Symbolbild: Schülerinnen und Schüler sitzen in einem Klassenraum einer Grundschule (Quelle: dpa/ Marijan Murat)
Video: Abendschau | 05.08.2019 | Streitgespräch mit Senatorin Scheeres und Elternvertreter Heise | Bild: dpa

Prognose der Bildungsverwaltung - Berlin fehlen in zwei Jahren rund 25.000 Schulplätze

Berlin steuert auf einen dramatischen Mangel an Schulplätzen zu: Trotz der Schulbau-Offensive des Senats werden in zwei Jahren rund 25.000 Plätze fehlen. Betroffen sind alle Schultypen - schlecht sieht es vor allem in drei Bezirken aus. Von Ute Schuhmacher

Die Schulbauoffensive des Senats hinkt dem Schulplatzbedarf deutlich hinterher. Nach den aktuellen Plänen fehlen in zwei Jahren Schulplätze für rund 25.000 Schülerinnen und Schüler in Berlin.

Diese Zahlen werden in einem Bericht der Bildungsverwaltung an das Abgeordnetenhaus genannt, wie der rbb erfuhr. Basis für die Prognosen sind Daten wie Geburtenrate, Bevölkerungsentwicklung und mögliche neue Wohngebiete in einem Bezirk. Sie berücksichtigen auch den Stand der Schulbauplanungen.

Pankow, Mitte und Lichtenberg besonders betroffen

Der Bericht enthält unter anderem Zahlen, wieviele Schüler für das Schuljahr 2021/22 erwartet und wie viele Schulplätze nach bisheriger Planung bis dahin vorhanden sein werden. Demnach sind alle Schultypen betroffen: Grundschulen, Integrierte Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien haben deutlich zu wenig Plätze.

Die größten Löcher klaffen in Pankow, Mitte und Lichtenberg - am entspanntesten ist die Lage noch in Neukölln, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf. Diese Bezirke werden 2021 zum Teil vermutlich sogar weiter Überkapazitäten haben.

Bis zu 12.600 Grundschulplätze fehlen

Rechnet man die im Jahr 2021 voraussichtlich fehlenden Grundschulplätze zusammen, kommt man auf insgesamt 10.541 Plätze. Allerdings dürften praktisch deutlich mehr Grundschulplätze fehlen. Denn einem Pankower Grundschüler nützt es selten etwas, wenn in Steglitz-Zehlendorf noch ein Schulplatz frei ist. Rechnet man also die Überkapazitäten in einzelnen Bezirke heraus, fehlen mit dem neuen Schuljahr 2021/22 in Berlin insgesamt rund 12.600 Grundschulplätze.

ISS/Gemeinschaftsschulen: Größtes Loch in Treptow-Köpenick

An den Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen sieht es nicht viel besser aus, insgesamt fehlen mehr als 7.000 Plätze.

Immerhin sagt die Prognose, dass Neukölln 2021 noch 400 mehr Plätze an diesen Schulen hat, als der Bezirk braucht. Alle anderen Bezirke haben zu wenig. Das größte Loch klafft in Treptow-Köpenick, wo 1.460 Plätze fehlen.

In Pankow fehlen 2.125 Gymnasialplätze

Auch die Berliner Gymnasien werden in zwei Jahren deutlich zu wenig Schulplätze anbieten können: Insgesamt fehlen hier 6.026 Plätze.

Auch hier gibt es Bezirke, die Überkapazitäten haben: In Charlottenburg-Wilmersdorf (797), Reinickendorf (465) und Steglitz-Zehlendorf (183) soll es auch dann noch mehr Gymnasialplätze geben als es Schüler gibt, die diese Plätze haben wollen. Alle anderen neun Berliner Bezirke werden nach den Berechnungen der Bildungsverwaltung zu wenig bis deutlich zu wenig Gymnasialplätze haben. In Pankow beispielsweise fehlen dann 2.125 Plätze.

Scheeres sieht die Bezirke in der Pflicht

In den vergangenen Jahren seien laut Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) 15.000 neue Schulplätze geschaffen worden. "Das ist wirklich auch immer ein Wettlauf mit der Zeit." Die Lage nannte sie angespannt. "Es ist eine Riesen-Herausforderung", sagt Scheeres. 

