Brandenburgische Polizei (Quelle: dpa/Andreas Franke)
Bild: dpa/Andreas Franke

Rechtes Terrornetzwerk - LKA: 160 Brandenburger auf Liste von "Nordkreuz"

Die rechtsextreme Gruppe "Nordkreuz" soll deutschlandweit politisch motivierte Morde geplant und dafür sogenannte "Todeslisten" erstellt haben. Nun teilt das LKA mit: Auf einer dieser Listen stehen auch 160 Brandenburger. Informiert wurden diese bislang nicht.

Auf einer Liste mit rund 25.000 Namen, die bei einer Anti-Terror-Razzia vor zwei Jahren bei der rechtsextremistischen Gruppe "Nordkreuz" entdeckt wurde, stehen auch 160 Brandenburger. Das teilte ein Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums am Freitag in Potsdam auf Anfrage mit. Bei der Liste soll es sich um eine "Todesliste" mit den Namen und Adressen politischer Gegner aus dem linken Spektrum handeln.

Trotz entsprechender Ermittlungen wurden die Brandenburger, deren Namen auf der Liste stehen, bislang aber nicht von der Polizei informiert. Die Brandenburger Polizei habe niemanden von der Liste konkret angesprochen, erklärte das Präsidium.

LKA will Informationsschreiben versenden

Als Erklärung dafür teilte der Sprecher mit: "Nach Informationen des LKA Brandenburg wurden die Betroffenen bereits durch den Internethändler über den Hackerangriff und das Abgreifen der Daten informiert." Nach Einschätzung des Bundeskriminalamts gebe es außerdem keine konkreten Gefährdungshinweise für irgendeinen der Brandenburger auf der Liste.

Mit einer Person habe die Polizei allerdings vor kurzem ein Gespräch zur Sensibilisierung geführt, mit einer anderen stehe es noch an. Der Grund: Beide hätten in diesem Jahr ein neues politisches Amt auf Kreisebene übernommen.

Die Polizei nimmt nach eigenen Worten eine Verunsicherung in der Bevölkerung wahr, die auf die Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit zurückgehe. Deshalb werde das LKA ab der kommenden Woche Informationsschreiben an die 160 Brandenburger senden, die noch nicht im Rahmen der Sensibilisierungsgespräche eine Information bekommen hätten, kündigte die Polizei an.

Kritik vom Brandenburger Verein "Opferperspektive"

Scharfe Kritik an der Informationspolitik der Polizei übte am Freitag der Brandenburger Verein "Opferperspektive e.V.". Polizei und BKA hätten es zwei Jahre lang versäumt, Betroffene rechten Terrors zu informieren. 

"Die Opferperspektive kritisiert die Verharmlosung rechten Terrors und fordert, die Betroffenen rechter Gewalt und rechten Terrors ernstzunehmen", heißt es in einer Mitteilung. "Die 'Nordkreuz' Gruppe legte Listen an, auf denen Engagierte, die sich gegen Rechts und für Geflüchtete einsetzten, sowohl Politiker*innen als auch Privatpersonen, geführt wurden."

"Todeslisten" mit Namen politischer Gegner

Nach Angaben der Bundesregierung stammt die Liste mit den rund 25.000 Personen aus einem Datendiebstahl bei einem Online-Versand von 2015. Die Bundesanwaltschaft hatte 2017 Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aufgenommen.

"Nordkreuz" gilt als sogenannte Prepper-Gruppe. "Prepper" bereiten sich auf schwere Krisen oder einen Zusammenbruch des Staats vor. Teils kalkulieren sie dabei auch den Einsatz von Schusswaffen ein. Die Ermittler prüften auch den Verdacht, es gebe "Todeslisten" mit Namen politischer Gegner aus dem linken Spektrum.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) hatte am Freitag erneut über "Nordkreuz" berichtet. Demnach soll die rechtsextremistische Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg offenbar politisch motivierte Morde in ganz Deutschland geplant haben [ndr.de]. Nach RND-Informationen verfügt "Nordkreuz" außerdem über mindestens zwei weitere Ableger: "Südkreuz" und "Westkreuz". Auch in und um Berlin soll eine Unterstützergruppe tätig sein.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 12.07.19, 19:30 Uhr

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Das zwanghafte Horten von Lebensmitteln aus Angst vor einem Tag X mag man ja belächeln oder aber auch in gesundem Maß selber betreiben oder nachvollziehen können. Wenn man aber dem Tag X entgegenprepperte, um dann mit beiseite geschaffter Dienstmunition, Leichensäcken und mit Armee-Passierscheinen versehen vorher aufgestellte Todeslisten abzuarbeiten, dann wäre das Terrorismus.

