Demonstranten auf einer Gedenkdemonstration für Jesiden in Berlin. Quelle: imago stock&people
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Aufnahmeprogramm beginnt - Erste Jesiden kommen nach Brandenburg

Im Rahmen des Landesprogramms für Jesiden sollen in der kommenden Woche acht Menschen aus dem Irak in Brandenburg aufgenommen werden. Das sagte der Chef der Potsdamer Staatskanzlei, Staatssekretär Martin Gorholt (SPD), am Samstag.

Die Angehörigen der religiösen Minderheit hatten im Irak besonders unter den Verbrechen des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) gelitten: Zahlreiche Jesiden wurden von der Terrormiliz vertrieben, versklavt und ermordet. Im Dezember 2016 hatten die Vereinten Nationen die Morde an den Frauen und Männern im nordirakischen Shingal-Gebirge als Genozid bezeichnet.

Daraufhin hatte der Potsdamer Landtag beschlossen, eine kleine Zahl von Jesiden aufzunehmen. Insgesamt sollen 71 Jesiden, darunter viele Kinder und Jugendliche die aus der IS-Gefangenschaft fliehen konnten, Aufnahmebescheide vom Land Brandenburg erhalten.

Speziell geschultes Personal soll helfen

Nach Angaben Gorholts befinden sich unter den Jesiden, die nun nach Brandenburg kommen sollen, junge Frauen, die zum Zeitpunkt des IS-Überfalls erst 14 Jahre alt waren und mehr als drei Jahre in Gefangenschaft zugebracht haben. Sie seien durch Vergewaltigungen und Misshandlungen schwer traumatisiert. Das Land Brandenburg halte eine Gemeinschaftsunterkunft und speziell geschultes Personal für sie vor.

Die Linken-Abgeordnete Andrea Johlige, die sich zusammen mit dem CDU-Landtagsvizepräsidenten Dieter Dombrowski und der Grünen Ursula Nonnemacher besonders für das Programm eingesetzt hatte, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), es sei gut, dass nun endlich die ersten Jesidinnen mit ihren Kindern kämen. "Dennoch ist es ein Armutszeugnis für die Staatskanzlei, dass dies erst mehr als zweieinhalb Jahre nach Beschluss des Landtages erfolgt."

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14 Kommentare

  1. 14.

    Alles gut und sie kommen. Weiß vielleicht jemand, wieviel Kraft es gekostet hat, dass die bedauernswerten Leute kommen? Es wird immer nur gemekert. Sollen doch die Menschen im Landtag selber mal mithelfen.

  2. 13.

    Es ist christliche Pflicht, Menschen in Not zu helfen. Wenn die Jesiden so verfolgt, gequält werden, wie es den jungen Frauen und Mädchen angetan wird, dann ist es richtig, dieser Minderheit zu helfen. Aber wenn gleichzeitig Menschen ins Land geholt werden, die " n u r " ein besseres Leben erhoffen, dann sehe ich da Hilfe am falschen Ort!! Das viele Geld müsste dort ausgegeben werden wo die Menschen keine Zukunft für sich mehr sehen: Bildung, soziale Einrichtungen, Brunnenbau, wären Grundlagen.

  3. 12.

    Sehr geehrte Userin,
    so durchdacht Ihre Darlegungen wirken, gehen sie doch von falschen Voraussetzungen aus: Im Heimatland der Ezidinnen, um die es hier geht - dem Irak - hat die Sharia den Rang einer Verfassung. Dort ist festgehalten, dass jedes Kind eines Muslim ebenfalls Muslim ist. Dabei ist es völlig unerheblich, unter welchen Umständen dieses Kind gezeugt wurde: Einvernehmlich oder als Frucht einer Vergewaltigung.
    Shingal, das Siedlungsgebiet der irakischen Eziden, liegt auf dem Territorium des Staates Irak, somit gelten die irakischen Gesetze auch für diese Minderheit.
    Sie sehen also, dass das Problem wesentlich vielschichtiger, rechtlich und religiös aufgeladener ist, als es sich von Europa aus darstellt. Hier herrscht der Geist der Aufklärung, ein Prozess, der in anderen Gebieten dieser Welt noch gar nicht begonnen hat. Und selbst hier gab und gibt es religiös motivierte Kriege

  4. 11.

    Baden-Württemberg hat bereits vor einem Jahr 1000 jesidische Frauen und Kinder ins Ländle geholt und betreut sie speziell. Was mich nur stört, daß z.T. jesidische Frauen, wenn sie ein Kind aus einer Vergewaltigung haben, was eh für sie furchtbar ist, aus der Glaubensgemeinschaft der Jesiden ausgestoßen werden und dies anscheinend auch heißt, daß sie NIE mehr in ihre Heimat zurückkehren können.
    Im 21. Jahrhundert erwarte ich eigentlich eine modernere Einstellung und keine mittelalterliche, auch von den Jesiden.

  5. 10.

