Eine alte Matratze mit der Grafitti-Aufschrift «Müde?» lehnt an einer Hauswand in Berlin-Neukölln. (Quelle: dpa/Fischer)
Bild: dpa/Fischer

Daten aus Neukölln für 2018 - Zweieinhalb olympische Schwimmbecken voll mit illegalem Müll

An die 10.000 Kubikmeter illegalen Müll hat die Berliner Stadtreinigung 2018 entsorgt - allein aus Neukölln. Dafür wären theoretisch zehntausende Euro Bußgeld fällig. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass der Bezirk nur einen Bruchteil davon tatsächlich einnimmt.

264 Verfahren hat der Berliner Bezirk Neukölln im vergangen Jahr gegen Personen eingeleitet, die ihren Müll illegal entsorgt haben sollen. Das hat rbb|24 vom Bezirksamt erfahren. Wegen solcher Ordnungswidrigkeiten hat Neukölln im vergangenen Jahr auch bereits Bußgelder erhoben - damit bislang aber lediglich 7.750 Euro eingenommen.

Verursacher kommen oft ungeschoren davon

"Im Jahr 2018 gingen bei unserem Ordnungsamt über 12.000 Meldungen zu illegalem Müll ein", sagte Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) dem rbb, "das waren mehr als 34 pro Tag".

Insgesamt 9.480 Kubikmeter illegalen Müll entsorgte die Berliner Stadtreinigung 2018 aus Neukölln. Mit dieser Abfallmenge könnte man zweieinhalb olympische Schwimmbecken füllen - wie zum Beispiel in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee (50 Meter Länge x 25 Meter Breite x 3 Meter Tiefe). Im Vergleich zum Vorjahr ist die illegale Müllmenge damit leicht gesunken: 2017 waren es noch 10.051 Kubikmeter.

Für diese Abfallberge würden theoretisch zehntausende Euro Bußgeld fällig - wenn nicht sogar hunderttausende. Für die illegale Ablagerung allein eines Autoreifens wären in Neukölln bisher beispielsweise zwischen 75 und 200 Euro Strafe fällig. Dass bislang aber nur 7.750 Euro einkassiert wurden, hat verschiedene Gründe: Einige der Verfahren sind nach Angaben des Bezirks noch vor Gericht; daher könne die Summe des tatsächlich eingenommen Strafgelds im Laufe der nächsten Monate noch steigen, heißt es.

Zudem konnten nur die wenigsten Verursacher identifiziert werden. Im Jahr 2018 wurden bisher 34 Verursacher festgestellt. Im Jahr 2017 waren es 29.

Höhere Bußgelder sollen abschrecken

Um das Müllproblem anzugehen, hat das Neuköllner Ordnungsamt nach Angaben des Bezirksbürgermeister inzwischen elf neue Stellen geschaffen. Die Mitarbeiter seien seit Anfang August außerdem bis Mitternacht im Einsatz. In der ersten Jahreshälfte 2019 hat Neukölln inzwischen 75 neue Verfahren gegen Müllsünder eingeleitet.

Darüber hinaus fordert Hikel höhere Bußgelder: "Was ein Müllsünder fürchten muss, ist bisher nicht wirklich abschreckend." Er regt an, die Bußgelder zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Dazu gibt es im Senat bereits Pläne. Die Verwarn- und Bußgelder für unsachgemäß entsorgten Müll sollen berlinweit vereinheitlicht und erhöht werden. Eine weggeworfene Kippe oder ein To-Go-Becher könnten dann zwischen 80 bis 120 Euro kosten. Bislang erhebt noch jeder Bezirk eigens festgelegte Summen.  

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16 Kommentare

  1. 16.

    Ich wohne in Neukölln, komme aber aus Westdeutschland. Das mit dem Müll hat mir hier die Sprache verschlagen. Weihnachtsbäume stehen an Ostern noch auf dem Gehweg. Erinnert mich an ein Dritte-Welt-Land, bestenfalls nur Neapel. Das es hier keinen Sperrmüll gibt, der die Sachen holt, ist mir ein Rätsel. Grund für den vielen Müll sind auffällig viele asoziale Leute. Andre Länder, andre Sitten sag ich mal. Ihr wisst schon wen ich meine, aber nicht sagen darf. Das ganze hat natürlich nen Nachahmer-Effekt. Viele Studenten, keiner hat ein Auto um die Sachen weg zu bringen. Allerdings gibt es so viele arme Leute, dass vieles an Müll wieder verwendet wird. Kann man sich jetzt schön reden. Nachhaltige Asozialität quasi. Neukölln ist hart Asi, ich muss hier bald wieder weg.

  2. 14.

    Ich möchte meinen Lieblingskolumnist der Berliner Zeitung Götz Aly zitieren - wenn ich darf.
    "In Marzahn-Hellersdorf wohnen 20% weniger Menschen als in Neukölln. Dort wurde 2018 lediglich 203 m3 illegalen Mülls festgestellt, rund 40-mal weniger pro Kopf als in Neukölln. ... Die Marzahn-Hellersdorfer sind durchschnittlich besser erzogen. Sie wissen was sich gehört!"
    Darum zeige ich jedem Westler/auch Westeuropäer Marzahn-Hellersdorf, die 'Platte' im Grünen. Was Du dann zu hören bekommst, reißt Dich positiv um.

