Symbolbild - Ranzen hängen und stehen in einem Klassenzimmer, während die Kinder im Sitzkreis sprechen (Bild: dpa/Philipp Schulze)
Audio: Inforadio | 01.08.2019 | Maria Wölfle | Bild: dpa/Philipp Schulze

Beginn des neuen Schuljahres - Zwei Drittel der neuen Lehrer in Berlin sind Quereinsteiger

Berlin hat weiterhin massive Probleme, Lehrerstellen mit Pädagogen zu besetzen. Im bevorstehenden neuen Schuljahr werden zwei von drei neuen Lehrkräften Quereinsteiger sein. Immerhin konnten alle offenen Stellen besetzt werden.

Der Lehrermangel bleibt für Berlin eine Herausforderung: Fast zwei Drittel der 2.734 zum neuen Schuljahr eingestellten Lehrkräfte sind Quer- oder Seiteneinsteiger. Immerhin sei es dadurch gelungen, alle freien Stellen zu besetzen, teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mit. Dazu seien besonders große Anstrengungen nötig gewesen. Hinzu kämen 250 Pensionäre, die zeitweise in den Schuldienst zurückkehrten. Insgesamt stieg die Zahl der Lehrer um rund 500 auf etwa 32.800.

Ein Plus gibt es auch bei den Schülern: Das neue Schuljahr beginnt nach den Sommerferien an diesem Montag für 363.640 Schüler. Das sind fast 6.700 mehr als im vergangenen Schuljahr. Die Zahl der Schulanfänger sank leicht um 161 auf 33.820. Für sie beginnt das Schuljahr erst am 12. August.

FDP sieht insbesondere Quereinsteiger an Grundschulen kritisch

Die Berliner FDP kritisiert die Einstellungsstrategie. "Der Senat bekommt den Lehrermangel einfach nicht in den Griff", teilte Paul Fresdorf, bildungspolitischer Sprecher der Liberalen im Abgeordnetenhaus, mit. Speziell der Einsatz von Quer- und Seiteneinsteigern an Grundschulen sei problematisch, da das Pädagogikstudium hierfür einen besonders ausgeprägten methodischen Ansatz vorsehe. "Eine mindestens vierwöchige Vorbereitungszeit muss Pflicht sein, in der alle, die kein abgeschlossenes Lehramtsstudium haben, die Werkzeuge an die Hand bekommen, die sie für einen erfolgreichen Unterricht benötigen", so Fresdorf.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger erklärte, der Lehrermangel verdeutliche einmal mehr die Bildungskrise in Berlin. "Der Notstand wird von Senatorin Scheeres nur noch verwaltet, nicht gelöst."

Im vergangenen Jahr hatte Berlin 2.700 neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Nur rund 1.000 waren voll ausgebildet. Knapp 750 von ihnen waren Quereinsteiger, die ein an den Schulen gelehrtes Fach studiert, jedoch keine pädagogische Ausbildung haben. 915 weitere Neueingestellte hatten keines der üblichen Berliner Schulfächer studiert. Diese sogenannten Lehrkräfte ohne Lehrbefähigung (LovL) werden sehr häufig zunächst befristet beschäftigt.

Sendung: Radioeins, 01.08.2019, 12 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Sehr guter Beitrag! Wohlstandsverwahrlosung ist ein realistischer Begriff. Verzicht auf Freizeitvergnügen, berufliche Selbstverwirklichung und/oder Konsum, sind für die meisten Menschen nicht auf der Agenda. Opfer sind die Kinder, ruhiggestellt und befriedet mit Konsumgütern oder Freizeitbeschäftigungen, für die gezahlt hlt wird.

  2. 13.

    Wow. Das nenne ich mal eine riesige Portion Vorurteile und Pauschalisierung. Kann ich so nicht bestätigen. Und ich kenne auch wirklich wenig "antiautoritär" erzogene Kids. Dafür immer mehr Kinder, die nebenher laufen, keine Grenzen gesetzt bekommen und oft mit materiellen Gütern ruhig gestellt werden. Weil Erziehung, verbindliche Fürsorge und Interesse sowie elterlicher Verzicht auf Freizeit und Spaß zu anstrengend sind. Stichwort Wohlstandsverwahrlosung. Und Lehrer dürfen die Fassung nicht verlieren. Sie haben diverse Möglichkeiten, frühzeitig Unterstützung zu suchen. Lehrer dürfen nicht demütigen, demoralisieren, ausgrenzen.oder benachteiligen. Auch wenn Kinder Fehler machen. Ich hoffe sehr, dass die Quereinsteiger viel Unterstützung seitens der Kollegen erfahren und wünsche einen guten Start in dieses Abenteuer.

  3. 12.

    Es ist nicht „die Schulbildung“ unterirdisch schlecht. Sehr viele Schüler verlassen die Schulen mit einer guten Schul- und Allgemeinbildung und erlernen problemlos gute Berufe. Da sollte man nicht pauschalisieren und sich verirren. Es sind die Grundbedingungen in Schulen und Klassenräumen, die alles erschweren. Zu große Klassen, zuwenig Lehrer, zuviel Unterrichtsausfall, zuviele Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, die den Ablauf stören und zuviel Aufmerksamkeit für einen Regelschulalltag beanspruchen, zudem Inklusion und Kinder mit Sprachdefiziten. Das ist nicht unter einen Hut zu kriegen. Da muss angesetzt werden, das Knäuel muss entheddert werden. Das Bildungspaket an sich ist gut. Und es ist immer wieder verwunderlich, wie viele junge Menschen sich trotzdem durch das alles durchboxen, gute Schulabschlüsse machen und ins Arbeitsleben starten. So nach dem Motto: „When You can make it an einer Berliner Schule, You can make it everywhere???^^

  4. 11.

