Die Brandenburger Straße in Potsdam ist bereits eine Fußgängerzone (Quelle: dpa/Helmut Baar).
Audio: Antenne Brandenburg | 13.08.2019 | Karsten Steinmetz | Bild: imageBROKER

Fünfjahresplan - Potsdamer Regierung will Autos aus Innenstadt verbannen

In den kommenden fünf Jahren sollen große Teile der Potsdamer Innenstadt nach den Plänen von SPD, Grünen und Linken autofrei werden. Darauf haben sich die drei Parteien in der brandenburgischen Hauptstadt geeinigt und eine entsprechende 25-seitige Rathaus-Kooperation vereinbart.

Wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Janny Armbruster dem rbb erklärte, soll die Innenstadt schrittweise bis 2024 autofrei werden. Man werde mit den Bürgern darüber diskutieren, wie die Pläne konkret umgesetzt werden können. "Wir sagen nicht, wir fahren morgen Poller hoch", führte Armbruster die Pläne bei Antenne Brandenburg aus. Nun solle mit den Bürger die genaue Umsetzung diskutiert werden, beispielsweise: "Wo ist Anwohnerparken? Wie muss man den Verkehr regeln und organisieren? So dass wir aber am Ende der fünf Jahre dann eine autofreie Innenstadt haben."

Der ausgehandelte Kooperationsvertrag, den die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" veröffentlicht haben [PDF-Datei bei pnn.de], muss nun zunächst bei den Mitgliederversammlungen der drei Parteien gebilligt werden. Darin ist unter anderem auch der "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz" formuliert, der eine CO²-Neutralität bis 2050 vorsieht.

Idee: Gratis U18-Ticket und mehr Radverkehr

Dafür müsse der öffentlichen Nahverkehrs ausgebaut und attraktiver gemacht werden, heißt es. So werde unter anderem über eine bessere Anbindung des Potsdamer Nordens mit einer Verbindung bis zum Bahnhof Marquardt und ein kostenfreies Ticket für Unter-18-Jährige diskutiert. "Das hat einen erzieherischen Effekt, aber auch einen sozialen, da Kinder und Jugendiche so unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern mobil sein können", sagte Stefan Wollenberg (Linke) Antenne Brandenburg.

Zudem soll der Radverkehr mittels eines guten Radwegenetzes auf ein Verkehrsaufkommen von 40 Prozent gesteigert werden. Lücken im Netz sollen dafür geschlossen und Ampeln an Radschnellwegen entsprechend schneller geschaltet werden. Die rot-grün-rote Kooperationsvereinbarung soll im September unterzeichnet werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.08.2019, 14 Uhr

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Antwort auf [Helmut Krüger] vom 13.08.2019 um 23:49
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25 Kommentare

  1. 25.

    Ihre Analogie mit den menschlichen Blutbahnen hat einen gewaltigen Haken.
    Verkehr ist die ganze Bandbreite sämtlicher Verkehrsarten und nicht nur eben eine einzige Verkehrsart, von der Sie faktisch ausgehen. Auch wenn das verbal etwas wegretuschiert wird.

    Wer "Verkehr" in seiner ganzen Bandbreite sieht, der kann auch unterscheiden zw. Verkehrsarten, die
    a) vermeidbar
    b) verlagerungsfähig auf andere Trassen sind u.
    c) in ihrer Stärke beibehalten u. sogar noch ausgebaut werden können.

    10 % des motorisierten Verkehrs ist reiner Durchgangsverkehr, der Quelle u. Ziel außerh. von Potsdam hat, ca. 30 % kommt von außen und sucht sich ein Ziel innerhalb der Stadt, der übergroße Rest ist reiner Binnenverkehr mit Quelle und Ziel innerhalb von Potsdam.

    Letztgenannter in Form des Autoverkehrs ist so überflüssig wie ein Kropf, Zweitgenannter ist an den Rändern verlagerungsfähig und nur besagte 10 % müssen hingenommen worden. Das ist aber eine Größenordnung, die keinen Stau verursacht.

  2. 24.

    "Denkmalschutz vor Barrierefreiheit".

