Archivbild: Das Karstadt Kaufhaus in Neukölln ca. 1929 (Quelle: dpa/ akg-images)
Video: Abendschau | 30.08.2019 | Laurence Thio | Bild: dpa/ akg-images

"Brauchen kein Stadtschloss in Kreuzberg" - Bezirk lehnt Pläne für Karstadt-Neubau am Hermannplatz ab

Riesig sollte es werden, das neue Karstadt-Gebäude am Hermannplatz. Doch die tollkühnen Pläne des Eigentümers, eine österreichische Investorengruppe, werden jäh ausgebremst: "Wir brauchen kein Stadtschloss in Kreuzberg", sagt Baustadtrat Schmidt.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lehnt einen Neubau des Karstadt-Gebäudes am Hermannplatz ab. Ein Monumentalkaufhaus, wie es der österreichische Investor Signa errichten wollte, passe nicht nach Friedrichshain-Kreuzberg, sagte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt (Grüne) dem rbb.

Das Vorhaben sei von den zuständigen Verwaltungen der Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln geprüft und fachlich abgelehnt worden, so Schmidt. Das Karstadt-Gebäude liegt auf der Bezirksseite von Friedrichshain-Kreuzberg, der angrenzende Hermannplatz gehört zu Neukölln.

Schmidt warnt vor falschen Erwartungen

Mit dem riesigen Bau würde am Hermannplatz ein erheblicher Schwerpunkt gesetzt, der mit den Strategien zu einer Kiezladenstruktur nicht zu vereinbaren sei. Denn mit einem monumentalen Karstadt-Neubau entstehe dort ein Ungleichgewicht in der Gewerberaumentwicklung, so Schmidt.

Außerdem wisse man nicht, was genau der Investor in dem Gebäude vorhabe. "Wir brauchen kein Stadtschloss in Kreuzberg, das äußerlich nostalgisch etwas vorblendet, was im Inneren nicht da ist, sobald drinnen ein Shoppingcenter oder Bürocenter entsteht", sagte Schmidt dem rbb.

Signa will weiterkämpfen

Die Signa GmbH mit Sitz in Wien will als Karstadt-Eigentümerin das gegenwärtige Kaufhaus-Gebäude abreißen und nach Vorbild des ursprünglichen Warenhauses aus den 1920er Jahren neu erbauen. Das ehemalige Gebäude hatte 70.000 Quadratmeter Einkaufsfläche mit zwei Türmen und Lichtsäulen, es war das größte Kaufhaus der Weimarer Republik. Die Nationalsozialisten zerstörten das Haus im Jahr 1945.

Jetzt sollte es wieder aufgebaut werden, noch größer und von Stararchitekt David Chipperfield geplant. Angedacht sind neben dem Kaufhaus zahlreiche andere Läden, eine Markthalle, eine öffentliche Dachterrasse, kulturelle Angebote sowie Büro- und Hotelflächen. Als Begründung für einen Neubau hatte Signa auf den enormen Energieverbrauch des gegenwärtigen Gebäudes verwiesen.

Die Österreicher geben sich allerdings noch nicht geschlagen. "Wir werden weiter Überzeugungsarbeit in den verschiedenen Bezirksgremien und bei dem Senat von Berlin leisten. Die Neugestaltung des Karstadt Hermannplatz geht in seiner Bedeutung weit über den Bezirk hinaus", hieß es am Freitag von dem Unternehmen.

Sendung: Abendschau, 30.08.2019, 19:30 Uhr

Dieser Beitrag ist am 13.09.2019 überarbeitet worden. In einer früheren Fassung des Beitrags hatte rbb|24 unter Bezug auf Baustadtrat Schmidt geschrieben, auch der Bezirk Neukölln lehne den Neubau des Karstadt-Gebäudes ab. Schmidt bezog sich nach eigenen Angaben jedoch im Detail auf die fachliche Position des Stadtentwicklungsamts Neukölln [PM 30.08.2019]. Der Sprecher des Bezirksamtes Neukölln, Christian Berg, teilte am 13.09.2019 mit. "Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel hat mehrfach deutlich gemacht, dass er die Pläne für einen Umbau des Karstadt-Gebäudes grundsätzlich begrüßt."

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48 Kommentare

  1. 47.

