Alte und neue Wohnbausubstanz an der Straße Alt-Friedrichsfelde im Bezirk Friedrichshain (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Video: Abendschau | 25.08.2019 | Zu Gast im Studio: Gaby Gottwald | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Neue Eckwerte für Mietendeckel - Mieten in Berlin sollen drastisch sinken

Bausenatorin Lompscher (Linke) will die Quadratmeter-Mieten in Berlin stärker absenken als bisher bekannt. Demnach sollen Wohnungen bis Baujahr 2013 maximal 7,97 Euro kosten - unabhängig von der Lage. Kritik kommt nicht nur von der Opposition.

Ob Grunewald oder Marzahn: Wohnungen in Berlin sollen in den kommenden fünf Jahren nicht mehr als knapp acht Euro pro Quadratmeter kosten dürfen. Das sehen die am Sonntag bekannt gewordenen Eckpunkte für den geplanten Mietendeckel vor, die dem rbb vorliegen. Zuerst hatten "Tagesspiegel" und "Berliner Morgenpost" darüber berichtet. Die Opposition hält die Pläne für verfassungswidrig, doch auch der Koalitionspartner SPD reagiert mit Skepsis.

"Absinken des allgemeinen Mietniveaus"

Der strittige Entwurf datiert vom 16. August und stammt aus dem Haus von Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Demnach soll die Obergrenze für Nettokaltmieten für alle Wohnungen bis Baujahr 2013 auf eine Spanne von 3,42 bis 7,97 Euro festgeschrieben werden.

Insgesamt sehen die Entwürfe 17 Miet-Obergrenzen vor, die sich am Alter des Hauses und seiner Ausstattung orientieren, unabhängig von der Lage. Damit sind die von Lompscher geplanten Einschnitte radikaler als erwartet. Wie es in der vertraulichen Unterlage heißt, greifen die Vorschläge auch "in bereits vereinbarte Mietverhältnisse ein" und und sollen so "ein Absinken des allgemeinen Mietniveaus" bewirken.

Dabei fällt auf: Wohnungen in Altbauten müssen niedriger sein als in Neubauten. Erst ab Baujahr 1973 sind im Westteil höhere Mieten zulässig (max. 7,51 Euro), und erst ab 1991 wird zwischen Ost und West mit max. 7,97 Euro kein Unterschied mehr gemacht.

Keine Heizung, kein Bad? Nicht mehr als 3,42 Euro

Am preiswertesten wären demnach Wohnungen ohne Sammelheizung, die zwischen 1919 und 1949 entstanden sind und auch kein Bad haben: Sie sollen künftig nicht mehr als 3,42 Euro pro Quadratmeter kosten.

Wohnungen in Kudamm-Lagen, die noch aus der Gründerzeit stammen (bis 1918) und mit Sammelheizung und Bad ausgestattet sind, lägen demnach bei 6,03 Euro pro Quadratmeter - nicht viel teurer als eine Plattenbauwohnung aus DDR-Zeiten, die zwischen 1956 und 1964 entstanden ist. Sie darf mit Zentralheizung und Bad nicht mehr als 5,85 Euro pro Quadratmeter kosten. Für "Neubauten" zwischen 1991 und 2013 könnten bis zu 7,97 verlangt werden. Höhere Mieten gäbe es nicht mehr - abgesehen von Neubauten ab 2014, diese sollen laut "Tagesspiegel" vom Mietendeckel ausgenommen bleiben.

