Parkläufer im Görlitzer Park (Foto: imago/Christian Ditsch)
Bild: imago/Christian-Ditsch.de

Auf die nette Tour - "Parkläufer" kontrollieren jetzt in vielen großen Berliner Parks

Im Görlitzer Park gab es die ersten Parkläufer, die Probleme durch Kommunikation lösen sollen. Jetzt hat der Senat diese Idee auf ganz Berlin ausgeweitet: Sicherheitsleute touren durch Tiergarten, Hasenheide oder den Friedrichshain. Testweise. Von Vanessa Klüber

Voll sind die Parks im Berliner Sommer. Voll mit Alkohol trifft man Touristengruppen an, gegrillt wird unter Bäumen und neben Sträuchern auch bei großer Trockenheit, Hunde haben Auslauf und fast alle Kot-Freiheiten, Picknicker produzieren Müll und Nicker hören laut Musik. Des Nachts raschelt es im Busch.

Neben Ordnungsamt und Polizei reguliert das in Berlin seit Kurzem auch eine dritte Gruppe: die sogenannten Parkläufer. Diese entspringen einem Versuchsprojekt der Umwelt-Senatsverwaltung, das gerade gestartet ist und in dem die Bezirke Mitarbeiter für ihre jeweiligen Parks einsetzen.

Jeder Bezirk hat eigene Vorstellungen, wie genau das geschehen soll - aber im Grunde sollen die Parkläufer die Parkbesucher freundlich auf Verstöße ansprechen, Beschädigungen entdecken, Vandalismus vorbeugen und weiterhelfen. Niederschwelliger als Ordnungsamt und Polizei für Ordnung sorgen - das heißt ohne Strafen zu verhängen.

Wo ab jetzt Parkläufer patrouillieren

Friedrichshain-Kreuzberg kennt den Einsatz mit Parkläufern bereits: Dort arbeiten seit Jahren Sozialarbeiter im Görlitzer Park. Sie sind der Ausgangspunkt für das aktuelle Konzept für ganz Berlin.

Friedrichshain-Kreuzberg hat nun aufgestockt: Seit Mai 2019 arbeiten in dem Bezirk weitere Parkläufer. Das sind dann aber keine Sozialarbeiter, sondern Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, die im Viktoriapark und im Volkspark Friedrichshain unterwegs sind.

In Mitte patrouilliert ein "Parkdienst" seit dem 1. Juli: im Monbijoupark, im James-Simon-Park, im Volkspark Am Weinbergsweg, im Park am Nordbahnhof, im Volkspark Rehberge, im Schillerpark, im Kleinen Tiergarten und im Großen Tiergarten.

In Steglitz-Zehlendorf laufen seit Anfang Juli Parkläufer "mit pädagogischer Schulung", so Bezirksstadträtin Maren Schellenberg, im Stadtpark Steglitz, am Schlachtensee und an der Krummen Lanke. Hier liege der Fokus auf der Durchsetzung des Grillverbots.

Im Schlesischen Busch in Treptow-Köpenick seit vergangener Woche und im Treptower Park seit diesem Dienstag sind laut Bezirk Mitarbeiter eines Unternehmens unterwegs, das auf "soziale Betreuung von öffentlichen Grünanlagen fokussiert" ist.

In Spandau gehen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes durch den Münsinger Park, die Rahminsiedlung und den Spektepark bis Kiesteich.

Neukölln setzt seit dem 1. Mai Sozialarbeiter von Fixpunkt e.V. im Park am Buschkrug und im Volkspark Hasenheide ein. Sie sollen laut Bezirk dort beobachten und analysieren, beraten und "eine lösungsorientierte Kommunikation führen". Andere Bezirke waren zunächst nicht zu erreichen.

Nicht auf Drogendealer ausgerichet

Wieviel Wert man auf Freundlichkeit legt, hat Maren Schellenberg, Stadträtin in Steglitz-Zehlendorf, rbb|24 erklärt: Wo die Ansprache der Parkläufer an Parkbesucher einmal weniger freundlich gewesen sein soll, sei nachgeschult worden.

Auch Erste-Hilfe sollen die Mitarbeiter leisten können und die jeweiligen Parks gut kennen. In Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel erfassen die Parkläufer laut Bezirk Probleme digital über eine App. Kaputte Gerätschaften auf Kinderspielplätzen oder Schwachstellen an den  Müllbehältern sollen so gemeldet und schneller repariert werden können.