    Würden Sie es bitte unterlassen, sich hier strafbar zu machen, indem Sie andere User grundlos als rechtsextrem bezeichnen? Zumal Ihre Argumentation ohnehin fehlerhaft ist, da die Jesiden in den autonomen Kurdengebieten aktuell weder Krieg noch Verfolgung ausgesetzt sind. Über die Rechtsgrundlage und die Intention der Politik zur Aufnahme ehemals verfolgter Ethnien darf im Rahmen der FDGO sehr wohl diskutiert werden, auch wenn es Ihnen nicht passt. Und das sage ich in aller Deutlichkeit, obwohl ich der Aufnahme nicht negativ gegenüberstehe. Gleichwohl hege ich aber Zweifel, ob dies für die Opfer wirklich die beste Variante ist. Im Einzelfall ganz sicher, aber generell? Die Zeit wird es zeigen. Bis dahin ein herzliches Willkommen für die Frauen und ihre Männer und Kinder.

  6. 8.

    Ihre Frage ist natürlich berechtigt. Ich bin bei dem Thema auch hin- und hergerissen. Einerseits holt man hier Menschen, denen unfassbar Schlimmstes widerfahren ist, aus dem Elend heraus und ermöglicht Ihnen ein normales und geregeltes Leben, so man es nach den Erlebnissen so nennen kann. Dabei kommt das alles ohnehin viel zu spät und dient so doch nur als Feigenblättchen für ein paar Politiker, um zu zeigen, wie human und großzügig sie doch sind. Und damit bin ich beim Aber! Viel zu wenige, können aus diesem Elend geholt werden, erfahren psychologische Hilfe. Der riesige Rest an Opfern wird weiter allein gelassen und leidet vor Ort still vor sich hin, nicht selten von der Familie verstoßen oder zumindest ohne Unterstützung, das Trauma zu verarbeiten, weil nicht darüber gesprochen werden darf. Warum hilft man den Frauen und Mädchen, aber auch Jungen und Männern nicht vor Ort, statt sie nun wieder zu entwurzeln? Man könnte unglaublich vielen mehr helfen.

  7. 7.

    Wikipedia:
    "Nach einer neuen Großoffensive (Operation Free Shingal) im Herbst 2015 teilten Kreise der kurdischen Autonomieregierung am 13. November 2015 mit, es seien Peschmerga von allen Seiten nach Sindschar eingedrungen und dass es gelungen sei, zentrale Gebäude zu besetzen.[10] Noch im Laufe des Tages wurde die Stadt aus der Hand des IS befreit; die IS-Milizen leisten keinen Widerstand, sondern flohen.[1"

    Seit dem 13. November 2015 gibt's in den jesidischen Siedlungsgebieten keinen IS mehr.

  8. 6.

    Shingal-Gebirge? Nie gehört. Sinjar. Westlich von Mossul, an der Grenze zu Nordostsyrien

  9. 5.

    Warum hat das so lange gedauert? Ansonsten:
    Bixêrhatin!!!

  10. 4.

    Wie sagt man das einem Rechtsextremen? Hm, so einfach wie möglich: Unterzeichnete und ratifizierte Internationale Abkommen zu den Menschenrechten sowie das Völkerrecht sorgen dafür, dass Deutschland sich nicht vor der Verantwortung drücken kann. Die geringe Zahl an Aufgenommenen spricht allerdings Bände für die rassistischen Ausgrenzungs- und Entrechtungspolitiken, die in Deutschland manifest sind. Zudem entsteht der EIndruck, es gäbe "gute und schlechte" Geflüchtete.

    Weder ist der Krieg vorbei im Irak und in Syrien noch ist ein normales Leben in den Gebieten möglich, wo zuvor gekämpft wurde. Es mag Sie nicht erreicht haben, da Junge Freiheit und Co. eher andere "Schwerpunkte" haben, aber es gab im Zuge des Krieges einen Exodus. Millionen von Menschen sind vor Krieg geflohen.

    Begeben Sie sich doch vor Ort oder lesen tatsächlich Zeitung oder informieren sich anders über die geopolitische Lage auf dem Planeten. Ihre dumpfen, menschenverachtenden Parolen können Sie sich sparen.

  11. 2.

    Gut, berliner007, dann frage ich dich diese gleiche Frage auch mal, wenn man dich 3 Jahre lang vergewaltigt und verprügelt hat. Und komm mir dann nicht mit "darf ich hier bleiben". Nixda, du lebst weiter bei deinen Peinigern. Das ist nun mal so.
    Nur, weil es sich um Frauen handelt, traust du dich, so eine wirklich abstruse Frage zu stellen. Nur, weil Männer seltener vergewaltigt werden. Schau Dir die männlichen Opfer der katholischen Kirche an, beispielsweise der auf der Insel Guam, sprich mit ihnen. Frag sie, was sie noch aus ihrem "Rest-Leben" machen konnten, nachdem das durch war. Frag. Und denk mal nach.

  12. 1.

    Auf welcher Rechtsgrundlage werden diese Personen in Deutschland aufgenommen und finanziert? Asyl als politische Verfolgung, jetzt zu diesem Zeitpunkt der Entscheidung, kann es nicht sein. Die jesiden können in ihrem angestammten Gebiet leben, der IS ist seit etlichen Jahren von dort vertrieben worden, und ihnen droht dort keine politische Verfolgung.

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