Geplante Mietobergrenzen, nach Baujahr und Ausstattung

Baujahr
 
Ausstattung Quadratmeter-Miete in Euro
Bis 1918 Sammelheizung und Bad 6,03
  Sammelheizung oder Bad 4,32
  Weder noch 3,89
     
1919 - 1949 Sammelheizung und Bad 6,03
  Sammelheizung oder Bad 4,27
  Weder noch 3,42
     
1950 - 1955 Sammelheizung und Bad 5,88
  Sammelheizung oder Bad 4,86
  Weder noch 3,84
     
1956 - 1964 Sammelheizung und Bad 5,85
  Sammelheizung oder Bad 5,02
  Weder noch 4,19
     
1965 - 1972   5,74
1973 - 1983 (West)   7,51
1984 - 1990 (West)   7,24
1973 - 1990 (Ost)   5,64
1991 - 2013   7,97

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Bei Modernisierung maximal 20 Prozent Aufschlag

Vermieter, die in Klimaschutz und andere Modernisierungen investieren, sollen dem Entwurf zufolge von "Zuschlägen" auf die jeweilige Mietobergrenze profitieren. Allerdings nur, wenn die Modernisierung in den letzten acht Jahren vor Inkrafttreten des Mietendeckels erfolgt ist. Auch bei solchen Investitionen darf die Miete am Ende aber nur maximal 20 Prozent über der Mietobergrenze liegen. In Härtefällen, zum Beispiel wenn Vermieter von Insolvenz bedroht sind, muss das Bezirksamt entscheiden.

Auch die überteuerte Vermietung möblierter Wohnungen soll deutlich reduziert werden. So soll die künftige Nettokaltmiete alle Einrichtungsgegenstände mit umschließen, so dass auch möblierte Wohnungen nicht teurer wären als vom Gesetz vorgesehen.

Absenkung der Miete beim Bezirksamt beantragen

Die Einhaltung soll streng kontrolliert werden - wobei der Staat direkt in Mietverträge eingreifen würde, wenn die Miete zu hoch ist. Wer in seiner Wohnung über der festgeschriebenen Miete liegt, kann sie "auf Antragstellung durch das Bezirksamt absenken" lassen, heißt es in den am Sonntag bekanntgewordenen Eckpunkten. Ersten Schätzungen zufolge wären mehrere hunderttausend Wohnungen betroffen - bei einem Gesamtbestand von knapp zwei Millionen Wohnungen.

Wohnungsbauexperten rechnen vor diesem Hintergrund mit einer Flut von Absenkungsanträgen, unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes. Mit dem umstrittenen Mietendeckel will der Senat die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt beruhigen. Berlin wäre das erste Bundesland mit einer solchen Regelung. Wie der Mietendeckel am Ende tatsächlich aussehen wird, ist allerdings noch offen - denn Widerstand kommt nicht nur von der Opposition.

Gottwald: Nur ein Diskussions-Zwischenstand

Gaby Gottwald, Wohnungsbau-Politikerin der Links-Fraktion im Abgeordnetenhaus, versuchte im Abendschau-Interview, die Wogen zu glätten. Es sei ein Diskussions-Zwischenstand, der nicht veröffentlicht werden sollte. Der Referentenentwurf werde erst Ende der nächsten Woche vorgelegt werden. "Der Mietendeckel wird maximal für 1,5 Mio. Mieter gelten. Für fünf Jahre soll es keine Mieterhöhung geben."

Ob jetzt alle, die über acht Euro Miete je Quadratmeter kommen, einen Antrag auf Mietsenkung stellen können, diese Frage sei noch nicht klar entschieden in der Koalition. "Es ist unser Ziel, regulierend in den Mietenmarkt einzugreifen, der völlig überhitzt ist", so Gottwald.

Der Senat will laut "Tagesspiegel" am 15. Oktober entscheiden, in Kraft treten soll das Gesetz am 1. Januar.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

  • Christian Gräff, wohnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion

  • Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus

  • Iris Spranger, wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion

  • Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin

Sendung: Inforadio, 25.08.2019, 14.00 Uhr

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180 Kommentare

  1. 180.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 18:53 Uhr:
    "Eine soziale Orientierung würde bedeuten, dass man sich an den realen Möglichkeiten der Mitglieder und der Menschen der Stadt orientiert und sich ggf. auch politisch für sie einsetzt, und nicht im Gegenteil noch mit dazu beiträgt, Menschen aus der Stadt zu vertreiben,"

    Durch was vertreiben meine Genossenschaften in Ihrer Fantasiewelt Mieter aus der Stadt???
    (Im Gegenteil: Es zieht nur ganz selten jemand aus.)

