Schüler und Lehrkräfte von freien Schulen demonstrieren vor der Staatskanzlei für die bessere Bezahlung der Lehrkräfte und für höhere staatliche Zuschüsse. (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: Inforadio | 15.08.2019 | René Träder | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Ländervergleich - Berlin und Brandenburg sind Schlusslicht im "Bildungsmonitor"

Fehlende Ausbildungsplätze, zu viele Schulabbrecher: Eine Studie bescheinigt Berlin und Brandenburg die bundesweit schlechtesten Ergebnisse im Bildungsbereich. Doch nicht in allen Bereichen liefern die Länder schlechte Zahlen ab.

Im Vergleich der Bundesländer zur Bildungsqualität belegen Brandenburg und Berlin die beiden letzten Plätze. Das geht aus dem "Bildungsmonitor 2019" hervor, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der arbeitgebernahen "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) am Donnerstag in Berlin vorgelegt hat.

Berlin landet beim "Bildungsmonitor" auf dem letzten Platz der 16 Bundesländer. Vergangenes Jahr war das Land noch auf Platz 13. Auch in Brandenburg hat sich die Bildungsqualität laut der Studie verschlechtert - von Platz 14 rutschte das Land auf Platz 15.

Zu viele Abbrecher in Berlin

In der Studie werden in Berlin unter anderem fehlende betriebliche Ausbildungsplätze und eine hohe Abbrecherquote bei Azubis bemängelt. Diese liegt bei fast 40 Prozent und ist damit bundesweit die höchste.

Im schulischen Bereich fiel den Experten negativ auf, dass in Berlin bei Vergleichsarbeiten ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards erfüllt. Außerdem habe 2017 die Schulabbrecherquote 9,2 Prozent betragen, was der zweitschlechteste Wert aller Bundesländer ist.

Bei der Integration von Ausländern bleibt ebenfalls viel zu tun: Von 4.109 ausländischen Schulabgängern im Jahr 2017 blieben 855 ohne Abschluss. Dies ergibt eine Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen von 20,8 Prozent.

15.08.2019, Berlin: Axel Plünnecke, Bildungsexperte, stellt den Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu Schulabbrecherquote, Bildungsarmut, Schulqualität und Integration vor (Quelle: dpa/ Britta Pedersen)
Axel Plünnecke, stellte den Bildungsmonitor vor. | Bild: ZB/ Britta Pedersen

Berlin punktet im Hochschulbereich

Bei allen Problemen verweist die Studie darauf, dass Berlins Bildungssystem auch positive Seiten habe: Bei der Zahl der Unterrichtsstunden und der Lehrer-Schüler-Relation stehe die Hauptstadt gut da - beim Verhältnis Lehrer-Schüler an Gymnasien sogar am besten in Deutschland.

Zudem trage das Land in hohem Maße zur Ausbildung des Forscher-Nachwuchses bei. Dies zeige sich unter anderem an der Promotionsquote, bei der Berlin 2017 mit 7,3 Prozent den besten Wert aller Bundesländer erzielt habe. Und: Berliner Professoren warben mehr Drittmittel - also etwa Projektgelder von privaten Unternehmen oder Spendern - ein als im Bundesdurchschnitt.

Wissenschaftsbereich in Brandenburg hinkt

Auch in Brandenburg fehlen laut Studie Ausbildungsplätze. Demnach können 9,6 Prozent der Bewerber nicht versorgt werden. Außerdem seien die Ausgaben für Forschung in Höhe von 95.900 Euro niedriger als in allen anderen Bundesländern, heißt es in der Untersuchung. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 117.400 Euro.

In Brandenburg sei zudem die Zahl der Uniabsolventen mit Blick auf die akademische Bevölkerung sehr niedrig. Die Brandenburger Professoren würden auch in "relativ geringem Maß zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses" beitragen, heißt es. Bei den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) gebe es im Vergleich zu allen Studienabsolventen im Land nur einen unterdurchschnittlichen Anteil.

