Symbolbild: Luftaufnahme von Berlin vom 28.06.2019 (Quelle: dpa/Paul Zinken).
Bild: dpa/Paul Zinken

Bevölkerungsstatistik - Berlin wächst immer langsamer

Seit mehr als 15 Jahren nimmt Berlins Einwohnerzahl stetig zu. Wie Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zeigen, wurde das Wachstum jüngst jedoch ausgebremst. Vor allem der Zuzug aus dem europäischen Ausland sorgt für eine Zunahme der Bevölkerung.

Die Bevölkerung in Berlin ist das zweite Jahr in Folge deutlich langsamer gestiegen als die Jahre zuvor. Das zeigen Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, die am Dienstag veröffentlicht und von rbb|24 ausgewertet wurden. Demnach ist die Anzahl der Berlinerinnen und Berliner im Jahr 2018 um rund 31.000 gewachsen, zwei Jahre zuvor waren es noch fast doppelt so viele.

Insgesamt lag der Bevölkerungsstand in der Hauptstadt zum Ende des Jahres 2018 bei 3.644.836 Berlinern, wovon 19 Prozent aus dem Ausland kamen. Das Amt für Statistik veröffentlicht regelmäßig zwei unterschiedliche Zahlen mit verschiedenen Quellen. Während die aktuellen Zahlen auf der Bevölkerungsfortschreibung der letzten Volkszählung von 2011 beruhen, erhebt das Statistikamt zusätzlich Zahlen aus dem Einwohnermelderegister - diese Zahlen sind erfahrungsgemäß höher. 

Einfluss auf das Wachstum der Stadtbevölkerung hat der Zuzug und Fortzug sowie die Anzahl der Geburten und Todesfälle. Auch wenn die Stadt nicht mehr so schnell wächst, wurden im vergangenen Jahr mehr Kinder geboren als Menschen verstarben. Zudem zogen insgesamt mehr Menschen nach Berlin, als dass sie die Stadt verließen.

Die meisten Zuzügler sind Europäer

Ein Hauptgrund für das Wachstum Berlins ist der Zuzug von Ausländern. Rund 109.000 Ausländer sind in die Hauptstadt gezogen, während 67.000 Berlin verlassen haben. Mehr als die Hälfte der zugezogenen Neuberliner mit ausländischer Staatsbürgerschaft stammten 2018 aus Europa. Von den rund 59.000 Europäern kamen die meisten aus Polen, gefolgt von Rumänien, Bulgarien und Italien. Aus Afrika sind die wenigsten Menschen nach Berlin gezogen.

Die Zahl der deutschen Staatsbürger in Berlin hingegen schrumpfte leicht um 6.000 Menschen: 83.000 Fortzüge von Deutschen gab es 2018, dagegen nur 71.000 Zuzüge.

Doppelt so viele Berliner zogen nach Brandenburg als umgekehrt

Die meisten Neuberliner mit deutscher Herkunft kamen aus Brandenburg (etwa 17.000), dafür zogen rund doppelt so viele Hauptstädter ins märkische Umland. Die zweitgrößte Gruppe der Zugezogenen stammt mit circa 10.000 Menschen aus Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern mit rund 8.000 Zugezogenen. 32.000 Berliner wanderten über die Landesgrenze nach Brandenburg, rund 7.800 zog es nach Nordrhein-Westfalen und 6.700 verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Bayern.

Die Einwohnerzahlen sind statistisch nie ganz eindeutig: Es gibt eine Dunkelziffer von Bewohnern, die nicht gemeldet sind, weil sie illegal in Deutschland leben, sich nur für einen begrenzten Zeitraum in der Stadt aufhalten oder eine Ummeldung vergessen haben. Anderseits verlassen Menschen die Stadt und melden sich nicht ab.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Berlin liegt im Zentrum vom Land Brandenburg. Der gesamte Ballungsraum, hat mehr als 6 Millionen Einwohner und wird auch in Zukunft weiterwachsen, mit all seinen Problemen - Wohnungsnot und fehlende Infrastruktur. Und wenn Berlin, keinen bezahlbaren Wohnraum schafft, werden viele Berliner Bürger ins Umland ziehen, wo das Haus oder die Wohnung noch relativ bezahlbar ist. Der Zuzug nach Berlin, regelt sich über zu hohe Mieten und fehlenden günstigen Wohnraum, wahrscheinlich von selbst. Das Bevölkerungswachstum schwächt sich ja schon deutlich ab. Berlin, sollte für Deutsche und Ausländer, gleichermaßen attraktiv sein und bleiben und nicht seine Bürger herausdrängen.

