Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie (SPD) spricht im Hermann-Hesse-Gymnasium auf einer Pressekonferenz (Quelle: dpa/Arne Immanuel Bänsch)
Video: Abendschau | 13.08.2019 | Sylvia Wassermann | Bild: dpa

Berliner Bildungsverwaltung - Scheeres rechnet mit deutlich geringerem Schulplatzdefizit

Angesichts eines drohenden Mangels von bis zu 25.000 Schulplätzen in Berlin musste Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) scharfe Kritik und sogar Rücktrittsforderungen einstecken. Unrealistisch nennt sie nun diese Zahl - und hat nochmal nachgerechnet.

Nach Darstellung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) fehlen in Berlin nach aktuellem Stand zum Schuljahr 2021/2022 knapp 10.000 Schulplätze. Damit hat die Bildungsverwaltung die Zahl deutlich nach unten korrigiert - um mehr als die Hälfte

"Es haben niemals 26.000 Schulplätze gefehlt", betonte die Politikerin am Dienstag mit Blick auf Zahlen, die zuletzt kursierten. Dabei handele es sich um eine Maximalprognose, die nicht realistisch sei, erläuterte sie.

"Maximale Bedarfsrechnung": 21.000 Plätze fehlen

Aus einem Bericht der Bildungsverwaltung an das Abgeordnetenhaus waren zuletzt deutlich höhere Zahlen hervorgegangen: Auch nach Anrechnung von möglichen Überkapazitäten in einzelnen Bezirken bestand immer noch ein Defizit von knapp 25.000 Schulplätzen. Warum aber ging die von Scheeres jetzt als Maximalprognose bezeichnete Schulplatzdefizit-Zahl noch im Mai an das Abgeordnetenhaus? Obwohl ihre Verwaltung doch auch über die jetzt als realistisch bezeichneten Prognosezahlen verfügt? Scheeres antwortete am Dienstag auf Frage mit Bedauern: Es sei ein Fehler gewesen, darauf im Mai nicht hingewiesen zu haben.

Die am Dienstag vorgestellten Zahlen zeigen in ihrer "maximalen Bedarfsrechnung" auch noch einen Mangel von knapp 21.000 Plätzen. Nach Berechnungen der Verwaltung müsse davon aber noch eine "Modellrechung auf Basis der Schülerentwicklung" abgezogen werden, so dass letztlich eine Zahl von 9.500 rauskommt.

Was die Schultypen betrifft, hat Pankow den größten Bedarf. Hier sieht die Verwaltung einen Bedarf bis 2021/2022 von schulübergreifend 3.800 Plätzen.

Schulbau soll beschleunigt werden

Um die nun erwartete Lücke von 9.500 Plätzen zu schließen, will Scheeres den Schulbau beschleunigen. Allein im Zuge eines 100 Millionen Euro schweren "Schnellbauprogramms" sollen 2.000 bis 3.000 zusätzliche Plätze entstehen.

Konkret solle nun geprüft werden, ob an Schulen Flächen für Ergänzungsbauten existieren oder ob Grundstücke des Bundes für Schulbauten in Frage kommen. Der Blick richtet sich außerdem darauf, inwieweit Grundschulen die Zahl von 26 Kindern pro Klasse auch ausschöpfen. Erwogen wird zudem, den Bedarf von Oberschulplätzen etwa in Innenstadtbezirken ohne eigene Bauflächen durch Neubauten in anderen Bezirken aufzufangen.

Nach bisherigen Stand sind laut Bildungsverwaltung bis zum Schuljahr 2021/22 bereits mehr als 18.000 neue Schulplätze konkret geplant. Die 9.500 fehlenden Plätze sollen noch obendrauf kommen.

Sendung: Abendschau, 13.08.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [ironicus] vom 14.08.2019 um 18:19
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8 Kommentare

  1. 6.

    Die Bildungspolitik in. Berlin ist schon seit Jahren auf Verschleiß gefahren.
    Und nicht nur die, dass Geld wurde und wird immer noch für andere Dinge verpulvert.
    Dazu kommt auch noch, die meiner Meinung nach fehlende Kompetenz der Schulsenatorin.

  2. 5.

    Schon komisch wie schnell sich die Zahlen wandeln, entweder hat man keinen Durchblick oder will einfach es schon reden.

  3. 4.

    Scheinbar hat Frau Scheeres ihren Laden nicht im Griff oder sie bekommt absichtlich solche falschen Zahlen vorgelegt. Da schauen doch vorher Referenten und Abteilungsleiter drauf bevor die Zahlen der Senatorin vorgelegt werden. Immer schön rausreden und um den heißen Brei herum. Wo sollen bitte schön für die ganzen neuen Schulen die Lehrer herkommen, es gibt ja jetzt
    schon zu wenig. Traurig wie das Bildungssystem immer mehr den Bach runter geht. Alle reden von Modernisierung und Digitalisierung. In der Grundschule meiner Tochter gibt es Kreidetafeln aus den Siebzigern und von einem Smartboard oder Tablet hat dort noch niemand was gesehen!!!!

  4. 3.

    Lange Rede kurzer Sinn .... das Bildungssystem des berliner Senats, der SPD unter der Verantwortung von Frau Scheeres ist quantitativ und vor allem qualitativ komplett gescheitert und einer an peinlichkeit kaum zu überbietender Unsinn zu Lasten unserer Kinder. Die Moral eines Landes erkennt man am Umgang mit seinen Kindern. Armes Deutschland ! Frau Scheeres soll endlich abtreten.

  5. 2.

    Es ist doch nun fast egal, ob 10.000 oder 25.000 Plätze fehlen. Fakt ist und bleibt nun mal, dass TAUSENDE an Schulplätzen fehlen, weil Frau Scheeres und ihre "lieben" Staatsekretäre verpennt haben, den Bau neuer Schulen RECHTZEITIG voranzutreiben. Daran wird das komplexe Versagen dieses Ressorts augenscheinlich und der Grund für Rücktrittsvorwürfe ist kein anderer.

  6. 1.

    Mir wird Angst und Bange. Mein Kind fällt genau in diesen Zeitraum und in den Bezirk mit dem größten Defizit.
    Ist ja schön, dass sie schnell bauen wollen. Aber wo kommen die Lehrer zu den neuen Schulen her ?

    Mir wird schlecht.
    Und ich gebe keiner Frau Scheeres die Schuld. Die war nicht die letzten 20 Jahre im Amt, sondern muss jetzt die Suppe auslöffeln.
    Politikversagen ganz allgemein und im großen Stil !

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