Klara Geywitz (SPD) (Quelle: imago images/Jens Schicke)
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Portrait Klara Geywitz (SPD) - Die Politikerin mit dem Pokerface

Klara Geywitz war schon oft für Spitzenämter im Gespräch. Bisher hat sie immer abgelehnt. Jetzt bewirbt sie sich im Team mit Bundesfinanzminister Scholz um den Bundesvorsitz der SPD. Und mit ihr muss man rechnen, meint Dominik Lenz. Ein Porträt.

Klara Geywitz setzt gern diesen einen, schwer interpretierbaren Blick auf: die Stirn leicht in Falten, die Mundwinkel kaum merkbar angezogen – irgendetwas zwischen Interesse, Ironie, Belustigung, Komm-Du-Mir-Her und Mal-Abwarten.

Diesen Blick beherrscht sie in jeder Situation, ob sie der Presse auf Fragen antwortet, am Rednerpult den politischen Gegner attackiert oder sich im Parlament über die eigenen Genossen ärgert. Offene Emotion ist ihre Sache nicht. Witz und Humor kommen eher unerwartet, dann aber absolut treffsicher.

Klara Geywitz ist keine Politikerin, die sich nach vorn drängt, aber auch eine, mit der man stets rechnen muss. Egal um welches Spitzenamt es in den vergangenen Jahren im politischen Potsdam ging, immer fiel auch der Name Geywitz. Bislang winkte sie allerdings ab - mit Verweis auf ihre Familie und die drei Kinder.

Hoffnungsträgerin der Brandenburger SPD

Mit 28 Jahren zog Klara Geywitz 2004 als Hoffnungsträgerin der Brandenburger SPD erstmals in den Landtag ein, insgesamt dreimal wurde die heute 43-jährige Potsdamerin direkt ins Parlament gewählt. Dort kümmerte sie sich zunächst um die Bildungspolitik, zuletzt leitete sie den Innenausschuss.

Auch der politische Gegner bescheinigte ihr dabei Souveränität und Klarheit. Zusammen mit Politikerinnen von Linken und Grünen rief sie das erste Parité-Gesetz in Deutschland ins Leben, das für eine gleiche Vertretung von Frauen und Männern im Parlament sorgen soll. Damit war Potsdam auch die internationale Aufmerksamkeit sicher, als der Landtag im Januar das Gesetz verabschiedete.

Von 2013 bis 2017 war Klara Geywitz Generalsekretärin der Brandenburger Sozialdemokraten und wurde sogar als mögliche Nachfolgerin von Ministerpräsident Dietmar Woidke gehandelt. Ihre Beliebtheit innerhalb der Partei allerdings schien begrenzt, als Generalsekretärin erhielt sie eher mäßige Zustimmung.

Der Bruch - die Kreisgebietsreform

Ungewohnt leidenschaftlich trat Klara Geywitz beim sozialdemokratischen Kernprojekt der rot-roten Landesregierung unter Dietmar Woidke auf: der geplanten und dann krachend gescheiterten Kreisgebietsreform. Es war der Versuch, Verwaltungen auf dem Land zusammen zu legen – und er rief in den Kommunen energischen Protest hervor. Als Generalsekretärin stand Geywitz auch noch zu dem Projekt, als dieser Protest immer lauter nach Potsdam schallte. Bekanntlich begrub der Ministerpräsident die Pläne dann unerwartet bei einer improvisierten Pressekonferenz auf dem Parkplatz eines Möbelhauses in der Prignitz. Mit der Generalsekretärin hatte er darüber allerdings nicht gesprochen.

Klara Geywitz zog die Konsequenzen, trat zurück und hielt ab da Abstand zum Ministerpräsidenten. Allerdings nicht beleidigt, sondern eher mit diesem ihr typischen Pokerface arbeitete sie nun wieder mehr im Hintergrund. Innerhalb der Partei brachte ihr das viel Respekt und Anerkennung ein.

Auch Dietmar Woidke verzieh ihr den Bruch. Als sie jetzt mit Olaf Scholz ihren Hut in den Ring warf, sprach Woidke von einer "exzellenten Bewerbung" und nannte Geywitz eine "hervorragende Diskussionspartnerin, die mit inhaltlicher Zuspitzung, klarer strategischer Linie und zugleich gepaart mit Herzenswärme und Humor überzeugen kann". Geywitz sei eine versierte Brandenburger Sozialdemokratin mit vielen Erfahrungen in der Politik.