Doch eines sollen die Parkläufer ganz sicher nicht tun: Laut einer Sprecherin des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg sind sie nicht auf den Umgang mit Drogendealern oder zur Verbrechensbekämpfung ausgerichtet.

Finanzierung des Versuchsprojekts

In Berlin-Mitte läuft das Testprojekt zunächst bis Ende Oktober, in Steglitz-Zehlendorf bis Dezember 2019. Nach Ablauf der Testphase soll entschieden werden, ob weitere Gelder für Parkläufer bereitgestellt werden.

Finanziert werden die Parkläufer aus dem Nachtragshaushalt 2019. Für zwei Millionen Euro soll ein sogenannter StadtNatur Ranger eingesetzt werden, der im Gegensatz zu den Parkläufern nicht ortsgebunden eingesetzt werden soll.

Rund vier Millionen Euro sind für das Versuchsprojekt mit den Parkläufern insgesamt angesetzt. Das sind rund 300.000 Euro pro Bezirk, wenn im Nachhinein noch ausgewertet werden soll. Das reicht für höchstens eine Handvoll Mitarbeiter gleichzeitig pro Park – in großen Parks wie dem Volkspark Friedrichshain oder der Hasenheide in Neukölln mit dieser Mitarbeiterzahl ist das wohl kaum ausreichend, um alle Probleme auf dem Schirm zu haben.

"Wenn im Volkspark Friedrichshain nur zwei Parkläufer sind, dann ist das eine Herausforderung. Das ist ein sehr großer Park, und die Durchsetzung des Grillverbots schwierig, wenn es heiße Tage sind", so eine Sprecherin des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg über erste Erfahrungen. Trotzdem sei begrüßeneswert, dass die Parkläufer nun zusätzlich zu den Ordnungsamtsmitarbeitern da seien.

Die Streifen werden nach bisherigen Auskünften der Bezirke spätestens um 2 Uhr nachts enden. Danach sind die Parks wieder sich selbst überlassen.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

24 Kommentare

  1. 24.
    Antwort auf [Max] vom 17.07.2019 um 13:19

    Oh ja, das mit City- West kann ich auch bestätigen. Da mein Weg zum Arzt in die Joachimstaler Straße führt, vorbei am bewachten jüdischen Haus durch die Polizei, konnte ich sehen wie diese mehrfach E-Scooter Fahrer*innen auf den Gehweg anhlelten, diese ermahnten und sie auf die Straße verwiesen. Eine Radfahrerin fuhr auf den Gehweg zügig an mir vorbei als ich vom Ku’damm in die Joachimstaler Straße ging. Dann bemerkte sie die dort stehenden Polizisten vorm Haus und zog ganz schnell auf die Straße ab.

  2. 23.

    Manchmal passiert es auch, dass ich Ihren Kommentar voll und ganz zustimme. So wie hier.

  3. 22.

    Ihr Starsinn macht deutlich, dass Sie nicht verstehen. Denken doch tatsächlich, alles geht nur von diesen besagten Stellen ab. Hier in Berlin läuft der Drogenhandel, besonders was harte Drogen betrifft, längst über Mitteilungen auf WhatsApp oder sonst wie auf dem Handy ab. Oder man ruft eine Nr. an und es wird ein Treffpunkt vereinbart. U-Bahn Ein und Ausgänge sind beliebte Punkte. Habe ich schon selbst beobachten können. Da muß man nicht einmal Detektiv sein um das mitzubekommen. Sogar frei Haus wird geliefert. Man benötigt nur ein gewisses Auge hierfür. Manche dieser Dealer benehmen sich dabei derart auffällig, mehr muß ich dazu wohl nicht äußern.

  4. 21.

    Lesen Sie genauer: Von in Weg stellen haben ich nichts geschrieben. Es geht um den vorauseilenden Gehorsam, allein weil ein Radrambo in der Ferne zu sehen ist.

    Ihr Tipp mit dem Fäkalausdruck ist nett. Das wäre wahrscheinlich auch die Sprache, die die hier thematisierten Verursacher der Probleme in den Parks verstehen könnten. Ansonsten bedarf es doch der Zahlkarte.

  5. 20.