Brandenburg liegt bei Vergleichstest vorne

Beim Thema Bildungsarmut schneidet Brandenburg dagegen recht gut ab und landet hier auf Platz drei im bundesweiten Ranking. Nur wenige Schüler im Land zeigten demnach bei Vergleichstests ein geringes Kompetenzniveau. So zähle nur ein geringer Anteil der Neuntklässler in den Naturwissenschaften, in Mathematik und im Lesen zur Risikogruppe, so das Ergebnis. Dennoch: Der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss lag im Jahr 2017 bei 7,3 Prozent und war damit höher als der Bundesdurchschnitt.

Lob bekommt Brandenburg auch bei der Internationalisierung: Fast alle Berufsschüler (95,1 Prozent) wurden im Jahr 2017 in Fremdsprachen unterrichtet. Damit erreichte das Land den zweitbesten Wert aller Bundesländer. 

Studie beurteilt nach zwölf Feldern

Die Vergleichsstudie bewertet anhand von 93 Indikatoren in zwölf Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

Die Spitzenplätze im Bildungsmonitor belegen 2019 Sachsen, Bayern und Thüringen. Die größte Verbesserung konnte das Saarland erzielen, gefolgt von Hamburg.

Bildungsvergleich der Länder 2019

Ranking Bundesland Punkte 2019 +/- zu 2013
1 Sachsen 68,0 - 0,7
2 Bayern 61,2 + 4,4
3 Thüringen 56,9 - 7,3
4 Saarland 56,0 + 16,2
5 Hamburg 55,0 + 6,6
6 Baden-Württemberg 53,8 - 2,8
7 Rheinland-Pfalz 49,2 + 2,0
8 Mecklenburg-Vorpommern 48,9 + 0,9
9 Niedersachsen 48,3 + 2,3
10 Hessen 48,0 - 0,1
11 Schleswig-Holstein 47,3 + 1,7
12 Sachsen-Anhalt 46,2 - 4,3
13 Nordrhein-Westfalen 44,1 + 1,1
14 Bremen 44,0 + 1,0
15 Brandenburg 43,7 - 2,9
16 Berlin 43,0 + 3,8

Reaktionen aus der Berliner Politik

Der bildungspoltische Sprecher der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf, kritsierte in Bezug auf das schlechte Abschneiden Berlins: "Das ist das Fazit von 23 Jahren sozialdemokratischer Bildungspolitik in der Hauptstadt. Und anstatt endlich gegen diesen Trend zu arbeiten, kommt Bildungssenatorin Sandra Scheeres einfach nicht aus den Startblöcken." Berlin müsse den Anspruch der weltbesten Bildung haben mit Schulen als Digitalisierungszentren, motivierten Lehrern und Schülern, die die Schule wieder als ein Lern- und Lehrort sehen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte: "Bei uns wächst jedes dritte Kind in Armut auf. Das ist nicht nur sozial ungerecht, das sind auch für die Schulen schwierige Rahmenbedingungen." Der neue Bildungsmonitor benenne das, würdige aber auf der anderen Seite auch ausdrücklich die Fortschritte, die Berlin seit 2013 gemacht hat. "Die Richtung stimmt, das Tempo noch nicht", lautet daher Scheeres' Fazit.

Reaktionen aus der Brandenburger Politik

Die Spitzenkandidatin von Bündnis90/Die Grünen in Brandenburg, Ursula Nonnemacher, nannte das Abrutschen Brandenburgs auf den letzten Platz "bitter". Die SPD stelle seit 25 Jahren "die Chefs und Chefinnen im Bildungsministerium und seit zehn Jahren die des Wissenschaftsministeriums". Damit trage sie die Verantwortung für dieses Ergebnis.

