Blankenburger Süden (Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen/Dirk Laubner)
Audio: Inforadio, 01.07.2019, Thorsten Gabriel | Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen/Dirk Laubner

14 Großprojekte in Berlin - Wo der Senat neue Wohnquartiere baut - und warum das dauert

Die Mieten klettern weiter in Berlin, deshalb will der Senat sie deckeln. Doch Regulierung allein reicht nicht, die Stadt muss bauen. Der Senat plant insgesamt 14 neue Wohnquartiere. Bei einigen geht es voran - aber nicht bei allen. Von Thorsten Gabriel

Spandau, Ende Mai, in der Wasserstadt Oberhavel: Ein weiterer Grundstein wird gelegt, für das Projekt "Waterkant Berlin". Insgesamt sind hier mehr als 5.000 neue Wohnungen geplant. Die ersten Rohbauten aus früheren Bauabschnitten stehen schon. Und die angereiste Bausenatorin Katrin Lompscher freut sich. "Das ist schon ein ganz besonderes Projektgebiet, weil die wachsende Stadt Berlin wenig neue Stadtquartiere hat, die schon so sichtbar sind."

Die Bestandsaufnahme stimmt: Die meisten neuen Wohnungen existieren bislang nur auf dem Papier. Allerdings durchaus imposant: Immerhin 14 neue Viertel sind geplant.

Eine Übersicht:

•    Blankenburger Süden – 6.000 Wohnungen
•    Buch – 4.500 Wohnungen
•    Buckower Felder – 900 Wohnungen
•    Europacity – 3.000 Wohnungen
•    Wasserstadt Oberhavel  – 5.500 Wohnungen
•    Insel Gartenfeld – 4.000 Wohnungen
•    Johannisthal / Adlershof – 2.500 Wohnungen
•    Ehemaliger Güterbahnhof Köpenick – 2.000 Wohnungen
•    Lichterfelde Süd – 3.000 Wohnungen
•    Michelangelostraße – 1.500 Wohnungen
•    Schumacher Quartier  – 5.000 Wohnungen
•    Ehemaliger Rangierbahnhof Pankow – 2.000 Wohnungen
•    Neue Mitte Tempelhof – 500 Wohnungen
•    Schöneberger Linse – 1.900 Wohnungen

Viele Ideen, noch mehr Hürden

Das macht unterm Strich mehr als 40.000 neue Wohnungen.

Doch wenn die Theorie auf die Praxis trifft, die Pläne auf die Wirklichkeit, wird es meistens komplizierter. "Natürlich gehen Ängste rum", sagt Ines Braun von den Garten- und Siedlerfreunden Blankenburg.

Prominentes Beispiel: Der Blankenburger Süden. In der dortigen Naherholungsanlage im Norden Berlins, sorgen sich Ortsansässige, vom Neubau und einer neuen Bahntrasse verdrängt zu werden. "Viele haben ja hier eben Eigentum", sagt Braun, "das sollte die Altersvorsorge sein oder man wollte es an seine Kinder weiter vererben. Man hat hier sein Zuhause."

Braun gehört zu den Anwohnern, die dafür sorgen, dass der Senat seine Pläne für den Blankenburger Süden wieder eindampfte, nachdem er sie erst aufgeblasen hatte: 6.000 Wohnungen sind es nun, die dort entstehen sollen statt der ursprünglichen Pläne ovn bis zu 10.000 Wohnungen. Und der Baubeginn ist in frühestens acht Jahren.

"Kann natürlich auch etwas länger werden"

So läuft es nicht nur am Stadtrand. An der Michelangelostraße in Prenzlauer Berg gibt es Widerstand gegen 1.200 neue Wohnungen, weil sich dadurch der Bestand dort mehr als verdoppeln würde. Auch hier liegt der Baubeginn in weiter Ferne, was unter anderem der Infrastruktur unter der Straßendecke geschuldet ist, wie der Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn erläutert: "Dort sind sehr große Wasserleitungen drin und Fernwärmetrassen, die müssen alle neu gebaut und verlegt werden." Dazu käme noch die Straße selbst, die geplant werden müsse. Das Verfahren dauere lange, sagt Kuhn. "Einplanung der Investitionsmittel, Beteiligungsschritte, Planfeststellungsbeschluss, Beauftragung der Firmen und Bau. Also, wir rechnen mit zirka acht Jahren mindestens. Kann natürlich auch etwas länger werden."

Was sich auch zeigt: Dass neue Wohnungen nicht so schnell entstehen wie nötig, ist oft vielen Umständen geschuldet. Mal hakt es zwischen Behörden, mal ist es die Bürokratie an sich. Und mitunter fehlt es auch an Baumaschinen, Personal und Baufirmen. Die Bauchschmerzen mancher Anwohner sind da nur eine Facette von vielen.

