Symbolische Übergabe der Warnwesten an Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (Alexej Erdle, Sandra Scheeres, Vitalij Kungel). (Quelle: Autodoc GmbH/Dirk Dehmel)
Bild: obs/Dirk Dehmel

Kritik an Sponsor - Verfassungsschutz wegen Schüler-Warnwesten eingeschaltet

34.000 Westen wollte Autodoc, ein Autoteile-Händer, an Berliner Schüler verteilen. Für Kritik sorgte bereits, dass eine Werbeaufschrift die Westen ziert. Ernsthaft Sorgen bereiten der Schulverwaltung aber mögliche Verwicklungen in die rechte Szene.

Nach Vorwürfen gegen eine Firma, die allen Berliner Erstklässlern Warnwesten mit Werbeaufdruck schenken wollte, hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) den Verfassungsschutz eingeschaltet. "Wir haben Kontakt zum Verfassungsschutz aufgenommen, weil ich das jetzt erstmal prüfen lassen möchte, ob es da Bedenken gibt", sagte sie am Dienstag.

Wie Scheeres sagte, sei die Firma auch für eine Hospizstiftung in Berlin im Sponsoring aktiv gewesen. Die Senatsschulverwaltung habe bei der Stiftung daher angefragt, ob es dabei negative Erfahrungen gegeben habe. Das sei nicht der Fall gewesen.

Bevor der Fall jedoch nicht ganz aufgeklärt sei, sollen die Westen nicht ausgeliefert werden. "Ich habe das jetzt erstmal gestoppt", so Scheeres.

Anzeigen auf zweifelhaften schwedischen Seiten

Bei den Vorwürfen geht es um die Firma Autodoc, ein Berliner Internetgeschäft für Auto-Ersatzteile. Werbung von Autodoc soll auf schwedischen Internetseiten, die rechtsextremen Inhalten nahe standen, zu sehen gewesen sein. Das war am Montag durch einen Artikel der "New York Times" über Rechtsextremisten in Schweden bekannt geworden.

Autodoc betonte am Dienstag, man habe mit Rechtsextremismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit nichts zu tun und distanziere sich vehement davon. Dem Senat habe man am Montag eine umfangreiche Stellungnahme geschickt und hoffe, dass sich die Vorwürfe jetzt aufklären würden.

Die kritisierten Anzeigen seien zwar tatsächlich 2017 auf sechs schwedischen Internetseiten erschienen, sagte Sprecher Thomas Casper - aber ohne Wissen der Firma. Insgesamt schalte Autodoc Anzeigen auf 20.000 Internetseiten in 26 europäischen Ländern, allein auf 400 schwedischen Seiten. Damit würden externe Unternehmen beauftragt. "Solche externen Dienstleister haben ohne Kenntnis von Autodoc auch die Bannerwerbung auf den genannten sechs schwedischen Portalen geschaltet." Man habe 2017 durch einen Bericht einer schwedischen Zeitung davon erfahren und die Anzeigen sofort gestoppt und dafür gesorgt, dass sich das nicht wiederhole, sagte Casper.

34.000 Westen auf Lager

Die 34.000 Warnwesten liegen derzeit noch in einem Lager von Autodoc. Sie sollten an die  Senatsschulverwaltung geliefert werden. Von dort sollten sie an die Bezirke und schließlich an die mehr als 400 Grundschulen gelangen.

Schulsenatorin Scheeres hatte am Freitag an der symbolischen Übergabe erster Westen mit Werbeaufdruck in einer Schule in Berlin-Lichtenberg durch die Firmenbesitzer teilgenommen. Bereits da hatte es jedoch Kritik gegeben: In Sozialen Medien äußerten Bürger ihren Unmut darüber, dass sich auf den Westen gerade Werbung für Autos befinde - wo doch diese die größte Gefahr für die jungen Verkehrsteilnehmer seien.

Kommentar

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Antwort auf [Miriam] vom 16.08.2019 um 04:48
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15 Kommentare

  1. 14.

