E-Scooter im Regierungsviertel Berlin (Bild: imago images/Chris Emil Janssen)
Bild: images/Chris Emil Janssen

Steigende Unfallgefahr - Behindertenverbände fordern Führerschein für E-Scooter

Immer wieder geraten in Berlin E-Roller-Fahrer mit Fußgängern ins Gehege, es gab schon erste Unfälle. Besonders brenzlig wird es für Menschen, die nicht schnell ausweichen können: Rollstuhlfahrer, Blinde, Senioren oder Kinder. Mehrere Verbände schlagen Alarm.

Sie fahren auf Gehwegen, manchmal sogar betrunken, und lassen ihre Gefährte mitten auf Bürgersteigen stehen oder liegen: Fahrer von E-Tretrollern gefährden nicht nur sich selbst, sondern können auch für andere Verkehrsteilnehmer zum Problem werden, so für Fußgänger oder Eltern mit Kinderwagen. Verbände warnen nun, dass auch immer häufiger Rollstuhlfahrer und Blinde sich im wilden Gestrüpp von E-Tretrollern verheddern und mit gefährlichen Verkehrssituationen konfrontiert werden.

Verband fordert mehrere Fahrstunden für E-Tretroller

"Wir sind strikt gegen E-Tretroller. Die Zulassung kam übereilt und viel zu schnell", kritisierte jetzt der Vorsitzende des Berliner Behindertenverbands, Dominik Peter. Er fordert verpflichtende Kurse für alle E-Rollerfahrer. "Die E-Tretroller können eine echte Stolperfalle sein", ergänzt Stephan Heinke, Leiter des Gemeinsamen Fachausschusses Umwelt- und Verkehr beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.

"Man kann echt viel mit den Rollern anstellen. Ich verstehe nicht, warum man nicht sagt: Bevor die Nutzung erlaubt ist, muss man vier praktische Stunden absolvieren, in denen auf die Gefahren hingewiesen wird", so Peter. Aus seiner Sicht ist auch die Altersgrenze zu niedrig angesetzt. Sie liegt für E-Tretroller - auch E-Scooter genannt - bei 14 Jahren.

Blinde fühlen sich sehr unsicher

"Ordnungsamt und Polizei müssten konsequenter im Einsatz sein und kontrollieren", fordert zudem Heinke. Auch das Strafmaß für Missachtung der Regelungen müsse deutlich höher sein. "Die jetzigen Bußgelder sind keine wirklichen Strafen", so Heinke. Bei Verstößen sind unterschiedliche Bußgelder fällig. Nach ADAC-Angaben kostet etwa das Fahren mit einem E-Tretroller auf dem Gehweg bis zu 30 Euro. Das Fahren ohne eine Betriebserlaubnis kostet 70 Euro.

Ein großes Problem für Blinde sei es auch, dass sie herannahende E-Tretroller nicht sehen und daher nicht zur Seite gehen könnten. "Ein junges Mädchen aus unserem Verband wurde bereits von einer Rollerfahrerin in Berlin angerempelt und auch noch beschimpft, weil es nicht ausgewichen ist", berichtet Heinke. "Auch Rollstuhlfahrer können nicht so schnell ausweichen", ergänzt Dominik Peter. "Unsere Mitglieder fühlen sich inzwischen sehr unsicher in der Stadt, weil die E-Tretroller sehr schnell auf den Gehwegen unterwegs sind", berichtet er.

VdK fordert Null-Promille-Grenze

Der Sozialverband VdK übt ebenfalls Kritik und weist auch auf Gefahren für Kinder und Senioren hin: "Für kleine Kinder, für Ältere und für Menschen mit Behinderung ist das Risiko am höchsten. Sie können oft nicht so schnell reagieren und zur Seite springen, wie es notwendig wäre", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. E-Roller in diesem großen Maßstab einzuführen, sei unbedacht gewesen. Es müsse besser kontrolliert werden, wer wo mit den Rollern fahre. Und: "Wir fordern auch eine 0,0-Promille-Grenze für alle, die E-Roller fahren."

