Jugendhilfe Reklamation - Forderungsveröffentlichung. (Quelle: dbsj-berlin/Hannes Wolf)
Bild: dbsj-berlin/Hannes Wolf

Forderungskatalog in Berlin vorgestellt - Jugendhilfe-Fachkräfte fordern drastische Verbesserungen

Nach monatelangen Diskussionsrunden Hunderter Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Berliner Jugendhilfe haben diese am Dienstag einen Forderungskatalog vorgestellt. Darin fordern sie unter anderem höhere Gehälter, verbesserte Personalschlüssel oder eine Fallzahlbegrenzung der Regionalen Sozialen Dienste in den Jugendämtern.

Seit Jahren arbeiten die Fachkräfte in den Berliner Jugendämtern und sozialen Einrichtungen am Limit – zu wenig Mitarbeiter, zu viele Fälle pro Sozialarbeiter. Immer wieder kommt es zu Schließzeiten in den Jugendämtern; Experten warnen regelmäßig, selbst der Kinderschutz sei nicht mehr zu gewährleisten.

Katalog mit 700 Forderungen entstanden

Die jetzt formulierten Forderungen gehen auf Diskussionsrunden Hunderter Fachkräfte zurück. In den vergangenen Monaten haben sich laut der Gewerkschaft Deutscher Berufsverband Soziale Arbeit e.V. (DBSH) rund 500 Mitarbeiter in kleinen Gruppen getroffen, um die gravierendsten Mängel in der Berliner Jugendhilfe zu identifizieren. Daraus sei ein Katalog von nahezu 700 Forderungen für die rund 13.000 Fachkräfte entstanden, die 13 drängendsten sind nun vorgestellt worden.

Jugendhilfe Reklamation - Forderungsveröffentlichung. (Quelle: dbsh-berlin/Hannes Wolf)
Vorstellung des Forderungskatalogs in Berlin | Bild: dbsh-berlin/Hannes Wolf

Mehr Gehalt, besserer Personalschlüssel

Wichtigste Forderung ist "eine deutliche Anhebung der Gehälter" sowie eine "verbindliche Tarifbindung". Gehälter würden häufig unterhalb des Tarifvertrags der Länder gezahlt, der darüber hinaus in Berlin unterhalb des bundesweiten Durchschnittsverdienstes in der Jugendhilfe liege. Das macht es oft schwer, freie Stellen zu besetzen.

Darüber hinaus erscheint besonders ein verbesserter Personalschlüssel wichtig, um Vertretungssituationen abzufangen – dazu gehört auch eine Fallzahlbegrenzung für die Mitarbeiter der Regionalen Sozialen Dienste, die unter anderem für Kinderschutz und Hilfen zur Erziehung zuständig sind, also prekäre familiäre Situationen abfangen helfen. Die Forderung nach maximal 65 Fällen pro Mitarbeiter gibt es in Berlin seit vielen Jahren, auch die Bezirke unterstützen diese Forderung seit langem – es hapert aber an ausreichend Personal, heute, so heißt es weiter in der Mitteilung, seien 100 Fälle pro RSD-Mitarbeiter keine Seltenheit.

Weitere Forderungen umfassen eine bessere Vergütung von Bereitschaftsdiensten und die Berücksichtigung von Zusatzqualifikationen beim Gehalt und eine "Ausstattung mit erforderlichen Arbeitsmitteln" wie etwa Dienstfahrzeuge oder Diensthandys.

Verbesserte Angebote für Jugendhilfe

Neben der Personalseite haben die Jugendhilfe-Fachkräfte auch die Angebote für Jugendliche zum Beispiel aus Problemfamilien oder mit psychischen Erkrankungen selbst im Blick: So beinhalten die Forderungen auch eine Ausweitung der therapeutischen Angebote der Jugendhilfe, wie etwa mehr therapeutische Wohngruppen oder ambulante Therapieplätze sowie eine bessere finanzielle Versorgung von Jugendlichen in stationären Hilfen. Ebenfalls soll es den Fachkräften nach mehr bezahlbaren Wohnraum für Jugendhilfeprojekte und die Jugendlichen selbst während und nach der Hilfe geben.

Nach der Vorstellung der Forderungen am Dienstagabend soll der Katalog am 22. August an den Rat der Bürgermeister übergeben werden.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Wenn der grundrechts- und völkerrechtverpflichtete Staat nicht leistet, wenn er zu leisten hat, dann weist die Verwirklichung der Rechtsstaatsgarantie spürbare Mängel auf.

  2. 2.

    Ja, wäre schön und NOTWENDIG, wenn der gesetzlich vorgeschriebene Kinderschutz hier auch gewährleistet wird.

  3. 1.

    "am Limit" halte ich für eine untertriebene und unzutreffende Bewertung des Zustands. - Jeder Fall betrifft mind. einen jungen Mensch mit Rechten auch aus der UN-Kinderrechtskonvention.

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