Sie sieht das Problem vor allem bei den weiterführenden Schulen. Sie fordert die Bezirke auf, zusätzliche Plätze zu schaffen. Jede einzelne Schule sollen die Bezirke durchgehen, um zu schauen, wo noch zusätzliche Plätze geschaffen werden könnten. Scheeres verweist auf die 100 Millionen Euro im Doppelhaushaltsentwurf des Senats für die nächsten beiden Jahre, die zusätzlich für weitere Schulplätze zur Verfügung stehen. Mit dem Geld sollen die Bezirke auf freien Flächen, auf dem Schulhof oder auch auf Wiesen fliegende Klassenzimmer, Anbauten oder auch Container stellen, sagte Scheeres dem rbb, um weitere Unterrichtsräume zu bekommen.

Parallel läuft das Schulbauprogramm des Landes Berlin weiter. Das allerdings hat bislang zu wenig Schulplätze in Planung, um den gesamten Bedarf von Berlin decken zu können. Erst am heutigen Montag eröffnete die erste Schnellbauschule in Marzahn-Hellersdorf.

Sendung: Abendschau, 05.08.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Ute Schuhmacher

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24 Kommentare

  1. 24.
    Antwort auf [Migrant] vom 05.08.2019 um 22:51

    Ist Ihnen trotz aller Blendwerke aufgefallen, Sie können und Sie dürfen hier alles äußern. Selbst wenn ein Buntwerk zu bunt wird und es im grünroten, im unsäglichen Grau endet.

  2. 23.

    Man muss aber auch mal auf dem Teppich bleiben. Waren Sie schon einmal in einer Stadt, in der "nichts" funktioniert? Die würden sich totlachen über soviel Miesepeterei und Drama. Es gibt Probleme in dieser Stadt-aber auch in anderen. Und auch in anderen Ländern. Das ist unschön und man fragt sich oft, wie es sein kann, dass hochausgebildete Menschen, die eigentlich genau solche Dinge wissen, vorhersehen und handeln können müssten, so versagt konnten. Das ist alles verständlich. Und auch der Ruf nach Scheeres Rücktritt ist nachvollziehbar. Aber es läuft nicht " nichts" und wir sind nicht kurz vor dem Untergang. Und Berlin hat schon schwerere Krisen überstanden, diese garantiert auch.

  3. 22.

    Schon traurig was aus Berlin geworden ist und wird. Nichts funktioniert mehr, nichts wird besser und der Mangel in allen Bereichen wächst.
    Ob Berlin noch zu retten ist, das ist die spannende Frage

  4. 20.

    Nö, aber leider die Kinder dieser Klientel^^ Zum Glück ist es aber themenbezogen, wenn sich jemand eindeutig rassistisch äußert und "die Migranten" verjagen will? Na Sie sind mir ja einer...

  5. 19.
    Antwort auf [Wässy] vom 06.08.2019 um 07:37

    Oh ja, super Idee. Die Brandenburger sitzen dann wieder in Nylon-Klamotten auf der Datsche am See, Trabbi vorm Haus, Schönefeld hat wieder Interflug, und alles ist wieder gut. Also für uns jedenfalls, die sog. Wessis. Die netten Türken verkaufen weiter Gemüse in Plastikbeuteln, beim Jugoslawen gehen wir gerne essen und die Italiener liefern neben Pizza auch Tomaten und Liebeslieder :-) brave old world...

  6. 18.
    Antwort auf [Ole1] vom 06.08.2019 um 08:51

    Gehen die drei von Ihnen benannten Gruppen alle noch zur Schule? Ihr Kommentar geht etwas am Thema vorbei.

    Es handelt sich um nicht vorhandende Schulplätze und wie immer kommt das ganzzzz überraschend für den Senat von Berlin.

  7. 17.