Seit Mitte Juni sind E-Tretroller in Berlin zugelassen und unterwegs. Bis zum 18. Juli zählte die Berliner Polizei 21 Verkehrsunfälle mit vier Schwer- und 15 Leichtverletzten. Bei der überwiegenden Mehrzahl (18) waren die E-Scooter-Fahrer selbst die Unfallverursacher. Als Hauptgrund für die Unfälle nennt die Polizei "Unachtsamkeit bei der Benutzung von E-Scootern". Zudem wurden elf Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen Trunkenheit eingeleitet.  

Eine rbb|24-Datenauswertung hat indes deutlich höhere Zahlen zum Vorschein gebracht: Demnach verletzten sich mindestens 40 E-Scooter-Fahrer in rund einem Monat. Zehn der Fahrer verletzten sich dabei so schwer, dass sie in einer Klinik stationär aufgenommen werden mussten. Das hat eine Umfrage von rbb|24 unter unfallchirurgischen Kliniken in Berlin ergeben.

Sendung: Abendschau, 03.08.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [Karsten] vom 04.08.2019 um 13:43
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84 Kommentare

  1. 84.

    "Mit E-Scooter fahrenden, hatte ich bisher noch keine Probleme "

    Aha. Thema verfehlt, setzen, sechs. Wenn die Themen Radlrambos (keine Angst, darüber berichtet der rbb oft genug) oder KfZ (DAS wär doch mal ein Thema, erlebe ich hier jeden Tag) auf dem Gehsteig dran sind, kommt ihre große Stunde.

    Nee, im Ernst. Was sollte das "ein durchtrainierter Radfahrer(ca. 80Kg) mit ~20 km/h entgegen"? Noch besser: "wenn ich mich dem in den Weg gestellt hätte und nicht ausgewichen wäre, dann wäre ich heute eine tragische Meldung auf rbb24.".

    Das lesen wir hier ja jeden Tag, Tausende schwerverletzte Fußgänger durch Radterroristen. Oh Mann, geht's noch?

  2. 83.

    Ihre höchst subjetiven Eindrücke in allen Ehren aber dass 50% aller Radfahrer ohne Licht fahren ist eine Lüge.

    "aber sie haben ausreichendes Rücklicht, was ich bei 50% der Radfahrenden vermisse."

    Bleiben sie einfach bei Tatsachen und gut ist.

  3. 82.

    Aus dem Tagebuch eines Berliner Fußgängers:

    Gestern Nachmittag kam mir, auf einem relativ schmalen Gehweg, ein durchtrainierter Radfahrer(ca. 80Kg) mit ~20 km/h entgegen - wenn ich mich dem in den Weg gestellt hätte und nicht ausgewichen wäre, dann wäre ich heute eine tragische Meldung auf rbb24.

    Und gestern Nacht, kam mir doch auf dem Gehweg ein Auto(mit ~10 km/h) entgegen - ich habe ja schon viel erlebt hier in Berlin, aber das war selbst für mich neu.

    Mit E-Scooter fahrenden, hatte ich bisher noch keine Probleme - was aber auch daran liegen könnte, dass es in den Außenbezirken noch nicht soo viele davon gibt.
    Bin mal gespannt, wie sich das noch entwickeln wird (Vorausgesetzt natürlich, dass ich als Fußgänger lange genug überlebe, um diese Entwicklung noch mitzubekommen ;) ).

  4. 81.

    Natürlich ist es eine Form von „Aggression“ und „Nötigung“, wenn man jemanden zum Anhalten zwingt, auch wenn er auf verbotenem Terrain fährt. Zumal es auch Aggressionen in dem Gegenüber auslösen kann. Das müssen Sie nicht persönlich nehmen, aber Sinn und Zweck sollte es ja eigentlich immer sein, eine nicht „gewaltsame“ Lösung für ein Problem zu finden. Da es leider schon häufiger passierte, dass ich angeschrien und beleidigt und mit dem Mittelfinger bedacht wurde, wenn ich Radfahrer auf dem Gehweg mahnte, werde ich mich definitiv nicht einer direkten Konfrontation mit einem Rollerfahrer aussetzen. Zumal meine Schulmeisterei bestimmt keinen verantwortungsbewußteren Menschen aus ihm machen wird. Wäre das möglich, würde er von Vornherein nicht auf dem Gehweg fahren. Und meinen Enkel setze ich solchen Situationen nicht aus. Das tut man mit einem Kind nicht. Sie gehen Ihren Weg, ich meinen. Ja, ich bevorzuge Deeskalation, auch wenn es mir zum Nachteil gereicht.

