Archivbild: Der sogenannte Zug der Liebe im Jahr 2018 (Quelle: imago/Christian Mang)
Bild: dpa/Christian Mang

Bis zu 50.000 Teilnehmer erwartet - "Zug der Liebe" tanzt am Samstag durch Berlin

Techno für mehr Menschlichkeit im Miteinander: Bis zu 50.000 Demonstrierende werden am Samstag beim "Zug der Liebe" durch Treptow, Kreuzberg und Friedrichshain erwartet. Neben der großen Party-Parade geht es auch um viele gesellschaftspolitische Themen.

Mehr Toleranz und Menschlichkeit im gemeinsamen Umgang - dafür wollen die Teilnehmenden des "Zugs der Liebe" am Samstag demonstrieren. In diesem Jahr steht die Demonstration unter dem Motto "30 Jahre Mauerfall - gegen neue Meinungsmauern". 

25 Wagen ziehen dabei zu Techno-Musik durch Treptow, Kreuzberg und Friedrichshain. Die Polizei geht von 9.500 Demonstrierenden aus. Die Veranstalter erwarten hingegen insgesamt 50.000 Personen, die an der Demonstration teilnehmen oder sie sich anschauen werden. Währenddessen wird laut Polizei mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen sein.  

Der Demonstrationszug, bei dem ausdrücklich getanzt werden soll, startet am Samstag um 13 Uhr vor dem Festsaal Kreuzberg in Richtung St.-Michael-Kirche, überquert die gegenüberliegende Spree und zieht entlang der Frankfurter Allee. Schließlich soll die Parade den Markgrafendamm zur Abschlusskundgebung erreichen.

Von Gentrifizierung bis Tierschutz

Auf den Fahrzeugen präsentieren verschiedene Vereine ihre Themen. "Die Wagen selber werden durch die Themen der Vereine bestimmt", sagt Jens Schwan, Pressesprecher vom "Zug der Liebe" e. V. im Gespräch mit rbb|24. Zu ihnen gehören unter anderem die Berliner Obdachlosenhilfe und die Seenotrettungsorganisation Mission Lifeline. Die Themen reichen von Gentrifizierung bis Jugendarbeit und Tierschutz. Viele der Wagen haben eine politische Botschaft.  

Werbung ist hingegen auf dem Umzug verboten. Ebenfalls dürfen keine Banner von politischen Parteien und Religionsgemeinschaften präsentiert werden, "um eine, wenn auch unabsichtliche Vereinnahmung zu verhindern", so der Verein "Zug der Liebe" auf seiner Website. Als Vorbereitung auf die Demo haben die Veranstalter Workshops organisiert, bei denen sich die Teilnehmenden Schilder basteln konnten. Auf mehreren Partys wurden Spenden für die Demo gesammelt. Denn der "Zug der Liebe" wurde für dieses Jahr zunächst abgesagt.

Wie es 2020 weitergeht? Ungewiss

Die ehrenamtlich arbeitenden Veranstalter sahen sich vor zu vielen Aufgaben, die sie bewältigen müssten. Neben helfenden Händen fehlte es zudem an Geld. Außerdem sei der organisatorische Aufwand sehr hoch. Vor drei Monaten dann die Kehrtwende: die Veranstalter gaben bekannt, dass der "Zug der Liebe" auch in diesem August wieder durch die Straßen Berlins zieht. Insgesamt 19.000 Euro haben die Veranstalter für die Demo durch Crowdfunding gesammelt. Auch hätten sich über 30 Ehrenamtliche bei ihnen gemeldet.

Weiterhin offen bleibt jedoch, ob der "Zug der Liebe" im nächsten Jahr über Berliner Straßen ziehen wird. "Das Crowdfunding war eine Bombe, hat super funktioniert. Deswegen machen wir das überhaupt wieder", sagt Jens Schwan. "Nächstes Jahr stehen wir wieder alle komplett vor dem gleichen Problem. Wir würden es gerne machen, aber sicher ist es auf keinen Fall."

Der "Zug der Liebe" entstand 2015 als Antwort auf Pegida in Dresden. Im vergangenen Jahr nahmen etwa 50.000 Menschen an dem Demonstrationszug teil.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der rbb-Sommerakademie 2019.

Beitrag von Johannes Mügge und Alina Ryazanova

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60 Kommentare

  1. 60.

    Tremor, Berlin, Dienstag, 27.08.2019 | 07:48 Uhr:
    "Antwort auf [Immanuel] vom 25.08.2019 um 05:03
    Wenn ich mich mal einmischen darf:"

    Sie dürfen.