    Aber Sie sind Experte? Das sind Sie sicher nicht. Sie wissen offenbar nicht, dass es an allen gebundenen Ganztagsgrundschulen schon Mittagessen gibt. Es ist auch kein Problem, das Mittagessen in den Stundenplan zu integrieren, und zwar so, dass die Kindern sogar noch Zeit zum Spielen haben. Umstellungsprobleme haben nur die Grundschulen, in denen es bisher kein Mittagessen gegeben hat.
    Mich ärgert, dass jeder, wenn er auch völlig ungetrübt von Sachkenntnis ist, sich schon für einen Experten hält, weil er mal selber irgendwann eine Schule besucht hat. Das ist noch schlimmer als beim Fußball.
    Bildung eigentlich ja auch, sich erst Mal zu informieren, bevor man herabsetzend als der Oberschlaumeier nur unqualifiziertes Zeug von sich gibt.

  8. 16.

    Zu wenig Lehrer, zu wenig Schulräume, marode Schulen vom Schimmel befallen, Schüleranzahl soll pro Klasse nochmals aufgestockt werden, dass Schulessen ein Witz (wie soll man die Massen an Schülern in so kurzer Pausenzeit - abfüttern?) usw. usw. Wo geht der Weg hin? Was bekommt der Berliner Senat denn überhaupt hinkommen??? Schade für unsere Jugend, schade für unsere Zukunft
    Alles nur Schnellschüsse von Laien erdacht und abgesegnet... unter dem Motto: wir haben etwas getan, wählt uns wieder

  9. 15.

    Nunja, "man" (Eltern) kann sich erst ca. ein dreiviertel Jahr vorher einen Schulplatz sichern. Wenn im Herbst für das kommende Schuljahr angemeldet werden darf. In der zugewiesenen Grundschule. Die Behörden wissen natürlich seit der Geburt der Kinder über den Bedarf an Schulplätzen nach 5-6 Lebensjahren bescheid. Wer schläft sich da aus? Wer hat seinen Job nicht kapiert? Ich meckere nicht schnell, aber jeder Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft hätte seinen Job verloren, hätte er so geschlampt. Transparenz würde helfen, die wird es aber in der Politik nie geben. Oder wartete man auf Wunder? Laßt Schulgebäude aus dem Boden schießen und Lehrer regnen? Frau Scheeres müsste den Mumm in den Knochen haben und Stellung beziehen. Dann könnte man wieder Vertrauen gewinnen und zuversichtlich werden. So schüttelt man nur noch den Kopf und resigniert und misstraut immer mehr.

  10. 14.

    Ab Geburt eines Berliner Kindes hat man so im Schnitt 6 Jahre Zeit, einen Schulplatz zu sichern. Die Standesämter müssten ja die in Berlin geborenen Kinder kennen. Die Zugereisten... müssten sich ja spätestens nach 6 Wochen Terminwarterei anmelden können in Berlin - nebst Kindern. Also auch die sind additiv registrierbar.

    Wo ist also das Problem? Es muss doch irgendwie planbar sein, die Sache mit den Schulplätzen, da kommt doch nix überraschend.

    Naja, Mathe hat wohl im Senat niemand studiert....

  11. 13.

    Sitzenbleiben ist abgeschafft.
    Man kann ein Schuljahr wiederholen. Dies findet aktuell eher in der 10. Klasse statt, um den Durchschnitt zu verbessern oder einen besseren Abschluss zu erlangen. Diese Möglichkeit soll aber zukünftig etwas eingeschränkt werden.

    Schön das hier über Schulplätze gesprochen wird. Ich frage mich, ob da nur bauliche Fehlkapazitäten bedacht sind, oder auch fehlendes Personal.

  12. 11.

    Überkapazitäten in Neukölln, Reinickendorf verstehe ich, kann ich nachvollziehen. Aber in Steglitz-Zehlendorf irritiert mich und kann ich nicht nachvollziehen.

  13. 10.

    Nicht nur dieser Senat sondern auch der Vorgänger Senat aus SPD / CDU denn die Probleme gibt es schon seit einigen Jahren .

  14. 9.

    Kitaplätze fehlen, Schulplätze fehlen, Ausbildungsplätze fehlen...
    Was kann dieser Senat überhaupt?

  15. 7.

    Ich glaube da fehlt ein kleines bisschen „Planwirtschaft“!

  16. 5.

    Ist schon okay.
    Statt sich um die Bildung zu kümmern, werden lieber Häuser gekauft und sich um das Klientel gekümmert.
    Doof geht, aber wohnungslos?

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