Touristen in Berlin am Checkpoint Charlie (Quelle: imago images/Wolff)
Video: Abendschau | 13.08.2019 | Christian Titze | Bild: www.imago-images.de/Wolff

Ehemaliger Grenzübergang - Renner kündigt Einspruch gegen Pläne für Checkpoint Charlie an

Der Berliner Senat will den Checkpoint Charlie umgestalten und unter anderem ein Museum bauen. Der frühere Kulturstaatssekretär Tim Renner ist dabei, mit anderen Kreativen einen Alternativplan zu entwickeln. Er fordert einen größeren Freiraum an dem historischen Ort.

Der ehemalige Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) fordert bessere Ideen zur Umgestaltung des Checkpoints Charlie. Die Pläne der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung würden der historischen Dimension des Orts nicht gerecht, sagte Renner am Dienstag dem rbb.

Alternativpläne mit Kreativen entwickelt

Der ursprüngliche Bebauungsplan mit einem Hard Rock Café habe das Interesse des Investors Trockland in den Vordergrund gestellt, sagte Renner auf Radioeins. Der aktuelle Plan bediene das Interesse des Senats - mit möglichst vielen Wohnungen. "An diesem Ort stand die Welt mal am Abgrund", betonte Renner. Lediglich mit einem Museum werde man der Sache nicht gerecht - man brauche eine viel größere Freifläche, um die Geschichte erlebbar zu machen.

Renner hatte sich am Wochenende mit zwölf Kunst- und Kulturschaffenden getroffen, um über ein neues Konzept für den ehemaligen Grenzübergang zu sprechen - unter anderem mit dem Architekten Daniel Libeskind. Dabei seien viele Ideen entwickelt worden, so habe eine Gruppe vorgeschlagen, zwei im Boden versenkbare Panzer auf die Friedrichstraße zu stellen. Die Ideen würden nun ausformuliert und als Einspruch gegen die Senatspläne eingereicht. Die Einspruchsfrist endet am 21. August.  

Dass sein Treffen mit den Kreativen vom Investor Trockland finanziert wurde, findet Renner nach eigenem Bekunden nicht verwerflich. Die Ideenfindung sei völlig unabhängig gewesen und mit offenem Ergebnis, das sei dem Investor auch deutlich gemacht worden.

Muhle warnt vor Scheitern des Museumsprojekts

Im rbb-Inforadio warnte die Historikerin Susanne Muhle vor einem Scheitern des Museums am Checkpoint Charlie. Vielen Touristen könne ein Museum Orientierungshilfe geben, sagte Muhle, die Leiterin des Projekts Checkpoint Charlie bei der Stiftung Berliner Mauer. An Kritiker des Bauvorhabens wie Renner gerichtet sagte sie, es wäre wünschenswert gewesen, wenn deren Einwände früher eingebracht worden wären, "denn es gab ja ein Partizipationsverfahren".

Es sei äußerst wichtig, dass der Bauplan pünktlich bis Februar 2020 verabschiedet werde, sagte sie weiter.  "Wenn das nicht funktioniert, verlieren wir diesen wichtigen Ort. Dann kann der Investor nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches diese freie Fläche auf der Ostseite des Friedrichstraße so bebauen wie die anderen umliegenden Grundstücke."

Sendung:  Radioeins, 13.08.2019, 10.15 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Oh, Oh! Wenn ich Renner höre, dann bin ich gewarnt! Was er in der Vergangenheit angefasst hatte, dass ging meistens nicht gut. erstaunlich wie solche Typen immer wieder in derartige Positionen kommen...

  2. 1.

    Auch wenn ich kein Freund der Frage bin, wem das nützt, welche schon immer ehrliche Motive ins Abseits zu stellen versuchte, so kann sich ein politisch denkender Mensch wie Tim Renner doch nicht ganz dieser Frage entziehen. Arbeitet er Trockland zu, damit die ab Februar 2020 freie Hand haben, um die Fläche maximal bebauen zu können?

    Die älteren Berliner und auch Bundesbürger mögen es noch wissen, dass Charlie kein wohlklingender PR-Name war, als was es heutzutage offenbar viele ansehen. Der Übergang in der Friedrichstraße war der 3. Kontrollpunkt für die (US-amerikanischen) Allierten auf ihrem Weg über Helmstedt/ Marienborn (Checkpoint Alpha) und Drewitz/ Dreilinden (Checkpoint Bravo) schließlich zur gemeinsamen Verwaltung von Berlin. Dort stand der Kontrollpunkt an der Friedrichstraße bereit. Ist er herausgehoben gegenüber den anderen Kontrollpunkten oder war es "nur" ein Spezifikum, was dennoch wert ist, nicht einfach "vernutzt" und "geschäftsgängig" gemacht zu werden?

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