Hausboot in der Rummelsburger Bucht in Berlin (Quelle: Picture Alliance/Winfried Rothermel)
Audio: Inforadio | 10.07.2019 | Thomas Weber | Bild: picture alliance

"Stärkung des Naturschutzes" - Bezirk ordnet Festmachverbot an Rummelsburger Bucht an

Das Festmachen von Booten ist an der Rummelsburger Bucht ab sofort deutlich eingeschränkt. Ein wesentlicher Grund dafür sei der Naturschutz, sagt das zuständige Bezirksamt. Kurios: An grünen Uferböschungen gilt das Verbot nicht. Von Oliver Noffke

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat an der Rummelsburger Bucht ein weitreichendes Festmachverbot ausgewiesen, das teilte die Behörde am Mittwoch mit. Schilder weisen darauf hin, dass das Festmachen von Segel-, Motor- oder Hausbooten nicht mehr gestattet ist.

Begründet wird das Festmachverbot mit einer Stärkung des Naturschutzes, für den "die Vielfalt der Aktivitäten vor Ort, aber auch die Übernutzung [...] eine Herausforderung" seien, hieß es. "Um die Erholung am Ufer weiterhin zu ermöglichen und der Flora und Fauna genügend Lebensraum zu gewähren, besteht ein Festmachverbot an einigen Stellen."

Bezirk argumentiert ähnlich wie Investoren

Das Festmachverbot gilt entlang des gesamten westlichen Teils des Uferwegs auf der Landzunge Stralau, beginnend nordwestlich der Glasbläserallee bis zur Höhe Am Speicher. Ausgenommen sind Stege. Das Festmachverbot gilt damit ausschließlich entlang einer Spundwand, an die ein Gehweg anschließt. Für die grünen Uferböschungen im östlichen Bereich der Stralauer Landzunge gilt das Festmachverbot bis auf einen kleinen Bereich allerdings nicht.

Auf Anfrage von rbb|24 teilte eine Sprecherin des Bezirksamts mit, dass sich der Hinweis auf den Naturschutz in der Mitteilung auf Grünflächen entlang des Ufers beziehe. Gründe für das Anlegeverbot seien außerdem eine "Ufernutzung für alle" sowie eine "freie Sicht für alle" auf die Bucht.

In der Pressemitteilung des Bezirksamts werden außerdem Lärmbeschwerden, "defekte und schrottreife Boote" sowie zunehmende Verschmutzung durch Müll am Ufer als Gründe für das Verbot genannt. Ähnliche Vorwürfe gegen die Bootsbesitzer und -bewohner hat auch die IG Rummelsburger Bucht, ein Zusammenschluss von Investoren und Grundstückseigentümern, in der Vergangenheit mehrfach erhoben. Spreepublik, eine Interessenvertretung einiger Bootsbesitzer, entgegnet dem, dass ein Großteil des Mülls von Landseite aus in die Bucht geworfen werde.

Ankern bleibt weiterhin erlaubt

Offen bleibt, inwieweit sich diese Probleme des Bezirksamts durch das Festmachverbot  lösen lassen oder sich lediglich an Orte verschieben, an denen kein Verbot gilt. Das Ankern auf der Rummelsburger Bucht ist weiterhin erlaubt. Das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) hatte Ende Mai einen Verbotsantrag der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz aus verfahrenstechnischen Gründen abgelehnt.

Auch das Bezirksamt Lichtenberg plant Festmachverbote für die nördlichen Uferbereiche der Rummelsburger Bucht, wie "Der Tagesspiegel" berichtete.

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Doch tun sie. Und zwar regelmäßig beobachtet. Schön in ganzen Müllsäcken, die dann uber Nacht von Ratten und Füchsen zerfetzt werden. Wind und Krähen tun ihr Übriges zur Verbreitung des Mülls an Land und im Wasser. Obendrauf die Kaffeebecher der Spaziergänger, die nicht mehr in die Eimer passen. Hinzu kommen Ofenheizungsabgase im Winter, Baumaterialien, besagte Fäkalien. Braucht niemand was von Ökoklo erzählen. Abstreiten hilft da leider auch nicht mehr. Neuerdings für AirBnB selbstgebaute Hausboote. Haben kein Abwasser, nix. Dafür Stromkabel zum Aufladen der Akkus von der Wohnung über den Fußgängerweg gelegt. Wenn man den Rücksichtslosen nicht Einhalt gebietet macht tatsächlich bald jeder, was er will. So werden aus den vielbeschworenen Freiräumen schnell rechtsfreie Räume, in denen der Ehrliche der Dumme ist. Gut, dass endlich was passiert!

  2. 11.