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 18:53 Uhr:
    "Es reicht nicht, ein bißchen weniger brutal vorzugehen als Deutsche Wohnen 6 Co."

    Wo gehen meine Genossenschaften in Ihrer Fantasiewelt gegen Mieter "brutal" vor???

    Was sind Ihre Alternativen??? Wo soll das Geld für die Deckung der Kosten der Mietwohnungen herkommen???

  2. 179.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 18:53 Uhr:
    "Eine soziale Orientierung würde bedeuten, dass man sich an den realen Möglichkeiten der Mitglieder und der Menschen der Stadt orientiert und sich ggf. auch politisch für sie einsetzt, und nicht im Gegenteil noch mit dazu beiträgt, Menschen aus der Stadt zu vertreiben, indem man sich am Mainstream der neoliberalen Immobilienunternehmen misst, was Sie hier ständig tun. Es reicht nicht, ein bißchen weniger brutal vorzugehen als Deutsche Wohnen 6 Co."

    Ohje, wieder lauter realitätsferne Unterstellungen. Sie scheinen Genossenschaften ja regelrecht zu hassen, so wie Ihre Fantasie blüht.

    s. Fortsetzung

  3. 178.

    Was soll denn das heißen: "an den realen Möglichkeiten der Mitglieder und der Menschen der Stadt orientiert". Eine kaputte Heizung muss repariert werden und Handwerker kosten nunmal Geld. Das Geld muss irgendwo herkommen. Und wenn Sie es der Genossenschaft nicht geben, dann muss es über die Kostenmiete reinkommen. Und wer nicht genug Geld hat, muss Sozialleistungen beziehen. Von 100 € Miete kann man kein Haus instandhalten und man findet auch keinen, der bereit ist ohne Lohn in Vollzeit die Verwaltung zu erledigen. Die Alternative wäre, das Haus verfällt (wie bei Deutsche Wohnen), der Bankkredit wird nicht abgezahlt, das Haus wird zwangsversteigert und landet bei Deutsche Wohnen & Co. Das wäre dann das Ergenis einer "sozialen" Miete von 100 €.

    Das meine Genossenschaften Mieter aus der Stadt vertreiben ist ein Hirngespinst von ihnen! Im Gegenteil: Durch nachhaltiges Wirtschaften sichern wir langfristig günstigen Wohnraum, während andere Mieter Berlin verlassen müssen.

  4. 177.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 18:53 Uhr:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 29.08.2019 um 04:19
    offenbar sind Sie also ein Mitarbeiter einer Genossenschaft und werden aus den Mieten der Mitglieder bezahlt. Schlagen Sie sich also bitte nicht die Nächte hier um die Ohren, die Mitglieder können gute Arbeit erwarten!"

    Ohje, Sie sollten sich lieber an Fakten und sachliche Argumente halten als weiter in Ihren Fantasie-Horrorgeschichten zu schwelgen!

    Ich bin KEIN Mitarbeiter irgendeiner Genossenschaft. Ich bin Mitglied in 2 Aufsichtsräten von Genossenschaften. Und um Ihre Fantasie gleich zu enttäuschen: Ich bekomme dafür genau Null Euro und versuche trotzdem gute Arbeit zu machen. Da wird nix von unten nach oben verteilt. Und wie ich meine Nächte verbringe, dass ich versuche, Ihre Klischees mit der Realität zu konfrontieren, ist meine Sache!

  5. 176.

    nele, 29.08.2019 | 18:45 Uhr:
    "weiter unten haben sie gesagt, man solle sich ans Sozialamt wenden, wenn man seine Miete nicht zahlen kann. Sie stimmen also mit mir überein, dass Menschen durch Mieten in Genossenschaften in die Armut gedrückt werden."

