Hochhäuser an der Havemannstraße im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf (Quelle: imago-images/Andreas Gora)
Audio: Inforadio | 08.08.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: imago-images/Andreas Gora

Neue Bevölkerungszahlen - SPD-Politiker warnt vor Ghettobildung in Berliner Außenbezirken

Auch wenn Berlins Innenstadt auf Touristen und Investoren große Anziehungskraft ausübt - mehr als zwei Drittel der Bevölkerung leben außerhalb des S-Bahn-Rings. Dorthin müsse dringend mehr Geld fließen, sagt der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier.

Ob Verkehr, Wohnungsbau, Kultur oder Innere Sicherheit: Viele der politischen Debatten in Berlin drehen sich um die Innenstadtbezirke. Die werden immer teurer und üben nach wie vor eine große Anziehungskraft aus - auf Touristen, Investoren und Zuzügler.

Mehr als zwei Drittel leben außerhalb des S-Bahn-Rings

Der Senat dürfe aber nicht den Fehler machen, die Randbezirke zu vernachlässigen, sagt der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier. Denn dort leben mit mehr als zwei Drittel die meisten Berlinerinnen und Berliner - so geht es aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Anfrage Kohlmeiers hervor.

Nach Angaben des Statistikamtes Berlin-Brandenburg lebten im vergangenen Jahr insgesamt knapp 3,75 Millionen Menschen in Berlin, davon 1,12 Millionen innerhalb des S-Bahn-Rings (29,8 Prozent) und 2,63 Millionen außerhalb davon (70,2 Prozent).

Seit dem Jahr 2000 hat sich dieses Verhältnis zwar nicht wesentlich verändert, doch Kohlmeier ist der Meinung, dass Berlin jetzt gegensteuern muss, um eine Entwicklung wie in anderen Metropolen zu verhindern. Schon jetzt gebe es in Außenbezirken wie Marzahn-Hellersdorf "sozial hochgradig schwierige Gebiete". Wenn dorthin nicht mehr Geld fließe, zum Beispiel für Infrastruktur, Kulturangebote und Polizei, bestehe die Gefahr, dass sich "ghettoartige Gebiete" bilden, ähnlich wie in New York oder Paris, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag rbb|24.

"Einmalige Chance zu gleichwertiger Entwicklung"

Wenn es um neue Radwege, Wohnungsbau oder Kriminalitätsbekämpfung gehe, stünden meist die Innenstadtbezirke im Fokus, sagte Kohlmeier. Dabei habe Berlin aufgrund seiner historischen Entwicklung mit gleichberechtigten Bezirken und ohne klassisches Zentrum "die einmalige Chance, eine gleichwertige Entwicklung in allen Stadtbereichen" voranzutreiben.

Früher hätten die Menschen zum Beispiel viel häufiger in der Nähe ihres Arbeitsplatzes gewohnt. Heute dagegen müssten viele erst in die Innenstadt fahren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Daher, so Kohlmeier weiter, "brauchen wir Wohnungsneubau auch in der Innenstadt". Als Beispiele nannte der SPD-Politiker die Randbebauung des Tempelhofer Feldes oder mehr und höhere Hochhäuser - "mit sozialverträglichen Mieten" sowie deutlich mehr Investitionen in die Peripherie.

Wenn 70 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner außerhalb des S-Bahn-Rings wohnten, müssten "auch annähernd 70 Prozent der staatlichen Leistungen investiert werden", meint Kohlmeier. "Andernfalls bricht unsere Stadt auseinander."

Einwohnerdichte in der Innenstadt hat deutlich zugenommen

Allerdings zeigen die jetzt veröffentlichten Zahlen noch eine andere Entwicklung: Bei einer insgesamt steigenden Berliner Bevölkerung nimmt die Einwohner-Dichte in den Innenstadtbezirken deutlich schneller zu. Weil im Zentrum weniger Platz ist, drängen sich dort immer mehr Menschen.