  5. 80.

    Sie vermengen hier zwei unterschiedliche Dinge: Niemand beschwert sich hier über Scooter auf der Straße oder auf Radwegen. Daher ist das "Projekt 'rücksichtsvoll Scooter fahren auf der Straße oder Radwegen'" auch nicht gescheitert.

    Die hier angesprochenen Probleme beziehen sich stets auf E-Roller auf Bürgersteigen - also sich nicht an die Regeln haltende Fahrer und nicht etwa die geltenden (neuen) Verkehrsregeln.

  6. 79.

    Falsch parkende Autos können für alle Verkehrsteilnehmer eine Behinderung bedeuten, nicht nur für die von Ihnen angesprochenen. Aber es geht hier auch nicht um falsch parkende Autos.

    Rollern nicht auszuweichen, sei keine Option für ältere Menschen? Wie kommen Sie auf sowas? Ich bin ein älterer Mensch und weiche nicht aus.

    Also bin ich aggressiv, wenn ich auf mein Recht auf dem Fußweg bestehe und soll mich brav an den Rand drücken? Ob das diese asozialen Zweiradfahrer zu einer Änderung ihres Verhaltens veranlasst? Hmmmmm.

  7. 78.

    Ich stimme Ihnen völlig zu. Meine Überlegung war, dass die Verleiher evtl. nicht informieren und normaler Menschenverstand scheint ausgestorben zu sein.
    Nach den Motto:" Lieber Gott lass Hirn regnen und klaue den Bedürftigen die Schirne".

  8. 77.

    Wieso muss eigentlich alles immer und überall erklärt werden. Will denn niemand mehr seinen (falls vorhanden) Verstand einschalten? Der sagt mir von selbst, dass ich etwas nicht mittig auf dem Gehweg rumstehen lasse. Dazu brauche ich keine mehrsprachige Erklärung.

    Aber in dieser Welt gibt es offenbar ein paar zuviel geistig Arme. Neulich am KaDeWe-Eingang: Ein ca. 10jähriger versucht mit einem Hoverboard ins Kaufhaus zu fahren. Der Vater ist dabei. Wer von den beiden das kleinere Hirn hatte, kann ich leider nicht beurteilen. Vermute aber der Vater hatte diesbezüglich nichts zum Weitergeben in seinen Genen.

  9. 76.

    Kann man so auch nicht sagen. In manchen Straßen bedeuten falsch parkende Autos, dass Kinder, Senioren und Behinderte nicht durchkommen und z.b. auf der Strasse laufen müssen. Rollern nicht auszuweichen ist z.b. für ältere Menschen keine Option. Bin ich mit Kind an der Hand, würde ich das auch nicht tun. Zumal das ja auch nicht möglich ist, wenn sie von hinten kommen und haarscharf an einem vorbei düsen. Ich sehe es ähnlich, noch mehr Aggressionen müssen nicht sein. Ist schon nervig genug in Berlin unterwegs zu sein.

  10. 75.

    Keine Sorge, man will Behinderte nicht diskreminieren (kommt das von Krematoriuim?). Man will sie auch nicht diskriminieren. Wo Sie dabei eine Diskriminierung sehen, verstehe ich wiederum nicht.

    Niedlich, wenn hier jemand schreibt, man könne diese Rücksichtslosen auf dem Gehweg ja ansprechen, aber sich nicht in den Weg stellen. Ansprechen habe ich versucht, der Typ hat mich fast umgefahren und ignoriert. Ein anderer hat mich beleidigt. Der Nächste hat mir erklärt "wer sagt das", als ich ihn bat, auf dem Radweg zu fahren.
    Ich stelle mich nicht in den Weg. Ich gehe einfach weiter. So wie es mein gutes Recht auf dem Fußweg ist. Meistens habe ich noch eine richtig schöne feste Tasche dabei. Aua.

  11. 74.

    Nicht vorschnell ausweichen ist die einzig wirksame Methode, um die rücksichtslosen Ignoranten mit ihren Zweirädern auf den Gehwegen in ihre Schranken zu weisen. Ein fahrendes Fahrzeug mit einem selbsternannten Gutmenschen am Lenker stellt eine grössere Gefahr dar als ein falsch packendes Auto.

  12. 73.