    Die Partyflöße sind natürlich ein Fall für sich, aber von denen verirrt sich selten eines in die Rummelsburger Bucht. Im übrigen bleibe ich dabei, öffentlicher Raum hat öffentlich zu sein. Dieses ewige Bereinigen und Auslesen geht MIR auf den Kranz. Du darfst jetzt nicht hier, weil zu laut; und du darfst jetzt nicht da, wegen Naturschutz; und hier und hier und hier. Verbotsland von vorne bis hinten. Was soll denn das?

  3. 10.

    Alles Schön und Gut.Das Festmacherverbot,für Boote jeglicher Art in der Rummelsburger Bucht ist ne gute Idee! Nur sollte man sich bessere Ausreden o. Argumente einfallen lassen.Und nicht das die Boote sitzer ihren Müll am Ufer Rand entsorgen.sind wir mal Ehrlich,jeder der ein bisschen verstand besitzt weis,das genau diese Menschen.mit sicherheit nicht Ihren Müll einfach im uferrand weg werfen.

  4. 9.

    Bootsbewohner schmeißen vielleicht ihren Müll nicht ins Wasser, aber auf die Fußgängerwege. Genau wie Reste von Baumaterial und Baumarktwagen. Fäkalien werden einfach ins Wasser geleitet. Rattenplage inklusive.

  5. 8.

    Nun Menschen sind auch biologische Wesen und deshalb Natur, mal etwas frozelig gesagt! Wenn dort wirklich Party auf Flößen und anderen anlandenden Partytendern gemacht wird, ist es eben auch ein Gebot des Lärm- und Umweltschutzes dem Treiben ein Ende zu setzen und den Menschen die dort wohnen Ruhe zu gewährleisten! Das muss für jedes Wohngebiet gelten. Dabei ist es mir völlig egal ob da gut Betuchte oder Andere wohnen. Diese ewige Neiddebatte geht mir echt auf den Kranz!
    Ich wohne übrigens in Hellersdorf im Wohnblock und wenn im Hinterhof dauernd Party wäre, würde ich auch nicht nett reagieren, so nach dem Motto lass die doch feiern die tun ja nix.....

  6. 7.

    Die Meldunggeht doch wahrscheinlich anders: Das geht um das Gift, was dort nicht beseitig wird.
    Festmachen heißt, es kann etwas aufgewühlt werden.

  7. 6.

    Woher wissen Sie, dass die Wohnungen für Beamte gebaut wurden? Da ich in Grünau wohne, würde mich Ihre Quelle interessieren.

  8. 5.

    "sollen nicht die 'armen Leute' auf dem Wasser sehen..."

    - mir kommen gleich die Tränen.. ich bin so gerührt. Immer gleich die grosse Keule raus holen. Geht es mal ne Nummer kleiner?

  9. 4.

    Ihr Beitrag strotzt nur so von Vorurteilen... Immer schön das Opfer spielen und jeden verantwortlich machen der es wagt dort zu wohnen. Immer gleich die grosse Klassenkampf-Keule zur Hand...

    Den bösen bösen Menschen die dort wohnen geht es gehörig auf die Nerven das ständig besoffene Möchtegern-Kapitäne mit ihrer grölenden Ladung festmachen und alles und jeden mit ihrer sinnfreien Mucke beschallen. Das geht da nämlich, vor allem am Wochenende, rund um die Uhr so.

    Wenn Sie den Artikel gelesen hätten würden sie verstanden haben, das es um das Anlegen an den Ufern geht und nicht um "unkonventionelle Boote". Aber in der Opferrolle lebt es sich halt besser.

  10. 2.

    "Naturschutz", da lachen ja die Hühner. Wer dort mit seinem Boot liegt, schmeisst keinen Müll in die Landschaft. Der Müll kommt von besoffenen Partygängern die von den S-Bahnhöfen an die Bucht schwappen. Der sogenannten "IG Rummelsburger Bucht" (mit ihrem anmassenden Namen, deutlicher: der Immobilienlobby) sind festgemachte oder unkonventionelle Boote ein Dorn im Auge, weil man dort das Erscheinungsbild der Bucht sterilisieren möchte. Man glaubt die Wohnsilos für Besserverdienende besser verkaufen zu können, wenn die nicht den Anblick von Normal- und Geringverdienern auf und am Wasser ertragen müssen. Das ist eine glasklare Vertreibungspolitik. Segregation des öffentlichen Raums. Klassenkampf von oben. Und das Bezirksamt fällt darauf herein und verpackt diese Vertreibungspolitik (mal wieder) als Natuschutz - Sauerei!

  11. 1.

    Da sollen wahrscheinlich wie in Grünau Wohnungen für Beamte gebaut werden ?

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