    Ich finde die Entscheidung und Begründung von Florian Schmidt vor allem aus architektonischen Gründen richtig. Von Neubauten, die mit einer nostalgischen Verblendung nach Außen vortäuschen, was sie nach Innen nicht sind, haben wir in Berlin schon genug. Abschreckende Beispiele: das Humboldt-Forum, das Adlon-Hotel und in diesem näherliegender die "Mall of Berlin", die nach dem Vorbild der Galerien des 19. Jahrhunderts suggerieren, Geschäfte lediglich zu überdachen, die von Außen zugänglich sind, in Wirklichkeit genau das Gegenteil beherbergen, nämlich Läden, die sich nach alter Shopping-Mail-Manier von der Stadt abschotten. Vom selben Ungeist sprechen die Pläne der Signa-Gruppe: Dieses neue Karstadt-Gebäude wäre auch nur so eine Pinocchio-Architektur, die dann im Innern allen nostalgischen Gefühlen eine lange Nase zeigt. Dass ein Kleinkrämer wie Michael Müller nicht begreift, leuchtet ein und zeigt auch seine Überforderung als Regierender Bürgermeister von Berlin.

  2. 46.

    "Es sollten in kommunalen Ämtern nur Berliner und in den Bezirken aufgewachsene Menschen ein Amt bekommen"

    Oje..und sojemand nennt sich auch noch Basisdemokrad....

  3. 44.

    Ich glaube solch großen Projekte überfordern den Grünen Baustadtrat Schmidt, der es doch lieber Kleinkinder haben will.
    Grüne Punkte, Stadtmöbel, die individuellen Stadtverkehr behindern oder auch Feldsteine.
    Wie schrieb schon ein User so treffend: "Wenn Kleinbürger mit dem Horizont einer knienden Ameise am Ruder sind, braucht man nicht erwarten, daß es eine Entwicklung gibt" - die Hoffnung habe ich mir schon längst abgeschminkt, sein RotRotGrün das Ansehen der Stadt versaut.

  4. 42.

    Mit Luxuswohnungen ab 5.547 €/m² im Wohnquartier Boxhagener Straße da hat er kein Problem.
    AHA ??!!
    Oder dem WAVE waterside living berlin in der Stralauer Allee, zu kaufen ab 429.000 € - auch damit hat Kreuzbergs Bezirkspolitiker Schmidt kein Problem.






  5. 41.

    So schade !
    Ich frage mich wie viele andere, welche Kiezkultur ? Ich mache um diese sogenannte „ Kiezkultur“ einen großen Bogen.
    Wenn allerdings so ein tolles Kaufhaus am Herrmannplatz stehen würde, würde ich mich mal wieder da hin wagen.
    Eine grandiose Architektur, ich verstehe es nicht, wie man es nicht für gut befinden kann. Das ganze Konzept. Das wäre mal ein Anziehungspunkt und Augenschmaus für Berlin. Warum kann so etwas nicht in einem nicht so attraktiven Bezirk stehen ?
    Hat die Bezirksverwaltung Angst , dass die Menschen dort überfordert werden ?
    Stattdessen lieber wieder auf 0,8,15 Massen Architektur setzen ? Langweilig!!!!
    Schade, dass mal wieder nur eine Meinung entscheidet und die Bürger außen vor bleiben.
    Statt dessen lieber die unsinnige Erklärung abgeben, der Dreckplatz muss als Kiez erhalten bleiben.
    Wenn das Kaufhaus nicht den Bomben im Krieg zum Opfer gefallen wäre, würde es noch im Art Deco Stil stehen und im Kiez integriert sein.

  6. 40.

    Hat einer von Ihnen auch mal an die ganze Einzelhandelsstruktur um den Hermannplatz gedacht?
    Diejenige welche hat sowieso schon zu kämpfen, weil zig Arkaden-Einkaufscenter den Einzelunternehmern das Wasser abgraben. Was interessiert mich ein Größenwahnprojekt eines angeblichen engl. Stararchitekten, der sich noch nicht einmal für die Lebensverhältnisse vor Ort interessiert. Wenn er dies täte würde er sich für ein solches Projekt nicht hergeben.... Florian Schmidt machts richtig.Weiter so..

  7. 39.