  2. 17.

    "Nach Angaben der Bundesregierung stammt die Liste mit den rund 25.000 Personen aus einem Datendiebstahl bei einem Online-Versand von 2015. Die Bundesanwaltschaft hatte 2017 Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aufgenommen."

    Wie stehen diese beiden Sätze im Zusammenhang? Stehen sie überhaupt in einem Zusammenhang?

    Hat die Buindesanwaltschaft zwei Jahre nach Diebstahl der Daten von einem mutmaßlich linken Klamottenladen durch mutmaßlich rechte Häcker Ermittlungen wegen Verdacht auf schwere staatsgefährdende Gewalttat aufgenommen?

  3. 15.

    Ich habe echt lange überlegt ihnen auf den so durchschaubaren Versuch zu antworten.

    For the record: SIE haben das Thema Nordkreuz mit der rechtsextremen AfD verknüpft!

  4. 14.

    Sehr beeindruckend Ihr Kommentar. Ich mußte dabei an eine Diskussion mit einem Kontaktbereichsbeamten denken. Ist zwar schon eine Ewigkeit her. Das war Mitte der 80er Jahre, wo die REPs ( Republikanische Partei)in Berlin für kurze Zeit ihr Unwesen verbreitete. Ich sprach ihn offen an, weshalb er eine braune Lederjacke trägt und keine Uniformjacke, wie alle anderen Polizeibeamte. Er wich mir aus mit einer Antwort. Als ich ihn daraufhin fragte, ob er auch zu den Polizisten gehört ( damals stand es in der Presse ), die offen für die REPs stehen, sagte er mir ganz unverblümt: privat würde er sich mit mir gerne noch mal Unterhalten. Ich ließ ihn dann einfach stehen und ging weiter. Das gab mir damals doch sehr zu denken.

  5. 13.

    Nebelkerze Frau /Herr berliner007. Durchsichtiges Manöver. Dräuendes Verschwörungsgeschwurbel. Dazu die übliche Taktik alles am Ende auf "Wahlkampfmanöver" zu reduzieren. Mit dem Ziel derartiges zu legitimeren und zu normalisieren. Ist das nicht auch die notorische Rechtfertigung für die Hetze, die Hassreden, die Vigilanten-Webseiten - kommt es zur Feststellung von Verantwortung für solche Taten, die weitere Täter und Taten nach sich ziehen? Was wollen Sie am Grab von Walter Lübcke sagen - "Sorry war nur Wahlkampf Kumpel !"??
    In der Gesamtschau müssen wir eher annehmen - wir haben so etwas wie ein Freikorps-Problem in unseren Sicherheitsbehörden. Mit einem starken Symbol dafür. Maaßen war immerhin der Chef einer dieser Behörden. Allein der Eindruck der entstand, ist eine staatsgefährdende Katastrophe. Vielleicht liegt dort der Grund für die 2-jährige Verspätung.
    Und nicht beim kommunistischen Dr.No, der zentral Wahlkampfmanöver steuert.

  6. 12.

    „Mit einer Person habe die Polizei allerdings vor kurzem ein Gespräch zur Sensibilisierung geführt, mit einer anderen stehe es noch an. Der Grund: Beide hätten in diesem Jahr ein neues politisches Amt auf Kreisebene übernommen.“. Ist doch ein aktueller Bezug. Was wollen Sie denn? Erst einen Toten?

  7. 11.

    Deswegen kann Nordkreuz trotzdem eine Preppergruppe sein. Das eine schließt das andere nicht aus. Sie machen einen falschen Umkehrschluss. Das ist ähnlich wie mit Kampfsportlern. Auch diese sind nicht per se rechtsextrem, dennoch finden sich Rechtsextreme in solchen Gruppen.

  8. 10.

    Es wäre ja ganz toll, wenn Sie in der Sache was zu sagen hätten. Wissen Sie, warum das zwei Jahre alte Thema ausgerechnet wenige Tage vor der Wahl in Brandenburg virulent wird?

  9. 9.

