Archivbild von 2015: Der frühere brandenburgische Ministerpräsident und SPD-Politiker Matthias Platzeck (Quelle: imago-images/Olaf Wagner)
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Zwischen Bangen und Hoffen - Platzeck sieht die SPD in einer "existenziellen Krise"

Der frühere Brandenburger Ministerpräsident Platzeck (SPD) sieht seine Partei in einer "existenziellen Krise". Die SPD müsse sich bemühen, ihre Themen besser zu vermitteln, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Dabei komme es auf die richtigen Personen an.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende und frühere Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck sieht für die künftige Parteispitze eine "fast erdrückende Verantwortung", um die Sozialdemokraten aus der Krise zu führen. "Wir befinden uns in einer existenziellen Krise", sagte der 65-Jährige am Wochenende der Nachrichtenagentur dpa.

"Mit Leidenschaft kämpfen"

"Ich wünsche mir jetzt, dass wir mit Leidenschaft kämpfen und die drei Landtagswahlen im Osten einigermaßen ordentlich bestehen." Am 1. September wird in Brandenburg und Sachsen ein neuer Landtag gewählt, am 27. Oktober in Thüringen.

Der SPD-Vorsitz ist nach dem Rücktritt der bisherigen Parteichefin Andrea Nahles nur kommissarisch besetzt. Im Rennen um die Nahles-Nachfolge gibt es derzeit mehrere Bewerber, darunter sind aber bisher keine SPD-Schwergewichte aus den Reihen der Minister oder Ministerpräsidenten. Kandidaten für den Posten haben bis zum 1. September Zeit, sich zu bewerben. Der Vorsitz dann soll nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag Anfang Dezember besetzt werden.

"Die Vermittlung muss besser werden"

Platzeck sagte, er wünsche sich, "dass wir für unsere Partei ein Führungsduo bekommen, das Herz und Verstand miteinander verbindet, Organisations- und Politikerfahrung aufweist wie auch die Fähigkeit, Menschen anzusprechen und zu erreichen". Politik sei personalisierter geworden. "Unser Programm, unsere Vorhaben sind ok, aber die Vermittlung, die nur über Personen stattfinden kann, muss besser werden."

Auf die Frage, ob die Vorsitzenden-Suche nicht schleppend wirke, sagte Platzeck, er sei sich sehr sicher, "dass wir eine Auswahl haben werden, die größer ist, als die, die sich heute darstellt." Er hoffe auf eine lebendige, aber auch sehr faire Kandidatenkür. "Wichtig wird, dass das in einem Geist passiert, der über allem und nach allem noch hinreichend Vorrat an Gemeinsamkeit ausstrahlt."

Sendung: Radioeins, 11.08.2019, 09.00 Uhr  

Kommentar

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33 Kommentare

  1. 33.

    Vielleicht wäre es ratsam, sich an den ursprünglichen Geist des Grundgesetzes zu erinnern, Gerechtigkeit anzustreben und Zumutbarkeit als Grenze der Belastbarkeit wahrzunehmen.

  2. 32.

    Wer den Kontakt zur Basis verliert muss sich nicht wundern wenn eines Tages die Basis verschwunden ist. Na ja verschwunden ist sie nicht wirklich sondern woanders. Daran sind die Genossen in Berlin genauso Schuld wie die Landespolitiker. Und nun gibt es die Quittungen: erst im Bund, dann Bremen und jetzt Brandenburg. Von Sachsen brauchen wir gar nicht mehr sprechen. Wenn sie Pech hat fliegt sie dort aus dem Parlament. Wann wacht die Partei auf oder muss sie erst den Weg der FDP beschreiten? Quo vadis SPD?

  3. 31.

    Platzeck ist für den Untergang der SPD mitschuldig (BER und Perspektivlosigkeit in Brandenburg. Sich aktuell in der Presse so zu äußern ist eine weitere Schande. Sucht er vielleicht noch weitere Schuldige für den Zusammenbruch der SPD?

  4. 30.

