Der Spätkauf "Oranien" in der kreuzberger Oranienstraße am 14.08.2019 (Quelle: rbb24)
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Zwangsräumung verhindert - Gerichtsvollzieher schließt Spätkauf "Ora 35" in Kreuzberg

Schon lange kämpft der Kreuzberger Späti "Ora 35" ums Überleben, die Betreiber können die Miete nicht mehr zahlen. Am Mittwoch drohte die Zwangsräumung. Knapp 100 Aktivisten protestierten in der Oranienstraße - vergeblich: Der Gerichtsvollzieher schloss den Laden.

Der Kreuzberger Spätverkauf "Ora 35" ist geschlossen. Am Mittwochmorgen forderte ein Gerichtsvollzieher von der Betreiberfamilie den Schlüssel ein, wie die Familie rbb|24 bestätigte. Anschließend wurde der Laden unter Buh-Rufen und Pfiffen von protestierenden Anwohnern abgeschlossen. Die Betreiberfamilie wolle nicht, dass die Räumung blockiert werde, teilte der Anwalt mit.

Bereits im Juni wurde den Betreibern die Räumungsankündigung überbracht. Die Bauwerk-Immobilien-GmbH hatte den auslaufenden Mietvertrag nicht verlängert. Der Laden ist seit zehn Jahren ein bekannter Nachbarschaftstreffpunkt im Kiez, zuvor verkaufte die Familie in den Räumen mehr als sieben Jahre erfolglos Baby-Zubehör.

Polizei sichert mit fünf Wagen den Protest

Nach Angaben eines rbb-Reporters protestierten etwa 50 Aktivisten, Anwohner und Nachbarschaftsinitiativen vor dem Laden. Sie folgten einem Aufruf in den sozialen Medien zu einem Protest gegen die drohende Zwangsräumung des Spätis. Unter dem Hashtag "Ora35 [twitter.com] auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und in einer Facebook-Veranstaltung [facebook.com] mobilisierten sie zur Teilnahme.

Die Satirepartei "Die Partei" war mit mehreren Menschen da, hatte einen Tisch aufgestellt und verteilte Canapés mit Kaviar und Sekt. Boxen waren aufgestellt worden, aus denen Punk-Musik schallte. Die grüne Bundestagsabgeordnete und Direktkandidatin für den Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain, Canan Bayram, hielt eine Rede. Wie die Polizei mitteilte, blieben die Proteste am Morgen friedlich.

Immobilienfirma verlangte doppelte Miete

Zwei Jahre hatten Anwohner versucht, eine Schließung des Spätis zu verhindern. Die Firma Bauwerk-Immobilien hatte das Gebäude 2017 gekauft und die doppelte Miete verlangt. Als der Vertrag nicht zustande kam, drohte Bauwerk mit der Räumung des Spätis. Auf Anfragen von rbb|24 reagierte die Firma nicht.

Wie die Verkehrsinformationszentrale Berlin am Mittwochmorgen mitteilte, war die Oranienstraße in Kreuzberg von 7 bis 13 Uhr aufgrund des Protestes in beiden Richtungen zwischen Oranienplatz und Adalbertstraße gesperrt.

Sendung:  Inforadio, 14.08.2019, 08.40 Uhr

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22 Kommentare

  1. 22.

    Ich lasse mal unkommentiert, dass Sie mit BGB und StGB nichts anfangen können.

    Vereinsamen muss dort niemand. Es gibt genügend Spätis in fußläufiger Entfernung. Deshalb hat die Änderungsschneiderei in dem Haus auch einen neuen Vertrag bekommen während der des Spätis vor vier Jahren ausgelaufen ist. Und vielleicht kommen sogar ein paar Parklets in die Oranienburger.

  2. 21.

    Was ist ein "Kind des BGB und des StGB"?

    Spätis sind heute das was früher Tante Emma Läden waren. Manche bezeichnen das als "Kult".

    Schwatzen, Bier oder Kaffee trinken. Kurzum Interaktion mit anderen Menschen, das was heute zu kurz kommt und Menschen vereinsamen lässt, das ist doch nun wirklich nicht schwer zu begreifen.

  3. 20.

    Ein Kind des BGB und des StGB.

    Was an diesem Späti mit seinem Spielautomaten, großem Getränke- und Zigarettenangebot "Kult" sein soll, konnte mir bisher ebensowenig erklärt werden wie den Bedarf an solchen Geschäften. Versorgunglücken tun sich jedenfalls nicht auf.

  4. 19.

    Gerücht? Tatsachen!

    "Niemand hat ein lebenslanges Recht auf gleichbleibende Mieten, auch nicht in einer Ecke Berlins, wo vor ein paar Jahren es nicht nur für Lanngzeitstudentinnen schön billig war."

    Wie schön dass sie uns mit diesen dummen Klischee zeigen wessen Geistes Kind sie sind.

    "Der Räumungstitel wurde übrigens noch vom Alteigentümer erwirkt und erst jetzt nach einigen Jahren durchgesetzt."

    Ja und?

  5. 18.

    Der Räumungstitel wurde übrigens noch vom Alteigentümer erwirkt und erst jetzt nach einigen Jahren durchgesetzt.

  6. 17.

    Welche Infrastruktur? Im Video über den Späti sind vor allem Zigaretten und Getränke zu sehen. Die Versorgung damit ist weiterhin über die Supermärkte und andere Späties gesichert.

    Es wird gerade dort schnell etwas hochgehypt, sobald auch nur das Gerücht umgeht, dass der Gewerbemietvertrag nicht verlängert werden könnte. Bei dem deutschen Bäcker, der um die Ecke ein kleines "Bistro" betreibt, war es vor einiger Zeit ähnlich. Ruckzuck war das auch "Kult" Da wurde sogar gleich mal das Restaurante nebenan verwüstet.