    Ich hätte eine Stellungnahme mit dem Inhalt verfasst, dass die Westen in den Mülleimer kommen und die Herrschaften mich ansonsten kreuzweise könnten.

    Einfach unmöglich.

  2. 13.

    Typisch Berliner Mentalitaet: Da bekommen die was geschenkt und maekeln daran herum. Es wird Zeit den Laenderfinanzausgleich abzuschaffen danit die Berliner lernen das man arbeiten muss um Geld zu haben!

  3. 12.

    Na ja... Egal für was oder wie die Firma Werbung machen wollte.
    Es ist gelungen! Eigentlich braucht sie die Westen gar nicht mehr verteilen, die Werbung die diese Presse damit veranstaltet, macht die paar Kröten für die Westen hundertfach wett.
    Zumal sie nicht verloren sind, können immer noch gewinnbringend vermarktet werden, jetzt erst recht!
    Bravo Autodoc, gut gemacht!

  4. 11.

    Wäre Berlin nicht Pleite, könnte diese Stadt die Westen selber beschaffen. Als Sponsor mache ich so was natürlich nicht uneigennützig!

    Aber Kopf hoch: "Wir schaffen das."

  5. 9.

    "Werbung von Autodoc soll auf schwedischen Internetseiten, die rechtsextremen Inhalten nahe standen, zu sehen gewesen sein."

    Abgesehen davon, auf welchem Weg die Werbung auf diese Seiten gelangt ist, handelte es sich also offensichtlich nicht um rechtsextreme Seiten, sondern lediglich um solche, "die rechtsextremen Inhalten nahe standen". Das kann alles und nichts heißen. Vielleicht sollte man das ja vor dem endgültigen medialen Vernichtungsschlag gegen ein Unternehmen noch kurz prüfen...

    Alles in allem ist es eine recht unglückliche Aktion, für die sich die Frau Senatorin hat vor den Karren spannen lassen. Ginge es dem Unternehmen wirklich nur um die Sicherheit der Kleinen, hätte es auch eine Warnweste ohne Werbeschriftzug getan. So wirkt das Ganze leider recht plump - von beiden Seiten. Gut gemeint vielleicht, aber leider schlecht gemacht.

  6. 8.

    Kinder sind noch gar nicht geschäftsfähig und brauchen keine Autoteile ... Aber Sie kennen die Wirkung von Logo-Platzierungen nicht?! Nie Fußball geschaut? Viele Erwachsene sehen das Logo auf dem Kind und hören damit zum ersten Mal von dem Sponsoren-Unternehmen. "Natürlich muss das ein gutes Unternehmen sein, wenn es seinen Namen auf Kinder-Warnwesten drucken lassen darf, die die Senatorin dann verteilt". Werbung und Sponsoring für Produkte, die nichts mit der Schule zu tun haben, ist m. E. in mehreren anderen Bundesländern verboten bzw. unterliegt zu Recht strengen Auflagen. Insofern halte ich die Einschaltung des polizeilichen Verfassungsschutzes für eine "dramatisierende Rechtfertigungs-Nebelkerze", die vielleicht eher vom Fehlverhalten der Senatsverwaltung ablenken soll, denn Straftaten des Sponsors hat ja scheinbar noch niemand ernsthaft behauptet. Und "öffentlich" bei bisherigen Geschäftspartnern nach negativem Leumund zu suchen, geht gar nicht.

  7. 7.

    Mal langsam mit den jungen Pferden! Bisher gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt, dass der Inhaber der Firma irgendwelche Verbindungen in die rechte Szene hat. Wer sich auch nur ein bisschen mit Onlinewerbung auskennt, wird eher zur Vermutung kommen, dass Autodoc möglicherweise selbst Opfer ist und die Werbegelder über dubiose Drittanbieter an rechte Netzwerke umgeleitet wurden. Wer als Werbetreibender da keine Erfahrung hat, kann ganz böse überrascht werden. Möglicherweise ist das auch hier so. Es wäre nicht der erste Fall dieser Art. Da hat auch schon die ein oder andere wohltätige Organisation ungewollt Werbung auf Pornoseiten geschaltet bekommen und dafür gezahlt. Also warten wir alle erst mal die Ermittlungen ab und sehen dann weiter.