Strategin und blitzgescheite Denkerin

Tatsächlich ist Klara Geywitz eine der besten Kennerinnen der märkischen Politik. Sie gilt als Strategin, blitzgescheite Denkerin und scharfe Rednerin. Auch bundespolitisch hat sie Erfahrung und ist gut vernetzt. Sie sitzt im SPD-Bundesvorstand und hat 2018 den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD mit ausgehandelt.

Als sie sich mit Olaf Scholz im Bewerberduo präsentierte, betonten beide, wie gut man sich doch ergänze: Frau-Mann, Ost-West, jünger-älter. Nur eines haben sie gemeinsam: den nüchtern-spröden Charme.

Beitrag von Dominik Lenz

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8 Kommentare

  1. 8.

    Der Geburtsname von Brandt ist mir schon bekannt, doch Danke, dass Sie mich darüber informieren, dass Sie mit "Herbert" eben nicht Wehner, sondern den jungen Brandt meinen.

    Der Begriff Königsmörder mag es schon treffen. Neben Schmidt und Wehner selbst, die Brandt eine Zögerlichkeit vorwarfen, war es seinerzeit noch Klaus von Dohnanyi, der dazugezählt werden muss.

  2. 7.

    Willy Brandts Geburtsname war Herbert Ernst Karl Frahm.

    Auch wenn Wehner gewisse Sympathien bei mir hatte (manche Bundestagsdebatten sind unvergessen, u.a. „Herr Übelkrähe ... „Hodentöter“) und seine politische Vergangenheit nicht uninteressant ist (Mitglied der anarchosyndikalistischen Jugendgruppe Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands (SAJD) ... Im August 1925 lernte er Erich Mühsam auf einer antimilitaristischen Kundgebung in Dresden kennen. Gemeinsame Arbeit u. a. an Solidaritätskampagnen für den Rätekommunisten Max Hölz intensivierten ihr Verhältnis.) habe ich nicht vergessen wer der Königsmörder war, der Schmidt zum Bundeskanzler machte.

  3. 6.

    Wenn Sie mit "Herbert" Herbert Wehner meinen, so grenzt Ihre Einschätzung m. E. an Nostalgie. Wehner war es schließlich, der mit ziemlich eiserner Hand dafür sorgte, dass Dialoge nicht in das "falsche Fahrwasser" kamen. Das nenne ich ein zentralistisches Parteiverständnis.

    Brandt, so sehr er von Visionen geprägt war, hat diese "erdrückende Seite" immer akzeptiert. Das gehörte offenbar zum politischen Spiel.

  4. 5.

    Der Niedergang der einst stolzen Arbeiterpartei wird zementiert, dem Seeheimer Kreis sei Dank.

    Zwei der Agenda 2010 Befürworter in der Parteispitze, man strebt unaufhaltsam der 5 % Hürde zu.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Scholz#Agenda-Politiker

    https://de.wikipedia.org/wiki/Klara_Geywitz#Politische_Positionen

    Tschüß sPD! von einem, der noch Willy Brandt als Bürgermeister erleben durfte und bei "Willy, Willy" Rufen eine Gänsehaut bekam.

    Ich glaube Herbert würde sich im Grab umdrehen könnte er shen was diese Agenda 2010 Verbrecher aus seiner sPD gemacht haben.

  5. 4.

    Der Übergang von Willy Brandt zu Helmut Schmidt war der Übergang vom Visionären, das in der seinerzeitigen Ostpolitik lag, hin zum Pragmatischen von jenem Menschen, der anders als Brandt, niemals in Warschau gekniet hätte. Auch Olaf Scholz, wäre er älter gewesen und hätte er zu dieser Zeit Ämter innegehabt, hätte dort nicht gekniet.

    "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen" (Helmut Schmidt). - "Die hatten eine Vision. Und es war gut, dass die nicht zum Arzt gingen." Matthias Platzeck, der eine Rede zur Eröffnung des Potsdamer Stadttheaters hielt, meinte damit diejenigen, die seinerzeit als Erste diesen Platz "besetzten" und ihre Aktivitäten entfalteten. Woraus denn schließlich AUCH das Stadttheater erwuchs.

    Olaf Scholz hätte diese Rede so nicht gehalten. Bei Klara Geywitz habe ich meine Zweifel.

  6. 3.

    Ja so werden Politiker nach oben geschrieben. Soll mal einer sagen Journalismus ist nicht sinnvoll oder ohne Meinungsmache. Die Politik der SPD ändert sich so nicht.

  7. 2.

    Ich schon!!

  8. 1.

    SPD wir wollen euch nicht mehr!

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