    Tremor:
    "Wer in einer Großstadt lebt, muss demzufolge auch Graffitis, Organisierte Kriminalität und Hundehaufen mögen, denn das gehört ja auch dazu?"

    Nein! Es geht hier um eine Demo einmal im Jahr, die Niemandm schadet.

    Tremor:
    "Noch herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit. Auch wenn diese in den letzten Jahren Schaden genommen hat."

    Wo soll denn die Meinungsfreiheit "Schaden genommen haben"???

  2. 59.

    Wenn ich mich mal einmischen darf:
    Wer in einer Großstadt lebt, muss demzufolge auch Graffitis, Organisierte Kriminalität und Hundehaufen mögen, denn das gehört ja auch dazu?
    Etwas widerwillig hinzunehmen ist nicht dasselbe, wie es zu akzeptieren oder gar zu befürworten.
    Und so wie jeder das Recht hat, hier seine Zustimmung zu diesem Ringelpietz zu posten und ggfs. zu begründen, hat umgekehrt auch jeder das Recht, seine Ablehnung dagegen zu artikulieren und auch dieses argumentativ zu stützen.
    Auch wenn viele Leute Toleranz mit "Ihr dürft alles sagen und tun, das uns gefällt" übersetzen.
    Noch herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit. Auch wenn diese in den letzten Jahren Schaden genommen hat.

  3. 58.

    Ich bin tolerant genug, nichts aktiv gegen diesen Quatsch zu unternehmen.
    Sind SIE tolerant genug, auch andere Meinungen zu ertragen?
    Ich glaube nicht.
    Und keine Bange:
    Nichts an diesem Thema regt mich auf.
    Guten Morgen.

  4. 57.

    Bejubeln? Was soll bejubeln sein? Es geht um Toleranz. Das Wort, das Sie so gerne mißbrauchen. Aber natürlich nur, wenn es um Ihre Perspektive geht. Toleranz dieser Demo gegenüber. Sie haben die nicht, ist jetzt dann auch bei allen angekommen. jetzt schnell auf Suche nach dem nächsten Aufreger.^^ Gute Nacht.

  5. 56.

    Warum leben Sie eigentlich noch in Berlin, wenn Sie solche Probleme damit haben, dass andere Menschen andere Interessen, Lebensformen und Feiern haben. Wer Demos auf den Tod nicht ausstehen kann und keine Staus will, der darf nicht in einer Großstadt wohnen. Wer in Berlin so leben will wie auf dem Dorf, ohne Demos, ohne Staus, ohne Menschenmassen, der hat das Leben in der Großstadt nicht verstanden.

  6. 55.

    Sie meinen, wer diesen Unsinn nicht bejubelt, muss humorlos sein?
    Interessante Perspektive.
    Wie schön, dass tolerante Menschen so völlig frei von Vorurteilen sind.
    Keine Bange: Im Großen und Ganzen bin ich glücklich, so wie Sie hoffentlich auch.
    Ohne ein überlautes Verkehrshindernis mitten in der Stadt und dessen groteske Verherrlichung wäre ich aber sogar noch einen Tick glücklicher.

  7. 54.

    Mag sein.
    Doch hierzu sei nur angemerkt, das ich Fußball ebenso albern finde.
    Alles sollte seine Grenzen haben.
    Und Menschen dafür fürstlich zu entlohnen, dass sie auf einer Wiese hin- und herrennen, ist nun wirlich nichts, das ich gutheißen kann.

  8. 51.

    @Tremor:

    Ich darf mal aus Ihren Kommis zitieren: "Stuss", "ganze Quatsch", "wenn man schon sonst nichts ist...", und - für mich der Gipfel - "hoffentlich klügere Nachkommen.."
    Wenn Sie (sofern es mal geschieht)zum Lachen in den Keller gehen, ist das Ihr gutes Recht.
    Wenn Sie jedoch behaupten, mit dieser widerwärtigen Argumentation die Teilnehmer nicht abzuurteilen oder gar etwas gegen sie zu haben, sehen Sie etwas völlig falsch.

    Ich denke, Sie sind kein glücklicher Mensch - mein Bedauern ist mit Ihnen.

    !Es lebe die Liebe - und laute Musik und ich wünsche allen Teilnehmern ein tolles Fest!

  9. 50.

    Und dass z.b. erwachsene Männer mehr oder weniger motiviert und erfolgreich, obwohl dafür viel zu hoch entlohnt, hinter einem Ball herlaufen tut genau was für die Welt? Egal wieviel Fans das gutheißen, es tut nichts zur Sache, ob die das tun oder lassen. Und glauben Sie mir, diese wichtigen Männchen fühlen sich auch ganz doll bedeutsam dabei ;-)

  10. 48.