    UNSINN!
    Wer nur 100 € im Monat hat, der wird nicht durch die Miete "in die Armut gedrückt". Der ist schon vorher arm und sollte Sozialleistungen beziehen, weil er für 100 € nicht nur keine Genossenschaftswohnung finden wird, sondern auch keine andere Wohnung in Berlin.

    nele:
    "Ihre Angabe von 325,-€ für 55 qm ist schon bei einem sehr alten Mietvertrag einfach nur fabulant. Allenfalls wird zugestanden, sich bei bestehenden Mietverhältnisse an die AV Wohnen zu halten ( was Sie weiter unten abgelehnt haben). Bei Wiedervermietung allerdings wird dann kräftig draufgeschlagen."

    Woher wollen Sie das wissen???

    Übrigens: Im Genossenschaftsrecht gilt - im Gegensatz zum restlichen Wohnungsmarkt - das Gleichbehandlungsgebot.

  6. 175.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 16:00 Uhr:
    "All dies sind Umverteilungen von unten nach oben und sorgen dafür, dass Genossenscahftswohnungen für einen großen Teil der Berliner Bevölkerung nicht bezahlbar sind, auch wenn es - unbenommen - weit höhere Mieten in dieser Stadt gibt."

    In den Genossenschaften, wo ich Mitglied bin, wird nichts von unten nach oben verteilt!
    Die Wohnungen sind sehr begehrt, insbesondere bei Wenigverdienern, denen geringe Miete wichtiger als Luxus ist.

    Belegen sie doch mal Ihre realitätsfremden Behauptungen.

  7. 174.

    nele, 29.08.2019 | 16:00 Uhr:
    "All dies sind Umverteilungen von unten nach oben und sorgen dafür, dass Genossenscahftswohnungen für einen großen Teil der Berliner Bevölkerung nicht bezahlbar sind, auch wenn es - unbenommen - weit höhere Mieten in dieser Stadt gibt."

    Was haben Sie denn für Horror-Romane gelesen???

    Die Genossenschaftswohnungen gehören zu den billigsten Wohnungen in Berlin. Wer keine Genossenschaftswohnung bezahlen kann, der kann auch sonst keine Wohnung in Berlin bezahlen.

    Mit "bezahlbarer Miete" meinen Sie offenbar, dass jemand, der nur 100 € Monatseinkommen hat und keine Sozialleistungen bezieht, nur eine Miete von 1 € zu bezahlen hat, weil er den Rest für Essen etc. braucht. Das ist abwegig, weil: Wer soll dann die restliche Kostenmiete bezahlen? Sie?

    Jeder kann in Berlin eine angemessene Genossenschaftswohnung im Altbau bazahlen. Wer zu wenig Geld hat, kann Sozialleistungen beziehen. Für die Sozialleistungen sind diese Wohnungen nicht zu teuer.

  8. 173.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 16:00 Uhr:
    "wie schon gesagt, in der "Kostenmiete" von Genossenschaften, ein Begriff, der sich so schön vernünftig und unvermeidlich anhört, sind zum Beispiel enthalten:
    Dividenden, ...
    Kredittilgung für Neubauten, ...
    ... "Altersvorsorge" ...
    ... Stiftungen ...
    Vorstandsgehälter."

    Sie wiederholen sich. Aber auch durch setes Wiederholen wird es nicht richtiger!

    Dividenden gibt es bei uns nicht.

    Neubau ist nunmal leider teuer. Wer soll dies sonst zahlen, wenn nicht die Mieter? Sie?

    "Altersvorsorge" gibt es bei uns nicht. Gesetzliche Rentenversicherung ist eine Pflichtversicherung für Arbeitnehmer.

    Stiftungen kenne ich nicht.

    Verwaltung von Genossenschaften und Miethäusern ist Arbeit und müssen - wie jede andere Lohnarbeit - auch bezahlt werden. Niemand hat Lust, 40 Stunden ohne Lohn zu arbeiten. Auch Vollzeit-Vorstände müssen von irgendetwas leben und ihre Miete bezahlen.

  9. 172.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 15:40 Uhr:
    ""Fazit: Mit einer Mittel- oder Oberschichtperspektive, die ihre offenbar ist, fragt man nach der billigsten Methode der Geldbeschaffung. Mit einer sozialen und humanen Perspektive fragt man, was man sich leisten kann ohne dass es Menschen in die Armut drückt."

