Eine Gruppe Touristen am Checkpoint Charlie in Berlin. (Quelle: dpa/Fischer)
Video: Abendschau | 21.08.2019 | Sabrina Wendling | Bild: dpa/Fischer

Gestaltungsvorschläge in letzter Minute - Jetzt mischt auch Tim Renner beim Checkpoint Charlie mit

Ein Museum, ein Stadtplatz, Wohnungen - das sind die Pläne des Senats für den Checkpoint Charlie. Der frühere Kulturstaatssekretär Tim Renner stellt sich was anderes vor. Kurz vor Ende der Einspruchsfrist haben er und Mitstreiter Vorschläge eingereicht. Von Nina Amin

Der Berliner Senat will den Checkpoint Charlie umbauen: ein Museum, ein kleiner Stadtplatz und Wohnungen sollen her. Es ist ein Gegenentwurf zu den Plänen des umstrittenen Investors Trockland - und er muss bis Februar beschlossen sein, betonte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) im Abgeordnetenhaus: "Wenn das nicht passiert, kann man nach dem sogenannten Paragraph 34 Bauanträge nach der umgebenden Bebauung stellen. Ich will jetzt nicht sagen, dann droht – aber dann wäre eine Bebauung wie in der Umgebung möglich. Das wäre eine sehr hoch verdichtete Blockrandbebauung."

Für Trockland wäre das von Vorteil. Er will am Checkpoint Charlie unter anderem ein Hotel bauen.

"Runde der 12" will Raum für Kultur

Tim Renner findet den von Stadtentwicklungssenatorin Lompscher ausgelegten Bebauungsplan [berlin.de] zu sehr auf Wohnungsneubau fokussiert. Er werde dem historischen Ort mit seinen vielen Besuchern nicht gerecht. "Einen Ort, an dem Millionen Leute ihren Gedenkort haben, kann man nicht gleichzeitig zu einem urbanen Gebiet erklären. Also zu einem Ort, an dem die Menschen ganz normal leben und arbeiten. Das machen wir ja am Gendamenmarkt oder am Brandenburger Tor auch nicht", sagt Renner. Die "Runde der 12", wie Renner und seine Mitstreiter aus der Kulturszene sich nennen, fordert: keine normalen Wohnungen, sondern höchstens Studentenwohnungen oder Co-Living, aber hauptsächlich mehr Freifläche für die Besucher am Checkpoint Charlie - und für Kultur.

"Unser Vorschlag ist, dass wir den Platz wirklich nutzen, als einen Ort, wo Menschen zusammenkommen können, wo sie sich austauschen können, wo sie sich gerne aufhalten", sagt Renner. "Wir können hier einen Ort schaffen, wo kontinuierlich kulturelle Inszenierungen stattfinden. Dafür haben wir auch Ideen und Pläne entworfen, die wir später vorstellen."

"Einen Ort, an dem Millionen Leute ihren Gedenkort haben, kann man nicht gleichzeitig zu einem urbanen Gebiet erklären. Also zu einem Ort, an dem die Menschen ganz normal leben und arbeiten. Das machen wir ja am Gendarmenmarkt oder am Brandenburger Tor auch nicht"

Tim Renner

Mit Panzern die Friedrichstraße sperren

Eine Idee ist es, mit zwei ausgedienten Panzern die Friedrichstraße für den Verkehr zu sperren. "Wie damals zu Zeiten des Kalten Kriegs", schmunzelt Renner. Autofrei müsse der Platz seiner Meinung nach sowieso werden. Ein Vorschlag, dem Abgeordnete aller Parteien durchaus offen gegenüberstehen. Wie viele habe er sich erst spät in die Diskussion eingeschaltet, räumt Renner ein. "Uns ist es vorher auch nicht richtig aufgefallen, denn damals lag der B-Plan ja noch gar nicht vor."

"Wir wollen nicht den B-Plan kippen"

Ziel sei es nicht, den B-Plan von Lompscher zu verhindern und einen Rückfall in den ganz alten Bebauungsplan zu riskieren. Vielmehr gehe es darum, mehr Freiraum am Checkpoint Charlie zu verhandeln, meint Renner.