    Ich habe Ihren kompletten Kommentar gelesen. Zunächst schreiben Sie, meine Äußerung sei falsch, dass das Projekt des rücksichtsvollen Fahrens...etc...gescheitert sei. Sie könnten das nicht bestätigen. Im Artikel sind aber zuhauf Beispiele dafür, sowie in vielen Kommentaren. Dass Sie am Ende einräumen, dass es schon.ab und an Problemchen gibt, ändert nichts daran, dass Sie die Informationen des Artikels und anderer User weitgehend negieren, indem Sie die Situation als "einwandfrei" und "super" bewerten. Vllt. selber Ihre Schreibe nochmal checken. Sie sehen das halt so, wir definitiv anders. Oder der Kommentar von Ihnen ist ein anderer, als der, den ich hier lesen kann...^^

  13. 72.

    Ich sehe die Vermieter in der Pflicht, die Touristen und Einheimischen darauf hinzuweisen, wie, wo und ab welchem Alter hier E-Scooter im Straßenverkehr gefahren werden dürfen. Auch wie und wo die Roller nach Gebrauch abgestellt werden dürfen. Und das dann eben auch fremdsprachlich. Ergänzend dazu bleiben nur polizeiliche Kontrollen und Knöllchen, bis sich rumgesprochen hat, dass es sich hier nicht um Spaßmobile handelt, die überall, zu Mehreren oder gar unter Alkoholeinfluß gefahren werden dürfen.
    Übrigens: In Großbritannien sind sogenannte E-Scooter, anders als in Deutschland, nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Legal dürfen sie bislang nur auf privatem Gelände genutzt werden.

  14. 70.

    Habe mich missverständlich ausgedrückt. Ich trete nicht mehr beiseite. Früher habe ich das immer getan, doch seitdem ich mein Verhalten geändert habe, müssen solche Personen um mich herumfahren. Ist übrigens bei den starr nach unten schauenden Handy Anbetern nicht anders. Viele von denen glauben doch glatt, man weicht Ihnen ja schon aus. Mache ich auch nicht mehr. Ist es etwa meine Schuld. Dabei mache ich das auf Gehwegen schon immer so in Berlin, ich halte mich rechts.

  15. 69.

    LOL:
    "Lesen Sie die Kommentare zum Artikel? (...) Es gibt die Rollerfahrer auf dem Gehweg gar nicht?"
    Lesen Sie mal nicht nur die ersten zwei Zeilen, dann werden Sie staunen:
    "Was ich aber auch regelmäßig sehe sind (...) wenig rücksichtsvolle E-Scooterfahrer auf dem Bürgersteig, oft mindestens zwei gleichzeitig."

  16. 68.

    Bitte nicht noch mehr Aggression auf unseren Straßen, davon haben wir genug.
    Ansprechen / belehren gerne, aber in den Weg stellen provoziert nur Verletzungen bei Ihnen, den Fahrern oder unbeteiligten dritten.

  17. 66.

    Danke. Genau darum geht es. Und um Menschen mit Handicaps, die nicht offensichtlich sind, die aber ständig als Hindernis angesehen werden. Entweder man springt nicht zur Seite und wird angepöbelt (Rad+Scooter), oder man läuft nicht schnell genug über die (grüne) Ampel und Rad+Auto fahren einem entnervt fast in die Hacken. Das passiert regelmäßig. Und die Kinder. Die armen Kerlchen müssen in manchen Ortsteilen bei Fuß laufen wie Hunde. Wofür? Für so einen Spaßfaktor, der unter dem Strich nicht einmal umweltfreundlich ist und erwiesenermaßen die Verkehrsbelastung Berlins nicht entlastet, völlig überflüssig und extrem belastend für die Fußgänger. Da muss der Spaß aufhören und im Interesse der Bürger, die davor verwahrt werden sollten, entschieden werden. Die Touristen haben auch vor der Roller-Ära Berlin gestürmt. Das ist kein Argument.

  18. 65.

    Danke. Auch Ihnen kann ich hier nur Zustimmen. Meine Reaktion ist nun, sich diesen Leuten entgegenzustellen, wenn diese, sei es mit dem Fahrrad oder jetzt auch mit den E-Scootern auf den Gehwegen angefahren kommen. Diese müssen mir dann ausweichen und nicht umgekehrt.

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