Ein Obdachloser liegt in Berlin-Schöneberg auf einer Bank (Quelle: Wolfram Steinberg/dpa)
Audio: Inforadio | 30.07.2019 | Interview mit Stefanie Fuchs | Bild: dpa

Zwei Termine im Jahr geplant - Zählung von Obdachlosen in Berlin soll im Januar starten

Vermutlich mehrere Tausend Menschen leben in Berlin auf der Straße, doch die genaue Zahl kennt keiner. Eine Zählung soll Aufschluss bringen, auch um Hilfsangebote darauf abstimmen zu können. Im nächsten Jahr geht es los.

Im Januar kommenden Jahres soll in Berlin damit begonnen werden, die Obdachlosen zu zählen. Das kündigte die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Stefanie Fuchs (Linke) am Dienstag im rbb an.

Bei der Zählung sollten die Obdachlosen zugleich über die Hilfsangebote in der Stadt informiert werden, sagte Fuchs. Daher müsse die Erhebung gut vorbereitet werden. Eingebunden seien beispielsweise Verbände, Ehrenamtliche oder auch Forschungseinrichtungen. Dazu müsse auch der Datenschutz beachtet werden.

In Zukunft sei geplant, einmal im Winter und einmal im Frühjahr zu zählen, sagte Fuchs, "um zu gucken, inwieweit gibt es eine Fluktuation, wie verändern sich die Zahlen, inwieweit müssen wir das System anpassen".

Vermutlich Tausende betroffen

Schätzungen zufolge leben in Berlin zwischen 4.000 und 10.000 Menschen auf der Straße; deutschlandweit sind es vermutlich mehrere zehntausend Menschen. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) waren im Jahr 2017 etwa 48.000 Menschen obdachlos, wie es am Dienstag hieß. Darunter seien schwerpunktmäßig Menschen aus anderen EU-Staaten, vor allem aus Osteuropa.

Ohne Wohnung waren 2017 nach Hochrechnungen der BAGW deutschlandweit etwa 650.000 Menschen. Unter den Wohnungslosen waren laut den Zahlen der BAGW 375.000 anerkannte Asylsuchende und Flüchtlinge sowie weitere rund 275.000 Betroffene, die unter anderem in Einrichtungen der Kommunen und von Hilfsorganisationen untergekommen waren. Laut BAGW erfasst die Schätzung all jene Menschen, die innerhalb eines Jahres einmal wohnungslos waren - wenn auch nur vorübergehend.

Die Zahl der Wohnungslosen zu einem bestimmten Stichtag liegt demnach allerdings deutlich unter der Gesamtzahl für ein Jahr: So schätzt die Arbeitsgemeinschaft, dass es zum 30. Juni 2017 insgesamt rund 440.000 Menschen ohne Wohnung gab, davon 287.000 anerkannte Flüchtlinge und rund 153.000 Wohnungslose, die von Einrichtungen der Kommunen und freier Träger unterstützt worden seien.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 9.

    Die nächste Volkszählung kommt auch noch. Aber erstmal dieses relativ sinnlose Zählen von Menschen auf der Straße. Bin gespannt, was die Politik aus der Statistik machen wird. Für mich Geldverschwendung. Die Linke ist immer groß im Geld ausgeben.

  2. 8.

    Breitenbach, Fischer, Tas sind allesamt engagiert. Sie organisieren die Ausschüsse mit, die Praktiker*innen und Expert*innen laden und anhören, darunter z.B. Berliner Wohnungslosenhilfe oder moz etc. "Die" könnten viel mehr, wenn es die sozialdarwinistische Parolen verbreitenden anderen parlamentarischen Akteur*innen nicht so massiv gäbe. Dazu zählen nicht nur die AfD, auch wenn diese sich besonders durch NS-Vokabular und -Ideologie beim Thema Wohnungslosigkeit zeigt, s. Gunnar Lindemann. Auch die CDU, die FDP, die Grünen und auch die Anhängerschaft des Seeheimer Kreises der SPD äußern sich wiederholt abwertend, ausgrenzend, unsolidarisch und oftmals gegen die Expertise des wissenschaftlichen Dienstes.

    Warum wird jetzt gezählt, wenn doch geholfen werden soll? Weil beides zusammen gehört. V.a. politische Akteur*innen machen Interventionen oder Präventionen von konsensualer Datenlage abhängig. Sie wollen schlicht die sozial- u. menschenrechtliche Verantwortung von sich schieben.

  3. 7.

    Hinter jeder Zahl verbirgt sich das Schicksal eines Menschen mit Grundrechten.

  4. 6.

    Dazu kommen die nicht registrierten Mitbewohner (Einwohnermeldeamt ) in WGs.

  5. 5.

    Wird bestimmt eine tolle Statistik. Und dann jedes Jahr aktualisiert und die Fluktuation feststellen. Super Idee. Bringt aber tatsächlich in der Praxis nichts. Linke können es nicht.

  6. 4.

    Es ist eine Schande, dass es in einer der reichsten Nationen der Welt, überhaupt obdachlose Menschen geben muss.

  7. 3.

    Es gab bei mir Zeiten da wäre Obdachlosigkeit für mich das Ende der Wende geworden.
    Um aus solch einem Loch herauszukommen muss Mann und alle anderen auch derartig viel bürokratischen Scheiss erledigen
    das dadurch der nächste Zusammenbruch passiert wäre.

  8. 2.

    Scheint so als wäre das Problem Obdachlosigkeit bald vom Tisch.
    Schließlich werden z. Zt. ja überall Wohnungen hochgezogen.
    Nicht wahr?

  9. 1.

    Und was soll das nun bewirken? Die Dame von den Linken soll sich lieber mal darum kümmern das diese Menschen wieder ins normale Leben zurück kehren können als sie zu zählen. Hört sich an wie im alten Rom.

Das könnte Sie auch interessieren