    Niemand hat ein lebenslanges Recht auf gleichbleibende Mieten, auch nicht in einer Ecke Berlins, wo vor ein paar Jahren es nicht nur für Lanngzeitstudentinnen schön billig war.

  7. 16.

    Da ist doch vorauszusehen, dass jetzt wieder verstärkt Autos brennen werden.

  8. 14.

    Nichts Neues, Berlin eben!

  9. 13.

    Die privaten Verhältnisse der Mieter interessieren in diesem Zusammenhang doch überhaupt nicht. Es geht hier um MIeter, die ein "normales" Gewerbe betreiben wollen, mit dem sich "nur" ein bestimmter Gewinn erzielen lässt. Sie haben bisher Miete gezahlt und wollten das auch weiterhin tun. Niemand will etwas geschenkt ,es geht nicht um MItleid.
    Es geht um die Infrastruktur! Und darum, wer das Recht hat, die Zusammensetzung zu bestimmen. Ganz bestimmt sollten das nicht Immobilieninvestoren sein, deren Interesse das naturgemäss nicht zu sein hat. Lasst da nur Profis ran : die Bewohner und ihre Vertreter.

  10. 12.

    Äh, warum übernehmen sie dann unbestätigte Gerüchte?

    "Allerdings: Die B.Z.-Recherchen bestätigen, was Rechtsanwalt Johannes Gester, der die Bauwerk Immobilien GmbH vertritt, schon vor Wochen mitteilte: Laut neuem Eigentümer ginge aus dem türkischen Kataster „einwandfrei hervor, dass die Eheleute Tunc insgesamt ca. 50 Grundstücke, Eigentumswohnungen und Häuser besitzen“.

    Ohne Worte

  11. 11.

    Alt soll seit langen Jahren knapp 1.500€ gewesen sein. Bei Neuvermietungen soll angeblich das Dreifache gezahlt werden.

  12. 10.

    Hinweis an alle User, weil sie es gerade melden: Wir haben die Berichterstattung der BZ vernommen, wonach die Familie mehrere Immobilien in der Türkei besitzen soll. https://www.bz-berlin.de/berlin/friedrichshain-kreuzberg/protest-gegen-zwangsraeumung-von-spaeti-an-der-oranienstrasse

    Wir können das gerade nicht überprüfen. Die Familie widerspricht.

    "Auf mehrfache Nachfrage der B.Z. behauptete Zekiye Tunc jedoch: „Das stimmt nicht! Das ist eine Intrige. Wer verbreitet so was? Wenn ich so reich wäre, würde ich hier nicht im Späti arbeiten!“ Auch Politikerin Bayram glaubt, dass dies eine gezielte Aktion gegen die Familie ist."

  13. 9.

    Die Famillie hatte dort vor 20 Jahren zunächst ein anderes Geschäft (Bekleidung?) und machte später daraus einen Späti. Der lief dann sehr gut.

  14. 8.

    Mich würden mal Zahlen interessieren - Miete alt, Miete neu.

  15. 7.

    Was für ein wirres Pamphlet! Der neue Vermieter, der sich die Immobilie verschafft hat, hat die Miete einfach mal verdoppelt.

    Das hat nichts mit "Kapitalismus und unserer Demokratie." zu tun, das ist Raubtierkapitalismus pur. Und was sie da von ",weil sie eben nicht wollten dass gewisse Gruppen das für ihre Agitation ausschlachten, wie es eigentlich Standard ist." ausmachen wollen entspringt ihrer blühenden Phantasie.

  16. 6.

    Hätte wer ein Drehbuch über die Hintergründe der Räumung verfasst, man hätte es wahrscheinlich wegen Phantasterei und Unglaubwürdigkeit abgelehnt. Die Hintergründe dieses leider banalen und alltäglichen Schurkenstücks liest sich wie ein Seifenoperette.

    https://www.bizim-kiez.de/event/kiez-demo-gegen-die-verdraengung-des-oranienspaetis/

    https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/nachruf-auf-dieter-trautmann-geb-1937-ein-mann-drei-frauen-viel-geld/22721558.html

  17. 5.

    Da wird das Recht durchgesetzt.Der Eigentümer bekommt seine Gewerbemiete nicht und lässt räumen.Es gibt halt keine Lex Kreuzberg, zumindest nicht in diesem Fall.Ich kenne keinen Hauseigentümer, weder bei den Grünen,Sozialdemokraten,CDU, Linke,AFD,Kirche, Staat,oder sonstige die selbst in Konkurs gehen nur um ein Biotop zu schützen oder ein Wohlfühloase,oder eben einer antikapitalistischen Strmung folgend, ganz abgesehen von Sozialromantikern.Das die ganzen sozialen Leistungen überhaupt noch erbracht werden können verdanken wir eben dem Kapitalismus und unserer Demokratie.Ein bisschen Kapitalismus geht nicht genauso wenig wie ein bisschen Schwanger.Familie Tunc gilt mein Respekt ,weil sie eben nicht wollten dass gewisse Gruppen das für ihre Agitation ausschlachten, wie es eigentlich Standard ist.

  18. 4.

    Der Laden ist seit zehn Jahren ein bekannter Nachbarschaftstreffpunkt im Kiez" ODER
    "......., der bereits seit 20 Jahren auch als Nachbarschaftstreff existiert"

    Was denn nun?

  19. 3.

    Ich weiß nicht, in der Presse habe ich gelesen, die Dame würde in Berlin mehrere Wohnhäuser besitzen. Was stimmt denn da nicht.?

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