    Zwei bedeutende Ereignisse der letzten 20 Jahre haben die SPD zu einer nicht mehr wählbaren Partei gemacht: die Angriffskriege auf Jugoslawien und Afghanistan, also die ersten Kriege mit deutscher Beteiligung seit Hitler und der Raubbau an den Sozialsystemen durch die Agenda 2010. Dennoch muss gesagt werden, dass die beiden aktuell lautesten Parteien in Brandenburg, blau und grün, eine viel härtere Politik vertreten. Mit Kalbitz oder Nonnemacher droht eine weitere Plünderung der Sozial- und Rentensysteme. Für die SPD gibt es nur eine Chance: SOZIAL! Vielleicht im Verbund mit den Linken?

  5. 29.

    Und noch eines muss dringendst passieren, weg mit diesen selbstverherrlichten "Politikern ", die sich nach jeder Wahl immer wieder neue "POSTEN "zuschieben, wo sie doch von all dem überhaupt keine Ahnung haben! Hauptsache mein Geld stimmt, der Dienstwagen steht pünktlich vor der Tür und in der Öffentlichkeit breit grinsen.Nein ,wir brauchen endlich neue Leute, lasst die Jungen endlich machen. Sonst sehe ich schwarz, leider.

  6. 28.

    "... Die SPD hat aber auch mit anderen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Ökonomisierung der Bereiche Wohnen, Gesundheit, Altenpflege und Verkehr geschaffen. Sie hat mit anderen die Gesetzliche Rentenversicherung beschädigt und dort renditeorientierten Kapitalgesellschaften Zugriff ermöglicht. Gegen Steuerhinterziehung und Steuervermeidung großer Vermögen und riesiger Gewinne ist sie nur scheinaktiv. ...".
    Der Block der ANDEREN ist ziemlich groß.
    Von den Grünen bis zur AfD sitzen in den Bundesländern und im Bundestag Parteien die mehr oder weniger die Ökonomisierung der Bereiche Wohnen, Gesundheit, Altenpflege und Verkehr vorantreiben. Spitzenreiter ist die FDP; allein die Linken mucken immer wieder einmal dagegen auf.
    Wenn die SPD überleben möchte, muss sie diesen Irrweg beenden, Fehler eingestehen und von der gesamten Partei muss wieder die soziale Marktwirtschaft befördert werden.

  7. 27.

    Da, die SPD es nicht für nötig hält, sich schützend vor deutsche Arbeitnehmer zu stellen (siehe Zuwanderung und Kohlestopp), ist ihr Niedergang nur eine belanglose und folgerichtige Konsequenz.
    Und bei allem Respekt, Herr Platzeck:
    Wer diese Partei jetzt in einer Krise sieht, ist kein Prophet, sondern ein Pathologe.
    Und noch dazu ein schlechter, weil oberflächlicher:
    Es geht nicht darum, etwas auszustrahlen/darzustellen/zu vermitteln, sondern etwas zu tun und etwas zu sein.
    Für "sozial" steht das S schon lange nicht mehr.
    Und auch nicht für "substantiell".

  8. 25.

    Nein Herr Platzeck, diese Partei steckt in keiner Krise, sie hat abgewirtschaftet.
    Eine Partei, die ihre Wähler nicht mehr repräsentiert sondern verprellt, muss sich nicht wundern, dass sie nicht mehr gewählt wird. Eine ehemalige Volkspartei, die sich heute als Junior-Partner andient, hat auf ganzer Linie verloren und äußert damit ihre Bankrotterklärung. Typisch für diese Partei ist, dass sie eine Koalition / Zusammenarbeit mit der Linken vehemt abgelehnt hat als die Zeit dafür reif war. Heite kokettiert sie mit den Grünen und den Linken. Was aus RRG resultier, sieht man in Berlin. Eine politische wie auch zukünftige Katastrophe. Leider sehen die indoktrinierten Jünger der Grünen das heute noch nicht. Fakt ist, dass die Grünen es wie keine andere Bewegung oder politische Kraft es geschafft haben, die Gesellschaft und Gemeinschaft derart zu spalten. Viele Fehler der Vergangenheit (Hambacher Forst, Harzt IV u. a. ) werden geleugnet und anderen zugeschrieben.

  9. 24.

    Die SPD ist in einer Notlage, seitdem Schröder die Agenda 2010 verkündet hat. Deren Umsetzung machte das Maß voll. Weg mit Hartz4, weg mit allen Demütigungen und Bevormundungen. Weg mit Schröders 5. Frau, seinen Zigarren, Maßanzügen und Pensionen! Weg mit den alt-68ern, die Wasser gepredigt haben und Wein soffen. Weg damit!

