Demo in Berlin gegen die Veerhaftung von SeaWatch-Kapitänin Carola Rackete (01.07.2019, Quelle: rbb/Goltz)
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Video: rbb|24 | Tobias Goltz | 01.07.2019 | Bild: rbb/Goltz

Carola Rackete in italienischer Haft - Mahnwache in Berlin für Freilassung von Sea-Watch-Kapitänin

Vor der italienischen Botschaft in Berlin wird seit Montagmorgen mit einer Mahnwache für die Freilassung der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete demonstriert. Zum Auftakt versammelten sich nach Angaben der Initiatoren rund 50 Menschen. Die Mahnwache soll in den kommenden Tagen fortgesetzt werden und voraussichtlich bis Samstag laufen, wie es hieß.

Angst vor Suizidversuchen von Flüchtlingen

Die 31-jährige Rackete war am Samstag von den italienischen Behörden festgenommen worden, als sie mit dem Rettungsschiff "Sea Watch 3" im Hafen von Lampedusa angelegt hatte, um 40 in Seenot geratene Flüchtlinge an Land zu lassen. Sie wurde unter Hausarrest gestellt, das Schiff beschlagnahmt. Rackete soll Anfang der Woche einem Richter vorgeführt werden.

Die Kapitänin hat ihre Entscheidung verteidigt, unerlaubt in den Hafen von Lampedusa zu fahren. "Die Situation war hoffnungslos. Und mein Ziel war es lediglich, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen", sagte die 31-jährige Deutsche über ihre Anwälte der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" (Sonntag). "Ich hatte Angst." Sie habe Suizide befürchtet.

Die "Sea Watch 3" hatte am 12. Juni 52 Menschen aus Seenot gerettet, einige von ihnen wurden von italienischen Behörden aus medizinischen Gründen evakuiert. Die anderen jedoch hatten mehr als zwei Wochen auf dem Schiff ausharren müssen.

Müller und Müller kritisieren Festnahme

Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), hatte am Sonntag die Festnahme von Carola Rackete in Italien verurteilt. "Wir stehen solidarisch an der Seite der Kapitänin Carola Rackete und ihrer Crew, die unter Einsatz Ihre Lebens Menschen in Not retten. Ihr Handeln ist zutiefst human und nicht kriminell", zitierte die Berliner SPD am Sonntag Müller auf ihrer Facebookseite. Müller forderte zugleich "eine gesamteuropäische Lösung für die Situation im Mittelmeer".

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die EU aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Kapitänin der Sea-Watch 3 freigelassen wird. Rackete habe in einer absoluten Notlage gehandelt, sagte Müller der Passauer Neuen Presse. Die EU müsse außerdem endlich eine dauerhafte Regelung zur Seenotrettung im Mittelmeer beschließen. Allein in diesem Jahr seien fast 600 Menschen dort ertrunken. 

Sendung: rbb 88.8, 01.07.2019, 10 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Wer ist Carola Rackete?

    https://www.tagesspiegel.de/politik/wer-ist-carola-rackete-das-erzaehlen-weggefaehrten-ueber-die-sea-watch-kapitaenin/24517714.html

  2. 7.

    Ich habe genau bis "...wird in einigen Ländern das Flugzeug, wegen Terrorverdacht, abgeschossen!" mitgelesen.

    Den weiteren Stuß wollte ich mir nicht antun. Da freue ich mich doch lieber über die aktuellen Nachrichten.

    https://www.tagesschau.de/ausland/rackete-sea-watch-freilassung-101.html

    "Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien jede Menge Spenden für Sea-Watch gesammelt - mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen."

    Manchmal gibt es noch mutige Menschen und Leute, die das unterstützen...

  3. 6.

    Frage: Was passiert, wenn z. B. ein Flugzeug ohne Landeerlaubnis, egal wo, einfach landet? Im Extremfall wird in einigen Ländern das Flugzeug, wegen Terrorverdacht, abgeschossen!
    Genauso sehe ich diesen Fall auch. Diese Frau, die ihre international geltenden Patente zum Kapitän abgelegt haben muss, sonst wäre es hochgradig strafbar ein Schiff zu führen, sollte eigentlich wissen, was auf sie zukommt, wenn man gegen nationales, wie internationales (See -) Recht verstößt. In den 14 Tagen, in der sie im Mittelmeer unterwegs war, hätte sie ja Frankreich, Spanien, Portugal, Bulgarien, Rumänien (auch alles "EU - Staaten), aber auch bis nach Hamburg geschafft! Deshalb muss sie sich jetzt nicht wundern, wenn es (noch) souveräne Länder, wie Italien gibt, die ihre klar formulierten Gesetze, knallhart durchsetzen und dementsprechend bestrafen. Denn in dem Punkt hat sich Deutschland, seit Bestehen der EU weitestgehend abgeschafft.

  4. 2.

    Es geht doch gar nicht um die Rettung von in Seenot geratenen, dies ist eine Pflichtveranstaltung und auch richtig. Warum aber müssen die Menschen um den halben Globus gefahren werden, wo doch so viele Länder näher an dem Rettungsort sind als Italien?

  5. 1.

    Wie wärs ebenso mit einer Dauermahnwache vor der Russischen Botschaft wegen Völkerrechtsverletzungen in der Ukraine, Georgien und anderen Ländern? - Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung der Italienischen Republik sind konform mit der Europäischen Menschenrechtskonvention, und nach diesen Maßstäben ist das Handeln der verhafteten deutschen Staatsbürgerin zu bewerten.

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