  3. 13.

    Das würde in Berlin abgeschafft, weil sich plötzlich unter den diversen Sperrmüllhaufen plötzlich Streifen, Autobatterien, Dachpappenreste befanden,die gebührenpflichtig zu entsorgen sind.
    Einige asozial denkende Menschen nutzen solche Gelegenheiten gerne aus, leider.

  4. 10.

    Es ist leider so, das ihr die bei euch nicht so handeln, hier als Zugereiste fungieren/bezeichnet werden.

  5. 9.

    Tja, die Welt wäre zweifellos schöner, wenn wir uns alle ganz furchtbar doll lieb hätten.
    Leider ist dem aber nicht so.
    Und um dem Rechnung zu tragen, muss man entweder pauschal alle für alles verantwortlich machen oder die Übeltäter definieren und bestrafen.
    Schon das erstgenannte ist aber von vielen Politikern nicht zu erwarten, da sie lieber beliebt als nützlich sein wollen.

  6. 8.

    Vielleicht sollten in diesem Bezirk die Gebühren für die Müllabfuhr drastisch erhöht werden. Vielleicht ändert sich dann etwas. Nachbarn sollten auch untereinander etwas aufpassen.

  7. 7.

    Hier ist auch die Berliner Stadtreinigung in der Pflicht, wenn man etwas entsorgen möchte und anruft ,dann ist man in den mir bekannten fällen sehr unhöflich man soll z.B Meterangaben zu Produkten in Kubikmeter umrechnen u.s.w !

  8. 6.

    Gestern in der Spät-Abendschau fiel bei einem Studiointerview ein vortrefflicher und allumfassender Satz (Beispiel):
    Wenn Sie zu Hause vor dem Fernseher eine Chipstüte leergegessen haben, werfen Sie diese ja auch nicht einfach hinter die Couch, sondern bringen Sie in die Küche und werfen sie in den Mülleimer.“
    Wäre es nicht schön, wenn JEDER so mit „seiner“, oder als Besucher mit anderen Städten so umgehen würde? Den öffentlichen Raum als das eigene Wohnzimmer betrachten ...?

  9. 5.

    Hm... bei uns bezahlt jeder seine jährliche Müllgrundgebühr (als Mieter über die Nebenkosten, als Eigentümer über die Tonnenentleerung, dann ruft man bei der AWU an und bekommt den nächsten Sperrmülltermin gesagt und Abend vorher vor die Tür gestellt. Fertig ist man hier bei uns mit dem Sperrmüll. Warum geht das so nicht in Berlin?

  10. 4.

    "Dafür wären theoretisch zehntausende Euro Bußgeld fällig." Bei 10.000 Kubikmetern kann man wohl von mindestens 5.000 Taten ausgehen. Bei dem bestehenden Mindestbußgeld von 37,50 Euro für illegale Sperrmüllentsorgung wären das "theoretisch" mehrere hunderttausend Euro Bußgeld.

  11. 3.

    Solange nicht verkaufte Flohmarktwaren jedes WE rund um den Obi Grenzallee in den Seitenstraßen ungestraft zurückgelassen werden können (hier ist NIE Ordnungsamt oder Polizei zu sehen, man weigert sich sogar, in diese Straßen zu kommen...), muss man sich über die Hälfte des Olympischen Schwimmbeckens keinen Kopp machen. Das Aufstellen einer Absetzmulde vor/hinter den Häusern "einfacher Wohnlagen" in Neukölln Nord könnte auch eine Lösung für Fernseher, Sofas und Matratzen sein... Sperrmüll-Tage abschaffen und hinterher meckern ist halt auch nicht die Lösung.

  12. 2.

    Bei real ca. 350.000 Einwohnern im Bezirk entspricht das einer Sperrmüllmenge von knapp 30 Litern pro Einwohner im Jahr. Also ein größerer haushaltsüblicher Müllbeutel. Einfach Sperrmülltage wieder einführen ;)

  13. 1.

    Wieviele Kubikmeter passen in den gelben Container im Bild - 20? Also NUR ca. 500 solche Container, die regelmäßig überall rumstehen. Früher gab es regelmäßig Abholtage, wo der Sperrmüll zur kostenlosen Abholung auf die Straße gestellt wurde. Vieles landete dann bei Nachbarn oder Trödelhändlern ;) Es gibt also auch günstigere, saubere, bürgerfreundliche Lösungen, die in der Vergangenheit funktioniert haben. ABER WARUM EINFACH, WENN ES AUCH KOMPLIZIERT GEHT - TYPISCH BERLIN !!! Lieber Geld für Kontrolleure ausgeben, die gar nicht überall sein können und dann die überlasteten Gerichte beschäftigen. EVENTUELL HAT ES AUCH WAS MIT ARMUT ZU TUN ??!! DASS MENSCHEN ES SICH NICHT LEISTEN KÖNNEN IHREN SPERRMÜLL ABHOLEN ZU LASSEN, KÖNNTE AUCH EINE URSACHE SEIN.

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