Karte mit den Wohnquartieren

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 11.

    Dumm ist nicht die Demokratie, sondern diejenigen, die zwar gewaschen werden wollen, dabei aber trocken bleiben wollen.

  2. 10.

    Wie ich sehe, habe Sie auch keine Quelle.

    Wie schon erwähnt, sind viele Wohnungen aus der RBB-Aufstellung privaten Initiativen geschuldet, andere noch in weiter Ferne und wegen erheblichen Widerstand der Berliner lange noch nicht bezugsfertig. In Spandau wurden aber bereits vor 2017 die Weichen für öffentlich Bauvorhaben woe hier angeführt, gestellt. In zentralerer Lage stimmte das Volk gegen den öffentlichen und genossenschaftlichen Wohnungsneubau. Der Bedarf, den Dr. Kawasaki sieht, sahen die Mehrheit der Berliner nicht.

    Ansonsten mussten ja selbst Linke Stadträte bzgl. Leerstand vom RBB zum Jagen getragen werden.

  3. 8.

    Da stimme ich dir voll und ganz zu!
    Etwas mehr Vielfalt wäre hier im Nordwesten Berlins neben den ganzen SUV‘s und karierten Hemden schon sehr wünschenswert ;)
    Wird wohl leider noch etwas dauern.

  4. 7.

    Berlin braucht dringend Wohnraum und doch legen irgendwelche Burgerinitiativen dem immer Steine in den Weg . Jeden denkt nur an sich!!!!

  5. 6.

    Ich frage mich manchmal, warum der Stadtbezirk Reinickendorf in der Liste der Wohnungsneubauten das Schlusslicht ist. Hier ist soviel Platz, die U-und S-Bahn-Anbindung gut und neue Menschen aus aller Welt würden der altbackenen und leider häufig intoleranten Atmosphäre sehr gut tun. Liegt das am CDU/AFD-Muff der hier sein Unwesen treibt?

  6. 5.

    Ja, Dr. Kawasaki und andere haben leider Recht: es gibt hunderte leer stehende Neubauwohnungen, die noch nie vermietet waren, weil sie für die meisten nicht bezahlbar sind. Dazu die Ferienwohnungen im Bestand, die Wohnungen, die leer stehen, weil das Haus verkauft wurde, nun saniert und in Eigentum umgewandelt wird - und abrakadabra !! gibt es Tausende Wohnungen, die sofort vermietet werden können......

  7. 4.

    Nicht nur der Senat baut. Einige der verlinkten Vorhaben sind auch privat. Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass manche Vorhaben wie die Waterkant Spandau vor 2017 abgestoßen worden sind, sieht die Bilanz für Frau Lompscher noch schlechter aus. Bei der Neuen Tempelhofer Mitte kann ich den Optimismus bzgl. eines Baubeginns noch in dieser Legislaturperiode nicht teilen. Zu stark werden auch dort die Privatinteressen gegenüber dem Allgemeinwohl gewichtet.

  8. 3.

    Wenn es tatsächlich nur an bezahlbaren Wohnraum mangeln würde, müssten ja Zehntausende Wohnungen aus dem oberen Preissegment leer stehen. Können Sie deshalb Ihre Behauptung mit Fakten untermauern?

  9. 2.

    Wenn die Bausenatorin und andere private Bauherren an die Zukunft denken würden, bliebe nur ein Weg.
    Höher denken. Jedes Projekt zwei bis drei Etagen mehr. Mehr "Landmarken", gestaffelt Höhen. Es gibt sicherlich genug Interessenten, die auch in einer zwanzigsten Etage wohnen würden. Alles andere ist Platzverschwendung. In ein paar Jahren sind die freien Flächen zugebaut. Was dann? Wenn Betlin wächst, können die alten Dörfer/Stadtteile nicht so bleiben, wie sie vor hundert Jahren aussahen. Beispiel Wista Gelände Adlershof. Der Wohnungsbau beschrämkte sich dort im allgemeinen mit drei Etagen. Warum? Abgesehen von der architektonischen Gestaltung. Dazu muss man nicht studieren, um zu erkennen, das es billig gebaut wurde. Es aber auch positive Ausnahmen. Aber gerade in diesem (und anderen) Gebieten finde ich, ein bis zwei Etagen mehr würde einfach städtischer aussehen.

  10. 1.

    So ein Quatsch. Die Stadt muss nicht bauen. Wir haben keinen Wohnungsmangel, sondern Mangel an bezahlbarem (!) Wohnraum. Da kann man 1 Mio. Wohnungen bauen und das ändert nichts daran! Härtere Gesetze gegen Missbrauch von Wohneigentum ("Investoren", die leerstehen lassen oder an Feriengäste vermieten) sind nötig und kein Wohnungsbau!

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