    Sie wissen leider sehr wenig über Genossenschaften und hängen lieber Pauschal- und Vorurteilen an.

    Die von Ihnen ins Blaue hinein untertsellte "Mittel- oder Oberschichtperspektive" kenne ich nicht. Aber wenn man einen Hauskauf abbezahlen und sanieren muss, damit das Haus nicht einstürzt, dann sollte man sich schon überlegen, wo das Geld herkommt, wenn niemand Eigenkapital hat oder kreditwürdig ist, so wie es in meinem Haus war. Anderenfalls landet man in der Insolvenz/Zwangsversteigerung oder das Haus fällt einem über den Kopf zusammen.

    4,02 €/m² netto kalt = 325 €/Monat brutto warm für 55 m² drücken niemanden in die Armut, der nicht schon vorher arm ist.

  10. 171.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 15:40 Uhr:
    "Wiedervermietung erfolgt an Besserverdienende."

    Das kann ich nicht bestätigen. Bitte prüfbare Belege vorlegen!

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 15:40 Uhr:
    "In manchen Genossenscahften wird zu 60% an Neumitglieder wiedervermietet."

    Nach dem Genossenschaftsrecht haben Mitglieder Vorrang. Wenn sch keine Mitglieder bewerben, dann bleiben nur die Alternativen Vermietung an Nichtmitglieder/Neumitglieder oder Leerstand trotz großer Nachfrage.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 15:40 Uhr:
    "Die Frage, warum sich Mitglieder auf die Wohnungen nicht bewerben, wird tunlichst vermieden."

    Belegen Sie bitte Ihre Behauptung?

  11. 170.

    nele, Berlin, Donnerstag, 29.08.2019 | 15:40 Uhr:
    "Kredite nimmt man auf, wenn man sich die Rückzahlung einschließlich Zinsen leisten kann. Auch bei niedrigem Zins muss diese Entscheidung gefällt werden. Was Genossenschaften heute oft machen ist, sich über zusätzliche Geschäftsanteile Geld zu holen, um damit zum Beispiel neu zu bauen. Bezahlen müssen es die Mitglieder mit ihrer Miete. Dividenden und Zinsen können durchaus mal 20% oder mehr der Miete sein. Ärmere Genossenschaftsmitglieder werden dadurch weiter in die Armut gedrückt oder müssen sogar ausziehen."

    Nein! In meinen beiden Genossenschaften zahlen die Mieter, die Kostenmiete ihrer Häuser. Keinem wird die Miete erhöht für einen Neubau. Niemand wird durch die Miete "in die Armut gedrückt oder muss sogar ausziehen".

    Die Kosten eines Neubaus zahlen die Mieter des Neubaus. Die Alternative zum Neubau ist, nicht zu bauen. Dann bauen private Investoren mit Gewinnmarge in der dann deutlich höheren Miete.

  12. 169.

    offenbar sind Sie also ein Mitarbeiter einer Genossenschaft und werden aus den Mieten der Mitglieder bezahlt. Schlagen Sie sich also bitte nicht die Nächte hier um die Ohren, die Mitglieder können gute Arbeit erwarten!

    Eine soziale Orientierung würde bedeuten, dass man sich an den realen Möglichkeiten der Mitglieder und der Menschen der Stadt orientiert und sich ggf. auch politisch für sie einsetzt, und nicht im Gegenteil noch mit dazu beiträgt, Menschen aus der Stadt zu vertreiben, indem man sich am Mainstream der neoliberalen Immobilienunternehmen misst, was Sie hier ständig tun. Es reicht nicht, ein bißchen weniger brutal vorzugehen als Deutsche Wohnen 6 Co.