    "Vor 30 Jahren publizierte man jeden beschuldigten "RAF-Sympathisant" namentlich mit Foto und Biografie." So sehr ich den Redaktionen des RBB, seriösen Medien bei der Zurückhaltung beim Thema Namensnennung und bildliche Veröffentlichung, Persönlichkeitsrechte zustimme. Vielleicht wäre es an der Zeit das Thema einmal so zu betrachten: Personen, Gruppen, eine Organisation die sich der Machtergreifung, der Organisation von Liquidierungen und extralegalen Inhaftierungen mit bürokratischer Akribie verschrieben haben, sind Personen, sind Sachverhalte von zeitgeschichtlichen und öffentlichen Interesse. Sie haben kein Recht auf Anonymität, auf Privatheit wie es die Gesetze zum Schutze der Persönlichkeit zu Recht sehr streng intendieren. Schon aus generalpräventiven, aber auch aus ermittlungstaktischen Erwägungen: Man hat sich derart verwickelt der Öffentlichkeit zu stellen. Wieso kann ich nicht überprüfen, möglicherweise zur Aufklärung beitragen - begegnete mir möglicherweise dieser Polizist?

  10. 8.

    Irritierend die Reduzierung auf ein Bundesland. Während offenbar 25.000 Personen im ganzen Bundesgebiet auf einer Liste von nationalistischen Freikorps-Strukturen stehen - die gleichzeitig auch noch Zugriff auf staatliche Einrichtungen hatten. Weil sie selbst Teil der Institutionen waren /sind. Historisch bekanntes Muster. Keineswegs blosse Phobie demokratisch gesinnter Menschen. Wenn der Begriff "besorgter Bürger" je einen aufrichtigen Inhalt hatte, dann wäre es nun an der Zeit - Bundeskriminalamt, Bundesanwaltschaft, Innenminister informierten die konkret betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Und damit die Öffentlichkeit darüber wessen Schutz in unserem demokratischen Gemeinwesen sicherzustellen ist. Es sind nicht die einsatztaktischen, obrigkeitsstaatlichen Erwägungen der beteiligten Dienste, oder die Beschwichtigungsinteressen bestimmter politischer Kreise. Vor 30 Jahren publizierte man jeden beschuldigten "RAF-Sympathisant" namentlich mit Foto und Biografie.

  11. 7.

    Allerdings kommt mir hier die Sache so vor, als würden sie hier ohne Unterlaß rechtsextreme Terroristen und deren Taten verharmlosen. Und das auch noch so plump, dass es weh tut...

  12. 5.

    Ich finde die Bezeichnung "Prepper" in diesem Zusammenhang verwirrend und unzutreffend.

    Meiner Meinung handelt es sich bei Preppern grundsätzlich um Menschen, welche für den Fall einer - wie auch immer gearteten - Katastrophe gewappnet sein wollen, indem sie sich Schutzräume bauen, Vorräte anlegen, entsprechende technische Geräte vorhalten etc. Oft unpolitischer Zweck dieses Vorgehens ist das Überleben einer Katastrophe.

    Hier wird aber nun über Menschen berichtet, welche aktiv an einem politischen Umsturz arbeiten und an einem 'Tag X' , welchen sie selbst herbeizuführen gedenken, mit Gewalt die politische Macht an sich reißen wollen.

    Ein "herkömmlicher" Prepper führt meines Wissens keine Todeslisten.

  13. 4.

    Allerdings kommt mir hier die Sache so vor, als würden sie hier ohne Unterlaß rechtsextreme Terroristen und deren Taten verharmlosen. Und das auch noch so plump, das es weh tut...

  14. 3.

    Rekrutieren sich die Mitglieder in Berlin und Brandenburg auch aus Polizei und Bundeswehr, wie in MV? Eine dürftige Berichterstattung so ganz ohne Hintergründe.

  15. 2.

    Polizei und Staatssicherheitsdienste machen nach Aufdeckung des NSU einfach weiter wie bisher. Da bleibt das Misstrauen.

  16. 1.

    Gewiss eine Entwicklung, die Sorgen bereitet.

    Allerdings kommt mir hier die Sache so vor, als würde eine dosierte Aufwärmung von jahrelangen Uraltfakten kurz vor den Wahlen betrieben.
    Denn neuere Erkenntnisse liegen augenscheinlich nicht vor. Mitgeteilt wurde lediglich, dies geschah "auf Anfrage". Wer die "Anfrage" gestellt hat, ist ebenfalls nicht ersichtlich.

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