Der Spitzenkandidat und Vorsitzende der Brandenburger CDU, Ingo Senftleben, sprach von einem "denkbar schlechten Zeugnis" für die Brandenburger Bildungspolitik. Dabei habe die SPD auf ganzer Linie versagt. Was die Brandenburger Schulen jetzt bräuchten, seien konsequente Leistungsorientierung und Konzentration aufs Wesentliche, wie zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen. "Was unsere Schulen nicht brauchen, sind immer neue bildungspolitische Experimente, wie zum Beispiel die Abschaffung der Zensuren", sagte der CDU-Politiker.

Eine Übersicht der Studienergebnisse für jedes Bundesland können Sie hier einsehen [insm-bildungsmonitor.de], den gesamten Bildungsmonitor finden Sie hier [PDF auf insm-bildungsmonitor.de].

Sendung: Inforadio, 15.08.2019, 11 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

33 Kommentare

  1. 33.

    Zunächst einmal: Berlin liegt nicht im Ländervergleich auf dem 13. Platz und Brandenburg nicht auf Platz 14, sondern Berlin belegt den letzten Platz im Bildungsmonitor von 16 Ländern und Brandenburg den vorletzten Platz! Bei den kognitiven Kompetenzen, insbesondere beim Leseverständnis schneidet Brandenburg im Ländervergleich unter ferner liefen ab, weil ca. 20 Prozent (-6 Prozent zum Vorvergleich) der Kinder der Klassenstufe 4 und die Jugendlichen der Klassenstufe 9 nicht den Leistungsstandard erfüllen! Das Bundeland Sachsen liegt hier mit 7,2 Prozent an der Spitze, gefolgt vom Bundesland Bayern (7,9 Prozent). Das Verhältnis von Sachsen zu Brandenburg liegt bei dieser ausgewählten kognitiven Kompetenz bei ca. 3:1 (andere kognitive Kompetenzen, wie Mathematik und Naturwissenschaften wurden in dem besagten Bildungsbericht nur global abgehandelt und es erfolgte hier kein differenzierter Vergleich).Siegfried Marquardt, Königs Wusterhausen

  2. 32.

    Ein Blick in den Bildungsanteil der Grundsicherung spricht Bände und lässt keinen Platz für Ausreden. Bei diesem geringen Betrag sind ernsthafte Bildungsversuche bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt. http://www.forum-sozialhilfe.de/phpBB3/viewtopic.php?t=27355

  3. 30.

    Das liegt nicht unbedingt an den Kindern oder Eltern, sondern an der Bildungspolitik in den beiden Ländern.

  4. 29.

    Sie haben in welcher Form Kontakt zu Schülern? Eigene Kinder? Lehrer? Erzieher? Wohl weniger. Wenn Sie schon so bösartig ganze Bevölkerungsgruppen diffamieren, dann bitte wenigstens logisch. Wer ließ zu, dass wir zur Konsum- und Wegwerfgesellschaft wurden? Wer war geil auf das Internet und Smartphones? Wohl kaum die jetzigen Schüler. Bitte erst nachdenken, bevor Sie das nächste Mal scharf schießen. Die Kinder sind weder schuld am Klimanotstand, noch an der maroden Bildungspolitik. Und mal abgesehen vom Politiker-Bashing: die Eltern der letzten 20 Jahre wurden informiert was politisch abgeht. Es wurde damals von Elternvertretern, Lehrern und Schulleitungen versucht viele (Rotstift-) Pläne zu vereiteln. Aber es duckten sich die Meisten weg. Die „Schuldfrage“ ist also nicht so einfach zu klären, wie Sie sich das vorstellen: Buhmann suchen-fertig.

  5. 28.

    Ich kann hier nicht erkennen woher Sie kommen. Alt sein in den Neuen Bundesländern, respektive Brandenburg, heißt nicht automatisch AfD wählen. Alte sind hier nicht ungebildet. Ich wünsche mir mehr Bildung, weniger Ideologie, für unsere Kinder/Schüler.

  6. 27.

    Wie wäre es, wenn man wieder die 6 Tage Schulwoche einführt? 4 Tage sind offenbar deutlich zu wenig. Dann wäre auch mehr Zeit, Physik zu unterrichten als nur Plakatmalerei und Spüchekunde im Fach Kunsterziehung.