    Es macht keinen Spaß mehr, in seiner Stadt unterwegs zu sein. Wo man hinschaut, Müll (außer in der Touristengegend), wenig Mülleimer, Glasscherben in den Parks, rücksichtslose Radfahrer, wo einem fast der Hintern abgefahren wird, aber auch Fußgänger, die auf den Radwegen lungern, ohne zu gucken, einfach loslaufen. Der andere wird ja schon aufpassen. Viel zu lange hat die Politik weggeschaut, diesen Rüpeln eine Ansage zu machen. Ich begrüße die Parkläufer sehr und hoffe, das mal wieder in den Köpfen der Menschen Rücksicht und Ordnung einkehrt. Ich benehme mich auch, wenn ich irgendwo fremd bin. Warum schaffen das andere nicht? Es müsste mal einen Touristenratgeber geben, wo benimmregeln und Straßenregeln aufgeführt werden. Radfahrer sollten von dem Radverleih informiert werden, das "nur" die Radwege in die "richtige" Richtung zu befahren sind. Und den anderen Rädern in der App darauf aufmerksam gemacht wird. Wie würden es die Touris finden, wenn ich mich bei denen daneben benehme.

  6. 19.

    Das soll etwas bringen??? Nur ein freundlicher Hinweis. Da helfen doch nur noch hohe Bußgelder. Wer nicht zahlen kann muss unter Aufsicht den Park oder Anlagen säubern.

  7. 18.

    Finde ich ein sehr gutes Projekt. Gerade im Großen Tiergarten seitdem es ein generelles Grillverbot gib ist es einfach wieder sauber dort. Wenn man überlegt wie es früher dort an einem Montag morgen ausgesehen hat, unfassbar. Seit dem Verbot alles wunderbar! DIeser Service ist bestimmt hilfreich, ich begrüße dies!

  8. 17.

    Und immer noch nichts gelernt!

    Gesetze können zwar geändert werden, sind aber nicht optional. Dass neben Gras dort auch aggressiv harte Drogen gehandelt werden, sollte bekannt sein. Dass es die auch wesentlich diskreter - in Xhain sogar Sonntags - an anderen Orten ebenfalls zu bekommen sind, auch. Die "Kommerzialisierung" des Parks zeigt, dass die bezirkliche Drogenpolitik gescheitert ist. Mit diesem Staatsversagen wird sogar schon in der Werbung kokettiert.

  9. 16.

    Hier ein Tipp für Sie bei solch rigorose Belästigung. Werden sie laut und sagen es sehr deutlich: verschwinde oder ich rufe sofort die Polizei. Dann halten Sie Ihr Handy ans Ohr( jede Person hat ja mittlerweile eins ) und tun so als rufen Sie tatsächlich an. Bei mir hat schon das Lautwerden sehr geholfen. Wenn Touristen darauf reinfallen, sind die selber schuld. In Barcelona sind immer Mädchen unterwegs, die einem eine Rose in die Hand drücken wollen. Auch hier muß man klare Kante zeigen. Anders verstehen die es nicht. Neulich am Ku’damm wollten zwei Frauen von solch einer Gruppe mir eine Liste anbieten um eine Unterschrift von mir zu erhaschen. Auch hier sagte ich ganz offen, verpi..........euch oder ich rufe die Polizei und schwups weg waren sie. Anders kann man nun wirklich nicht mit denen umgehen.

  10. 15.

    Stimme Ihnen hier zu.. Zudem die Fahrradfahrer*innen zuerst einmal den Radweg seitlich der Straße des 17.Juni sehr gut nutzen können um an ihr Ziel zu gelangen. Aber auch ich fuhr früher sehr gerne mit dem Rad durch den Tiergarten. Aber immer im Schritttempo um Fußgänger keineswegs zu behindern oder gar zu erschrecken. Leider ist es schon zu einer großen Unsitte geworden, mit den Zweirädern auch auf Fußgängerwegen zu fahren, ja sogar schnell zu fahren. Und wieder ein Hinweis an @ A.Neumann. Was glauben Sie passiert, wenn ich mich als ältere Person solch Rüpel in den Weg stelle? Von Beschimpfungen mal ganz abgesehen. Wer wird wohl die schwereren Verletzungen davontragen? Was glauben Sie, wie oft ich schon laut darauf verwiesen habe, das dies ein Fußgänger und kein Radweg ist. Das interessiert diese Rüpel ( männlich und weiblich) rein gar nicht. Arschl.......ist dann das meist gehörte Wort.

  11. 14.

    Mal wieder versucht dieser Kasperleverein von R2G seine Hilf- und Ideenlosigkeit mit sinnlosem Aktivismus zu kompensieren.
    Zum einen ist diese Idee der "Parkläufer" schlicht geklaut. Die gibt es nämlich schon seit Jahren in anderen europäischen Metropolen. Dort funktioniert das auch recht gut, weil den Bürgern ihre Stadt wichtig ist.