So stieg die Zahl der Einwohner pro Quadratkilometer in Friedrichshain-Kreuzberg von 12.102 im Jahr 2000 auf 14.173 im Jahr 2018 - ein Anstieg von rund 14,6 Prozent. In Mitte nahm die Bevölkerungsdichte in 18 Jahren sogar um gut 17,6 Prozent zu - während sie in den Außenbezirken deutlich langsamer stieg: In Spandau um knapp 11,2 Prozent (von 2.350 auf 2.646 Menschen pro Quadratkilometer) und in Marzahn-Hellersdorf um nur knapp 2,7 Prozent (von 4.230 auf 4.347).

Trend zu großstädtischer Vereinzelung

Die Zahlen des Statistikamtes belegen außerdem eine Entwicklung, welche die Berliner Politik künftig vor größere Herausforderungen stellen dürfte - denn immer mehr Menschen leben in Einpersonenhaushalten, was letztlich nicht nur zu mehr Vereinsamung, sondern auch zu einer Verknappung von Wohnraum führt.

So gab es im Jahr 2018 insgesamt 1,07 Millionen Menschen, die alleine lebten, bei rund 2,02 Millionen Hauhsalten insgesamt - das entspricht einem Anteil von fast 53 Prozent. Über 18 Jahre hinweg hat sich der Trend zu großstädtischer Vereinzelung damit weiter verstärkt, denn im Jahr 2000 lag der Anteil der Einpersonen-Haushalte erst bei rund 47,5 Prozent.

Kommentar

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Antwort auf [Nabend] vom 11.08.2019 um 20:15
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37 Kommentare

  1. 37.

    Das beruht in der Tat auf Gegenseitigkeit, selten solch einen unsympathischen Kommentator gelesen, der wirklich null Argumente hat, dafür gern Leute abwatscht wenn man nicht der gleichen Meinung ist.
    Schade um die Diskussionskultur.

  2. 36.

    Na wenigstens sind wir uns einig, dass wir uns uneinig sind. Ansonsten sind Sie mir halt einfach unsympathisch. Offenbar bellen Sie gerne.

  3. 35.

    Wenn ich schon lese "wer killerphrasen benutzt", da ist in der Tat keine weitere Diskussion mehr möglich.
    Aber gut, betroffene Hunde bellen und bestätigt nur meine Meinung.

  4. 33.

    Und was spricht gegen Luxus? Wenn ich schon lese „kein Mensch braucht....“. Alles klar. Wer Killerphrasen benutzt ist an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert.

  5. 32.

    Kein Mensch braucht ein Auto, ist und bleibt ein Luxusartikel.
    Natürlich ist es manchmal bequemer, aber selbst wenn das aus gesundheitlichen Gründen für nötig hält, obwohl das für mich schon ein Widerspruch ist, kann man das immer anders lösen.
    Klar sollte sein das endlich der Nahverkehr besser ausgebaut wird + das endlich die ganzen Innenstadt-Leihmöglichkeiten von Autos, Rädern und Rollern auch in den Außenbezirken ankommt, da ist es eigentlich viel nötiger und sinnvoller.

  6. 31.

    Vielleicht üben Sie das noch einmal mit dem lesen.... und dann kommt vielleicht das Verständnis. Aber auch wenn nicht, alles gut.

  7. 30.

    Ich warte gespannt auf ihre Antwort. Wenn meine Frage so einfältig ist, dann müßte es doch ein leichtes sein sie zu beantworten.

  8. 29.

    Wieso müssen sie zur Arbeit durch die ganze Stadt?
    was für eine einfältige Frage ? Na bestimmt nicht aus Langeweile.

  9. 28.

    Nein, "unterirdisch" ist wie sie hier Tatsachen verdrehen. Jeder, der auf sein Auto angewiesen ist, sei es weil er behindert oder Handwerker ist usw. würde sich freuen wenn Leute wie sie auf das Auto verzichten. Sie fahren zum Spaß und weil es sie weniger Zeit kostet, was ich so pauschal nicht glaube. Wieso müssen sie zur Arbeit durch die ganze Stadt?

