Da wählt man doch grün! Uwe Kessler nicht, er ist Landwirt in der Prignitz. Als Bürgermeister interessiert er sich für die Kita der Gemeinde - als Bauer aber auch für den Wechselkurs des chinesischen Yuan. Von Bernadette Huber