    Noch 2 Legislaturperioden Florian Schmidt und seine ihn unterstützenden Politiker, dann ist Berlin ein Vorzeigedorf ohne Autos, die Straßen werden in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt, Tierhaltung ist verboten, Grillen wegen der Luftreinhaltung auch, Autoverkehr ohnehin. Bis dahin ist dann alles zerstört, was den Charme dieser Stadt ausmacht, die bunte Mischung aus Kiezkultur und Kommerz und die Lebensfreude.

  8. 36.

    Die "tausende Kippen" müssen dort liegen bleiben, weil eine Straßenreinigung zur Gentriefizierung beitragen könnte.

  9. 35.

    Es ist höchste Zeit das dieser Typ entmachtet wird und der Senat die Sache an sich zieht. So kann und darf es nicht mehr weitergehen.

  10. 33.

    Der Investoren Schreck Schmidt beschränkt seine Aktivitäten nur darauf das Geld anderer Leute auszugeben, um Vorkaufsrecht zugunsten der bestehenden Mietverhältnisse auszuüben

    Wenn er den Hermannplatz kennen würde wüsste er dass das ein sozialer Brennpunkt ist, der dringend eine Aufwertung bedürfen würde, weg vom Döner Image und ein Euro Läden

    Aber nein, Trash muss sein

  11. 32.

    Eine rheinländische Frohnatur (1975 in Köln geb.)ist der Meinung "Wir brauchen kein Stadtschloss in Kreuzberg." und es wäre mit der Kiezladenstruktur nicht zu vereinbaren. Und schon sind sämtliche Pläne über den Haufen geworfen. Es sollte nach dem Vorbild des alten Warenhauses wieder aufgebaut werden, was 1945 zerstört worden ist. Was wäre daran so schlimm?? Herr Schmidt benimmt sich wie ein Herrscher in seinem Bereich der alles bestimmt. Ob es Sinn macht (grüne Punkte auf der Strasse oder irgendwelche Sitzplätze) oder nicht. Er bestimmt. Ist es das, was die Wähler wollten....einen Herrscher?? Er lebt in Berlin und Barcelona....ich hoffe nur, das wenn er nach Barcelona reist, dann vorbildlich wie er ja zu seien scheint, nicht mit dem Flugzeug reist.

  12. 31.

    Herr Schmidt ist für diese Entscheidung mehr als eine Nummer zu klein. Keine Ahnung von positiver Entwicklung und erst recht nicht von Geschichte. Ich stehe zu R2G, aber dieser Politiker ist nicht mehr länger zu ertragen. Ich hoffe das der Senat diesen Bauantrag an sich zieht und positiv entscheidet.

  13. 30.

    Halt rot-grüne Piefigkeit und Miefigkeit. So ein in historischer Fassade wiedererstandener Kaufhaustempel könnte die heruntergekommende Gegend enorm aufwerten.
    Zum Glück waren bei der Entscheidung auf Rekonstruktion des KdW nicht solche engstirnigen Provinzpolitiker am Ruder.

  14. 29.

    Herr Detlef, gerne bestätige ich den Erhalt Ihres Befehls "RRGs sofort abzuwählen" - allerdings sind Sie damit an der falschen Adresse, da ich wie 99% der Bürger keine Befehle entgegennehme von größenwahnsinnigen Autoritären die seit 1990 nicht mehr die Gardinen aufgemacht haben. Wegtreten! So, jetzt wo die Spinner weg sind, kann man vielleicht ernsthaft diskutieren. Die Argumentation von Schmidt klingt zugegebenermassen etwas schräg - aber vielleicht hat er ja recht - Karstadt hatte doch gerade erst Schwierigkeiten - wir wollen da doch nicht nach jahrelanger Dauerbaustelle einen neuen Kindelboulevard hinstellen? Das Klientel von 1929 ist jedenfalls nicht mehr da. Und dass man aus anderen Bezirken zum Einkaufen hierherkommt ? Mit der U7?! Na ja. Mitn Auto? Na danke schön. Ist doch eh schon alles verstopft. 4000 Mitarbeiter beschäftigt heute auch kein Kaufhaus mehr. Wenn es also was mit Stadtschloss zu tun hat, dann hinsichtlich der heissen Luft die darum gemacht wird.

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