Die Stadtentwicklungsverwaltung werde in den kommenden vier Wochen alle eingegangenen Einsprüche prüfen, sagt deren Sprecherin Katrin Dietl. Ob und was von den Vorschlägen aufgenommen wird, ist völlig offen. Im Spätherbst könnte der Bebauungsplan für den Checkpoint Charlie vom Parlament verabschiedet werden. Die Diskussion darüber, wie der ehemalige Grenzübergang in Zukunft aussehen soll, ist noch lange nicht vorbei.

Sendung: Inforadio, 21.08.2019, 07:55 Uhr 

Beitrag von Nina Amin

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5 Kommentare

  1. 5.

    Der Planentwurf aus dem Hause Lopmscher ist schlampig und unvollständige. Ein Beispiel dafür ist der wirre Umgang mit Spielplätzen, die nach dem Baurecht zwingend bei der Planung neuer Wohnungen gefordert sind, für die aber im Plan weder Flächen vorgesehen sind noch festgestellt wurde, ob sie überhaupt im Plangebiet möglich sind. Dies ist umso ärgerlicher, als die Senatsverwaltung zugleich konstatiert, dass die Unterversorgung mit wohnungsnahen Grünflächen und öffentlichen Spielflächen ansteigen wird. Desaströs ist auch der Umgang mit der Belichtung und Belüftung der Wohnungen, den hohen technischen Anforderungen an die Gebäude, den teigenden Baukosten und dem in Aussicht gestellten Mietendeckel. All dies wird dazu führen, dass auf absehbare Zeit am Checkpoint Charlie nicht gebaut wird. Genau dies scheint die Absicht der Senatorin zu sein. .

  2. 4.

    Die richtige Mischung machts. Das ist ein Ort der Erinnerung und kein Wohnviertel für Familien. Aber auf Dauer eben auch kein Disneyland mit billigen Souvenir und falschen Statisten Shows. Eine Teilsperrung der Friedrichstr. und die Schaffung eines Platzes an der Stelle, sowie architektonisch interessante höhere Gebäude, täten hier gut.

  3. 3.

    Die Panzer sind seinerzeit keineswegs in üblicher normaler Konfrontation gegeneinander aufgefahren. Es war ein einziger Anlass. Und der bestand darin, dass DDR-Organe sich aufmachten, US-amerikanische Truppen zu kontrollieren und nicht sowjetrussische, wie es unter den vier Mächten vereinbart war.

    Was am Checkpoint Charlie vorrangig thematisiert werden könnte, wäre das Zwitterdasein von Berlin als Ganzes. Keiner der beiden erklärten Staaten besaß Berlin als Ganzes, noch nicht einmal eine Hälfte davon. Das war den vier Mächten (drei hier, eine dort) überlassen. Sowenig der Westteil Berlins Teil des Bundesgebiets war, was der Ostteil Berlins völkerrechtlich Teil der DDR. Auch wenn die DDR entlang des heutigen Marketing-Verständnisses den östlichen Teil von Berlin als ihre Hauptstadt ausgab.

    Die Vier-Mächte-Vereinbarungen wurden formal indes immer eingehalten. Jeder Beschluss des Bundestages und der Volkskammer wurde einzeln bestätigt und nicht bloß im Paket übernommen.

  4. 2.

    Natürlich bin ich ebenso wie sie verwundert über die späte Diskussion. Doch es ist fraglich, ob es besser laufen würde, wenn Sie oder ich das Projekt anleiten müssten. Wenn Sie überspitzen wollten, ist es gelungen. Ansonsten bin ich dafür, sich weniger über Berlin zu ärgern und stattdessen dort anzupacken, wo man etwas ändern kann.

  5. 1.

    Das muß man sich mal genau anschauen …. der berliner Senat ist in den letzten 30 Jahren (!) nicht in der Lage gewesen einem Geschichtsträchtigen Ort der Erinnerung zu schaffen. Currywurststände und falsche NVA / US Soldaten und nun eine Mischung aus Erinnerung und Wohngebiet sollen hier die Zukunft sein. Man zweifelt mittlerweile am Verstand der Verantwortlichen. Mal wieder ein an Peinlichkeit kaum zu überbietendes Ergebnis des Senats. Da schämt man sich doch Berliner zu sein.

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