  2. 9.

    Das mit dem Zuzug Stopp finde ich auch nicht schlecht, bevor hier alles noch mehr verstopft und chaotisch ist.

  3. 8.

    Ja, arbeiten in Berlin und wohnen im Umland, warum nicht? Und die Hochschulen sind ja ohnehin ueberlastet... Wird Berlin unattraktiver, sinkt auch der Druck auf den Wohnungsmarkt. Leider ist die Hauptstadtentscheidung ja seinerzeit nicht zugunsten von Bonn gefallen. Berlin hat daher nun teure Mieten, verstopfte Strassen und ein voellig ueberfluessiges Stadtschlossplagiat.

  4. 7.

    Zuzug-Stopp?! Also niemand darf mehr nach Berlin ziehen? Kein Student, kein Brandenburger, kein Schwabe, kein Brite, kein Türke, kein Vietnames, kein Syrier? Und auch kein Lehrer, kein Arzt, kein Polizist...

  5. 6.

    Begrenzte Ressourcen stehen einem gewollten unbegrenzten Wachstum gegenüber. Das kann rein logisch nicht gut gehen.
    Bei Mangel an Wohnraum könnte ein Zuzug-Stopp helfen.

  6. 5.

    Je weniger freier Wohnraum zur Verfügung steht, desto weniger Menschen können sich neu in der Stadt niederlassen. Das ist doch logisch. Die Zahlen sagen letztlich nichts darüber aus, wie der Zuzug aussähe, wenn jeder, der nach Berlin kommen möchte auch eine Bleibe finden würde.
    Aber ganz bestimmt ist die Nachricht von einem verminderten Zuzug Balsam für alle Diejenigen, die für einen Ausbau der Infrastruktur und Verwaltung verantwortlich wären und hierbei bislang gescheitert sind (Sozialwohnungen, VerKehrsinfrastruktur, Schulplätze, uvm.) und natürlich für die selbsternannte eltäre Urbanisten-Fraktion ("Boot ist voll", die Berliner Mischung (zu der natürlich vor allem die elitären Urbanisten-Fraktion gehört) muss konserviert werden.
    Keiner muss sich bewegen - das Problem verschwindet von alleine.

  7. 4.

    Das mit den Rumänen und Bulgaren, die häufig nach Berlin ziehen, würde mich detaillierter interessieren (welche Ethnien, Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter etc).

    Das ist besonders interessant, da die Freizügigkeit dieser EU-Staatsbürger am längsten ausgesetzt war, wohl da diese Länder arm sind und ihre Probleme bei der Diskriminierung ihrer Minderheiten nicht gelöst hatten. Und das haben sie noch immer nicht, nur ist nun die Migration ins Ausland möglich. Ich vermute aus eigener Erfahrung hier im Kiez, dass wir nun die „Lösung“ bulgarischer und rumänischer Minderheitenprobleme sind und diese Länder rein gar keine Fortschritte machen. Oder ist das ein Tabu-Thema?

  8. 3.

    Tja, leider irren Sie sich da. Berlin ist eine schöne Stadt und hat außer Feiern viel zu bieten. Tolle Restaurants und Wochenmärkte, interessante Ausstellungen und Museen, spannende Freizeitangebote wie Exit-Game oder Whatagame. Kultur ohne Ende: Impeorheater, Poetry Slam bis zum Quatsch Comed Club. Besonders jetzt im Sommer gibt es so viele schöne Orte an der Spree. Oder sportlich: Bouldern zB gibt es nur in Berlin so tolle Orte. Schade, dass Sie nichts damit anzufangen wissen, ihr Leben könnte so viel schöner sein! Entdecken Sie doch mal das Leben in Berlin. Millionen irren nicht. Es werden nicht umsonst immer mehr!

  9. 2.

    Und so wird es auch weiter gehen. Wer kann, verlässt doch diese Stadt so schnell es geht. Bloß weg hier. Übrig bleibt das Chaoten und Feiervolk. Die machen ja sowieso was sie wollen. Es gibt nichts, aber auch wirklich gar nichts, was einen in dieser Stadt halten sollte. Für die meisten ist es der Job, das wars dann auch.

  10. 1.

    Berlin ist voll genug und der Senat kommt sowieso nicht hinterher um die Anforderungen an den stetigen Bevölkerungszuwachs zu erfüllen ( Wohnungsbau, Kita- und Schulplätze, ÖPNV, Verkehrswende usw.).
    Deshalb ist es doch gut, wenn es einen gebremsten Zuzug gibt.

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