    Sie benutzen ihr Auto, ihren eigenen Worten nach, zum Vergnügen und produzieren dafür ohne Rücksicht Staus, Lärm und Dreck, die andere gefährden und behindern. DAS ist Egoismus.

  10. 27.

    Und genau, das ist es. Die , die ein Auto besitzen und auch nach Bedarf benutzen, die sich erlauben zu fliegen und nur selten den ÖPNV benutzen werden grundsätzlich für rücksichtslose Egoisten betitelt. Und auch nur das zählt. Jedes andere Argument wird "abgeschmettert". Das ist einfach nur unterirdisch und erst so richtig egoistisch.

  11. 26.

    Ein SPD-Politiker warnt vor der Entstehung von Ghettos? Aufwachen, Werte SPD, diese Ghettobildung gibt es seit den 1970 Jahren und da hat man sich bis heute nicht reingetraut und somit der Clan-kriminalität Tür und Tor geöffnet.

  12. 25.

    "Mag' sein, dass man im Umland ein Auto braucht- damit in die Stadt zu fahren ist aber in den überwiegenden Fällen eben nicht nötig" Dem würde ich ja gern zustimmen. Nur wenn man sich mal anschaut, wie wenige P+R Parkplätze es in dieser Stadt gibt, dann kommt man leider zu oft zu einem anderen Schluss. Das Angebot ist erbärmlich, oft nicht einmal kostenfrei und meist dazu noch völlig überfüllt. So wird das nichts mit der Verkehrswende!

  13. 24.

    ...und ich keine Lust auf ihren rücksichtslosen Egoismus, den Tausende Steuerzahler wie ich, die kein Auto besitzen, auch noch finanzieren müssen.

  14. 23.

    "Nur müsste die Politik endlich etwas gegen Spielhallen usw. unternehmen! Denn diese lassen Bezirke verkümmern."

    Genau. Mehr Blumen und softe Lounge-Musik in Spielhallen...:-)

  15. 22.

    bei mir um meine Uhrzeiten sind keine Staus. Und die BVG fährt da auch nicht sehr häufig. Meine Zeit ist mir kostbar. Ich habe keine Lust auf Ihre moralischen Erläuterungen.

  16. 20.

    Nur dass sie sich die Zeitersparnis auf Kosten der Gesundheit von anderen und rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern erkaufen.

    Da beißt sich nämlich die Schlange in den Schwanz. Der ÖPNV wäre schneller wenn Autofahrer nicht ständig Staus produzieren würden.

  17. 19.

    Ach ja Herr Kohlmeier, betreiben wir wieder einmal gekonnt Wahlwerbung? Vergessen wie Sie her kommen? Genau...aus dem Ghetto-Bezirk - und wo wohnen wir jeeeetzt? Mal so nebenbei bemerkt, sich immer nur zu Wort zu melden, wenn es um Posten geht, also zu Wahlen jeglicher Art, das ist auf dauer auch sehr auffällig. Sie hatten doch nun schon über 10 Jahre Zeit etwas zu bemängeln, zu verändern! Und mit immer den gleichen Floskeln kommt man zur anscheinend in der Politik weiter - aber sonst.

    Traurig zu lesen, wie die Randbezirke so durch den Dreck gezogen werden und dabei meine ich nicht nur Marzahn Hellersdorf! Im Übrigen haben sich beide Bezirke seit ihrer Gründung prächtig entwickelt. Nur müsste die Politik endlich etwas gegen Spielhallen usw. unternehmen! Denn diese lassen Bezirke verkümmern.

  18. 18.

    Deshalb ist die Oranienburger Straße jetzt auch einspurig für Autofahrer und hat einen breiten radweg bekommen. Meines Wissens liegt die Straße in Reinickendorf

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