  8. 6.

    Na super!

    34.000 Warnwesten für Kinder sind inkl. Verpackung ca. 3,5 Tonnen Plastikmüll. Im Foto sieht man auch welche für Erwachsene, das können dann insgesamt auch 5 bis 10 Tonnen werden.

    Das eigentliche Problem ist doch nicht die Werbung auf den Webseiten in Schweden, oder dass es hier um Autoteile geht, die man übrigens auch für solargetrieben E-Mobile braucht. Nein.

    Das Hauptproblem ist auch nicht, dass hier vermutlich sogar eine gute Absicht dahinter steckt, nein es ist:

    Kein Kind zieht sich so eine derartig peinliche Weste, die alle anderen Kinder (hier aktuelles Trendwort einsetzen) finden!

    Da werden LKW-Ladungen von Müll verteilt! Kein Wunder, dass auf dem Foto alles so bedröppelt drein schauen. Zum ersten Mal seit ich von ihr weiß, habe ich sogar einen Hauch von Mitleid für Frau Scheeres, aber auch für die Firma und ihre Werbeagentur.

    Aber wer weiß – vielleicht sammelt Ai Weiwei den ganzen Mist noch ein und macht ein Kunstwerk draus..!

  9. 5.

    Ich finde die Aktion gut.
    Wer ernsthaft meint der Staat müsse für Warnwesten aufkommen oder die Kinder würden "verführt" und demnächst zu Autodoc rennen, dem kann man angesichts hoher Borniertheit nicht helfen. Andere Gemeinden sind Stolz auf Ihre Unternehmen. Das die Aktion und das Unternehmen nun wegen Onlinewerbung im Nirgendwo in ein rechtes Licht gerückt wird ist absurd und zeugt von unserer berliner Doppelmoral. Oder stellt Berlin die Arbeit mit dem Verein "Initiative Deutsche Wohnen enteignen" ein, da ein Stasi-Major an der Spitze steht? Die Indizien wären deutlich faktischer.

  10. 4.

    Puh,Gott sei Dank kam die Spende nicht aus Firmen die USA Freundlich sind.
    Guantanamo,Folter oder Todesstrafe-das wäre nicht gegangen.

  11. 3.

    Man ist zuweilen sehr überrascht, auf welchen Seiten die Werbenetzwerke Anzeigen schalten. Onlinewerbung ist ein extrem dreckiges Geschäft.

  12. 2.

    Aber das Ereignis ist doch mal ein positives Beispiel, wie man mit Unternehmen, die direkt oder über deren Eigentümer die rechte Szene dann tatsächlich unterstützen umgehen kann. Wir als "Mehrheitsverbraucher" entscheiden doch, bei wem wir kaufen. Weltweit! Also bitte: jede Menge zu tun nach den Wahlen in Brandenburg etc...

  13. 1.

    WOW! So geht Verkehrswende nicht! Die Grundschüler als kostenlose Werbeträger zu mißbrauchen ist schon ein genialer Plan. Ich hoffe die Senats"bildungs"verwaltung läßt das nicht zu. Was sollen die Kleinen da lernen? Der Staat ist so arm, dass "Geschenke" private Firmen benötigt werden um für mehr Sicherheit im Verkehr zu sorgen? Wir sollen für diese Firmen als Werbeträger auf unserem Schulweg diese Westen tragen?
    Im Zweifelsfall hoffe ich, die Grundschule unserer Kinder wird diese Geschenke als "Umweltschule" auch dankend ablehnen.
    @rbb Wieviel Werbung privater Firmen ist an Grundschulen erlaubt?
    Kinder sind besonders leicht zu beeinflussen und bedürfen diesbezüglich eines besonderen Schutzes.

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