    Das ist so (pauschal) nicht zutreffend. Zumindest nicht bei denkmalgeschütztem Straßenpflaster, wie es in der Brandenburger Vorstadt westlich vom Luisenplatz verlegt ist. Das Rundkopfplaster darf und ist an mehreren Stellen durch sorgsam geschnittene, eben verlegte Steine ersetzt worden. Kostenpunkt 65.000 Euro pro Querung, die mehr als einen Meter tief ausgekoffert und von unten aufgebaut worden ist.

    Bei Stufen sieht es zugegebenermaßen anders aus. Am S-Bhf. Babelsberg stritt sich eine Arbeitsgruppe mehr als ein halbes Jahr rum, bei welcher der drei Türen des Haupteingangs die Stufe verschwinden, der Weg plan verlegt werden sollte, um damit einen barrierefreien Zugang zum Fahrstuhl im Innern des Gebäudes zu ermöglichen.

  3. 23.

    Ich beobachte diese Entwicklung mit zunehmender Verzweiflung. Ich bin berufstätig, zahle Steuern und bin schwerbehindert (Merkmal aG). Schon jetzt spüre ich an jeder Stelle, dass ich an dem allgemeinen gesellschaftlichen Leben in Potsdam nur eingeschränkt teilnehmen kann (fehlende/fremdgenutzte Parkmöglichkeiten, Denkmalschutz vor Barrierefreiheit, kein bzw. unzumutbarer Zugang zu Arztpraxen, Behörden, Restaurants, Geschäften). Selbst die Beantragung eines neuen Reisepasses wird für mich zu einem unüberwindbaren Problem, da unser Stadthaus einen barrierefreien Zugang nur mit einer erheblichen Verlängerung des Fußweges bietet. Andere, vor allem nordische, Länder, könnten ein gutes Beispiel sein. Leider wird in Deutschland dies nach wie vor nicht gesehen. Ich befürchte, dass ich diese Stadt irgendwann verlassen muss, da ich keinen ÖPNV, kein Fahrad und vor allem meine Beine, nicht benutzen kann. Alles sehr traurig ... Ich werde diese Stadt wohl verlassen müssen.

  4. 22.

    Bessere Lebensweise? Und wie sähe diese dann aus? Wir laufen alle nur noch in Jute,Flachs und Hanf herum, reiten auf Drahteseln und fahren mit Pferdedroschken? Und zu Essen gibt es nur noch handgejätete, heimische Feldfrüchte aus ökologischem Dreifruchtfolgeanbau?
    Sorry, das klingt für mich nicht nach Fortschritt sondern nach Rückschritt. Es gibt für die Versäumnisse der letzten 30-40 Jahre keine Sofortlösungen, auch wenn uns das die Gesundbeter der Ökofraktion weismachen wollen. Glaubt ihnen einfach nicht alles, ohne die Fakten zu prüfen. Wenn man schon das Auto verteufelt, dann aber bitte auch die Elektroautos mit Lithiumakkus, denn diese haben eine noch katastrophalere Ökobilanz. Konsequenterweise müssten dann auch die E-Roller, E-Fahrräder, Smartphones und Laptops verschrottet werden.
    Herrliche gesunde neue Welt. Während wir hier die Luft verbessern, brennen die Urwälder munter weiter. Achja, Tofu wird übrigens aus Soja gemacht - merkt ihr was?

  5. 21.

    Wenn es eine „Diktatur“ braucht, um den folgenden Generationen die Umwelt zu retten, dann bitte sehr. Denn fast alle hier denken nur an sich und ihre Komfortzone. Darum geht es aber schon lange nicht mehr. Schuld an der „Öko-Diktatur“ sind dann aber die Ignoranten und Egoisten.

  6. 20.

    Holländerviertel die barocke Stadterweiterung könnten von einer verkehrsbefreiten Stadt (vulgo Fußgängerzone) sehr wohl profitieren wenn und ich betone WENN: der Verkehr also der motorisierte Individual- und Wirtschaftsverkehr sinnvoll herangeführt und eine Umfahrung sowie entsprechende Park(+Ride)möglichkeiten an den Rändern angeboten würden.
    Damit sind die bösen U-Worte unvermeidlich:

    1. Unterfahrung der Nauener Vorstadt (Behlertstr. - Alexandrowka - Nedlitzer als wichtigste Nord-Süd Verbindung von der Nutheschnellstr. zur B2
    2. Umfahrung und Entlastung dann verkehrsfreien Innenstadt durch die Havelspange mit Verlängerung bis zur L40 / A10
    Wenn man mal zu Grunde legt das Verkehrswege wie die Blutbahnen im menschlichen Organismus wichtige VER- und ENTSORGUNGS Aufgaben erfüllen, dann sollten sich unsere "Verkehrsplaner" mal von den "Profis" der Gefäßchirugie beraten lassen. Infarkte bekämpft man nicht mit weiteren, künstlichen Embolien sondern durch Bypässe!

