Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH. (Quelle: dpa/Pleul)
Audio: Inforadio | 20.07.2019 | Christina Torge | Bild: dpa/Pleul

Arzneimittelskandal - Lunapharm fordert Schadenersatz in Millionenhöhe

Die Krebsmittel-Firma Lunapharm aus Blankenfelde-Mahlow fordert Schadenersatz vom Land Brandenburg. "Es handelt sich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag", sagte Klaus Kocks, Sprecher von Lunapharm, der Deutschen Presse-Agentur am Samstag.

Gesundheitsministerium bestätigt Antrag auf Entschädigung

Auch die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Gerlinde Krahnert, bestätigte die Forderung nach einer Entschädigung. Ein entsprechender Antrag sei eingegangen und werde vom Landesamt geprüft, sagte sie auf Anfrage. Zuvor hatte die "Märkische Allgemeine Zeitung" (Samstag) berichtet, dass es sich um rund 70 Millionen Euro handeln soll. Die genannte Forderung wollten weder das Unternehmen noch die Ministeriumssprecherin bestätigen.

Lunapharm wurde nach einem Arzneimittelskandal vom Gesundheitsamt mit einem Handels- und Produktionsverbot belegt und hat dagegen geklagt. Entschieden ist darüber noch nicht, die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt. Es besteht der Verdacht auf gewerbsmäßige Hehlerei und Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Lunapharm geht vor Gericht

Der Skandal um gestohlene Krebsmedikamente erschütterte im vergangenen Sommer die rot-rote Landesregierung in Brandenburg. Zuerst berichtet hatte das ARD-Magazin "Kontraste". Weil das zuständige Landesgesundheitsamt trotz frühzeitiger Hinweise von griechischen Behörden zunächst nicht reagiert hatte, musste die damalige Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) Ende August zurücktreten. Dem betroffenen Pharmahändler wurde das Geschäft verboten. Seitdem liegt der Fall vor Gericht.

Lunapharm hat beim Verwaltungsgericht Potsdam beantragt, die gegen das Unternehmen verhängten Verbote auszusetzen. Eine Entscheidung gibt es in der Sache bislang nicht. Das Unternehmen hatte im Frühjahr in einem Offenen Brief dem Landesgesundheitsamt vorgeworfen, bislang noch nicht auf die Widersprüche von Lunapharm gegen die Verbote reagiert zu haben. Karawanskij begründete dies im Ausschuss mit dem Gerichtsverfahren. "Nach der Entscheidung des Gerichts wird das Landesgesundheitsamt die Widerspruchsbescheide erlassen", sagte die Ministerin. "Der Vollzug ist erfolgt."

Lunapharm-Geschäftsführerin Susanne Krautz-Zeitel weist die Vorwürfe gegen das Unternehmen nach wie vor komplett zurück. Sie warf der Ministerin Untätigkeit vor. "Eine weitere Klärung erscheint uns daher politisch nicht gewollt", hieß es in dem Schreiben. "Opfer sind und bleiben in erster Linie die tief verunsicherten Patienten und die damit allein gelassenen Ärzte und Apotheker", erklärte Krautz-Zeitel in einer Ausschusssitzung des Landtags und kündigte eine Schadenersatzklage an.

Sendung: Inforadio, 20.07.2019, 10.00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    70 Millionen Euro Schadensersatz (aus Steuermitteln) für eine Organisation, die mutmaßlich weder besseres Wissen (der Ablauf ist ja Mittler gut dokumentiert) Patienten an Leib und evt. sogar Leben geschädigt hat? Das ist an Kaltblütigkeit und Skrupellosigkeit kaum mehr zu überbieten. Ich habe Kontakt zu Menschen die zweifelhafte Medikamente über den Lunapharm-Großhandel erhalten und in gutem Glauben und Hoffnung auf Heilung verabreicht bekommen haben. Ich kann nur alle Betroffenen, die dazu in der Lage sind, dazu aufrufen, sich zu organisieren und über Strafanzeigen und ggf. Zivilklagen mehr Druck auf Lunapharm ausüben. Vom Landesgesundheitsministerium wünschte ich mir mehr aktive Unterstützung für die Betroffenen.

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