    Zum anderen ist es in Berlin, einer Stadt die egomanisches und dissoziales Verhalten zur Selbstverwirklichung erklärt hat, mehr als fraglich ob man die Parkläufer überhaupt ernst nimmt. In diversen Parks mussten ja schon die Kollegen vom OA und der Polizei kapitulieren. Hoffen wir mal, das es nicht zu körperlichen Übergriffen kommt.

  12. 13.

    Am Lustgarten sollten sich auch mal Parkwächter aufhalten,denn dort ist das "Betteln" sehr verbreitet,das heißt,dort treiben sich regelmäßig ausländische Bettel-Banden rum,die dann ahnungslose Thuris abzocken! Dort hört man nämlich öfter mal den Spruch : "Do you speaks English" durch osteuropäisch aussehende Frauen,oder auch Kinder,das hab ich schon öfter dort beobachten müssen,und die liefen immer mit so ne Zettel rum.! Auch ich wurde schon angequatscht,und mir wurde so n Zettel vor die Nase gehalten! Wenn man da einmal nicht drauf reagiert,probieren die es später ein 2.,oder auch 3. Mal,erst dann lassen die ein in Ruhe! Aber,wehe,man lässt sich drauf ein,dann wird man die nicht so schnell wieder los,dann hängen die an einem,wie eine Klette!

  13. 12.

    Wer als Fußgänger schon frühzeitig zu Seite springt und den Radfahrer sehr sehr viel Platz lässt, ist selber schuld, dass die immer dreister und rücksichtsloser werden.

    Es fehlt ein starker Lobbyverband, der laut auf die Mißstände aufmerksam macht. Auch mehr Dreistigkeit wäre angebracht. An der Oberbaumbrücke hatte der RBB in der Abendschau dokumentiert, dass das Fußweg-Schild plötzlich "verschwand". Erst später gab es offiziell die neue Verkehrsführung. Warum sind die meisten Fußgänger im Vergleich so mutlos?

  14. 11.

    Zu freundlich sollten die Parkläufer lieber nicht sein, es geht darum, Regeln wirksam durchzusetzen. Das gilt vor allem für die Radfahrer, die im Großen Tiergarten Spazierwege zu Rennpisten machen und Fußgänger rabiat an den Rand drängen.

  15. 10.

    Warum gibt es keine Parkläufer im Humboldthain? Dort wäre sowas bitter nötig ...

  16. 9.

    Ich hatte mich schon gewundert, das auf dem Viktoriapark plötzlich Parkwächter unterwegs sind. Dachte erst, das sind welche vom Gleisdreieck, wo ja schon länger welche unterwegs sind per Rad, aber auf dem Viktoriapark... Ich finde es aber gut. Zwar halte ich den Viktoriapark für Sicher, aber gegen manch simple Regel wird doch gern mal verstoßen, insbesondere wenn es heiß wird und der Park voll. Da schlimmste sind zertrümmerten Glasflaschen auf zentralen Wegen, wo tagsüber auch viele Kinder unterwegs sind.

  17. 6.

    Legalisierung von Cannabis und das Problem ist vom Tisch. Keine Dealer mehr im Park. Gekifft wird dort ohnehin, auch ohne die Dealer. Und bitte Herr Neumann, verschonen Sie mich mit Kommentaren die dagegen sprechen. Alles schon stattgefunden.

  18. 5.

    Sowas gibts auch nur in Deutschland, keine Polizeikontrollen bei Festivals wie Fusion und in bekannten Drogenumschlagplätzen , läuft Deutschland. Können die Umweltschützer doch Wölfe im Park aussetzen das hat mehr erfolg vor allem für die Umwelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Torsten Henning aus Nichel überblickt seine Gemeinde (Quelle: rbb|24/Ann Kristin Schenten)
rbb|24/Ann Kristin Schenten

Stichprobe Brandenburg | Nichel - Windkraft auf den Feldern, Sturm im Dorf

Für die einen sind sie die Hoffnungsträger der Energiewende. Andere fühlen sich durch sie ihrer gesamten Lebensqualität beraubt. In Nichel sorgen dutzende neue Windräder für Ärger. Das Dorf wird kurz vor der Landtagswahl auf die Probe gestellt. Von Ann Kristin Schenten