    Auch wenn ich Ihre Standpunkte ansich teile: Leider logisch falsch.
    Es gibt durchaus Abstufungen der Toleranz (wie Sie ja mit der Formulierung "wie tolerant die Menschen dann sind" ja selbst angedeutet haben).
    Aufgezwungene Toleranz ist ebenso wertlos wie ein erzwungenes Versprechen.
    Hoffentlich heben die Teilnehmer irgendwann klügere Nachkommen, welche die Courage haben, deutlich darauf hinzuweisen, dass Feiern nicht dasselbe ist wie Sich-für-etwas-einsetzen.
    Und dass ekstatische Zuckungen für gewöhnlich zu nichts führen, egal wie bedeutsam man sich dabei fühlt.

  11. 47.

    Da sind wir beide ja mal einer Meinung. Ich verstehe es ja auch nicht, wieso Leute ihren Müll, Kippen einfach so auf den Boden fallen lassen und weitergehen. Dabei tun sich diese Leute dabei keinen Abbruch, bis zum nächsten Mülleimer zu gehen und es richtig zu machen. Und wie Sie es schon sehr klug formuliert haben, es wird einfach eine alte Plastik oder Papiertüte mitgenommen um den Müll darin zu sammeln. Es geht, wenn Mensch nur will. Habe gestern mal so nebenbei bei einem kl. Spaziergang durch den Kiez gezählt, wieviele Raucher ihre Kippen einfach so auf die Straße schmeißen. Zwei an einer Kreuzung aus dem wartenden Auto heraus und drei Personen schmissen sogar die Kippe auf dem Gehweg noch qualmend einfach achtlos weg, anstatt sie wenigstens auszutreten. Und das waren nur zufällige Augenblicke.

  12. 46.

    Sie blenden dabei aber aus, dass es anderen gehörig gegen den Strich geht, wieviel z.b. wöchentlich das Polizeiaufgebot und die Säuberungsmaßnahmen anläßlich der Fussballspiele kosten. Und Public Viewing. Und die Silvestermeile. Und Weihnachtsmärkte, auch nur noch Geldschneiderei und völlig überflüssig. Mit wochenlangen Sperrungen, Polizeiaufgebot und Müll ohne Ende. Da darf man nicht mit zweierlei Maß messen. Das zahlen alles wir mit. Obwohl wir z.b. Fußball todeslangweilig und völlig überbewertet und Weihnachtsmärkte nur noch doof und unweihnachtlich finden. Jeder hat das Recht zu demonstrieren und zu feiern und nicht jedem passt das in den Kram. Und die BSR machts sauber. Für alle und jeden gleichwertig. Da werden keine Unterschiede gemacht. Wenigstens sind diese Leute friedlich. Ist ja nun beim Fußball oft anders!^^

  13. 45.

    Stimmt, dieser Radau gibt großen Anlass zum Üben von Toleranz. Was das vermeintliche Thema Liebe anbelangt: Wer soll denn bei diesem Lärm einen hoch kriegen?

  14. 44.

    Klar. Das bleibt Ihnen unbenommen.
    Aber nur für's Protokoll:
    Ich habe meine Ablehnung BEGRÜNDET, was ihr meiner Überzeugung nach mehr Substanz gibt.

  15. 43.

    Ich würde für die diese Veranstaltung 35,- Eintritt für den Aufwand nehmen, mal sehen wie tolerant die Teilnehmer dann noch sind. Ich habe lieber meine Verwandtschaft und Freunde lieb.

  16. 41.

    "Mehr Toleranz"
    Es gibt nur Toleranz oder keine. Mehr Toleranz ist Quark. Weil Toleranz ist keine Akzeptanz. Hierfür müsste ich meinen Standpunkt aufgeben. Toleranz ist im Grunde durch die Demogenehmigung auferzwungen. So ist Toleranz in Deutschland.
    Vielleicht sollte man den Zug der Liebe auf Montag früh 7, 8 Uhr verlegen, mal sehen wie tolerant die Menschen dann sind, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit behindert bzw. belästigt werden. Berlin feiert und die die am WE arbeiten sind Nullen.
    Zug der Liebe ist einfach nur pseudo. Warum soll ich Leute lieben, die mir permanent auf den Keks mit Demos usw. gehen und Steuergelder durch Dreck den die BSR wegräumen darf verschwenden. Liebt euch selber, ich keine Zeit.

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