    Respekt geht immer von beiden Seiten aus. Bei vielen antiautoritär erzogenen Schülern ist alles verloren, sie haben im Elternhaus zuviel Persönliche Entfaltung geschnuppert. Man kann ihnen das nicht verdenken, sie wurden zu dem gemacht was sie heute sind, unbelehrbare Menschen ohne Unrechtsbewusstsein.

  5. 10.

    Es ist einfach nur erbärmlich. Und wir wundern uns dass das Bildungsniveau sinkt. Sorry, da habe ich kein Verständnis für. ETWAS stimmt in Deutschland nicht.

  6. 9.

    Es ist eine Unmöglichkeit was da an den Schulen gemacht wird.
    Als ob die Schulbildung nicht schon unterirdisch schlecht ist genug ist.
    Und nun noch Einsteiger ohne pädagogische
    Ausbildung.

  7. 8.

    Es gibt aber auch immer mehr Lehrer, die respektlos Schülern gegenüber werden. Aktuell von heute: https://spon.de/afwOH. Wenn schon ausgebildete Lehrkräfte ihre Professionalität einbüßen, wie sollen das Quereinsteiger schaffen? Denn Höflichkeit, Respekt und Fairplay dürfen.keine Einbahnstrasse sein. Der Polizist darf nicht schlagen und der Lehrer nicht demütigen und beleidigen. Leider hatte unser Kind auch zwei Lehrer, die es nicht so genau damit nahmen.

  8. 7.

    Notfahrplan. Aber immerhin. Ich sorge mich mehr um die psychologische/pädagogische Ebene. Es gibt immer mehr verhaltensauffällige Kinder aus problematischen Elternhäusern. Es gibt auch immer öfter aggressives und respektloses Verhalten gegen Lehrer, auch seitens mancher Eltern. Ist das für Quereinsteiger zu bewältigen? Die Schulen sind auf sie angewiesen, wir Eltern froh, wenn nicht mehr so viel Unterricht ausfällt. Die zusätzliche Belastung aber, die wahrscheinlich auf die Lehrer zukommt, weil sie ihre neuen Kollegen unterstützen und unterweisen müssen wird sich garantiert an anderer Stelle auswirken. Ich drücke trotzdem die Daumen, positiv denken heißt die Devise!

  9. 6.

    FDP sieht insbesondere Quereinsteiger an Grundschulen kritisch, ich auch. Dann könnte man ja gleich den Beruf Lehrer abschaffen und als Hilfskraft bezahlen, wenn das sowieso nichts mit dem Lernen wird. Die Schüler brauchen den Drill der alten Schule. Dann klappt es auch mit dem Lernen.

  10. 5.

    Überall im öffentlichen Dienst in Berlin gibt es nur noch Flickschusterei und kurzfristige Lösungen. Aber eine Perspektive für die Zukunft wird nicht erbracht.

  11. 4.

    Recht hat sie, die FDP!!! Aber was soll eine Kommune machen, die dem dummen Denken und Drängen, von minder intelligenten Massen, nachgegeben hat und die Verbeamtung von Lehrern und auch Polizisten abgeschafft hat? Im Jahr 2000 waren viele Lehrer fertig mit der Ausbildung. Teils mit drei oder vier Studiengängen und einem zweitem Staatsexamen in der Tasche. Das hieß dann damals ein Platz auf der Warteliste (ca. 2700 auf einem Arbeitsplatz wartende Lehrer) zu haben! Von der unsinnigen Verbeamtung auf Probe, in die Sozialhilfe zu fallen und ca. 25000 Piepen Bafög Schulden zu haben! Jeden Monat ein Brief vom Sozialamt mit den Sätzen: Weisen sie glaubhaft nach, sich mindestens auf dreißig Stellen beworben zu haben (Hat jemand dann aus Frust gemacht, dreißig Bewerbungen zum Schulamt geschickt, der Stellvertreter vom Böger hat sich dann gemeldet), oder einer meiner Lieblingssätze: Weisen..., dass sie sich um eine Untervermietung Ihrer Wohnung bla bla. Nun sucht man, jaja so ist das!

  12. 3.

    Quantität heißt nicht Qualität. Berlin hat doch schon Probleme mit dem Bildungsniveau an den Schulen.

  13. 2.

    Nichtsdestoweniger wünsche ich allen Schulkindern, Eltern und Kollegen*innen, "neuen wie "alten", einen friedlichen und freudigen Start in das Schuljahr 2019/2020!

  14. 1.

    Es freut mich zu lesen, dass alle freien Lehrerstellen in Berlin, zumindest nominell, besetzt sind. Leider muss das nicht heißen, dass die Stellen auch adäquat von den "Neulehrern*innen" ausgefüllt werden, will sagen mit Inhalt und Leben gefüllt werden.
    So erfolgreich die Meldung auch erstmal klingt, Erzieher*innen für die ergänzende Förderung und Betreuung ("Hort") werden weiterhin gesucht. Des Weiteren ist der Einstieg in den Berufsalltag eines "Neulehrers", einer "Neulehrerin", schon für ausgebildete Pädagogen*innen von anspruchsvollen und mannigfaltigen Aufgaben flankiert. Wenn dann der Einstieg in einer "Brennpunktschule" erfolgt, sind einige Kollegen*innen bereits nach einem Vierteljahr am Rande ihrer Belastungsgrenze, und gerade die "Quereinsteigern*innen" erkennen wie anspruchsvoll, in jeder Beziehung, der Beruf eines Lehrers, einer Lehrerin, eines Erziehers und einer Erzieherin ist. Manchmal mit dem Resultat, dass die Stelle nach einem Schulhalbjahr wieder zu besetzen ist.

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