  7. 25.

    Vielleicht sollte mal aufgehört werden Experimente mit den Schülern zu machen welche Lernform es sein könnte. Um zu studieren oder aufs Gymnasium zugehen müssen die schulischen Leistungen erstmal stimmen. Die Voraussetzung wird bereits in der Grundschule gelegt.

  8. 24.

    Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte: "Bei uns wächst jedes dritte Kind in Armut auf. Das ist nicht nur sozial ungerecht, das sind auch für die Schulen schwierige Rahmenbedingungen."
    Wie ist denn die Generation der 1945-55 geborenen aufgewachsen? Da war fast jede Familie von Armut betroffen. Trotzdem haben die Kinder in der Schule gelernt und u.a. mit das Fundament für den Aufschwung des Landes gelegt. Das sind übrigens die Facharbeiter die jetzt in Rente gehen und der Wirtschaft fehlen.

  9. 23.

    Die Initiative neue soziale Marktwirtschaft ist keine seriöse Organisation sondern ein Lobbyunternehmen der Arbeitgeber mit rein wirtschaftsliberaler Ausrichtung. Zum Nachlesen empfehle ich den Wikipedia Artikel !

  10. 22.

    Der Anteil der Alten ist in den Neuen Bundesländern sehr hoch. Daher ist die AfD so stark. Da fallen die gebildeten Jugendlichen nicht so sehr ins Gewicht.

    Und interessant wie die meisten hier wieder in die Opferrolle fallen: "Die bösen bösen Regierungen, die sind an allem Schuld. Und am 1. September zeig ichs denen" Um dann wieder festzustellen, die Anderen können es auch nicht besser. Vielleicht mal an die eigene Nase fassen und schauen, wo kann ich was tun? Die Herausforderungen sind meist viel komplexer, als das nur die Politik sie lösen kann. Da heißt tiefer schauen, aber das können die Meisten nicht. Wegschauen und mit dem Finger auf andere zeigen, so lautet die Devise. :)

  11. 21.

    Die Geschwindigkeit, mit der das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg abstürzt, ist erschreckend. Hätte nicht gedacht, dass rot und grüne Regierungen so effizient zerstören.

  12. 20.

    Das eine ist die Politik, das andere die Bevölkerung. BB hat einen überdurchschnittlichen Anteil an (ehemaligen) Industrieproletariat, Beschäftigen aus dem Agrarbereich und v.a.D. viele Handwerker. Akademiker findet man dagegen eher selten. Es handelt sich also um ein strukturelles Problem. Denn was sollen Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss denn ihren Kindern mitgeben? Das die zweite Fremdsprache an Gymnasien abgeschafft wurde, bestätigt meine These nunmehr.

  13. 19.

    Das kommt von Smartphone, FfF und Coffe-to-Go. Dumm aber emanzipert, "Wir sind ja sooo erwachsen".

  14. 17.

    Soll was genau bedeuten? Was sollen sie dann statt SPD wählen, Ihrer Ansicht nach? Alles außer SPD? Oder welche Partei genau wird's dann richten? Welches Schwinderl hätten Sie denn gern?

  15. 16.

    Genau so sieht es aus, Hauptsache die SPD gibt für ihre sozialen Wohltaten Geld Unnütz aus, statt an der Quelle den Hebel anzusetzen, man sollte sich mal in anderen Bundesländern umschauen wie man das macht, aber mit einer SPD an der Spitze wird es in Berlin nie etwas.

  16. 15.

    Genau so ist es. Und in allen 3 Bundesländern stellt seit mehr als 10 Jahren die SPD den Regierungschef. Hoffentlich lesen viele Eltern in Brandenburg diesen Bericht und gehen am 01.09. zur Wahl!

  17. 14.

    Ergänzend könnte man noch auf die Entwicklung in Thüringen hinweisen... und Baden-Württemberg stand meiner Erinnerung nach vor zehn Jahren auch weiter oben...

Das könnte Sie auch interessieren