  13. 168.

    weiter unten haben sie gesagt, man solle sich ans Sozialamt wenden, wenn man seine Miete nicht zahlen kann. Sie stimmen also mit mir überein, dass Menschen durch Mieten in Genossenschaften in die Armut gedrückt werden. Ihre Angabe von 325,-€ für 55 qm ist schon bei einem sehr alten Mietvertrag einfach nur fabulant. Allenfalls wird zugestanden, sich bei bestehenden Mietverhältnisse an die AV Wohnen zu halten ( was Sie weiter unten abgelehnt haben). Bei Wiedervermietung allerdings wird dann kräftig draufgeschlagen.

  14. 167.

    wie schon gesagt, in der "Kostenmiete" von Genossenschaften, ein Begriff, der sich so schön vernünftig und unvermeidlich anhört, sind zum Beispiel enthalten:
    Dividenden, die an Anteilseigner ausgezahlt werden. Wer viel anlegen kann, bekommt viel Dividende,
    Kredittilgung für Neubauten, deren Mieten sich die meisten Mitglieder nicht leisten können,
    Zahlungen für sog. "Altersvorsorge", die für ärmere Mitglieder in Wahrheit Altersarmutsprogramme sind,
    Gelder, die in Stiftungen umgeleitet werden
    Vorstandsgehälter.
    All dies sind Umverteilungen von unten nach oben und sorgen dafür, dass Genossenscahftswohnungen für einen großen Teil der Berliner Bevölkerung nicht bezahlbar sind, auch wenn es - unbenommen - weit höhere Mieten in dieser Stadt gibt.

  15. 166.

    nein. Kredite nimmt man auf, wenn man sich die Rückzahlung einschließlich Zinsen leisten kann. Auch bei niedrigem Zins muss diese Entscheidung gefällt werden. Was Genossenschaften heute oft machen ist, sich über zusätzliche Geschäftsanteile Geld zu holen, um damit zum Beispiel neu zu bauen. Bezahlen müssen es die Mitglieder mit ihrer Miete. Dividenden und Zinsen können durchaus mal 20% oder mehr der Miete sein. Ärmere Genossenschaftsmitglieder werden dadurch weiter in die Armut gedrückt oder müssen sogar ausziehen. Wiedervermietung erfolgt an Besserverdienende. In manchen Genossenscahften wird zu 60% an Neumitglieder wiedervermietet. Die Frage, warum sich Mitglieder auf die Wohnungen nicht bewerben, wird tunlichst vermieden.
    Fazit: Mit einer Mittel- oder Oberschichtperspektive, die ihre offenbar ist, fragt man nach der billigsten Methode der Geldbeschaffung. Mit einer sozialen und humanen Perspektive fragt man, was man sich leisten kann ohne dass es Menschen in die Armut drückt.

  16. 165.

    nele, Berlin, Mittwoch, 28.08.2019 | 19:20 Uhr:
    "Zur Demokratie in Genossenschaften: Zunächst: Nach GenG können Vorstände an Weisungen der Mitgliederversammlung nur in sehr kleinen Genossenschaften mit bis zu 20 Mitgliedern gebunden sein."

    Die Mitgliederversammlung kann keine Weisungen erteilen, soweit dies in der Satzung nicht vorgesehen ist. Sie kann aber die Satzung ändern. Sie hat die volle und alleinige Satzungsgebungskompetenz und kann (fast) alles Mögliche in der Satzung festschreiben. Und daran müssen sich dan Aufsichtsrat und Vorstand halten.

    "Natürlich fragt es sich dennoch, warum Mitglieder bzw. Vertreter_innen hier Dinge absegnen, die derart unsozial sind."

    Wer hat wann wo welches Unsoziale abgesegnet??? Sie behaupten immer nur irgendetwas Unkonkret-Diffuses, was ich aus meinen beiden Genossenschaften nicht bestätigen kann und von anderen Genossenschaften auch nicht kenne.

  17. 164.

    nele, Berlin, Mittwoch, 28.08.2019 | 19:14 Uhr:
    "Folge ist, dass es auch in Genossenschaften immer mehr Menschen gibt, die durch steigende Mieten in die Armut gedrückt werden und dass immer weniger Menschen mit kleinen Einkommen eine Genossenschaftswohnung neu anmieten können."