    Und Achtung, bei der kommenden Wahl bitte nicht WIEDER solche Typen wählen, ok?

  10. 22.

    Diese Partei ist nur noch zum Schämen! Und dieser Partei ist es zuzuschreiben, wenn am 1.September rechts gewählt wird. Schämt euch, ihr sogenannten, " Genossen 'Euch ist doch das persönliche Wohl wichtiger als alles andere. Das bekommt man jeden Tag mit.

  11. 21.

    Worin liegt bitte der positve Erfolg für Bezieher*innen von HartzIV seit 2005? - ... und hierbei ist noch nicht die fehlende Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention als Völker-, EU- und Bundesrecht in der Grundsicherung seit dem Jahr 2009 mit einbezogen. Wollen Sie allen Ernstes einen Regelbedarf als sozial-demokratisch bezeichnen, der nichtbehinderten und behinderten Menschen die gleiche Höhe zugesteht, obwohl behinderte Menschen in allen neun Lebensbereichen der ICF und des Bundesteilhabegesetzes mit Funktionsbeeinträchtigungen zu kämpfen haben?

  12. 20.

    Also, der jüngste Knaller war doch nicht schlecht: "SPD fordert: Fleischkonsum nur noch für Reiche." (Hat sie so nicht gesagt, aber darauf liefe es hinaus.) Sollen die Leute, für deren Verarmung die SPD gesorgt hat (z.T. ehemalige SPD-Stammwähler?), doch schön jeden Tag Hirsebrei fressen - oder was die Ökoideologen diese Woche zwecks Weltrettung für gerade noch genehmigungsfähig erklären. Und die Pointe dazu: Grünen-Spitze lehnt Fleischverteuerung nach SPD-Vorstellung ab.

    Wenn Platzeck sagt: "Unser Programm, unsere Vorhaben sind ok, aber die Vermittlung, die nur über Personen stattfinden kann, muss besser werden." offenbart er das ganze Elend. Ungefähr so haben die strammen SEDler vor dreißig Jahren auch gedacht: Alles supi bei uns, bloß der doofe Pöbel will es nicht kapieren.

    Na ja, was soll's. Ist sowieso bald vorbei. Bezeichnenderweise finden sich schon nur noch Leute aus der dritten bis fünften Reihe, die den Laden noch anführen wollen. Vorwärts, Karl Lauterbach!

  13. 19.

    Eine Partei, die sich sozialdemokratisch bezeichnet und dann alle sozialen Errungenschaften abschafft, hat in der Parteienlandschaft nichts mehr zu suchen. Die Wähler stimmen schon richtig ab. Die Wähler, die aus Tradition die SPD gewählt haben ohne über Inhalte nachzudenken sind ausgestorben.

  14. 18.

    Ausgerechnet Platzek, dieser Mann, tauchte immer dann ab, wenn er Verantwortung übernehmen sollte oder er es versucht hat, politisch sollte er keine Ratschläge mehr erteilen, er ist das Spiegelbild der SPD. Ganz abgesehen von seinem vermeindlich noch grösserem Sozialdemokraten Schröder, Erfinder der Agenda 2010, Onkel HERBERT WEHNER, hätte Beide, mit Recht aus der Partei geschmissen und zwar zu Recht, wegen Unfähigkeit !

  15. 17.

    Themen besser vermitteln? Der Mann hat nichts verstanden.
    Die SPD gerade in Brandenburg muss begreifen, dass ihre Politik sich ändern muss. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo Kohle noch "Zukunft" bedeutete! Wenn die SPD nicht ganz schnell begreift, was heute (!) Zukunft bedeutet, dann wird sie komplett untergehen.

  16. 16.

    Warum die SPD in ihrer Existenz bedroht ist, sieht jeder Blinde mit Krückstock. Und dass sich daran nichts ändern wird, zeigen die Sympathiebekundungen nach links, von den zwei Spitzenpolitikern der Partei in den letzten Tagen.

  17. 15.

    Wenn Sie die flächendeckende asoziale Enteigung von Entlassenen eine erfolgreiche Reform nennen, möchte ich lieber nicht wissen, was Sie unter nicht erfolgreich verstehen.

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