Nachgestellte Szene: Mädchen trägt eine Warnweste mit der Aufschrift "Autodoc" (Quelle: dpa/Dirk Dehmel)
Bild: dpa/Autodoc/Dirk Dehmel

Werbung auf rechtsradikalen Seiten - Autodoc will Anzeigenschaltung schärfer kontrollieren

Eine Woche nach der erneuten Berichterstattung über Vorwürfe gegen den Berliner Autoteile-Händler Autodoc hat sich das Unternehmen "zutiefst betroffen" gezeigt. Hintergrund ist die Platzierung von Werbeanzeigen auf rechtsradikalen Webseiten. Künftig sollen solche Anzeigen nicht mehr geschaltet werden, teilte das Unternehmen mit.  

"Den Menschenrechten verpflichtet"

In einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung heißt es, Autodoc "distanziert sich ausdrücklich von rechtsradikalem Gedankengut und jeglichen Bestrebungen, demokratische Prozesse von außen zu behindern oder zu beeinflussen". Vielmehr fühle man sich "demokratischen Prinzipien, Menschenrechten, Gleichberechtigung und dem Respekt gegenüber allen Menschen verpflichtet", heißt es weiter.

Werbung auf antisemitischen und islamfeindlichen Seiten

Die "New York Times" [kostenpflichtig] hatte vor zehn Tagen berichtet, dass Autodoc in größerem Umfang Werbung auf antisemitischen und islamfeindlichen Onlineseiten in Deutschland, Ungarn, Österreich und anderen europäischen Ländern geschaltet habe. Erstmals waren die Vorwürfe 2017 von der schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" aufgebracht worden.

Demnach hatten sechs rechtsextreme schwedische Webseiten durch Anzeigen von Autodoc Werbeeinnahmen erzielt. Die Werbebanner hatten zum Teil die Namen anderer Webseiten getragen. In einer Analyse dieser Webseiten hatte der schwedische Online-Forensiker Rikard Lindholm aber entdeckt, das die Anzeigen sämtlich auf die Berliner Adresse der Autodoc GmbH zurückgingen.

Autodoc schaltet externe Mediaagentur ein

Nachdem erneut über diese Vorwürfe berichtet wurde, hatte Thomas Casper, Sprecher von Autodoc, die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Firma habe "kein Interesse, rechte Medien zu unterstützen", sagte Casper und ergänzte: "Wir sind vehement gegen Rassismus und rechtsextreme Prinzipien."

Nachdem man schon 2017 entsprechende Kontrollmechanismen eingeführt habe, aber noch immer Werbung auf rechtsradikalen Seiten erscheine, würden die Maßnahmen jetzt noch einmal verschärft. Dazu habe Autodoc beschlossen, "eine renommierte externe Mediaagentur mit einem umfassenden und weitreichenden Prüfungs- und Beratungsmandat auszustatten", heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Erklärung des Berliner Unternehmens. Ziel sei es, "die neuen Qualitätsstandards so schnell wie möglich umzusetzen".

Berliner Schulverwaltung hatte Sicherheitswesten zurückgezogen

Autodoc veranlasst nach eigenen Angaben pro Monat rund 26.000 Werbeaktivitäten in ganz Europa. Dazu arbeite man "mit einer Vielzahl von externen Dienstleistern zusammen", wobei die eigentliche Schaltung der Werbebanner automatisiert erfolge.

Nach den jüngsten Vorwürfen gegen Autodoc hatte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie die Verteilung von 34.000 Sicherheitswesten an Berliner Erstklässler Mitte August gestoppt. Diese waren von dem Lichtenberger Unternehmen gesponsert und mit dem Schriftzug "Autodoc" versehen worden.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Nach den ersten Gegenmaßnahmen, die keinerlei Veränderungen brachten, sollen nun also weitere, noch drastischere folgen. Ich bin ja so so gespannt. Schon die gequälte Formulierung zur Distanzierung von Rechtsextremismus legt eine sehr bewusste Handlungsweise nahe. Solange sie nicht nachweisen können, dass sie nicht vorsätzlich gehandelt und damit die Gelbwestenanhängerschaft im rechten Milieu bewusst mit Material und Devisen versorgt haben, haben sie zumindest leichtsinnig und verantwortungslos gehandelt - nicht die beste Werbung für Schutzwestenhersteller*innen.

Das könnte Sie auch interessieren