    Welche Belege haben Sie für Ihre realitätsfremde These, "dass immer weniger Menschen mit kleinen Einkommen eine Genossenschaftswohnung neu anmieten können"?

    Im Gegenteil, angesichts der sonst überall überproportional steigenden mieten, sind Genossenschaftswohnungen immer begehrter für Menschen mit niedrigem Einkommen.

    Ständig rufen in der Verwaltung Menschen an, die Wohnungen suchen. Unsere freien Wohnungen schreiben wir gar nicht mehr öffentlich aus, weil wir den Verwaltungsaufwand für hunderte Bewerbungen mit dem vorhandenen Personal gar nicht bewältigen könnten und die Kosten durch Neueinstellungen nicht unnötig erhöhen wollen.

  18. 163.

    nele, Berlin, Mittwoch, 28.08.2019 | 19:14 Uhr:
    "Folge ist, dass es auch in Genossenschaften immer mehr Menschen gibt, die durch steigende Mieten in die Armut gedrückt werden und dass immer weniger Menschen mit kleinen Einkommen eine Genossenschaftswohnung neu anmieten können."

    Das ist falsch.

    Offenbar meinen Sie das Personal inkl. Vorstand müsse ehrenamtlich oder für einen Hungerlohn arbeiten, von dem es selbst nicht leben kann.

    Unsere Mieten steigen nur, wenn die Kosten steigen. Und die Kosten steigen schon inflationsbedingt. Ein Handwerker kostet heute mehr als vor 20 Jahren - wegen der allgemeinen Inflation und auch wegen dem Mindestlohn.

    Eine Miete von 325 € brutto warm für 55 m² treibt niemanden in die Armut, der nicht bereits vorher schon arm war.

    Im Gegenteil, Mieter die aus dem freien Wohnungsmarkt in eine Genossenschaft ziehen haben plötzlich mehr Geld, wenn sie weniger Miete zahlen müssen.

  19. 162.

    nele, Berlin, Mittwoch, 28.08.2019 | 19:14 Uhr:
    "Das eben für durchschnittliche Mieten gesagte gilt auch für Vorstandsgehälter. Was sagt es über Angemessenheit und Gerechtigkeit aus, wenn sie unter dem Durchschnitt liegen?"

    Welchen Maßstab haben Sie denn dafür?

    nele:
    "Zum Begriff „Kostenmiete“: Sie scheinen suggerieren zu wollen, dass diese die unvermeidlichen Kosten abbildet. Das ist nicht der Fall, denn aus den Mieten der Mitglieder werden wie gesagt auch Dividenden, Vorstandsgehälter, die sog. „Altersvorsorge“ sowie auch angegliederte Stiftungen und deren Personal bezahlt."

    Verwaltung der Genossenschaft und der Objekte ist unvermeidlich und die Personalkosten (inkl. Vorstand) sind ganz normale Arbeitslöhne für diese Verwaltung. Das Personal muss ja auch von etwas leben. Ehrenamtlich kann dies keiner leisten, der nicht reich geerbt hat. Dividenden, Stiftungen und Altersvorsorge gibt es bei uns nicht. Es gibt aber - wie überall - gesetzliche Pflicht-Sozialversicherungen.

  20. 161.

    nele, Berlin, Mittwoch, 28.08.2019 | 19:11 Uhr:
    "Dass die meisten Mieten in Genossenschaften unter dem Durchschnitt liegen, heißt nicht, dass sie für jede bezahlbar oder sozial sind. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Insbesondere bei immer weiter auseinandergehenden Einkommen und Mieten sind Durchschnittswerte für viele Menschen immer unerreichbarer."

    3. Dadurch, dass die Genossenschaften in der Regel nur Kostenmieten nehmen, sind die Mieten zumindest im Altbau in der Regel für jeden bezahlbar, zumindest in der Kombination mit Wohngeld bzw. Alg II, da diese Wohnungen in der Regel unter den Mietobergrenzen liegen.

    Wenn ein Mieter Probleme mit dem Bezahlen der Miete hat, dann sind dafür die Wohngeldämter und Jobcenter zuständig.

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