  7. 19.

    ...und wie soll die "kluge Politik" aussehen? Bei jedem Problem wird gerufen, dass die Politik da mal was machen solle und wenn sie dann was macht, gibt es ein großes Geschrei, dass die Politik die Freiheit des Bürgers beschneiden würde. Also dann mal her mit den klugen Vorschlägen, wie der ständigen Verstopfung der Innenstädte Herr zu werden ist.
    Es ist eh festzustellen, dass in Deutschland, sobald dem motorisierten Individualverkehr Beschränkungen auferlegt werden sollen, ein Aufschrei durch´s Volk geht, als sollten diverse Körperteile der Autofahrer amputiert werden (vorzugsweise die der Fortpflanzung dienenden). So langsam hat das Auto als Symbol für Lebensqualität ausgedient. Eher trägt es immer mehr zur Verschlechterung derselben bei, sei es durch Abgase, Lärm, Flächenversiegelung oder als Gefahrenquelle für Mitmenschen, die nicht in 2 Tonnen Blech eingehaust sind.
    @Reimann/Berlin-Danke, dass Sie und ihr Auto in Berlin bleiben. Die Potsdamer Geschäftsinhaber werdens überleben

  8. 18.

    30 Jahre nach dem Ende der letzten Diktatur auf deutschem Boden (zur Erinnerung: die SED sprach selbst von der "Diktatur des Proletariats")wird erneut eine Diktatur gefordert. Vor allem also können Menschen nicht aus der Geschichte lernen, so scheint es. Kein noch so guter Zweck heiligt das Mittel Diktatur. Das fängst schon bei der Frage an, wer eigentlich definiert, was ein "guter Zweck ist" - wer ist also der Mensch, der anderen Menschen überlegen ist? Menschen zu überzeugen ist natürlich anstrengender, manchmal aufwendiger - langfristig aber sind so gewonnene Entscheidungen tragfähiger. Daher braucht es für den Klimaschutz weder einen "Klimanotstand" noch gar eine "Ökodiktatur", sondern kluge Politik, die mit attraktiven Angeboten und Alternativen zum Bestehenden überzeugt und Mehrheiten gewinnt.

  9. 17.

    Îch weiß nicht, warum sich soviele über dieses Vorhaben aufregen und RRG verteufeln und sich über Bevormundung beschweren. Ich finde den Plan gut, nur noch mit richtigen Fahrzeugen nach Potsdam zu fahren. Das bringt für alle eine bessere Lebensqualität. @MiG 14.08.2019 | 20:12 Uhr Ich schage eine bessere Lebensweise vor.

  10. 16.

    Holländerviertel die barocke Stadterweiterung könnten von einer verkehrsbefreiten Stadt (vulgo Fußgängerzone) sehr wohl profitieren wenn und ich betone WENN: der Verkehr also der motorisierte Individual- und Wirtschaftsverkehr sinnvoll herangeführt und eine Umfahrung sowie entsprechende Park(+Ride)möglichkeiten an den Rändern angeboten würden.

    Damit sind die bösen U-Worte unvermeidlich:

    1. Unterfahrung der Nauener Vorstadt (Behlertstr. - Alexandrowka - Nedlitzer als wichtigste Nord-Süd Verbindung von der Nutheschnellstr. zur B2
    2. Umfahrung und Entlastung dann verkehrsfreien Innenstadt durch die Havelspange mit Verlängerung bis zur L40 / A10
    Wenn man mal zu Grunde legt das Verkehrswege wie die Blutbahnen im menschlichen Organismus wichtige VER- und ENTSORGUNGS Aufgaben erfüllen, dann sollten sich unsere "Verkehrsplaner" mal von den "Profis" der Gefäßchirugie beraten lassen. Infarkte bekämpft man nicht mit weiteren, künstlichen Embolien sondern durch Bypässe!

  11. 14.

    Was wird uns denn nun noch alles verboten, die DDR 02 lässt grüßen.
    Da werden sich die Geschäftsinhaber aber freuen.
    Mit dem Rad ist mir das zu weit aus Berlin und mit den Öffentlichen zu schwierig.
    Also fahre ich nicht mehr nach Potsdam.

  12. 13.

    Der Begriff wurde hier schon mehrfach erwähnt: Ökodiktatur.
    Ja, nach meiner Meinung brauchen wir genau das. Denn es wird lange dauern, mit Sicherheit zu lange, bis ökologisches Gedankengut mehrheitsfähig wird. Weil es weiterhin Egoisten geben wird, denen nur ihre vermeintliche Freiheit wichtig ist. Mit der Bevormundung verhält es sich gleichermaßen. Wer bekommt einen Vormund? Wer nicht in der Lage ist, seine grundlegendsten Geschäfte selbst zu erledigen. Wer also ökologische Notwendigkeiten nicht sieht oder dagegen verstößt, der muss ganz dringend bevormundet werden, damit die Menschheit zumindest versuchen kann, das Ruder noch rumzureißen. Aber die Erfahrungen mit Ignoranten hat mich Defätist werden lassen: Ich schätze mal, wir schaffen es nicht. Freiheit (?) ist offenbar wichtiger als (Über-)Leben.
    Ach ja, und: Poeten waren sicher schon immer Fehlinterpretationen gewöhnt. Ich bin mir aber fast sicher, in diesem Zusammenhang im Munde geführt zu werden, dagegen hätte Heine interveniert.

  13. 12.

    Das ist so nicht ganz zutreffend, Alfred Neumann.

    Potsdam unterteilt sich in die historische Innenstadt, in die Erste Barocke Stadterweiterung, in die Zweite Barocke Stadterweiterung, dann in die Vorstädte und in die Außenbezirke.

    Die historische Innenstadt war und ist wesentlich um den Alten Markt und den Neuen Markt herum gruppiert. Der frühere Stadtkanal bildete die Grenze. Die Erste Barocke Stadterweiterung schließt sich im Wesentlichen nach Norden an, bis hin zur Charlottenstraße. Das ist somit flächenmäßig des kleinste Gebiet. Daran schließt sich wiederum nach Norden hin die Zweite Barocke Stadterweiterung an, die das Gebiet nördlich der Charlottenstraße und eingefasst von den heutigen und früheren Stadttoren umfasst - Brandenburger Tor im Westen, Jägertor und Nauener Tor im Norden, Berliner Tor (nur in Resten vorhanden) im Nordosten.

    Das Gebiet westlich der Dortustraße und südlich der Charlottenstraße wurde als Neustadt bezeichnet.

  14. 10.

    Typisch Potsdam, da wird schon seit langem gemacht was Minderheiten wünschen. Man denke nur an den Rosa Klotz / Schloss-Attrappe oder die Nazikirche / Garnisonskirche.

  15. 9.

    In der pdf wird explizit die "zweite barocke Stadterweiterung" erwähnt. Das wäre laut potsdamwiki im Wesentlichen das Holländerviertel.

    Der Ansatz, für Alternativen zu sorgen und die Bürger mitzunehmen, erscheint wesentlich demokratischer als einfach nur in absolutistische Manier Steine in den Weg legen oder plötzlich Poller aus dem Boden wachsen zu lassen.

  16. 8.

    Der genannte Personenkreis wohnt meist auch in der Innenstadt. Andere müssen von Außerhalb dort zur Arbeit. Solange es am Rande der Innenstadt dann genug Parkraum gibt bitte sehr. Ach ja, um es vorwegzunehmen, ja ich bezahle gerne für den Stellplatz.

  17. 7.

    Das ist ganz sicher wieder dieser typische Plan einer grün-roten Regierung: Unsozial, und nur für die Tagesbesucher, ne? Ich frag mal ganz kurz: Können nur Touristen laufen, Rad und Bus fahren, 'Einheimische' aber nicht? Ok.

  18. 6.

    Gibt es einen Kartenausschnitt, damit man mal sieht, welches Gebiet in die Planung aufgenommen wurde? Innenstadt is5 immer so ein relativer Begriff.

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